Zukunftsbild Wohnen

Städte und Gemeinden nachhaltig entwickeln

Wie sieht unsere Zukunft 2045 aus?

Die Städte und Gemeinden in Deutschland haben bis Mitte des Jahrhunderts einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen des sozialen und ökologischen Umbaus geleistet.

Den größeren Städten ist es trotz Zuzug, Investorendruck, den großen Herausforderungen des Klimawandels und der Klimaanpassung gelungen, den sozialen Zusammenhalt zu sichern und den Bewohnerinnen und Bewohnern nachhaltige, umweltfreundliche und integrative Nachbarschaften zu bieten.

Die kleineren Gemeinden und ländlichen Räume konnten ihre Infrastruktur und Versorgung (Ärzte, Schulen, Supermärkte et cetra) erhalten und ausbauen und so eine hochwertige und nachhaltige Lebensqualität sichern.


"Kommunen sind die Ermöglicher vor Ort. Sie werden auch 2050 noch Motoren für Innovation sein!"

Michael Ebling, Oberbürgermeister Stadt Mainz

Wie konnte die Zukunft so gestaltet werden?

Schlüsselrolle der Städte und Gemeinden

Mehrfamilienhäuser mit Solaranlagen

Bereits früh in den 2020er Jahren war klar, dass den Städten und Gemeinden in Deutschland eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Klimaziele und der Vorsorge gegen bereits eingetretene Folgen der Erderhitzung zukommt. Wegbrechende Steuereinnahmen und steigende Kosten zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie haben die Kommunen und die kommunalen Betriebe vor große Herausforderungen gestellt.

Gleichzeitig ist die enorme Bedeutung von handlungsfähigen Kommunalverwaltungen deutlich geworden. Mithilfe des Bundes wurde die Leistungsfähigkeit der Kommunen deutlich gestärkt. Personalaufwüchse in den Planungs-, Genehmigungs- und Baubehörden und die finanzielle Konsolidierung der Kommunalfinanzen haben dazu geführt, dass Planungsverfahren beschleunigt wurden, ohne wichtige Umwelt- und Sozialstandards auszuhöhlen.

Gleichzeitig wurde das Vergabe- und Planungsrecht modernisiert, damit die Kommunen noch effizienter handeln können. Das hat, gemeinsam mit stabilen und verlässlichen Förderkulissen von Europäischer Union (EU), Bund und Ländern, dazu beigetragen, dass Fördermittel zügig und effektiv verbaut werden konnten.

Durch Investitionen in den Klimaschutz und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel wurden an vielen Orten seit Langem notwendige Investitionen in die soziale Infrastruktur, den öffentlichen Nahverkehr, in Schulen und Kindergärten, in Straßen, Brücken, Radwege und öffentliche Freiflächen endlich umgesetzt. Eine strategische Bodenpolitik, die sich mehr am Gemeinwohl und weniger an Renditekriterien orientiert, hat den Kommunen größere Handlungsspielräume für notwendige Investitionen gegeben.

Prinzip der kurzen Wege

Gruppe von Radfahrerinnen und Radfahrern in der Stadt

Am stärksten hat die Verkehrs- und Mobilitätswende das Gesicht der Städte und Gemeinden verändert. Die "Stadt beziehungsweise Region der kurzen Wege" hat sich durchgesetzt. Das hat nicht nur dazu beigetragen, CO2-Emissionen zu reduzieren, sondern die Versorgungssituation und Lebensqualität der Menschen verbessert.

Durch den Ausbau der Daseinsvorsorge in den Quartieren und Regionen – und nicht außerhalb auf der grünen Wiese –, durch Angebote von Kitas und Schulen, von Seniorenzentren und Beratungsstellen, von medizinischen Versorgungseinrichtungen sowie Läden und Geschäften des täglichen Bedarfs werden viele Verkehrswege vermieden.

Kein Widerspruch: Verdichtete Räume und mehr freie Fläche

Infolge einer Bau- und Stadtentwicklungspolitik, die dem Leitbild der nachhaltigen, europäischen Stadt verpflichtet ist, sind fast alle Städte kompakter und dichter geworden. Die Menschen sind näher zusammengerückt. Sie wohnen durchschnittlich auf weniger Fläche, teilen aber mehr gemeinschaftliche Räume und Angebote, sodass sich die nutzbaren Flächen für alle insgesamt erhöht haben.

Es gibt weniger Flächenverbrauch an den Rändern von Städten und Gemeinden und mehr Wohnungsbau im Innenbereich. Trotzdem stehen im Jahr 2045 bessere und qualitativ hochwertigere Frei- und Grünflächen zur Verfügung. Denn seit Mitte der 2020er Jahre wurden in den Städten konsequent Flächen neu- und umverteilt.

Die Innenstädte sind nahezu autofrei, und in den Gemeinden gibt es mehr altersgerechte Erholungs- und Sportflächen, Parks und Spielmöglichkeiten. An vielen Orten ist es gelungen, städtische Freiflächen zu attraktiven und vielfältigen Grünräumen zu entwickeln, die heimischen Pflanzen und Tieren Lebensraum und den Menschen Raum für Naturerfahrung bieten.

Hohe Lebensqualität in Städten und Gemeinden

Blick auf eine Kommune

Frühzeitig ergriffene Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel haben das Stadtbild und das Stadtklima ebenfalls verändert. Begrünte Dächer und Gebäudefassaden, Wasserflächen und verschattete Plätze lindern Hitze und verbessern den Regenwasserrückhalt. Die Städte und Gemeinden sind nicht nur besser gegen Hitzeperioden, Starkregen und Hochwasser gewappnet, sondern die Lebensqualität hat sich erheblich erhöht.

Schon zum Ende der 2010er Jahre merkten die Menschen deutlich, dass sich das Klima in den Städten verändert hatte. Klimaanpassung wurde in der Folge als Querschnittsaufgabe in allen gesellschaftlichen Bereichen und insbesondere bei allen Bau- und Infrastrukturprojekten frühzeitig mitgedacht. Sowohl bei Investitionen in den Klimaschutz als auch bei der Klimaanpassung wurden die Umbauprozesse konsequent dazu genutzt, weitgehende Barrierefreiheit in den Städten und Gemeinden herzustellen.

Vor allem für Kinder und ältere Menschen hat sich das Leben in Städten und Gemeinden deutlich verändert. Aufgrund von Barrierefreiheit, vieler autofreier Bereiche und klimaangepasster, verschatteter öffentlicher Räume können sie sich Mitte des Jahrhunderts viel freier und sicherer in den Städten bewegen.

Die meisten Kinder legen schon früh ihre Wege in der Nachbarschaft allein oder mit Freundinnen und Freunden zurück und entwickeln mehr Eigenständigkeit. Ältere Menschen nehmen wieder häufiger am Leben im öffentlichen Raum und am sozialen Austausch teil. Viele von ihnen können sich noch gut an die Zeit erinnern, als ihre Stadt mehr für Autos gebaut zu sein schien als für ihre Bewohnerinnen und Bewohner. 2045 legen die meisten Menschen wieder viele ihrer Wege sicher und entspannt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück.

Energieeffiziente und moderne Gebäude im Quartier

Fassadensanierung für Wärmedämmung an einem Wohngebäude

Die Erhöhung der Energieeffizienz im Gebäudebereich war zentral, um die Städte bis zur Mitte des Jahrhunderts CO2-neutral zu machen. Die notwendigen Sanierungsquoten wurden anfangs nur schleppend erreicht. Die CO2-Bepreisung im Gebäudebereich, das konsequente Zusammendenken von Effizienzsteigerungen und Mieterschutz sowie bessere Information und Förderung haben dazu geführt, dass die Gebäude Mitte des Jahrhunderts nahezu klimaneutral sind.

Eine wichtige Rolle spielten dabei die Nachbarschaften und Quartiere, die Bürgerinnen und Bürger selbst. Durch die Wiederbelebung der Nachbarschaft und die konsequente Förderung von quartiersbezogenen Ansätzen hat der Umbau in den Städten und Kommunen deutlich an Fahrt aufgenommen. Dadurch stiegen der soziale Zusammenhalt und das gelebte Miteinander, sodass sich die Menschen wohl und "zu Hause" fühlen.

Was einzelne Leuchtturmprojekte nicht leisten konnten, schaffen klimafreundliche und ressourcenschonende Quartiere. Vernetzte Gebäude teilen Energieüberschüsse, versorgen E-Fahrzeuge und gewinnen Energie aus Abwässern. Gleichzeitig werden keine immensen Ressourcen für energetisch kaum sanierbare Gebäude aufgewendet. Das gilt für die großen Städte, aber auch für Kleinstädte und dörfliche Strukturen.

Innovative und hochtechnologische Bauweisen haben dazu beigetragen, dass die Nutzungsvielfalt von den Bewohnerinnen und Bewohnern geschätzt werden. Begrünte und intelligente Fassaden reagieren auf Wetter- und Lichtverhältnisse und ermöglichen ein reiches Tier- und Pflanzenleben in direkter Nachbarschaft.

Leichtbauweisen lassen große Höhen und neuartige architektonische Formen zu. Technische Infrastrukturen werden wie selbstverständlich mit Grünflächen von großer biologischer Vielfalt und hohem Gestaltungsanspruch verbunden. Sowohl bei der Sanierung als auch beim Neubau galten und gelten hohe baukulturelle Standards, die den Wert der bebauten Umwelt noch gesteigert haben.

Auf dem Weg zu einem nahezu treibhausgas-neutralen Gebäudebestand haben öffentliche Bauten und Infrastrukturen, städtische Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften eine Schlüsselrolle gespielt. Sie haben gezeigt, dass anspruchsvolle Architektur und Baukultur, ökologische Nachhaltigkeit und klimafreundliche Bauweisen keine Gegensätze sind. Und weil Energieeffizienz nicht beim Energieverbrauch im Gebäude aufhört, bestehen Gebäudefassaden aus nachwachsenden und umweltfreundlichen Rohstoffen. Moderne Technologien haben dazu geführt, dass beim Bauen Energie- und Ressourceneffizienz, Resilienz und Suffizienz wie selbstverständlich mitgedacht werden.

Chance der Digitalisierung genutzt: Smart City

Die Transformation ist den Städten und Gemeinden auch gelungen, weil sie zu starken Akteuren der Digitalisierung geworden sind. Besonders im Zuge der Corona-Krise konnte hier ein großer Schritt vorwärts gemacht werden. Städte und Gemeinden haben die Möglichkeiten der "Smart City" genutzt, um die interkommunale Zusammenarbeit und die Vernetzung von dicht und weniger dicht besiedelten Räumen zu fördern.

Die Digitalisierung wird eingesetzt, um die lokale Wirtschaft und neue Wertschöpfungsprozesse zu stärken und um Lösungen zur Sicherung kommunaler Aufgaben zu entwickeln. Sensorik und Datenverarbeitung helfen dabei, kommunale Prozesse und Dienstleistungen zu verbessern. Barrierefreie digitale und analoge Angebote haben den Menschen zu mehr selbstbestimmter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben verholfen.

Die Kommune ist Mitte des Jahrhunderts immer noch der Ort, an dem Demokratie unmittelbar erfahren wird, wo Beteiligung, Mitmachen und die Übernahme von Verantwortung gelebt werden. Die notwendige Akzeptanz für die großen Umbauprozesse seit den 2020er Jahren konnte nur deshalb nachhaltig gesichert werden, weil die Menschen vor Ort gemerkt haben, dass sie von einer neuen Art des Wirtschaftens, Zusammenlebens und Energieerzeugens profitieren.

An großen Investitionsentscheidungen und Veränderungen sind die Bürgerinnen und Bürger von Anfang an transparent beteiligt worden. Die Menschen haben Lust bekommen, Veränderungsprozesse selbst in die Hand zu nehmen und sich für das Gemeinwesen einzubringen. Nicht als Ersatz für staatliche Angebote, sondern als eigene Qualität im Miteinander mit starken Kommunalverwaltungen.

Leben wo und wie man möchte

Die Treibhausgas-Neutralität, die Anpassung an den Klimawandel und der Schutz der natürlichen Ressourcen hätten nicht erreicht werden können, wären nicht die vermeintlichen Gegensätze und Unterschiede zwischen Stadt und Land, die Ende der 2010er Jahre noch viel diskutiert worden waren, ausgeräumt worden.

Auch im Jahr 2045 unterscheiden sich die Lebensstile und Haltungen der Menschen in Großstädten, Kleinstädten und auf dem Land. Aber es ist deutlich geworden, dass in den unterschiedlichen Verdichtungsräumen nur im Miteinander der soziale und ökologische Umbau gelingen konnte. Die Menschen haben nach wie vor sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie sie leben möchten.

Das starke Einwohnerwachstum und die neue Dichte der großen Städte haben dazu geführt, dass viele Menschen das ländliche Wohnen wieder mehr schätzen und Kleinstädte und ländliche Siedlungsformen an Attraktivität gewinnen. Als Produzenten gesunder, ökologischer Produkte profitieren sie von einem guten Image und bieten ein gutes Lebensumfeld für all diejenigen, die ruhigere und großzügigere Wohnformen dem Leben in der turbulenten Großstadt vorziehen.

Die digitalen Möglichkeiten und gute Anbindung unterstützen sie dabei. Es gibt zudem viele interkommunale Kooperationen und ebensolche zwischen Städten und ihrem Umland, zwischen Konsumentinnen und Konsumenten und landwirtschaftlichen Betrieben. Viele Menschen in der Stadt haben das Bedürfnis, nicht nur bewusster zu konsumieren und zu fordern, sondern die Herstellerinnen und Hersteller auch direkt zu unterstützen. Über die reine Nahrungsmittelversorgung hinaus haben eine regional ausgerichtete Wirtschaftsentwicklung und eine umfassende dezentrale Daseinsvorsorge eine gute wirtschaftliche Entwicklung außerhalb der Ballungszentren und Großstädte ermöglicht.