Fallstudie der RheinEnergie AG

Die Stegerwaldsiedlung in Köln

Das Bundesumweltministerium (BMU) hat einige Teilnehmende der Dialogreihe "Wir schafft Wunder – Fortschritt sozial und ökologisch gestalten" gebeten, ihre Ideen und innovativen Projekte vorzustellen. In einem von ihnen verfassten Beitrag oder durch ihre Antworten auf Interview-Fragen zeigen sie: Die sozial-ökologische Transformation ist möglich, und sie hat bereits begonnen! Es handelt sich jeweils um Meinungsbeiträge der Verfasserinnen und Verfasser oder Interviewten zur BMU-Dialogreihe.

Die Stegerwaldsiedlung in Köln

Zwei Drittel der Weltbevölkerung werden ab 2050 in Metropolen leben, das birgt eine Gefahr für das Klima: Die Bausubstanz dort ist oft überaltert, entsprechend hoch der Energiebedarf, und entsprechend groß wird das klimaschutzpolitische Problem.

In Köln gibt es ein gutes Beispiel dafür, wie Digitalisierung und analoge Technik – geschickt kombiniert mit einem klugen Konzept – erhebliche Beiträge zum Klimaschutz in der Metropole leisten können. Und zwar rund um das wichtigste Grundbedürfnis der Menschen, das Wohnen: Die Umgestaltung der Stegerwaldsiedlung in Köln-Deutz – als "Klimaschutzsiedlung NRW" und mit dem Innovationspreis des Verbandes Kommunaler Unternehmen ausgezeichnet.

Stegerwaldsiedlung

Das Projekt hat Vorbildcharakter für alle Beteiligten:

• Der Wohnungsträger, die Deutsche Wohnungsgesellschaft mbH (DEWOG), fühlt sich seit jeher dem Gemeinwohl verpflichtet.

• Die RheinEnergie, als engagiertes kommunales Stadtwerk, verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz der Rundumversorgung, der weit über die reine Energielieferung hinausgeht.

• Die Menschen vor Ort haben ein Grundbedürfnis an intakten Sozialstrukturen und einer dem heutigen Stand entsprechenden Lebensqualität.

Gerade Letzteres war nicht mehr gegeben: Die Stegerwaldsiedlung entstand in den 1950er-Jahren, mitten im Wiederaufbau nach dem Krieg, als Wohnraum knapp war. Sie war arg in die Jahre gekommen, die Wohnqualität ließ zu wünschen übrig. Statt einer "Generalsanierung" mit den unvermeidlichen sozialen Folgen für die Anwohnerinnen und Anwohner, entschlossen sich die Beteiligten zu einem anderen Weg: Die umfassende Sanierung der Gebäude und die Entwicklung eines Siedlungsmanagements mit Verzahnen von Wohnen, Mobilität und Klimaschutz. Zentrale Herausforderung: Die Menschen sollten am Ort bleiben und sich ihre Wohnungen weiterhin leisten können.

Die Herausforderung also: Eine Siedlung mit fast 1.100 Menschen darin, mit 700 Wohneinheiten in 16 Wohnblocks im laufenden Betrieb vom Stand 1955 auf den Stand 2020 zu bringen, was Energiekomfort und Nachhaltigkeit angeht – bei nur gering steigender Miete.

Das ist gelungen, wenngleich es bei diesem Pilotprojekt nicht ohne eine finanzielle Förderung der Europäischen Union (EU) im Rahmen des Projekts "Grow Smarter" gegangen wäre. Die Lerneffekte und Erkenntnisse aber sind wichtige Grundlagen für die Entwicklung weiterer, vergleichbarer Quartiere.

Solarzellen und Wärmepumpen

Die Kernelemente: Zum einen erfolgt die Energieproduktion vornehmlich über Photovoltaikmodule auf dem Dach, kombiniert mit 16 Batteriespeichern für den Solarstrom sowie 41 Luft-Wärme-Pumpen. Dieses System deckt den Grund-Wärmebedarf und einen Teil des Strombedarfs der Häuser ab. An vielen Tagen reicht es komplett aus, den Energiebedarf zu decken. An kalten Wintertagen erfolgt zusätzliche Wärmebereitstellung über Fernwärme, klimaschonend und rationell erzeugt über hocheffiziente ortsnahe Kraft-Wärme-Kopplung auf Basis von Erdgas.

Dadurch ist der Primärenergiebedarf an Wärme und Elektrizität von 130 bis 180 Kilowattstunden (KWh) auf 30 bis 40 KWh pro Quadratmeter und Jahr gesunken, also auf etwas mehr als 20 Prozent des Ausgangswertes. Der Treibhausgas­ausstoß ging parallel um 70 Prozent zurück.

Wetter steuert Siedlungsklima

Herzstück ist ein auf selbstlernenden Algorithmen basierendes Siedlungsmanagement. Dies erstellt anhand der zu erwartenden Verbräuche und aufgrund von Prognosedaten für die jeweils folgenden Tage (unter Einbezug von Wetterdaten) ein genaues Bedarfsprofil der Siedlung. Es optimiert anschließend die Energieproduktion, und den ­-bezug so effizient wie möglich unter den Aspekten Komfort und Klimaschutz. Diese Steuerung erfolgt zentral und optimiert sich auf Basis der Verbrauchsgewohnheiten und ­-bedürfnisse der Mieterinnen und Mieter ständig weiter. Der Temperaturverlauf in den Häusern etwa pegelt sich mittelfristig auf den Bedarf der Menschen ein. Gekoppelt mit Smarthome-­Systemen, die allen Mieterinnen und Mietern angeboten worden sind, lässt es sich individualisieren. 

Smarte Mülltonnen melden sich

Wer Siedlungen und Quartiere ganzheitlich betrachtet, kann viel für die Menschen dort leisten. So hat die RheinEnergie Leistungen aus dem Verbund der anderen öffentlichen Stadtwerke-Unternehmen integriert: Smarte Mülltonnen melden jetzt, wenn sie voll sind, nur dann kommt die Müllabfuhr. Leerfahrten entfallen so.

Basis all dessen sind leistungsfähige Kommunikationsnetze, die ebenso Einzug gehalten haben wie eine intelligente Verknüpfung mit Angeboten zur Mobilität: Die Lücke zum öffentlichen Nahverkehr schließen Leih-­Pedelecs und eine Ladestation mit E-­Fahrzeugen im Carsharing.

Zukunftsthemen allein für Köln: Es stehen 16 größere Projektentwicklungen in den nächsten Jahren an – mit mehr als 15.000 geplanten neuen Wohneinheiten und dazugehörigen Gewerbeflächen. Dort fließen die Erkenntnisse aus der Stegerwaldsiedlung ein. Es ist eine mögliche Antwort auf die Frage, wie wir in Zukunft nachhaltig, verantwortungsvoll und klimabewusst leben wollen.