Zukunftsbild Konsum

Verantwor-
tungsvoll produzieren, nachhaltig konsumieren

Wie sieht unsere Zukunft 2045 aus?

Konsum ist zur Mitte des Jahrhunderts klimaverträglich, ressourcenschonend und sozial verantwortlich. Verbraucherinnen und Verbraucher konsumieren nachhaltig. Neben den Preisen sind die Umwelt- und Gesundheitswirkungen von Produkten und deren Produktionsbedingungen in den letzten Jahrzehnten zentral für ihre Kaufentscheidungen geworden.

Wichtig war dafür, dass die Politik ihnen nicht die alleinige Verantwortung aufgebürdet hat, sondern durch klare Regeln und gesetzliche Rahmenbedingungen dafür gesorgt hat, dass es entsprechende Angebote an nachhaltigen Waren zu bezahlbaren Preisen und gute Produktionsbedingungen in Deutschland sowie global entlang der Lieferketten gibt.

Anders als zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Konsum in den Industrienationen damit nicht mehr einer der größten Emissionstreiber. Unternehmen, Politik und Verbraucherinnen und Verbraucher haben gemeinsam zu diesem grundlegenden Wandel beigetragen.

"Regionale Kreisläufe stärken, Produzierende und Konsumierende vernetzen und die Wertschätzung für Lebensmittel wiedergewinnen."

Nora Josefina Wacker, Bundesjugendsprecherin NAJU, Naturschutzjugend im NABU&

Wie konnte die Zukunft so gestaltet werden?

Umstellung auf nachhaltige Produktionsverfahren

Recycling: Glas, Kunststoff, Metall und Papier

Aufgrund innovativer Produktionsverfahren ist es den Unternehmen gelungen, die klimaschädlichen Emissionen massiv zu reduzieren.

Produktion und Vertrieb wurden konsequent auf klima- und umweltverträgliche Waren und Dienstleistungen umgestellt.

Die Politik hat dafür die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen: In Deutschland haben vor allem soziale und ökologische Mindeststandards, die gestiegene Bedeutung von Regionalität und glaubwürdige Produkt-Siegel den Absatz nachhaltiger Produkte angekurbelt.

Transparenz in den Produktinformationen und den weltweiten Lieferketten

Handelsunternehmen haben in den frühen 2020er Jahren umgesteuert – sie haben gezielt das Sortiment angepasst. Sie setzen auf ressourcenschonende, ökologisch und sozial hergestellte Produkte. Ausbeuterische Produktionsbedingungen in Teilen der Welt gehören der Vergangenheit an.

Entscheidend dazu beigetragen hat das europäische Lieferkettengesetz, wodurch Unternehmen ihre Auswirkungen auf Menschenrechte und Umwelt veröffentlichen müssen und dafür haftbar gemacht werden können, wenn Ausbeutung festgestellt wird und keine Maßnahmen dagegen ergriffen werden. Anders als zu Beginn der 2020er Jahre sind Produktion und Lieferketten auch nicht mehr so stark anfällig für globale Umwelt- und Gesundheitskrisen.

Eine Transparenzoffensive hat nachhaltige Konsumentscheidungen deutlich erleichtert. Auswirkungen von Produkten auf die Umwelt und die Gesundheit sind für Verbraucherinnen und Verbraucher einfach nachvollziehbar. Zur verbesserten Transparenz in den globalen Lieferketten führen die Produkte digitale Informationen, zum Beispiel über Inhaltsstoffe und Herstellungsbedingungen mit, die über alle Herstellungsschritte aktualisiert und zusammengeführt werden. Mittels des digitalen Barcodes können sich Konsumentinnen und Konsumenten umfassend informieren. Die öffentliche Hand hat mit nachhaltiger Beschaffung von Waren und Dienstleistungen früh eine Vorreiterrolle eingenommen.

Regionale und nachhaltige Produkte – online und vor Ort

Getränkeregal im Supermarkt. Darauf das Logo "Mehrwegzeichen"

Die Nachfrage nach gesunden und nachhaltigen Produkten hat in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Dies war auch möglich, weil der Online-Handel stärker reguliert wurde, höhere soziale und ökologische Standards erfüllen und nachhaltige Produkte einfacher zugänglich machen musste.

Es ist gelungen, einheitliche Standards bei der Arbeits- und Tarifgestaltung, bei Lieferketten, bei der recyclingfähigen Gestaltung von Verpackungen sowie bei der Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit von Produkten zu etablieren. In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich der Online-Handel zu einem immer wichtigeren Wirtschaftsfaktor entwickelt. Online- und stationärer Handel haben dabei Synergien entwickelt, um die wichtige – auch soziale – Funktion der Innenstädte erhalten zu können.

Wichtig war zudem, dass es politischen Entscheiderinnen und Entscheidern gelungen ist, sukzessive für mehr Kostengerechtigkeit zu sorgen. Der Kauf nachhaltiger Konsumgüter ist nicht mehr vom Haushaltseinkommen abhängig. Es ist kein Luxus mehr, gesunde und nachhaltig produzierte Produkte zu kaufen. Dazu beigetragen haben zum einen eine sozial-ökologische Ausgestaltung der Verbrauchssteuern und zum anderen gesunkene Preise aufgrund von gestiegener Nachfrage und vereinfachter Herstellungsverfahren.

Nachfrage und Wertschätzung von regionalen und saisonalen Lebensmitteln

Obst- und Gemüsestand

Zu Beginn der 2020er Jahre ist auch die Nachfrage nach regionalen und saisonalen Produkten sowie die Wertschätzung für im Land produzierte Waren gestiegen. Es gibt vermehrt Angebote, um sich mit frischen und in lokalen Kreisläufen produzierten Lebensmitteln zu versorgen.

Möglich wurde dies durch eine verstärkte Kooperation zwischen Landwirtinnen und Landwirten, Gemüse- und Obstbauern und -bäuerinnen und der Bevölkerung vor Ort. Zudem haben sich pflanzliche Produkte in den Supermarktregalen und auf den Speisekarten seit den späten 2020er Jahren fest etabliert. Sie sind inzwischen Standard geworden, und zu angemessenen Preisen zu erwerben.

Die Nachfrage nach Produkten tierischen Ursprungs hat im Verlauf der Jahrzehnte merklich abgenommen. Die Konsumentinnen und Konsumenten legen zudem beim Kauf von Lebensmitteln vermehrt Wert auf regionale Fisch- und Fleischprodukte, die ökologischen Standards entsprechen. Durch den zunehmend geringeren Import von Soja als Viehfutter hat Deutschland in den zurückliegenden Jahrzehnten mit dazu beigetragen, dass global der Druck auf die Natur und Umwelt verringert werden konnte.

Konsumentinnen und Konsumenten interessieren sich dafür, welche Ressourcen, aber auch welche Arbeit mit der Herstellung von Nahrungsmitteln oder anderen Konsumgütern verbunden sind. Wertschätzung zeigt man am besten, indem man sein Essen komplett verwertet. Unvermeidbare Reste werden – anders als noch in den 2010er Jahren – vollständig stofflich verwertet. Aufgrund optimierter Produktionsketten werden kaum noch Lebensmittel weggeworfen.

Ökologische und faire Kleidung

Der Umbau der Konsumwelt zeigt sich deutlich in der Textilbranche: Bis in die 2030er Jahre war der Textilkonsum weiter angestiegen. "Fast Fashion" – gekennzeichnet durch geringe Preise, immer schnellere Modezyklen und kürzere Tragezeiten der Kleidung – war weiterhin im Trend.

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie hat der zeitweise Mangel an qualitativ hochwertiger Schutzkleidung in Europa und die dadurch ausgelöste Verteilungsdiskussion die Bedeutung des Fehlens einer regional verankerten Textilindustrie vor Augen geführt. Produkte "Made in Europe" werden inzwischen als stabiler Faktor für die Versorgung der Menschen wertgeschätzt.

Die Nachfrage nach Erdöl, aus dem Polyester hergestellt wird, wuchs weiter an. Durch die globalen Klimadebatten und die veränderte Erwartungshaltung vieler Verbraucherinnen und Verbraucher waren Politik und Unternehmen jedoch in den letzten zwei Jahrzehnten massiv zum Umdenken gezwungen. Die Textilhersteller haben sich inzwischen ein verantwortungsvolles Handeln auf die Fahnen geschrieben. Ökologische und faire Kleidung konnte sich in den letzten zwanzig Jahren von einem überwiegend hochpreisigen Nischen- zu einem Standardprodukt entwickeln.

Textilien aus synthetischen Fasern, die höchsten ökologischen Standards entsprechen, sind mittlerweile überall verfügbar. Durch die nachhaltigen Fasern werden kaum noch schädliche Mikroplastikpartikel beim Wäschewaschen freigesetzt. Die Mode im Jahr 2045 setzt auf ansprechendes Design, ist langlebig, reparatur- und recyclingfähig.

Es ist der Modeindustrie durch den Einsatz intelligenter Textilien gelungen, eine funktionierende Kreislaufwirtschaft von Textilien zu schaffen. Recyclingpotenziale konnten mit gesetzlichen Quoten zur hochwertigen Getrenntsammlung von Alttextilien angehoben werden. Bei der Kaufentscheidung spielen neben ökologischer Nachhaltigkeit insbesondere die Arbeitsbedingungen von Menschen in den Produktionsländern eine Rolle.

Unternehmen, Politik und die Verbraucherinnen und Verbraucher haben gemeinsam den sozialen und ökologischen Umbau der Konsum- und Produktionswelten geschafft. Im Jahr 2045 ist damit auch Druck und Verantwortung von den Konsumentinnen und Konsumenten genommen: Alle Waren, die angeboten werden, können die Menschen guten Gewissens kaufen.