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Mode und Textilien

Frauen auf einem Laufsteg

Bekleidung und Mode sind Ausdruck von Individualität und persönlichem Stil. Das ist keine neue Erkenntnis, Mode war und ist immer auch ein Spiegel ihrer Zeit, auch von gesellschaftlichen und landesspezifischen Umständen.

Fast Fashion

Ein Haufen mit Textilien und einem T-Shirt mit der Aufschrift "I have nothing to wear"
Textilien - luanateutzi - stock.adobe.com

Neu sind aber globale Tendenzen in der Textil- und Modebranche, die unter dem Begriff "Fast Fashion" zusammengefasst werden. Neue Trends und Kollektionen kommen in immer kürzeren Abständen auf den Markt, die Spirale dreht sich immer schneller. Viele Kleidungsstücke werden nur für eine Saison gekauft und qualitativ entsprechend nachlässig produziert. Verbraucherinnen und Verbraucher kaufen in Deutschland im Schnitt sechzig Kleidungsstücke pro Jahr, der rasant steigende Anteil von Online-Käufen verstärkt diese Tendenz noch. Fast Fashion ist oftmals billig und ermöglicht eine kurzfristige Befriedigung von Konsumwünschen. Jedes fünfte Kleidungsstück wird so gut wie nie getragen. Die globale Kleidungsproduktion hat sich seit der Jahrtausendwende mehr als verdoppelt, und Studien prognostizieren für die kommenden Jahrzehnte ein weiteres intensives Wachstum im Textilsektor. Alle Anzeichen einer exzessiven, nicht-nachhaltigen Entwicklung sind erfüllt.

Soziale Folgen, globale Umweltauswirkungen

Näherinnen in Südostasien - iStock.com/Jessica Liu

Fast Fashion hat einen Preis, auch wenn die Konsumentinnen und Konsumenten davon an der Kasse nichts bemerken. Das Wissen um die ökologischen und sozialen Auswirkungen der Herstellung von Bekleidung ist nach wie vor gering, und bei der Kaufentscheidung spielen diese Aspekte praktisch keine Rolle. Problematisch sind insbesondere der Pestizideinsatz sowie der immense Wasserverbrauch beim Anbau von Baumwolle. Farben und weitere Chemikalien belasten das Abwasser in Produktionsländern, die oftmals nicht über entsprechende Kläranlagen verfügen. Hinzu kommt, dass die Näherinnen in vielen Produktionsländern unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten.

Die Verwendung von chemischen Fasern – wie etwa Polyester oder Elastan – verursacht beim Waschen darüber hinaus die Freisetzung von Mikroplastik in Gewässer und Meere. Ein Recycling im Sinne eines geschlossenen Stoffkreislaufes findet heute de facto nicht statt. Weltweit wird weniger als ein Prozent des für die Textilproduktion eingesetzten Materials erneut für die Herstellung von Kleidung wiederverwendet. Rund achtzig Prozent der global anfallenden Altkleider werden verbrannt oder landen auf Deponien. Rund zwanzig Prozent durchlaufen einen Prozess, der "Down-Cycling" genannt wird – damit ist die Herstellung beispielsweise von Putzlappen oder Dämmstoffen aus Altkleidung gemeint.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun?

In Deutschland wird zunehmend nachhaltig erzeugte Kleidung angeboten, die gleichzeitig modisch ist. Das Umweltbundesamt, die nachgeordnete Behörde des Bundesumweltministeriums, hat einen Einkaufsratgeber für den umweltverträglichen Kauf und die umweltverträgliche Nutzung von Kleidung erstellt.

Was macht das Bundesumweltministerium?

Kleiderstande mit Textilien
Nachhaltige Mode - Internationales Design Zentrum Berlin e. V.

Bekleidung wird weltweit, insbesondere in Asien, für einen globalen Markt produziert. Der Einfluss der Bundesregierung auf diese Prozesse ist zwar begrenzt, dennoch engagiert sich das BMU auf verschiedenen Ebenen für umwelt- und sozialverträgliche Mode und Textilien:

Bündnis für nachhaltige Textilien

Der Einsturz der Textilfabrik "Rana Plaza" in Bangladesch im Jahr 2013 mit mehr als 1.000 Toten war eine Zäsur für die Branche. Im Folgejahr wurde in Deutschland das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) initiierte "Bündnis für nachhaltige Textilien" (Textilbündnis) gegründet. Das Bundesumweltministerium ist im höchsten Entscheidungsgremium des Textilbündnisses, dem Steuerungskreis, vertreten. Das Textilbündnis ist eine Multistakeholder-Initiative mit über 100 Mitgliedern aus Wirtschaft, Politik, Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Standardorganisationen. Sie alle wollen als breites Bündnis gemeinsam die Bedingungen in der weltweiten Textilproduktion verbessern – von der Rohstoffproduktion bis zur Entsorgung. Die Unternehmen der Textilbranche im Textilbündnis decken rund die Hälfte des deutschen Textilmarktes ab. 

Bundespreis Ecodesign

Modebewusstsein und nachhaltiger Konsum sind heute kein Widerspruch mehr. Es gibt zahlreiche Marken beziehungsweise Label, die Fashion und Ökologie vereinen. Viele Vorurteile gegenüber nachhaltiger Mode stammen noch aus den 70er und 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das Bundesumweltministerium hat deshalb erstmals im Jahr 2012 den Bundespreis Ecodesign ausgelobt, der sich zum führenden deutschen Preis für nachhaltiges Design entwickelt hat. Der Bundespreis Ecodesign zeichnet nachhaltige und herausragend gestaltete Produkte, Dienstleistungen und Konzepte aus. Jährlich mehrere hundert Einreichungen – darunter immer auch zahlreiche Exponate innovativer Modellabel – zeugen von einem Umdenken in Teilen der Branche.

Das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum

Die Bundesregierung hat im Jahr 2016 ein Nationales Programm für nachhaltigen Konsum (NPNK) beschlossen, für das das Bundesumweltministerium (BMU), das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und das Bundesverbraucherschutzministerium (BMJV) federführend verantwortlich sind. Das NPNK hat ein eigenes Kapitel zum Thema Bekleidung.

Blauer Engel für Textilien und Schuhe

Der Blaue Engel ist seit 1978 das Umweltzeichen der Bundesregierung, das Bundesumweltministerium ist der Zeicheninhaber. Unabhängig und glaubwürdig setzt der Blaue Engel anspruchsvolle Maßstäbe für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen. Er ist die Orientierung beim nachhaltigen Einkauf und zeichnet rund 12.000 Produkte aus. Darunter auch Textilien und Schuhe, die die strengen Kriterien des Blauen Engel erfüllen. Sie berücksichtigen den gesamten Fertigungsprozess und bilden alle umwelt- und gesundheitsrelevanten Prozesse ab. Die Kriterien betrachten neben den klassischen Umweltanforderungen auch soziale Aspekte bei der Textil- und Schuhherstellung.

Forschung

Der ökologische Fußabdruck von konventionell angebauter Baumwolle ist riesig. Baumwollplantagen werden intensiv bewässert, der Anbau findet jedoch zumeist in Ländern statt, in denen Wasser eine knappe Ressource ist. Das Austrocknen des Aralsees – einst das viertgrößte Binnengewässer der Erde – in Folge von Baumwollanbau, ist das wohl bekannteste Beispiel. Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt unterstützen deshalb mit Forschungsgeldern die ökologische Bewertung (Ökobilanzierung) alternativer Fasertypen, um diese aus ihrer heutigen Nische in den zukünftigen Mainstream zu führen. Untersucht wird in diesem Zusammenhang auch der potenzielle Eintrag von Mikroplastik verschiedener Materialien in die Umwelt.

Förderung von Nachwuchsdesignerinnen und -designern

Das Bundesumweltministerium hat die Schirmherrschaft des "German Sustain Concept" des Fashion Council Germany übernommen. Das Förderprogramm wird über die Dauer von zwei Jahren vier junge Designerinnen und Designer aus dem Bereich Sustainable Design in den Disziplinen Sourcing, Distribution, Vermarktung und Business unterstützen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durchlaufen in diesem Zeitraum ein mehrstufiges Coaching.

Vernetzung auf internationaler Ebene

Auf der UNEA 4 (UN Environment Assembly, Umweltprogramm der Vereinten Nationen) in Nairobi im März 2019 wurde die "UN-Alliance for Sustainable Fashion" ins Leben gerufen um die oben aufgeführten Probleme und Herausforderungen der Textilherstellung global anzugehen. Das Bundesumweltministerium begleitet die Aktivitäten seit dem Start der Initiative in Nairobi.