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Konsum und Ernährung

Am 24. Februar 2016 hat die Bundesregierung das vom Bundesumweltministerium entwickelte "Nationale Programm für nachhaltigen Konsum" (NPNK) beschlossen, welches ein eigenes Kapitel zum Thema Ernährung enthält. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist neben dem Verbraucherschutzministerium Ko-Federführer, was wiederum verdeutlicht, dass wir uns bewusst sind, dass dieses Thema nur ressortübergreifend angegangen werden kann. Mit dem neuen "Nationalen Programm für nachhaltigen Konsum" unterstützt die Bundesregierung im Bereich Ernährung noch stärker vielfältige Initiativen und Projekte, die den bewussten Umgang mit Lebensmitteln und eine Reduzierung der Umweltwirkungen der Ernährung zum Ziel haben.

Von besonderer Bedeutung ist zudem der Aspekt der Wertschätzung von Lebensmitteln. Neben der Unterstützung einer gesundheitsfördernden und ökologischen Ernährung sowie der Stärkung regionaler Lebensmittel spielt insbesondere die Problematik der Vermeidung von Lebensmittelabfällen eine große Rolle.

Jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich 500 Kilogramm Lebensmittel pro Jahr (ohne Getränke), die im Produktionsprozess auch Treibhausgase verursachen. Insgesamt trägt die Ernährung jährlich mit rund 1,75 Tonnen an klimarelevanten Emissionen pro Person zu den Treibhausgasemissionen durch privaten Konsum bei und liegt damit fast in derselben Größenordnung wie bei den Emissionen durch Mobilität in Deutschland.

Etwa 45 Prozent der Treibhausgase durch Ernährung entstehen bei der Erzeugung der Lebensmittel (einschließlich der Transporte), also zum Beispiel auf dem Acker, im Kuhstall, aber auch bei der Verarbeitung oder durch den Supermarkt. Ein großer Teil entsteht weiterhin durch den Energieverbrauch zur Lagerung und Zubereitung von Lebensmitteln sowie anteilige Raumwärme (Küche) und Einkaufsfahrten.

Im Vergleich zu tierischen Lebensmitteln (insbesondere Rindfleisch) verursacht pflanzliche Kost erheblich weniger schädliche Klimagase. Beim Vergleich landwirtschaftlich produzierter Lebensmittel hinsichtlich ihrer CO2 Bilanz schneiden zudem Produkte aus ökologischer Landwirtschaft insgesamt besser ab als Produkte aus konventionellem Anbau. Der Anteil des ökologischen Landbaus an der Landwirtschaft steigt seit Jahren stetig. Im Vergleich zu 2016 hat sich die Anzahl der Ökobetriebe in der Landwirtschaft 2017 um 7,5 Prozent erhöht. Der Anteil an der gesamten Landwirtschaft in Deutschland liegt jetzt bei 9,9 Prozent und soll bis 2030 auf 20 Prozent steigen.

Klimabilanz für Nahrungsmittel aus konventioneller und ökologischer Landwirtschaft beim Einkauf im Handel

Nahrungsmittel     konventionell*ökologisch*
Gemüse frisch153130
Gemüse TK415378
Gemüse Konserve511479
Tomaten339228
Kartoffeln frisch199138
Kartoffeln trocken3.7763.354
Pommes-frites TK5.7285.568



Brötchen, Weißbrot 

661

553
Brot – Mischbrot 768653
Teigwaren919770
Feinbackwaren938838



Milch940883
Joghurt1.2311.159
Quark & Frischkäse     1.9291.804
Eier1.9311.542
Sahne7.6317.106
Käse8.5127.951
Butter23.79422.089



Geflügel3.5083.039
Geflügel TK4.5384.069
Schwein3.2523.039
Schwein TK4.2824.069
Rind

13.311

11.374
Rind TK14.34112.402

*CO2-Äquivalente in Gramm je Kilogramm Produkt nach Anbauweise

Quelle: GEMIS 4.4, Ökoinstitut
TK = Tiefkühlprodukt

91,6 Prozent, beziehungsweise 4,58 Milliarden Hektar der weltweit zur Verfügung stehenden Agrarfläche werden als Weide oder zur Produktion von Futtermittel verwendet. Das bedeutet, dass der Großteil der Agrarfläche der Produktion tierischer Produkte zugeschrieben ist. Jedoch ist der Verbrauch an Wasser und Energie für die Produktion von Fleisch und anderen tierischen Produkten wesentlich höher als für pflanzliche Lebensmittel:

Doch unsere Ernährung trägt nicht nur zum Klimawandel, sondern auch zu zahlreichen anderen Umweltproblemen bei, wie zum Beispiel Überdüngung und Versauerung. Futtermittelanbau in weniger entwickelten Ländern kann zudem unter anderem Wassermangel verschärfen und die Ernährungssituation verschlechtern.

Wasserbilanz für Nahrungsmittel bei der Produktion

NahrungsmittelWasserverbrauch bei Produktion 
(Liter/Kilogramm)
Tomate214
Gurke353
Apfel822
Brot1608
Käse3178
Ei3266
Huhn4325
Butter5553
Schwein5988
Rindfleisch15415

Quelle: Waterfootprint.org

Beim Wasserverbrauch ist zusätzlich besonders darauf zu achten, wo das Wasser verbraucht wird. Einige Gemüse und Obstsorten werden in Regionen angebaut, in denen tendenziell eher Wassermangel herrscht, wie zum Beispiel dem Mittelmeerraum. So kann es beispielsweise in Deutschland ökologisch sinnvoller sein, einen Apfel aus der Region zu kaufen als eine Tomate aus Spanien, obwohl die Tomate einen wesentlich geringeren Wasserverbrauch aufweist.

Was können Konsumentinnen und Konsumenten tun?

Weniger Fleisch und Milchprodukte

Durch eine bewusste Ernährung kann ein Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz geleistet werden: Ein geringerer Fleischkonsum, wenige am besten fettarme Milchprodukte und ein hoher Anteil an Obst und Gemüse tragen zu mehr Umwelt- und Klimaschutz bei. Weniger, dafür hochwertigeres Fleisch muss keinen Verzicht bedeuten und ist noch dazu gesünder und kann Erkrankungen vorbeugen. Der Vergleich zwischen den drei gängigen Ernährungsvarianten zeigt zudem den Vorteil für die Umwelt bei einer fleischlosen Ernährung

Klima- und Wasserbilanz verschiedener Ernährungsweisen

ErnährungsweiseCO2-Verbrauch* (inkl. Äquivalente)
in Kilogramm
Wasserverbrauch**
in Kubikmeter
Vegan940710
Vegetarisch1.1601.060
Fleischesser1.7601.580

Quelle: *UBA CO2 Rechner ** Water Footprint Network

Die Zahlen zu den Ernährungsvarianten ergeben sich für den durchschnittlichen Verbrauch einer Person. Dabei beziehen sich die Zahlen nicht nur auf den Verbrauch im Zusammenhang mit Lebensmitteln, sondern beinhalten sämtliche Aspekte des Alltags. Da die Ernährung jedoch einen großen Anteil des jeweiligen Verbrauchs ausmacht, sind die Unterschiede zwischen den Ernährungsvarianten gut sichtbar.

Bei der veganen Ernährung wird auf sämtliche tierische Erzeugnisse  wie Fleisch, Fisch, Eier, Honig und Milchprodukte verzichtet, wobei auf eine ausreichende Vitamin B12-Versorgung zu achten ist. Neben Gemüse und Obst werden dafür vermehrt Nüsse und Hülsenfrüchte verzehrt. Bei der vegetarischen Ernährung steht lediglich der Verzicht von Fleisch und Fisch im Vordergrund. Milchprodukte, Eier oder Honig werden weiterhin gegessen. Damit verzichten beide Ernährungsweisen auf den größten Wasserverbraucher: Die Produktion von Fleisch, insbesondere Rindfleisch.

Heutzutage existieren bereits zahlreiche Fleischersatzprodukte wie Tofu, Tempeh oder Produkte aus Erbsenprotein. Eine zusätzliche Alternative kann zukünftig auch der Verzehr von Insekten sein, welche als Proteinquelle gelten. In vielen Teilen der Erde wie Afrika, Südamerika oder Südost-Asien gehören sogenannte Speiseinsekten bereits zu den alltäglichen Nahrungsmitteln.

Lebensmittel: ökologisch, saisonal und regional

Lebensmittel aus ökologischem Anbau können die eigene Bilanz noch einmal verbessern. Zusätzlich ist ein regional, als auch ein saisonal orientierter Einkauf gut für die Umwelt, aber auch für die Gesundheit und den Geldbeutel.

Denn Obst und Gemüse der Saison sind nährstoffreicher und in der Regel preiswerter, oft ist auch die Schadstoffbelastung geringer. Regionale Produkte sind in der Regel frischer, da sie nicht weit transportiert werden müssen. Verringerte Transportwege und Lagernotwendigkeiten schützen auch das Klima. Zudem werden lokale Anbieter unterstützt.

Auf Kennzeichnungen achten

Die Kennzeichnung mit dem EU-Biosiegel oder dem Deutschen Biosiegel weist auf den ökologischen Anbau hin und kann die Kaufentscheidung unterstützen. 

Das Kaufverhalten bei Fisch und Meeresprodukten zeigt, dass die Nachfrage nach Fischprodukten aus nachhaltigen Quellen in deutschen Haushalten stets steigt: Bereits ein Viertel der deutschen Verbraucherinnen und Verbraucher entscheidet sich beim Fischeinkauf bewusst für das MSC-Siegel. 

Kennzeichen von Anbauverbänden, wie "demeter" oder "Naturland" unter anderem, haben teilweise noch höhere Standards.

Lebensmittelabfälle vermeiden

Neben der Lebensmittelproduktion wirkt sich auch die Lebensmittelverschwendung auf den Klimawandel aus. So beläuft sich die jährliche Verschwendung an Lebensmitteln in Europa und Nordamerika pro Person auf 95 bis 115 Kilogramm. In anderen Regionen wie Südostasien liegt die jährliche Lebensmittelverschwendung pro Person nur bei 6 bis 11 Kilogramm.

In Deutschland und in anderen Industrieländern werden viele Lebensmittel im Einzelhandel und auch zu Hause weggeworfen. Eine Ursache dafür, dass Lebensmittel unnötig auf dem Müll landen, ist die falsche Interpretation des Mindesthaltbarkeitsdatums (MHD). Es wird vom Verbraucher oft so verstanden, dass ein Lebensmittel nicht mehr genießbar und daher wegzuwerfen ist. Eine gut geplante Vorratshaltung sowie kreative Resteverwertung, der Kauf kleiner Verpackungsgrößen sind weitere Möglichkeiten für die Konsumenten, Lebensmittelabfälle zu verringern.

Mittlerweile gibt es viele Projekte, welche sich der Vermeidung von Lebensmittelverschwendung annehmen. Beispielsweise Apps, die Produzenten oder Restaurants mit den VerbraucherInnen verbinden oder Einkaufsläden und Restaurants, die nur "gerettete" Lebensmittel verkaufen. 

Für den Einkauf das Auto stehen lassen

Wird der Einkauf zudem zu Fuß, mit dem (Lasten-)Fahrrad oder mit dem ÖPNV erledigt und werden bei der Lagerung und Zubereitung zu Hause effiziente Geräte eingesetzt, kann jeder einen guten Beitrag zum klimagerechten Verhalten in der Ernährung leisten.

Unterwegs

Auch Unterwegs kann man darauf achten sich Klimaverträglich zu ernähren. Das BMU fördert hierfür das Klimateller-Projekt. Dabei können sich Eigentümer einer Gastronomie in einer App anmelden. Besonders klimafreundliche Gerichte der Restaurants, Cafés, Kantinen oder Imbisse etc. sollen dann mit dem Klima-Teller-Label in der Speisekarte gekennzeichnet werden können. Gastronomen und ihre Gäste werden so dabei unterstützt, die Umweltauswirkungen ihrer Ernährung zu erkennen und ohne viel Aufwand einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. 

Mit Blick auf die Belastung durch Verpackungsmüll bei Lebensmitteln kann zusätzlich darauf geachtet werden eine Stofftasche zum Einkaufen zu verwenden und auf eine Plastiktüte zu verzichten. Oft ist es auch möglich sich sein Essen zum Mitnehmen bei einem Restaurant in die eigene Brotdose anstatt in eine Einwegverpackung einpacken zu lassen. Ähnlich verhält es sich bei Kaffee to-go. Hier kann statt eines Einwegbechers in den meisten Fällen ein eigener Mehrwegbecher verwendet werden.