Green IT: Produkte und öffentliches Beschaffungswesen

Für die Ausgestaltung einer umweltfreundlichen und klimaschonenden Digitalisierung wie in der vom BMU aufgestellten umweltpolitischen Digitalagenda spielt Green IT eine Schlüsselrolle. Green IT setzt auf einen bewussten Umgang mit Energierverbräuchen und Ressourcen, das heißt der Energieeffizienz und Ressourcensparsamkeit. Ein kreislauffähiges Produktdesign sorgt für die Reparier- und Recyclingfähigkeit von Green-IT.

Verbraucherinformation und Produktkennzeichnung

Das Umweltzeichen "Blauer Engel" bietet Verbrauchern Orientierung beim Kauf von grünen IKT-Produkten. Für immer mehr IKT-Produkte – wie zum Beispiel Computer, Notebooks, Flachbildschirme, Drucker, Multifunktionsgeräte, kabellose Telefone, Mobiltelefone und Babyfone – stehen Vergabekriterien zur Verfügung, auf deren Grundlage Hersteller ihre Produkte mit dem Blauen Engel auf freiwilliger Basis kennzeichnen können, sofern die Produkte die gestellten Anforderungen erfüllen. 

Das Resultat der Digitalisierung sind enorme Datenmengen, welche zentral gespeichert, verarbeitet, weitergeleitet oder anderweitig zur Verfügung gestellt werden müssen. Die Rechenzentren nehmen hierbei eine Schlüsselstellung ein: Sie sind das Herzstück der digitalen Transformation, da sie die technischen Knotenpunkte darstellen, die für den Datenaustausch und die Datenverarbeitung notwendig sind.

Mit dem Blauen Engel für Betreiber von Rechenzentren können Energiekosten gesenkt und Ressourcen geschont werden.

Auch die Software beeinflusst den Energieverbrauch von IKT maßgeblich. So können sich die Energieverbräuche für Prozessoren, Arbeitsspeicher bzw. das Gesamtsystem je nach Programmierung der Software bei vergleichbaren Programmen signifikant unterscheiden.

Ökodesign-Anforderungen an IKT-Produkte

Das Bundesumweltministerium unterstützt anspruchsvolle, verbindliche Umweltkriterien für IKT-Produkte auf europäischer Ebene im Rahmen der EU Ökodesign-Richtlinie. Im Rahmen der Richtlinie werden für energieverbrauchsrelevante Produkte Anforderungen an die Energie- und Ressourceneffizienz in Durchführungsmaßnahmen - sogenannten Ökodesign-Verordnungen – geregelt.

Mitte 2013 wurde eine entsprechende Verordnung für Computer, Notebooks und kleinere Server verabschiedet. Verbraucher werden dadurch vor besonders ineffizienten IT-Produkten geschützt, da diese nicht mehr in Verkehr gebracht werden dürfen. Für diese Produktgruppe steht eine Überarbeitung durch die Kommission aus. Auch der Stromverbrauch von Geräten im vernetzten Bereitschaftsbetrieb wird durch die 2013 verabschiedete Standby-Verordnung schrittweise gesenkt.

Für komplexe Digitalempfänger (Komplexe Set-Top-Boxen) gibt es seit 2013 eine freiwillige Selbstregulierung der Industrie.

Seit 2018 werden im Rahmen der Ökodesign-Richtlinie neben der Energieeffizienz auch vermehrt Anforderungen an den Ressourcenschutz gestellt, um die Langlebigkeit von Produkten zu erhöhen. Die im März 2019 in Kraft getretene Verordnung zu Servern und Datenspeicherprodukten beinhaltet daher auch Informationsanforderungen für die Reparatur und die Anforderung, dass bestimmte Komponenten auseinanderbaubar sein müssen.

Öffentliches Beschaffungswesen

Das Bundesumweltministerium setzt sich dafür ein, dass bei der öffentlichen Beschaffung von IKT Produkten Umweltkriterien konsequent angewendet werden. Neue gesetzliche Regelungen unterstützen die Beschaffungspraxis. So wurde im Rahmen des Bundes-Klimaschutzgesetzes gemäß Paragraph 13 eine Bevorzugungspflicht für klimafreundliche Produkte eingeführt.

Das Umweltbundesamt erstellt für Beschafferinnen und Beschaffer Leitfäden, Schulungsskripte und Gutachten. Bisher sind Leitfäden zur Ausschreibung von Monitoren, Software, Videokonferenzsystemen und Voice over IP-Telefonen online kostenlos erhältlich. Das Umweltbundesamt präsentiert auf seiner Seite auch gute Praxisbeispiele für IKT-Produkte wie zum Beispiel Laptops, Desktop PCs, Drucker und stellt die Kriterien des Blauen Engels für die entsprechenden Produkte vor.

Da das Thema "Produktneutrale und umweltfreundliche Beschaffung für die öffentliche Hand" auch im Ausland von hohem Interesse ist, ist ein Teil der Leitfäden inzwischen in englischer, französischer, spanischer, portugiesischer und niederländischer Sprache erhältlich.