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Altlasten: Situation und Maßnahmen

Altlasten haben unterschiedliche Ursachen: Sie können das Ergebnis der industriellen Entwicklung, einer unsachgemäßen Abfallablagerung, aber auch durch militärische Nutzungen entstanden sein.

1. Zivile Altlasten

sind das Ergebnis einer 150-jährigen zivilisatorischen Entwicklung, die auf den Schutz des Bodens nicht allzu viel Rücksicht nahm: Als Umweltproblem sind sie in Deutschland seit Ende der siebziger Jahre bekannt. Der "Sachverständigenrat für Umweltfragen" hat erstmals den Begriff "Altlasten" verwendet, als er auf die unbekannten Risiken hinwies, die von den circa 50.000 Altdeponien und wilden Ablagerungen ausgehen können.

Das Bundes-Bodenschutzgesetz definiert Altlasten als

  1. stillgelegte Abfallbeseitigungsanlagen sowie sonstige Grundstücke, auf denen Abfälle behandelt, gelagert oder abgelagert worden sind (Altablagerungen), und
  2. Grundstücke stillgelegter Anlagen und sonstige Grundstücke, auf denen mit umweltgefährdenden Stoffen umgegangen worden ist (Altstandorte),

durch die schädliche Bodenveränderungen oder sonstige Gefahren für den einzelnen oder die Allgemeinheit hervorgerufen werden.

Als altlastverdächtige Flächen werden Altablagerungen und Altstandorte bezeichnet, bei denen der Verdacht schädlicher Bodenveränderungen oder sonstiger Gefahren für den Einzelnen oder die Allgemeinheit besteht. Zur Zeit sind in Deutschland mehr als 271.000 Flächen als altlastverdächtig erfasst. Nach der Wiedervereinigung mussten auf dem Gebiet der ehemaligen DDR zahlreiche Altlastflächen registriert und einer Sanierung zugeführt werden. Ein zuvor nicht gekanntes Beispiel für das Ausmaß einer Altlastenfläche ist das Braunkohlegebiet um Bitterfeld.

2. Militärische Altlasten

Im Ergebnis der politischen Veränderungen in Europa und des damit verbundenen Abrüstungsprozesses ist in der Bundesrepublik Deutschland seit 1991 die militärische Nutzung von circa 50 Prozent der ehemals eine Million Hektar militärisch genutzter Fläche aufgegeben worden. Dieser Prozess umfasste den Abzug der Westgruppe der ehemaligen sowjetischen Truppen (WGT), Liegenschaften der Nationalen Volksarmee der DDR, der NATO sowie der Bundeswehr. Auf einer Vielzahl dieser Liegenschaften resultieren die Umweltschäden jedoch nicht nur aus der militärischen Nutzung nach 1945, sondern auch aus dem militärischen Betrieb vor und während des Zweiten Weltkrieges.

Militärische Altlasten unterscheiden sich von den sogenannten zivilen Altlasten durch eine Reihe von Besonderheiten, die eine Bearbeitung zum Teil erheblich erleichtern, andererseits aber auch eine abweichende Bewertung nahe legen. Es handelt sich in der Regel um begrenzte Flächen, die auf vergleichsweise sehr großen Liegenschaften im Altlastenverdacht stehen.

Vom Schadstoffspektrum her handelt es sich überwiegend um Verunreinigungen des Bodens mit Mineralölkohlenwasserstoffen und ähnlichen Substanzen (Treibstoffe) sowie mit halogenierten Kohlenwasserstoffen. Häufig finden sich beträchtliche Mengen, wenn Leckagen nicht erkannt wurden und die Verunreinigung durch den Austritt von Schadstoffen über einen längeren Zeitraum erfolgte. Das gleiche gilt für Kontaminationen in den Wartungsbereichen, wenn dort über lange Zeit hinweg ein allzu "sorgloser Umgang" mit wassergefährdenden Stoffen stattfand.

In der Regel kann die Mehrzahl der Probleme auf militärischen Altlasten bereits mit der Erfassung der ökologischen Situation und daran anschließenden Sofortmaßnahmen, die der unmittelbaren Gefahrenabwehr dienen, behoben werden.
Allerdings wird die Bearbeitung und damit auch eine mögliche zivile Nachnutzung militärischer Altlasten häufig durch die Lage der Liegenschaften in entlegenen Gebieten und auf Flächen, für die eine andere als militärische Nutzung kaum in Frage kommt, erschwert.

Aufgrund des Ausmaßes militärischer Altlasten hat ihre Erfassung, Bewertung und Sanierung einen hohen Stellenwert.

3. Rüstungsaltlasten

Fast schon in Vergessenheit geraten, stellen die Rüstungsaltlasten aus dem ersten und zweiten Weltkrieg - zum Teil auch nach mehr als 80 Jahren – in Deutschland immer noch ein aktuelles Problem bei der Bearbeitung von Altlasten dar.

Ihr ganz spezifisches Schadstoffspektrum unterscheidet sie hinsichtlich der Gefährdung und der Sanierungsmöglichkeiten deutlich von den sogenannten zivilen Altlasten. Bei den als Rüstungsaltlasten bezeichneten Grundstücken handelt es sich um Altstandorte und Altablagerungen, auf denen insbesondere rüstungsspezifische Stoffe (zum Beispiel Explosivstoffe, chemische Kampfmittel, Brand- und Rauchstoffe, Produktionsrückstände) entwickelt, erprobt, hergestellt, verarbeitet, gelagert oder vernichtet wurden.

Eine Bestandsaufnahme, die Mitte der 1990er Jahre vom Umweltbundesamt im Auftrag des Bundesumweltministeriums veranlasst wurde, erfasste insgesamt 3.240 Rüstungsaltlastverdachtsflächen.

Als Verdachtsflächen aus Rüstungsaltlasten werden grundsätzlich eingestuft:

  1. ehemalige Produktionsstätten
  2. Munitionslagerstätten
  3. Spreng- und Schießplätze
  4. Delaborierungswerke
  5. Zwischen- und Endablagerungsstätten für chemische Kampfmittel.

Ein Rüstungsaltlastverdachtsstandort umfasst in der Regel die gesamten zusammenhängenden Flächen und Bereiche, die durch die Nutzung und die damit zusammenhängenden Handlungsabläufe in Anspruch genommen wurden. So gehören zum Beispiel zu einem Standort, an dem vormals Explosivstoffe hergestellt wurden, neben den Produktionsanlagen auch Lagerflächen, Bereiche für Umschlag, Transport, Ver- und Entsorgung sowie Scheineinrichtungen zur Tarnung. 

4. Maßnahmen

Die jeweils notwendigen Maßnahmen werden durch das Bundes-Bodenschutzgesetz (17. März 1998) und die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung bestimmt.
In der Regel müssen altlastenverdächtige Flächen zunächst erfasst und bewertet werden. Gehen akute Gefahren von ihnen aus, sind Sofortmaßnahmen zur unmittelbaren Gefahrenabwehr einzuleiten. Sollte sich herausstellen, dass eine Sanierung erforderlich ist, können Dekontaminationsmaßnahmen (zur Entfernung der Schadstoffe) oder Sicherungsmaßnahmen (zur Verhinderung der Schadstoffausbreitung) ergriffen werden.

Das Umweltbundesamt hat eine Reihe von Instrumenten entwickeln lassen, die bei der Altlastenbearbeitung eingesetzt werden können.