Moorschutz

Moorlandschaft

Erhalt, Schutz und Wiederherstellung einzigartiger Lebensräume

Intakte Moore sind nicht nur beeindruckende Landschaften, sie bieten auch wertvolle Lebensräume für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten und erfüllen wichtige Funktionen für Klimaschutz und -anpassung, den Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie unsere Erholung. Das Bundesumweltministerium (BMU) setzt sich deshalb sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene dafür ein, Moore als Lebensräume zu schützen und zu erhalten, geschädigte Moore wiederherzustellen und eine nachhaltige Bewirtschaftung wiedervernässter Moorböden voranzubringen.

Moorlandschaft

Moorschutz aktiv voranbringen

Das Bundesumweltministerium tritt seit langem dafür ein, Moore in Deutschland zu schützen und wiederzubeleben. Denn hierzulande gelten mehr als 90 Prozent der Moorflächen als entwässert – sie wurden trockengelegt, um Torf zu stechen und Land- und Forstwirtschaft zu ermöglichen. Entwässerte Moore können jedoch ihre wichtigen Funktionen für Natur- und Klimaschutz nicht oder nur noch teilweise erfüllen.

Bereits im Jahr 2015 hat das Bundesumweltministerium den Deutschen Moorschutzdialog ins Leben gerufen, um die Anliegen verschiedener Interessensgruppen im Bereich Moorschutz zu verbinden. Denn um den Moorschutz aktiv voranzubringen braucht es neben Bewusstseinsschärfung der Gesellschaft vor allem eine gute Zusammenarbeit aller betroffenen Akteurinnen und Akteure, vom Bund über die Länder bis hin zu Flächennutzerinnen und Flächennutzern. Staatssekretär Jochen Flasbarth hatte sich am 18. September 2020 bei einem Vor-Ort-Termin im Randow- und Peenetal in Mecklenburg-Vorpommern ein Bild von den Herausforderungen gemacht, vor denen die Landwirtschaft beim Moorbodenschutz steht.

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Gleichzeitig arbeitet das Bundesumweltministerium daran, den Moorbodenschutz inhaltlich weiter voranzubringen. Die auf Bundesebene erforderlichen Maßnahmen wurden in der Nationalen Moorschutzstrategie festgelegt. Als erste konkrete Maßnahmen werden beispielsweise verschiedene Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz vom BMU gefördert. In diesen soll die nachhaltige Bewirtschaftung wiedervernässter Moorböden in enger Zusammenarbeit mit Flächennutzerinnen und Flächennutzern erprobt und für eine breite Umsetzung in Deutschland weiterentwickelt werden. Auch die Zusammenarbeit mit den Ländern ist im Moorschutz unabdingbar. Bund und Länder müssen an einem Strang ziehen und haben dies in einer Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Moorbodenschutz festgehalten.

Diese Zielvereinbarung verbindet die Moorschutzaktivitäten des Bundes und der Länder und bildet unter anderem die Grundlage für die großflächige Umsetzung von Maßnahmen zum Moorbodenschutz. Die Bundesregierung hat bereits mit dem Klimaschutzprogramm 2030 beschlossen, dass verstärkter Moorbodenschutz und die Reduzierung der Torfverwendung wichtige Maßnahmen für die Erreichung der Klimaschutzziele sind. Auf der internationalen Ebene arbeitet das BMU über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) mit anderen Staaten zum Schutz und zur Wiederherstellung natürlicher Ökosysteme zusammen. Speziell zur Verbesserung des Moorschutzes wurde die Global Peatland Initiative gegründet, die in ihrer Startphase vom BMU über ein IKI-Projekt unterstützt wird.

Moorschutz-Pilotprojekte

Von besonderer Bedeutung für die Weiterentwicklung eines ambitionierten Moorschutzes sind die durch das Bundesumweltministerium geplanten Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz. Sie dienen der Entwicklung innovativer Bewirtschaftungs- und Nutzungsformen auf Moorböden. Sie adressieren neben dem Klimaschutz auch Fragen der Biodiversität, des Landschaftswasserhaushalts und die soziökonomischen Aspekte einer nachhaltigen Moornutzung. In den Pilotvorhaben sollen anspruchsvolle Modelle und Konzepte für die langfristige Bewirtschaftung von wiedervernässten Moorböden erprobt, überprüft und für eine breite Umsetzung in Deutschland weiterentwickelt werden.

Ein wesentlicher Ansatz für die Pilotvorhaben ist die deutliche Minderung oder Vermeidung der Freisetzung von Treibhausgasen aus Moorböden. Sie soll durch eine vollständige Wiedervernässung der Flächen erreicht und mit einer ökonomisch sinnvollen und nachhaltigen Bewirtschaftung dieser Moorböden verbunden werden. Hierzu liegen bisher keine ökonomisch tragfähigen Konzepte vor. Die Pilotvorhaben sollen auch dazu dienen, die bestehenden ökonomischen, planerischen und ordnungsrechtlichen Instrumente zu erproben und erforderliche Anpassungen oder Änderungen zu identifizieren. Es ist die Aufgabe und das Ziel der Pilotvorhaben Erfahrungen für die Nutzung wiedervernässter Moorböden zu sammeln und diese für eine breitere Nutzung verfügbar zu machen. Es sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, ob die Maßnahmen für eine großflächige Umsetzung geeignet sind. Berücksichtigt werden auch gesellschaftliche Aspekte im Zusammenhang mit dem Moorschutz. Daneben wird auch die Entwicklung angepasster Techniken und Nutzung innovativer Produkte gefördert.


Bund-Länder-Zielvereinbarung

Unter gemeinsamer Federführung des Bundesumweltministeriums (BMU) und Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) wurde eine Bund-Länder-Zielvereinbarung zum Schutz von Moorböden erarbeitet, mit der eine enge Verzahnung der Moorschutzaktivitäten des Bundes und der Länder erreicht wird. Die Zielvereinbarung basiert auf dem gemeinsamen Verständnis des Bundes und der Länder, dass die deutschen Klimaziele nur erreicht werden können, wenn auch im Bereich der Moorböden zügig ambitionierte Maßnahmen zur dauerhaften Reduktion von Treibhausgasemissionen ergriffen werden. Die Umsetzung der Ziele und Maßnahmen beruhen auf dem Prinzip der Freiwilligkeit und erfordern ein kooperatives Handeln des Bundes, der Länder und vor allem derjenigen, denen die Flächen gehören und die sie nutzen. Die Zielvereinbarung baut auf den seit Jahren laufenden Aktivitäten der Länder und des Bundes zum Schutz und zur Renaturierung der Moore auf und entwickelt diese insbesondere im Sinne des Klimaschutzes konsequent weiter.


Nationale Moorschutzstrategie

Dem Auftrag aus dem Koalitionsvertrag für die 19. Legislaturperiode folgend hat das Bundesumweltministerium eine Nationale Moorschutzstrategie entwickelt. Insbesondere hat die Strategie das Ziel, die jährlichen Treibhausgasemissionen aus Moorböden bis zum Jahr 2030 um mindestens 5 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalent zu senken. Dabei setzt die Strategie auf finanzielle Anreize für freiwillige Wiedervernässungsmaßnahmen.

Die Erarbeitung der Strategie beruhte auf einem breit angelegten Beteiligungsprozess. Im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens wurden die fachlichen Grundlagen für die Moorschutzstrategie erarbeitet. Hierzu hat das das Institut für Ländliche Strukturforschung (IfLS) im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) unter anderem Expertenworkshops durchgeführt. Vom 16. November 2020 bis 15. Januar 2021 wurde die Öffentlichkeit auf Grundlage eines Diskussionspapiers beteiligt. Im Rahmen dieser Öffentlichkeitsbeteiligung fand am 15. Dezember 2020 eine Stakeholder-Veranstaltung statt. Alle weiteren Informationen zum Beteiligungsprozess sowie eine Auswertung des Beteiligungsverfahrens zur Moorschutzstrategie finden Sie auf der BMU-Homepage "Öffentlichkeitsbeteiligung – Moorschutzstrategie". Auf Grundlage der Rückmeldungen zum Diskussionspapier aus der Öffentlichkeitsbeteiligung hat das BMU einen Entwurf für die Moorschutzstrategie erarbeitet und hierzu die anderen Bundesressorts beteiligt. Auch auf Grundlage der Rückmeldungen der Ressorts sind weitere Änderungen an der Strategie erfolgt. Die Nationale Moorschutzstrategie wurde am 1. September 2021 vom BMU veröffentlicht.


Moore schützen für Natur und Klima

Die Wichtigkeit eines besseren Moorbodenschutzes ergibt sich aus der Bedeutung der Moore für den Biodiversitäts- und Klimaschutz. Intakte Moore sind nicht nur beeindruckende Landschaften, sie bieten zudem einzigartige Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten und sind wichtige Langzeitspeicher für Kohlenstoff. Werden Moorböden für eine land- oder forstwirtschaftliche Nutzung entwässert, setzen sie diesen Kohlenstoff in Form erheblicher Mengen an Treibhausgasen frei. In Deutschland nehmen Moorböden circa vier Prozent der Bundesfläche ein (14.190 Quadratkilometer), verursachen aber circa 45 Millionen Tonnen CO2äq Treibhausgasemissionen. Das entspricht mehr als einem Drittel aller Treibhausgasemissionen, die der Landwirtschaft zuzuordnen sind. Stoppen lassen sich diese Freisetzungen nur, indem die Wasserstände in den entwässerten Moorböden angehoben werden. Nasse Moore dienen zudem als Lebensraum für hochspezialisierte, an die Umgebung angepasste und deshalb seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten und erfüllen durch ihre Wasserspeicherkapazität wichtige Funktionen als Temperatur- und Feuchtigkeitsregulatoren. Neben dem Schutz intakter Moore bilden die Wiederherstellung und die nachhaltige Bewirtschaftung von Moorböden zentrale Herausforderungen.