Wildereibekämpfung

Bekämpfung von Wilderei und illegalem Handel mit Wildtierprodukten

Die Wilderei und der illegale Handel mit Wildtierprodukten, wie zum Beispiel Elfenbein und Nashornhorn, sind ein globales Problem. Vor allem Afrika und Asien erleben seit einigen Jahren eine zunehmende Intensivierung und Professionalisierung des illegalen Wildtierhandels. Es ist ein lukratives Geschäft, bei dem kriminelle Syndikate ähnlich wie internationale Waffen- oder Drogenhändler über Grenzen hinweg agieren und das im Umfang dem Handel mit Drogen oder Waffen nahekommt. Eine gemeinsame Studie (2016) des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und von INTERPOL schätzt den reinen Gegenwert illegal gehandelter Arten auf weltweit sieben bis 23 Milliarden US-Dollar jährlich. In dieser Summe sind jedoch noch nicht die Kosten für weitere ökosystemare oder wirtschaftliche Schäden berücksichtigt, denn die Wilderei und der illegale Artenhandel bedrohen nicht nur die Existenz ungezählter gefährdeter Arten und ihrer Ökosysteme, sondern zunehmend auch die Wirtschaftsgrundlage und die Sicherheit der betroffenen Bevölkerung und Staaten.

Die Anfang 2020 beginnende weltweite Corona-Pandemie hat außerdem gezeigt, dass der Handel mit Wildtieren und Wildtierprodukten auch das Risiko erhöht, dass Krankheitserreger von Tieren auf Menschen überspringen und sich im Extremfall bis hin zu Pandemien ausbreiten. Insbesondere illegale und unregulierte Wildtiermärkte, auf denen Wildtiere geschlachtet und zum Verzehr angeboten werden, können Ursachen für die Verbreitung von solchen "Zoonosen" sein.

Deutschland engagiert sich zudem seit dem Jahr 2015 auf Ebene der Vereinten Nationen für ein gemeinsames multilaterales Vorgehen gegen die Wilderei und illegalen Artenhandel. Die UN-Generalversammlung hat 2015 die erste Resolution gegen den illegalen Wildtierhandel beschlossen. Sie wurde zuletzt 2019 aktualisiert. Deutschland unterstützt Diskussionen zur Schaffung eines internationalen strafrechtlichen Instruments gegen Wildtierkriminalität, insbesondere mit Bezug auf das internationale UN-Übereinkommen gegen die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität (UNTOC).

Deutschland hat seit 2014 alle wichtigen internationalen Konferenzen zur Bekämpfung der Wilderei und des illegalen Artenhandels aktiv mitgestaltet und unterstützt ihre Ergebnisse (London 2014, Kasane/Botswana 2015, Hanoi/Vietnam 2016, London 2018, Lima/Peru (Regionalkonferenz) 2019).

Der illegale Artenhandel muss mit konkreten Maßnahmen entlang der gesamten illegalen Handelskette in den Ursprungs-, Transit- und Konsumländern bekämpft werden. Dabei werden vom BMU Akzente in Bereichen gesetzt, in denen eine besonders hohe Wirkung zu erwarten ist und die als Schwerpunkte unter dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) und bei internationalen Konferenzen definiert wurden: Hierzu zählen vor allem die Nachfragereduktion nach Nashornhorn und Elfenbein in asiatischen Zielländern (vor allem Vietnam, China), die Verbesserung des artenschutzrechtlichen Vollzugs und verstärkte Zusammenarbeit von asiatischen und afrikanischen Staaten, sowie die Unterstützung der Entwicklung und Umsetzung konkreter Strategien wie der Nationalen Elfenbein-Aktionspläne.

Mit bis zu drei Millionen Euro pro Jahr werden vom BMU Projekte in Afrika und Asien gefördert, um der Wilderei und dem illegalen Wildtierhandel entgegenzutreten. Die Mittel wurden erstmals im Jahr 2015 bewilligt, um den Schutz Afrikanischer Elefanten und Nashörner zu verbessern. Insgesamt gibt es afrikaweit schätzungsweise 400.000 Elefanten und 25.000 Nashörner. Durchschnittlich werden jährlich circa 17.000 Elefanten und 1000 Nashörner gewildert. Insbesondere Zentralafrika sowie das südliche und östliche Afrika sind davon betroffen. Ursache für den massiven Verlust der Bestände ist die hohe Nachfrage nach Wildtierprodukten besonders in Asien, die mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen Jahre stetig gestiegen ist. 

Als größtes Vorhaben unterstützt das BMU, gemeinsam mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), die von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführte "Partnerschaft gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel in Afrika und Asien". Die Partnerschaft wird vom BMU mit einem Gesamtvolumen von 5,25 Millionen Euro mitfinanziert. Ziel dieses Vorhabens ist es, die Wilderei entlang der gesamten illegalen Handelskette, sowohl in den afrikanischen Herkunfts- und Transitländern als auch in den überwiegend asiatischen Konsumländern, zu bekämpfen. Dazu werden Maßnahmen umgesetzt, die den Schutz der Tiere verbessern, den Strafvollzug stärken und die Nachfrage beeinflussen. 

Neben weiteren Einzelprojekten zur Wildereibekämpfung ist BMU mit Beiträgen von über einer Million Euro seit 2011 auch einer der größten internationalen Geber für den Fonds zum Schutz des Afrikanischen Elefanten (African Elephant Fund, AEF). Über diesen durch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) verwalteten Fonds werden Projekte zur Erhaltung der afrikanischen Elefanten in ihren Verbreitungsländern unterstützt.  

Beispiele für Aktivitäten aus der "Partnerschaft gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel in Afrika und Asien"

Die nachfolgenden Abschnitte beleuchten einzelne Aktivitäten aus der "Partnerschaft gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel". Sie stellen beispielhaft dar, wie der illegale Artenhandel mit konkreten Maßnahmen entlang der gesamten Handelskette in den Ursprungs-, Transit- und Konsumländern bekämpft wird.

Stärkung der Wildereiabwehr

Die Elefanten- und Nashornpopulationen im subsaharischen Afrika stehen seit einigen Jahren unter enormen Druck. Die Wildhüterinnen und Wildhüter der Schutzgebiete sind jedoch häufig nur unzureichend in der Lage, die Tiere in den zum Teil riesigen Parks ausreichend vor Wilderei zu schützen. Die Verbesserung dieses Schutzes ist für diese bereits vielerorts bedrohten Arten überlebenswichtig. Das BMU unterstützt daher Schutzgebiete in Afrika bei ihrer Wildereiabwehr, unter anderem durch die Ausbildung von Wildhüterinnen und Wildhütern, die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und die Verbesserung des Zusammenlebens von Wildtieren und lokaler Bevölkerung.

Zur Unterstützung der Wildereiabwehr zählt auch die Gründung und Ausbildung von Spürhundeeinheiten, die speziell für das Auffinden von illegalen Wildtierprodukten trainiert werden. In Sambia und Malawi werden auf diese Weise Kontrollen im Umfeld von Schutzgebieten sowie an Grenzen, Flughäfen und anderen neuralgischen Punkten intensiviert. Durch den Einsatz der spezialisierten Spürhunde konnten bereits große Mengen illegaler Produkte, wie Elfenbein und Nashorn-Horn, beschlagnahmt und zahlreiche Schmuggler verhaftet werden. Seit der verstärkten Präsenz der Spürhundeeinheiten ist der Wildtierschmuggel an den kontrollierten Flughäfen deutlich zurückgegangen. Darüber hinaus wird derzeit auch der innovative Einsatz von afrikanischen Riesenhamsterratten (Cricetomys) im Aufspüren illegaler Wildtierprodukte pilotiert. Die Ratten verfügen über einen äußerst ausgeprägten Geruchssinn, der derzeit bereits zum Auffinden von Landminen genutzt wird. Der zukünftige Einsatz der Ratten verspricht noch größere Flexibilität bei Zollkontrollen, zum Beispiel in der Untersuchung eng beladener Schiffscontainer.

Neben den unterstützten Maßnahmen zur direkten Wildereiabwehr legt das BMU einen Fokus auf Ansätze, die das Zusammenleben von Wildtieren und lokalen Gemeinden verbessern. In Tansania und Sambia werden beispielsweise Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in der Anwendung von Abwehrmechanismen geschult, um ihre Ackerflächen vor Elefanten zu schützen. Hierfür werden Chili-Zäune aufgestellt, die die Elefanten mit ihrem sehr empfindlichen Geruchssinn meiden. Da bisher keines der derartig geschützten Felder von Elefanten zerstört wurde, bietet sich der Ansatz auch für die Ernährungssicherung in anderen Regionen an. Zudem stellt der Anbau und Verkauf von Chili eine alternative Einkommensquelle dar.

Stärkung des Rechtsvollzugs zur Eindämmung des illegalen Wildtierhandels

Eine weitere entscheidende Komponente im Kampf gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel ist die Stärkung des Rechtsvollzugs. Der interkontinentale illegale Wildtierhandel wird von internationalen kriminellen Syndikaten kontrolliert, bei deren Bekämpfung nationale Behörden häufig buchstäblich an ihre Grenzen stoßen. Neben der Stärkung nationaler Behörden kommt daher insbesondere der internationalen Vernetzung von Institutionen eine entscheidende Rolle zu.

Das BMU ermöglicht die internationale Zusammenarbeit nationaler Rechtsvollzugsbehörden unter anderem durch die Förderung des sogenannten TWIX-Systems. TWIX (Trade in Wild-life Information eXchange) ist eine Online-Plattform auf der Beamtinnen und Beamten verschiedener Länder auf sicherem Weg ermittlungsrelevante Informationen miteinander teilen können, was grenzübergreifende Zusammenarbeit entscheidend stärkt. In Afrika existieren derzeit zwei regionale Plattformen für Zentralafrika (AFRICA-TWIX) und das südliche Afrika (SADC-TWIX), die bei den Regionalorganisationen COMIFAC und SADC angesiedelt sind. Durch den Informationsaustausch über die TWIX-Plattformen konnten in kurzer Zeit bereits mehrere internationale Ermittlungen angestoßen werden. Auf Grund des großen Erfolgs wird derzeit eine dritte Regionalplattform für Ostafrika aufgebaut.

Im Rahmen des kontinentübergreifenden Ansatzes zur Eindämmung des illegalen Wildtierhandels wird seit dem Verbot des offiziellen Elfenbeinhandels in China 2017 auch die Unterstützung asiatischer Rechtsvollzugsbehörden ausgeweitet, um die zunehmende Verlagerung des Handels auf Schwarzmärkte zu verhindern. In China findet diesbezüglich intensives Monitoring digitaler und physischer Märkte statt. Die so gewonnenen Daten werden mittels einer Datenanalyse-Software aufgearbeitet, die weltweit zur Bekämpfung von kriminellen Netzwerken angewandt wird. Zudem werden Schlüsselinstitutionen in China, Vietnam, Laos, Kambodscha und Myanmar in ihren Bemühungen unterstützt, den Schmuggel von Wildtieren strafrechtlich zu verfolgen und insbesondere in ihrer Fähigkeit zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit gestärkt. Bislang wurden mehrere Hundert Beamtinnen und Beamten in ihren Fähigkeiten zur Verfolgung international organisierter Wildtierkriminalität weitergebildet. Im Rahmen eines transkontinentalen Süd-Süd-Austauschs konnten durch die Förderung des BMU darüber hinaus afrikanische Zollbeamtinnen und -beamten an Schulungen der Zollakademie in Shanghai teilnehmen und so nicht nur ihr Wissen über illegale Handelsketten erweitern, sondern auch die direkte Kooperation und Zusammenarbeit mit ihren chinesischen Kolleginnen und Kollegen ausbauen.

Nachfragereduktion von illegalen Wildtierprodukten

Treibende Kraft der Wilderei bei Elefanten und Nashörnern ist die hohe Nachfrage nach Nashorn- und Elfenbeinprodukten in den vorwiegend asiatischen Konsumländern. Es ist deswegen wesentlich, neben dem Angebot an Wildtierprodukten, auch die Nachfrage langfristig zu reduzieren. Dazu bedarf es sowohl einer verbesserten Regulierung des illegalen Handels, als auch einer nachhaltigen Verhaltensänderung der Konsumenten.

Die Gründe für den Konsum können sehr unterschiedlich sein, daher ist es wichtig Märkte und Konsummuster zu analysieren, um sie besser zu verstehen. Während in China Elfenbein beispielsweiße als Statussymbol und Luxusobjekt gehandelt wird, gibt es in Vietnam eine gesteigerte Nachfrage nach Nashornhornpulver als medizinisches Wundermittel. Asiatische Auslandsreisende sind in den letzten Jahren besonders in den Fokus gerückt, da sie sich der Problematik und den Gefahren ihres Konsums oft nicht bewusst sind und auf den teilweise unregulierten Märkten in südostasiatischen Ländern leicht illegale Produkte erwerben können. Auch die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft hat den illegalen Wildtierhandel nicht unberührt gelassen. So ist zum Beispiel zu beobachten, dass sich der illegale Handel mit Wildtierprodukten in den letzten Jahren zunehmend auf Online-Märkte und soziale Netzwerke verlagert hat.

Deshalb unterstützt das BMU eine Reihe von Maßnahmen in China und Vietnam, die sowohl das Marktmonitoring (Erfassung von Konsumtrends) und Sensibilisierungskampagnen zu Verhaltensänderung, als auch innovative digitale Ansätze, wie die Zusammenarbeit mit Technologieunternehmen (soziale Netzwerke, Verkaufsplattformen et cetera) abdecken.

Durch den Ausbau der internationalen Online-Austauschplattform Change Wildlife Consumers (Netzwerk für Verhaltensänderung), können sich weltweit führende Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft vernetzen und ihr Wissen über die Ansätze zu Veränderung des Verbraucherverhaltens bündeln. Die Erkenntnisse fließen aktiv in die Gestaltung aktueller Kampagnen in den asiatischen Zielländern ein, beispielsweise werden chinesische Touristen durch die Kampagne "Reisen ohne Elfenbein" (Travel Ivory Free) über soziale Medien für die Illegalität ihres Konsums sensibilisiert. In enger Zusammenarbeit mit großen Tourismusanbietern wurden bislang mehrere hundert Millionen Reisende über die Auswirkungen ihres Konsumverhaltens aufgeklärt und so Verhaltensänderungen angestoßen.

In Vietnam unterstützt das BMU zusammen mit der nationalen CITES-Behörde (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Flora and Fauna) den Medien- und Bildungssektor. Durch die Integration der Wilderei-Thematik in das Curriculum der Akademie für Journalisten wird die Berichterstattung über den illegalen Handel mit Wildtierprodukten gestärkt und die Bevölkerung über das kriminelle Geschäft mit Nashornprodukten und dessen zweifelhafte Wirkung informiert. Insgesamt konnten so bereits 1.000 Studentinnen und Studenten zur Thematik weitergebildet, 450 Artikel in den öffentlichen Diskurs getragen sowie über drei Millionen Personen erreicht werden.

Zudem konzentriert sich das BMU auf Kooperationen mit Unternehmen aus dem Privatsektor. In China wird beispielsweise ein Zusammenschluss von über 30 Technologieunternehmen fortgebildet, darunter Alibaba, Baidu und Facebook, um die verschiedenen Online-Märkte gezielt zu regulieren. Bereits über 3,3 Millionen Angebote von exotischen Wildtieren konnten von den Online-Plattformen gelöscht werden. Zudem werden chinesische Firmen bei der Entwicklung und Verbreitung von Verhaltenskodizes (sogenannten "Codes of Conduct") und Null-Toleranz-Regeln ("Zero Tolerance") unterstützt, und chinesische Gemeinschaften in Afrika über die Auswirkungen des illegalen Wildtierhandels und die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen in Afrika und China aufgeklärt. Ähnliche Ansätze gibt es in Vietnam; so werden in Zusammenarbeit mit einem der größten vietnamesischen Bauunternehmen Viettel Constructions die im Ausland tätigen vietnamesischen Fachkräfte für die Gefahren des illegalen Wildtierkonsums sensibilisiert.