BMU Website

Navigation

Von hier aus koennen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

Wildnis

Naturbild: Fliegende Kraniche.

Gebiete, in denen Natur wirklich Natur sein darf, sind selten in Deutschland. Schon seit Jahrhunderten wird nahezu die gesamte Landfläche für Siedlung, Gewerbe, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft genutzt. Vom Menschen kaum beeinflusste Gebiete sind daher nur noch in Fragmenten vorhanden, die für Wildnisgebiete typische natürliche Dynamik in der Landschaft wurde zurückgedrängt. Um die natürlichen Prozesse der Lebensraumdynamik wieder zu aktivieren, sollen mindestens zwei Prozent der Landesfläche einer von menschlichen Nutzungen freien Entwicklung überlassen werden. Dies entspricht etwa einer Fläche von 714.000 Hektar. 

Zentrale Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS):

  • Bis zum Jahre 2020 kann sich die Natur auf mindestens zwei Prozent der Landesfläche Deutschlands wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln, beispielsweise in Bergbaufolgelandschaften, auf ehemaligen Truppenübungsplätzen, an Fließgewässern, an den Meeresküsten, in Mooren und im Hochgebirge.
  • Bei einem Großteil der Wildnisgebiete handelt es sich um großflächige Gebiete.
Zum Video auf YouTube

Wo gibt es Wildnis in Deutschland?

Dauerhaft gesicherte Wildnisgebiete im Sinne der NBS liegen derzeit vor allem in den Kernzonen der Nationalparke, in Teilen der Flächen des Nationalen Naturerbes sowie in einigen großflächigen Naturschutzgebieten. Eine erste Schätzung geht davon aus, dass derzeit damit etwa 0,6 Prozent der Landesfläche für die großflächige Wildnisentwicklung gesichert sind. Darüber hinaus finden sich in der NBS eine ganze Reihe von weiteren Zielen, die ebenfalls in den Kontext Wildnis gehören, sei es zu Wäldern, Auen, Mooren oder Küsten. Sowohl große Gebiete im Sinne des zwei Prozent-Ziels als auch kleinere Flächen, beispielsweise im Wald, leisten wertvolle Beiträge zu einzelnen Wildnis-Zielen der NBS.

Warum brauchen wir mehr Wildnis in Deutschland?

  • Große Gebiete, in denen sich die Natur gemäß ihren Gesetzmäßigkeiten entwickeln kann, sind unverzichtbar für den Schutz der biologischen Vielfalt. Viele Arten brauchen ungestörte Rückzugsräume mit hohem Strukturreichtum, die sie nur in großen, ungestörten Gebieten vorfinden. Darüber hinaus ist der genetische Austausch und das Ablaufen evolutiver Prozesse, die beispielsweise für die Anpassung an den Klimawandel wichtig sind, fast nur noch in Wildnisgebieten möglich.
  • In Wildnisgebieten können wir viel von der Natur lernen: Hier können wir erforschen, wie sich vom Menschen weitgehend unbeeinflusste Gebiete beispielsweise in Zeiten des Klimawandels verhalten und so Erkenntnisse für Management oder Bewirtschaftung gewinnen.
  • Es ergeben sich Synergien beim Klima- oder beim Hochwasserschutz: Intakte, "wilde" Moore sind Hotspots der biologischen Vielfalt ebenso wie effektive Kohlendioxidsenken. Natürliche Auen können Wasser und Nährstoffe zurückhalten, somit ergeben sich Synergien zwischen Natur-, Hochwasser- und Gewässerschutz.
  • Großflächige Wildnisgebiete können unsere Sehnsucht nach ursprünglichem Naturerleben stillen. Daher sind beispielsweise die Nationalparke auch in Deutschland Tourismusmagneten. Die Mehrheit der Menschen in Deutschland gibt an, Natur umso schöner zu finden, je wilder sie ist.
  • Es ist ein Gebot der internationalen Glaubwürdigkeit, dass wir uns auch in unserem Land für den Schutz von großflächigen Wildnisgebieten einsetzen und dies nicht nur beispielsweise im Regenwaldschutz einfordern.

Mehr dazu:

Die BMU-Broschüre "Wo Natur sich selbst gehört – Warum wir mehr Wildnis in Deutschland brauchen" gibt einen Überblick darüber, was Wildnis in Deutschland sein kann und was die wichtigsten Argumente für mehr Wildnis in Deutschland sind, unter anderem: "Wildnis schützt – Wildnis heilt – Wildnis ist Atempause – Wildnis ist Blaupause".

Für einen tieferen fachlichen Einstieg in die Argumentation für die Wildnisentwicklung in Deutschland hat das Bundesamt für Naturschutz ein umfangreiches Papier "Mehr Wildnis in Deutschland!" erstellt, das fundierte Informationen für Diskussionen und Argumentation bietet.

Wo stehen wir und was tun wir für die Wildnis in Deutschland?

  • Wir stellen einen Wildnisfonds zur Verfügung mit dem Ziel, die Länder bei der Umsetzung des Zwei-Prozent-Ziels Wildnis zu unterstützen. Für die Sicherung von neuen Wildnisgebieten stehen jährlich 10 Millionen Euro zur Verfügung. Informationen zur Förderrichtlinie Wildnisfonds, zur Einreichung von Projektskizzen und zur Antragstellung finden Sie auf der Seite von Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH.
  • In der Naturschutz-Offensive 2020 hat das BMUB eine Initiative für mehr Wildnis in Deutschland angekündigt. Das haben wir umgesetzt. Ein Beschluss der Umweltministerkonferenz bestätigt, dass Bund und Länder bei der Umsetzung der BMUB-Initiative "Mehr Wildnis in Deutschland" eng zusammenarbeiten werden. Aufbauend auf diesen Beschluss hat sich ein reger Austausch zwischen Bund und Ländern entwickelt.
  • So wurden gemeinsam mit den Länderfachbehörden und den Naturschutzverbänden Qualitätskriterien für Wildnisgebiete im Sinne der NBS entwickelt und veröffentlicht. 
  • Es ist klar, dass ohne das Engagement der Bundesländer keine Möglichkeit zur Umsetzung der Wildnisziele der NBS besteht. Und die Länder schreiten voran! Viele von ihnen haben die Wildnisziele der NBS, insbesondere das genannte zwei Prozent-Wildnisziel, aber auch das Ziel, auf fünf Prozent der Waldfläche die natürliche Waldentwicklung zu sichern, in ihre Strategien und Programme zur biologischen Vielfalt, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen haben Wildnis- beziehungsweise Wildnisentwicklungsgebiete in ihre Landesnaturschutzgesetze aufgenommen.
  • Der Bund hat mit dem Nationalen Naturerbe bisher über 150.000 Hektar Bundesfläche für den Naturschutz gesichert. Für etwa 20 Prozent der bundeseigenen Wälder ist damit die natürliche Entwicklung perspektivisch festgeschrieben. Darüber hinaus bieten die Flächen des Nationalen Naturerbes auch Potenzial für großflächige Wildnisentwicklung.
  • Die Umwelt- und Naturschutzverbände, auch viele Stiftungen, haben ein großes Interesse an der Wildnisentwicklung in Deutschland und bringen sich auch selbst aktiv mit der Übernahme von Flächen ein.