Naturschutz und Energie

Der Umbau unseres Energiesystems verändert Landschaften und beeinflusst die Natur. Die Energiewende muss deshalb naturverträglich gestaltet werden.

Die Weltgemeinschaft hat im Pariser Abkommen das völkerrechtlich verbindliche Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, möglichst sogar auf unter 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Um dieses bedeutende Klimaschutzziel zu erreichen, sind weitreichende und langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen notwendig. Eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik ist außerdem wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Insbesondere gilt es, die Energiesysteme spätestens bis zur Mitte des Jahrhunderts nahezu vollständig von fossilen Rohstoffen zu entkoppeln. Hierzu sind sowohl eine deutliche Senkung der Energienachfrage als auch die Deckung des verbleibenden Energiebedarfs durch erneuerbare Energien erforderlich.

Der Strukturwandel im Energiebereich führt zu neuen Anforderungen an die Natur. Der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie deren Verteilung und Speicherung führen zu veränderten und teilweise größeren Raumansprüchen als die bisherige Energieerzeugung und -versorgung in Deutschland, zum Beispiel durch den Ausbau von Windenergie- und Photovoltaikanlagen sowie den Bau von Stromleitungen und Kabeltrassen zur notwendigen Anpassung der Netzkapazitäten. Dies beeinflusst heute und zukünftig nachhaltig das Erscheinungsbild der Landschaft, den Naturhaushalt und die biologische Vielfalt.

Strommasten

Besonders beim Biomasseanbau, der Windenergieerzeugung und dem Ausbau der Photovoltaikanlagen auf Freiflächen sind deren Auswirkungen inzwischen vielerorts sichtbar. So waren zum Beispiel Ende 2019 in Deutschland insgesamt rund 29.500 Windenergie-Anlagen an Land mit einer Gesamtleistung von rund 54.000 Megawatt installiert. Darüber hinaus erfordert der dezentrale Ausbau der Erneuerbaren Energien entsprechende Netzkapazitäten, um sie von den Orten der erneuerbaren Energieerzeugung (verstärkt im Norden) zu den großen Verbrauchsstätten (im Süden und Westen) zu transportieren. Wesentliche Pfeiler des Netzausbaus sind das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen (EnLAG) von 2009 und das Gesetz über den Bundesbedarfsplan (BBPlG), das erstmals 2013 verabschiedet wurde und seitdem regelmäßig fortgeschrieben wird. Beide Gesetze listen Maßnahmen im Übertragungsnetz auf, deren Realisierung im überragenden öffentlichen Interesse und für die öffentliche Sicherheit erforderlich ist. Nach dem Energieleitungsausbaugesetz werden rund 1.800 Leitungskilometer – das sogenannten Startnetz – gebaut, davon wurden bis Ende 2020 ca. 1.026 km realisiert. Hinzu kommen nach dem Bundesbedarfsplangesetz etwa 6.000 km, an Optimierungs- und Verstärkungsmaßnahmen in Bestandstrassen und an Neubautrassen. Für die länderübergreifenden oder grenzüberschreitend Netzausbauvorhaben von etwa 3.700 km Länge führt die Bundesnetzagentur die Verfahren durch. Der Großteil der übrigen Vorhaben (etwa 2.200 km) liegt wie beim EnLAG in der Zuständigkeit der Länder. Hinzu kommen noch 98 km, die vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) genehmigt wurden. Von den insgesamt 6.000 Leitungskilometern nach dem Bundesbedarfsplangesetz wurden bis Ende 2020 ca. 600 km fertiggestellt und sind ca. 200 km genehmigt bzw. im Bau.

Eine komplett erneuerbare Energieversorgung in Deutschland ist im Einklang mit der Natur möglich. Damit das gelingt, müssen fünf Leitlinien beachtet werden, die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im Juni 2017 in Berlin vorgestellt hat (Papier "Fünf Punkte für eine naturverträgliche Energiewende 2050"). Zu den zentralen Elementen gehören ambitionierte Effizienzmaßnahmen und ein stärkerer Ausbau gebäudenaher Anlagen wie Solarmodule auf Dächern und Fassaden oder Wärmepumpen. Weitere Elemente eines naturverträglichen Ausbaus sind ein schonender und standortoptimierter Ausbau der Windenergie an Land und See, die Gewinnung von Biomasse aus Rest- und Abfallstoffen sowie eine naturverträgliche Nutzung der Wasserkraft. Diese Leitlinien werden auch bisher schon zunehmend bei der Energiewende berücksichtigt, müssen aber für die weitere Entwicklung hin zu einer komplett erneuerbaren Energieversorgung in den nächsten Jahrzehnten noch stärker verankert werden.

Die fünf Leitlinien wurden hergeleitet aus den Forschungsarbeiten des Bundesamtes für Naturschutz zum Thema "Naturschutz und Erneuerbare Energien". Darüber hinaus tragen die bewährten Instrumente des Naturschutzes wie zum Beispiel der Arten- und Gebietsschutz und die Eingriffsregelung in den Genehmigungsverfahren, die raumordnerische Steuerung als auch die Mitwirkung bei den Anreizinstrumenten für den Umbau des Energiesystems wie zum Beispiel das Erneuerbare-Energien-Gesetz oder bei den Instrumenten zur Steigerung der Energieeffizienz dazu bei, dass die Energiewende naturverträglich ausgestaltet wird.