Lage der Natur 2020

Alle sechs Jahre nehmen Bund und Länder eine Bewertung des Zustands der Natur in Deutschland vor. Dazu werden umfassende Berichte erstellt, die durch die Bundesregierung an die EU-Kommission zur Erfüllung der europäischen Fauna-Flora-Habitat (FFH)-Richtlinie und der EU-Vogelschutz-Richtlinie übermittelt werden. Die so gewonnenen Daten beziehen sich auf zahlreiche gefährdete Lebensräume, die Vogelwelt so-wie die nach FFH-Richtlinie geschützten Arten und Artengruppen Deutschlands. Sie erlauben damit auch eine Bewertung für wesentliche Bestandteile unserer biologischen Vielfalt. 

Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation
Wildbach im frühlingshaften Hochgebirge mit Alpenrosen im Vordergrund
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Alpine Flüsse mit krautiger Ufervegetation stellen die natürliche Ausprägung der typischen Fließgewässer der Alpen und des Alpenvorlandes dar. Charakteristisch sind die sich immer wieder umlagernden und periodisch überfluteten Kies- und Schotterbänke mit ihrer spezifischen Alpenschwemmlings-Vegetation (insbesondere Epilobium fleischeri oder Chondrilla chondrilloides). Ursprünglich an allen alpinen Flüssen, auch im Alpenvorland bis an die Donau und am Oberrhein weit verbreitet, ist dieser Lebensraumtyp mit seiner spezifischen Fauna und Flora aufgrund von Eingriffen in die natürliche Fließgewässer- und Geschiebedynamik heute bis auf wenige, oft kleinflächige Reste (zumeist in den Oberläufen) verschwunden.

Die größten Beeinträchtigungen und Gefährdungen stellen Eingriffe in die Hydrologie des Fließgewässers dar, insbesondere solche, die das natürliche Abfluss- und Geschieberegime grundlegend verändern. Besonders gravierend wirken sich Wehre, Stauhaltungen, Verrohrungen, Dämme und Kanalisierungen sowie Wasserableitungen aus.

Renaturierungsmaßnahmen der letzten Jahre zeigen erste lokal und regional wirksame Erfolge, die einen leicht positiven Gesamttrend begründen. Um zu großräumigen Verbesserungen zu gelangen muss den alpinen Flüssen aber über weite Strecken wieder mehr Raum zur natürlichen Entfaltung sowie die Möglichkeit für eine naturnahe Hochwasserdynamik zurück gegeben werden.

Steckbrief


Wildkatze
Wildkatze im Wald
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Die scheue Wildkatze (Felis silvestris) benötigt als Lebensraum große, zusammenhängende Waldgebiete. Sie bevorzugt alte Laubwälder und braucht Felsspalten, Baumhöhlen oder Fuchsbaue als Schlafplatz und zur Jungenaufzucht. Die Wildkatze ist meist in der Abenddämmerung und Nacht aktiv und jagt vor allem Mäuse. Wildkatzen leben als Einzelgängerinnen und Einzelgänger und legen auf der Suche nach Nahrung oder Geschlechtspartnern über 100 Kilometer zurück. Gefährdungsursachen der ursprünglich über ganz Deutschland verbreiteten Art sind der Straßen- und Schienenverkehr, die Zerstörung geeigneter Lebensräume und die Isolation der Vorkommensgebiete. Verkehrswege stellen mit Siedlungsbändern nur schwer überwindbare Barrieren dar, die die Ausbreitung und den genetischen Austausch der Wildkatze erschweren. Die Art ist immer noch sehr selten und gemäß Roter Liste "gefährdet". Der Bestand wird auf 6000 bis 8000 Tiere geschätzt, wobei Deutschland eine hohe Verantwortlichkeit für den Erhalt der Art hat, die hier international einen Verbreitungsschwerpunkt hat.

Die Bestandsentwicklung konnte durch Schutzmaßnahmen, zum Beispiel sogenannte "Wildkatzenkorridore" (Vernetzung der Habitate) verbessert werden, u. a. im Rahmen eines sich über sechs Bundesländer erstreckenden Projekts des Bundesprogramms "Biologische Vielfalt". Um die positive Entwicklung weiter zu fördern, müssen die Artenschutzprogramme konsequent umgesetzt werden.

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Uferschnepfe
Uferschnepfe auf Baumstamm
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Die Uferschnepfe (Limosa limosa) brütet überwiegend auf Feuchtwiesen am Boden und ist vor allem in Nordwest-Deutschland verbreitet. Die in Deutschland brütenden Uferschnepfen überwintern in Westafrika und haben wichtige Zwischenrastgebiete in Spanien, Portugal und Marokko.

Die Bestände der Uferschnepfe gehen seit vielen Jahrzehnten zurück, wobei die Rückgänge sich über den letzten 12-Jahreszeitraum fortgesetzt haben. Auch das Verbreitungsgebiet hat in Deutschland stark abgenommen.

Ursachen für den Rückgang sind im Grünlandumbruch, der Grundwasserabsenkung, der Entwässerung von Wiesen und Weiden, Intensivierung der Landwirtschaft und in der Zerstörung von großen Moorgebieten zu finden. Die Prädation von Gelegen stellt eine wichtige Ursache für eine geringe Reproduktionsrate dar. Erfolge der Schutzbemühungen zeichnen sich innerhalb von gut gemanagten Schutzgebieten ab.

Zum Schutz der Uferschnepfe ist die Erhaltung extensiv genutzter Feuchtwiesen und die großflächige Wiederherstellung zusammenhängender, feuchtebestimmter Grünlandgebiete notwendig. Entscheidend sind die Anpassung der landwirtschaftlichen Nutzung und der direkte Schutz von Gelegen bei der Bewirtschaftung.

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Schwarzstorch
Schwarzstorch sucht in Ufernähe nach Nahrung
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Der Schwarzstorch (Ciconia nigra) brütet in störungsarmen Laubwäldern, wo er Zugang zu geeigneten Nahrungshabitaten findet. Die Brutvorkommen haben einen Schwerpunkt in den nördlichen Mittelgebirgen, das norddeutsche Tiefland ist lückig besiedelt. Schwarzstörche aus Deutschland nutzen mehrere Zugrouten in ihre Winterquartiere und überwintern größtenteils in West- und Zentralafrika, auch Überwinterungen in Südwesteuropa werden zunehmend festgestellt.

Die Bestände des Schwarzstorchs nehmen in Deutschland seit einigen Jahrzehnten kontinuierlich zu, seit Ende der 1980er Jahre erfolgte eine deutliche Ausdehnung des Verbreitungsgebietes. Durch intensive Verfolgung und die Etablierung großflächiger Nadelholzforste war der Schwarzstorch in Deutschland stark zurückgegangen und hatte noch in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein Bestandstief von lediglich 10 bis 20 Paaren im gesamten Deutschland. Der Schwarzstorch profitierte von der Einstellung der Verfolgung und konnte sich auch Dank intensiver Schutzmaßnahmen mittlerweile auf einen Bestand von 800 bis 900 Paaren erholen.

Wichtige Maßnahmen zur Erhaltung des Schwarzstorchs sind die Sicherung und Erhaltung von Horsten sowie ihr Schutz vor Störungen in der Brutzeit durch forstliche Bewirtschaftungsmaßnahmen und Erholungssuchenden.

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Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling
Heller Wiesenknopf-Ameisenbläuling
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Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling (Maculinea teleius) ist eine wichtige Zeigerart für nährstoffarme, frische bis (wechsel-)feuchte Wiesen. Essenziell für die Ansiedlung des Schmetterlings sind Vorkommen des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis) gemeinsam mit Vorkommen der Knotenameise (Myrmica scabrinodis). Die Blütenköpfchen des Wiesenknopfes dienen dem stark gefährdeten Schmetterling als Nahrungsquelle, Schlaf- und Ruheplatz sowie zur Balz, Paarung und Eiablage. Die Jungraupen entwickeln sich in den Blütenköpfchen. Später werden sie von den Wirtsameisen adoptiert und in deren Bau eingetragen. Dort ernähren sie sich bis zur Verpuppung von der Ameisenbrut. Pro Nest kann sich nur eine Raupe entwickeln, so dass die Wiesen groß sein müssen, damit sich eine stabile Population ansiedeln kann. Eine Änderung der Nutzungsart oder -intensität kann schnell dazu führen, dass das Habitat nicht mehr geeignet ist, da es zur Verdrängung der Futterpflanze sowie zur Verschlechterung der Siedlungsbedingungen für die Wirtsameise kommen kann. Der Verlust von Kleinstrukturen und Landschaftselementen erschwert den Austausch zwischen den besiedelten Teilflächen.

Wichtige Maßnahmen zur Förderung des Schmetterlings sind eine angepasste Nutzungsart und -intensität ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, nur geringe Düngung und später Mahd sowie die Vernetzung der Habitate.

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Magere Flachland-Mähwiesen
Kaiserstühler Wiesen am Badberg bei Vogtsburg Schelingen mit Funkturm im Hintergrund
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Zu diesem an sich weit verbreiteten Grünland-Lebensraum gehören artenreiche, extensiv bewirtschaftete Mähwiesen des Flach- und Hügellandes. Die Wiesen sind blütenreich mit zahlreichen blauen und roten spätblühenden Kräutern, wenig gedüngt und werden nicht vor der Hauptblütezeit der Gräser gemäht. Neben trockenen Ausbildungen wie der Salbei-Glatthaferwiese gibt es auch frische bis feuchte Untertypen mit zum Beispiel dem Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis). Magere Flachland-Mähwiesen kamen ursprünglich in fast allen Teilen Deutschlands vor. Im norddeutschen Tiefland sind sie jedoch von Natur aus weniger häufig und artenärmer ausgebildet als in Süddeutschland.

Magere Flachland-Mähwiesen sind vor allem durch eine Intensivierung der Bewirtschaftung (verstärkte Düngung, häufigere Mahd) gefährdet. Dieser Nutzungsdruck hält auf der einen Seite weiter an und wird durch eine zunehmende Umwandlungstendenz zu Acker verstärkt. Auf der anderen Seite gehen vermehrt Flächen, insbesondere auf Grenzertragsstandorten, aufgrund der Aufgabe traditioneller Nutzungsformen (zum Beispiel als Heuwiese) verloren. Besonders stark betroffen von diesen Veränderungen sind Wiesen außerhalb von Schutzgebieten.

Die Mähwiesen benötigen eine angepasste Nutzung (geringe Düngung, Verbot von Pestiziden) und müssen auch außerhalb der Schutzgebiete als Paragraph 30-Biotope gesetzlich geschützt werden.

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Feldlerche
Eine Feldlerche auf einem Baumstamm startet zum Abflug
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Die Feldlerche (Alauda arvensis) ist in Mitteleuropa ein weit verbreiteter Brutvogel. Sie brütet bevorzugt im offenen Gelände am Boden, dicht stehende Vegetation wird gemieden. Die in Deutschland brütenden Feldlerchen ziehen nach Westen und Südwesten und überwintern zum größten Teil in Westeuropa.

Die Bestände der weit verbreiteten Feldlerche sind im Zeitraum von 1980 bis heute europaweit sowie in Deutschland um mehr als die Hälfte zurückgegangen, ein Rückzug aus der Fläche ist regional bereits spürbar.

Wesentliche Ursache für den Rückgang der Feldlerche sind der Rückgang von geeignetem, wenig intensiv genutztem Grünland und die Zunahme intensiven Ackerbaus insbesondere durch die Bevorzugung von Wintergetreide. Durch die seit Mitte der 2000er Jahre gesteigerte Anbaufläche von Mais und Raps zur Gewinnung von Biomasse wurde der Brutbestand der Feldlerche weiter beeinträchtigt.

Zum Schutz der Feldlerche sind genügend Brachflächen und Störstellen notwendig, Sommerkulturen sowie weite Reihen- und Saatabstände sind positiv für Feldlerchen. Pestizid- und Düngergaben müssen deutlich verringert werden. Zum Schutz der Feldlerche muss die Landnutzung großflächig umgestellt und Fördermittel müssen an wirksame Maßnahmen gebunden werden.

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Sandheiden mit Besenheide auf Binnendünen
Morsum auf Sylt
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Sandheiden auf Binnendünen sind von Zwergsträuchern (Calluna vulgaris, Genista anglica, Genista pilosa, Genista germanica) dominierte trockene Heiden auf entkalkten oder kalkarmen Binnendünen mit meist einzelnen Gebüschen, aber auch offenen Sandstellen. Es handelt sich um eine ehemals in Norddeutschland weit verbreitete Kulturlandschaft, die durch eine traditionelle Beweidung entstanden ist. Sie besitzt heute eine besondere Bedeutung für den Erhalt oligotropher, also nährstoffarmer Lebensräume und konkurrenzschwacher, auf sandige Böden angewiesene, oft stark gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Die meisten der größeren noch erhaltenen Heiden auf Binnendünen befinden sich auf ehemaligen oder noch genutzten militärischen Liegenschaften.

Magere Sandheiden sind in der Vergangenheit vielfach durch Aufforstungen der wenig ertragreichen Standorte verloren gegangen. Die heutigen verbliebenen Flächen sind im Wesentlichen von der Aufgabe der bisherigen Nutzung bedroht. Eine besondere Gefährdung geht zusätzlich von dem Eintrag von Schadstoffen aus der Luft, vor allem Stickstoff aus. Dadurch kommt es zu einer Nährstoffanreicherung (Eutrophierung) und Sukzession mit Abnahme der typischen offenen und niedrigwüchsigen typischen Sandvegetation.

Für den Erhalt der Sandheiden auf Binnendünen ist die Aufrechterhaltung einer angepassten, extensiven Nutzung beziehungsweise Pflege (zum Beispiel auf militärischen Liegenschaften) sowie die Reduzierung der Stickstoffeinträge notwendig.

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Lebende Hochmoore
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Lebende Hochmoore finden sich auf zum Teil mächtigen Torfsubstraten und stellen aufgrund der nährstoffarmen und sauren Verhältnisse einen ganz besonderen Lebensraum für zahlreiche hochspezialisierte Tier- und Pflanzenarten (zum Beispiel verschiedene Sonnentauarten Drosera spec. und Hochmoorgelbling Colias palaeno) dar. Häufig tritt eine uhrglasförmige Aufwölbung mit mooreigenem Wasserspiegel auf, der deutlich über dem umgebenden Grundwasserspielgel liegt. Hohe Niederschläge und ein ungestörter Wasserhaushalt bilden die Voraussetzung für aktives Moorwachstum. Die den Lebensraum prägenden Torfmoose (Sphagnum spec.) sorgen für das saure Milieu, wachsen nach oben und sterben dabei in den unteren Teilen sukzessive ab, so dass sich Torf bildet.

Lebende Hochmoore waren vor allem in der Vergangenheit durch Torfabbau und direkte Entwässerung gefährdet. Wasserentnahmen auch im weiteren Umfeld der Moore sowie klimabedingte Trockenperioden und Niederschlagsabnahmen führen aktuell zu einer negativen Veränderung des Wasserregimes. Wird der Wasserhaushalt der Moore beeinträchtigt, gelangt Luft an den Moorkörper, so dass der Torf mineralisiert und enorme Mengen klimaschädigender Gase entweichen. Die Moore werden dann zur Treibhausgasquelle. Wichtige Maßnahmen sind die Wiederherstellung eines natürlichen Wasserregimes sowie die Reduzierung atmogener Stickstoff- und randl. Düngeeinträge.

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Nährstoffarme Stillgewässer mit Armleuchteralgen
Stillgewässer
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Dieser Lebensraumtyp umfasst oligo- bis mesotrophe kalkhaltige Gewässer aller Höhenstufen mit submersen Armleuchteralgenbeständen (Ordnung Charetalia). Armleuchteralgen können dichte kalkverkrustete Unterwasserrasen zum Teil mit Tiefenzonation aus mehreren Arten bilden. Viele Armleuchteralgenarten sind gefährdet und weisen starke Rückgänge auf; sie können daher nur durch einen guten Erhaltungszustand dieses Lebensraumtyps vor dem Verschwinden bewahrt werden.

Der Lebensraumtyp ist vor allem durch Nährstoffeinträge bedroht, die unter anderem zu einer schnelleren Sukzession und Verlandung führen. Weitere Beeinträchtigungen und Gefährdungen sind unetr anderem Gewässerverschmutzung, Veränderungen der hydrologischen Verhältnisse, Verschlammung/Verlandung und fischereiliche Nutzung. Vor allem die immer weiter zunehmende Eutrophierung (insbesondere durch die Landwirtschaft) bedingt einen eher negativen Trend, insbesondere in der kontinentalen Region; in der atlantischen Region ist der Lebensraumtyp schon weitgehend verschwunden. Der gute Erhaltungszustand in der alpinen Region ist im Weiteren der extensiveren Landwirtschaft und der dadurch geringeren Nährstoffbelastung zu verdanken.

Die noch vorhandenen nährstoffarmen Stillgewässer müssen dringend vor weiterer Eutrophierung geschützt werden (zum Beispiel durch Pufferzonen und Extensivierung der Bewirtschaftung angrenzender landwirtschaftlicher Flächen).

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Rotbauchunke
Rotbauchunke
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Die stark gefährdete Rotbauchunke (Bombina bombina) ist eine kleine auf den ersten Blick unscheinbare Unkenart. Nahen jedoch Fressfeinde zeigt sie zur Warnung ihre auffällige rot gefleckte Unterseite. Als Lebensraum nutzt sie fischfreie, gut besonnte und pflanzenreiche Stillgewässer im Auenbereich, Flachwasserzonen an Seen und häufig auch Feldsölle in Agrarlandschaften. Für die Überwinterung werden benachbarte Waldbereiche aufgesucht. Die Rotbauchunke ist in der atlantischen Region bereits erloschen. Aber auch in ihrem Hauptverbreitungsgebiet im Nordosten Deutschlands ist die Situation weiterhin schlecht. Die Entwässerung zur landwirtschaftlichen Flächennutzung, die häufige Mahd des Grünlandes und die Ausbringung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln stellen ebenso wie die Beseitigung kleiner Landschaftselemente Beeinträchtigungen dar. Dadurch werden die Vorkommen zunehmend voneinander isoliert und in ihrer Individuenzahl reduziert. Gezielte Maßnahmen müssen den Lebensraum verbessern und die einzelnen Vorkommen stärken und wieder miteinander vernetzen. Mit diesem Ziel ist beispielsweise in Niedersachsen ein Life+ Projekt gestartet.

Wichtige Maßnahmen sind die Sicherung und Erhaltung von geeigneten Stillgewässern und Überwinterungshabitaten sowie die Vernetzung der Vorkommen.

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Mopsfledermaus
Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus)
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Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastella) ist eine mittelgroße, sehr dunkel gefärbte Fledermaus und zählt in Deutschland zu den seltenen Fledermausarten. Sie kommt in den meisten Regionen Deutschlands vor, fehlt aber im Norden und Nordwesten. Sie ist sehr stark an Wälder gebunden. Im Sommer dienen ihr als Quartier meist enge Spalten an Bäumen (vorwiegend abstehende Borke) oder alternativ an Gebäuden. Im Winter zieht sie erst bei Temperaturen unter 0 Grad Celsius in unterirdische Quartiere ein. Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Klein- und Nachtschmetterlingen, die sie häufig dicht über den Kronen der Bäume oder entlang von Schneisen jagt.

Die Kolonien benötigen ein reiches Quartierangebot, damit die Tiere ihr Versteck häufig wechseln können. Im Zuge forstlicher Maßnahmen sowie zur Verkehrssicherheit sind diese Verstecke und Quartiere selten geworden. Durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Land- und Forstwirtschaft wird der Mopsfledermaus nicht nur die Nahrungsgrundlage entzogen, sondern wissenschaftliche Studien zeigten, dass sie auch direkt vergiftet werden kann.

Die Mopsfledermaus benötigt die Wiederherstellung naturnaher Waldlebensräume mit einer Erhöhung des Alt- und Totholzanteils, um den Tieren aus-reichend Wochenstuben- und Winterquartiere zu bieten. Auch Maßnahmen zur Erhaltung einer reichen Schmetterlingsfauna helfen der Mopsfledermaus.

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Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder
Erstes zartes Grün im Wald (von Hainbuchen, Carpinus betulus), rechts eine Eiche
Christian Pedant - stock.adobe.com

Die subatlantischen Sternmieren-Eichen-Hainbuchenwälder wachsen auf zeitweilig oder dauerhaft feuchten Böden mit hohem Wasserstand. Die Laubmischwälder bestehen hauptsächlich aus Stieleiche (Quercus robur) in Mischung mit Hainbuche (Carpinus betulus) und Edellaubbäumen, wie zum Beispiel Bergahorn (Acer pseudoplatanus) und Esche (Fraxinus exelsior). Die naturnahen lichten Wälder sind bevorzugter Lebensraum vieler bedrohter und hoch spezialisierter Tierarten, wie zum Beispiel Hirschkäfer und Eremit, die in lichten Wäldern mit alten Eichen geeignete Lebensbedingungen finden.

Viele Eichenhainbuchenwälder sind aufgrund der Mittelwald- und Niederwaldbewirtschaftung vor einigen Jahrhunderten auch auf potenziellen Buchenstandorten entstanden. Diese Bewirtschaftungsformen werden heutzutage nur aus Naturschutzzwecken angewandt und die Buche erobert aufgrund ihrer Konkurrenzkraft diese Standorte zurück.

Da dieser Waldtyp auf Wassernähe angewiesen ist, führt eine Veränderung der hydro-logischen Verhältnisse zu einer Verschlechterung. Auch eine zu intensive Altholzutzung und nicht angepasste Schalenwildbestände beeinträchtigen den Lebensraum. Zudem wird der Lebensraumtyp auch durch Schadstoff- und Nährstoffeinträge insbesondere durch Verkehr und Landwirtschaft regional beeinträchtigt. Für eine Verbesserung dieser Wälder ist eine ökologische Waldwirtschaft mit angepassten Schalenwilddichten notwendig.

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Weißdünen mit Strandhafer
Weißdüne
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Weißdünen entwickeln sich aus Primärdünen auf frisch aufgewehten meist kalkreichen Sanden. Die Vegetation ist häufig lückig und von Strandhafer (Ammophila arenaria) dominiert. Mancherorts finden sich Kolonien verschiedener Möwenarten in den Weißdünen. Auch bodennistende Hautflüglerarten finden einen geeigneten Lebensraum. Durch die hohe und stete Sandzufuhr verringert sich der Salzwassereinfluss im Wurzelbereich. Die Bildung einer Süßwasserlinse beginnt.

Der Meeresspiegelanstieg und das häufigere Auftreten von Sturmfluten fördern den Küstenabtrag, von dem die Weißdünen besonders betroffen sind. Küstenschutzmaßnahmen und der zunehmende Aus-bau der Infrastruktur für den Tourismus gefährden die Vorkommen. Zusätzlich sind die Ansiedlung invasiver Arten wie zum Beispiel der Kartoffelrose (Rosa rugosa) sowie atmogene Stickstoffeinträge eine Beeinträchtigung.

Um den Erhaltungszustand der Weißdünen zu verbessern, muss die natürliche Küstendynamik wieder mehr zugelassen und eine konsequente Besucherlenkung umgesetzt werden.

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Trottellumme
Trottellumme
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Trottellummen (Uria aalge) sind typische Seevögel , die sich von pelagischen Kleinfischen ernähren und vor allem entlang der borealen und subarktischen Küsten des Nordatlantik und Nordpazifik brüten. Die einzige deutsche Brutkolonie befindet sich auf Helgoland, wo die Brutbestände zugenommen haben. Nord- und Ostsee sind zudem wichtige Überwinterungs- und Rastgebiete.

Trottellummen weisen während der Überwinterung mit einer Bestandsabnahme um mehr als 75 Prozent in den letzten 12 Jahren unter allen Wasservogelarten in Deutschland die stärksten Verluste auf. Wie die Bestandsabnahmen anderer Seevögel sind diese Rückgänge vermutlich zum Teil durch Nahrungsknappheit und Folgen des Klimawandels zu erklären. Trottellummen sind sehr empfindlich gegenüber Off-shore-Windparks und werden durch Schiffsverkehr erheblich gestört. Ihre Bestandsdichte ist im Bereich von mehreren Kilometern um Offshore-Windparks signifikant reduziert und Schifffahrtsrouten werden gemieden. In der deutschen Ostsee zählen Trottellummen zu den Beifangopfern der Stellnetzfischerei.

Ein konsequentes Management der Schutzgebiete in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) einschließlich Regulierungen zur Fischerei kann einen wichtigen Beitrag zur Minderung dieser Störungen und des Erhalts störungsarmer Räume leisten.

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