Nationaler Artenschutz

Invasive gebietsfremde Arten

Ein weltweit problematischer Neozoen: Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs auf einer Straße

Der weltweit zunehmende Warenverkehr und das vielfältige Angebot an Fernreisen bieten viele Annehmlichkeiten. Doch diese Globalisierung birgt auch ernste Gefahren in sich: Eine Vielzahl fremdländischer Tiere, Pflanzen und Pilze begeben sich ebenfalls auf Reisen. Einige gelangen absichtlich zu uns, andere unabsichtlich als blinde Passagiere. In einigen Fällen können sich die Neuankömmlinge etablieren, massenhaft vermehren und hier natürlich vorkommende Ökosysteme, Biotope oder Arten schädigen, zum Beispiel durch Verdrängung natürlich vorkommender Arten oder Veränderung der Vegetationsstruktur. In diesem Fall spricht man von invasiven Arten.

Invasive und gebietsfremde Organismen stellen weltweit eine der Hauptbedrohungen für die Artenvielfalt, natürliche Lebensräume und Ökosysteme dar. Daneben können gebietsfremde Arten auch den Mensch direkt betreffen. Neu auftretende Schädlinge und Unkräuter verursachen Schäden in der Land- und Forstwirtschaft, bisher unbekannte Insekten können gefährliche Krankheiten verbreiten oder Allergien gegen neu auftretende Blütenpflanzen (zum Beispiel Ambrosia) können auftreten. Gegen diese Auswirkungen werden Maßnahmen vor allem im Bereich der Pflanzengesundheitssysteme und des Polizei- und Ordnungsrechts getroffen.

Verordnungen zur Bekämpfung invasiver Arten

Die Bekämpfung invasiver Arten ist langfristig nur effektiv, wenn sich eine Art nicht wieder aus einem Nachbarstaat zu uns ausbreitet. Daher wurde auf EU-Ebene die Verordnung (EU) Nummer 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten erarbeitet und beschlossen. Gegenstand der Verordnung ist die Vermeidung nachteiliger Auswirkungen invasiver Arten auf die biologische Vielfalt in der Union. Für auf Grund der Verordnung gelistete invasive Arten gelten EU-einheitliche Verbote und Bekämpfungspflichten. Einige der Arten sind in Deutschland bereits weit verbreitet, wie etwa die Chinesische Wollhandkrabbe oder der Waschbär. Andere Arten wie das Großblütige Heusenkraut, die Asiatische Hornisse oder der Chinesische Muntjak wurden bisher in Deutschland nur selten in freier Natur nachgewiesen.

Nach der EU-Verordnung muss Deutschland für weit verbreitete invasive Arten geeignete Managementmaßnahmen festlegen. Außerdem ist ein Aktionsplan zu erstellen, der Maßnahmen beschreibt, mit denen die nicht vorsätzliche Einschleppung und Ausbreitung invasiver Arten verhindert werden kann. Das Vorkommen invasiver Arten der Unionsliste in der Umwelt muss zudem überwacht werden.

Das Bundesumweltministerium beteiligt die Öffentlichkeit im Rahmen der Erstellung des Aktionsplans. Denn die Maßnahmen betreffen nicht nur das Gewerbe wie Bauunternehmen oder Betreiber von Botanischen Gärten und Baumschulen, sondern auch Privatpersonen. So können beispielsweise Reisende dazu beitragen, unbeabsichtigtes Einschleppen von invasiven Arten zu verhindern, indem sie die Kleidung, das Gepäck sowie die Ausrüstungsgegenstände vom Tauchen, Klettern oder Angeln reinigen.

Regelungen zur Durchführung der Verordnung (EU) Nummer 1143/2014 finden sich in den Paragraphen 40a fort folgend des Bundesnaturschutzgesetzes sowie in Paragraph 28a des Bundesjagdschutzgesetz.