Landökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverschlechterung stoppen und umkehren und den Biodiversitätsverlust stoppen

SDG 15: Leben an Land

Sustainable Development Goals: Nummer 15: Leben an Land

Was beinhaltet das Ziel?

SDG 15 strebt den umfassenden Schutz, die Wiederherstellung und die nachhaltige Nutzung von Ökosystemen auf nationaler und internationaler Ebene an. Hierunter fallen Land und Binnensüßgewässer, Wälder und Boden. Darüber hinaus sollen der Verlust der biologischen Vielfalt beendet sowie bedrohte Arten geschützt werden.

Welche Rolle spielt die Umweltpolitik zur Zielerreichung?

Böden, Land, Wälder, Moore, Binnengewässer sind heute in staatlichem wie privaten Besitz, erfüllen als einzelne Ökosysteme wie in ihren Wechselwirkungen jedoch vielfältige Funktionen für Mensch, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. Der nachhaltige Schutz der landseitigen Naturflächen und Ökosysteme ist insbesondere Aufgabe der staatlichen Umweltpolitik, da sie der Daseinsvorsorge verpflichtet ist.

In Deutschland leisten neben den klassischen Schutzgebieten, deren Ausweisung den jeweiligen Bundesländern obliegt, die Flächen des Nationalen Naturerbes einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung und Entwicklung der biologischen Vielfalt. Hierbei handelt es sich um ehemalige bundeseigene Flächen, die von der Privatisierung ausgenommen und stattdessen unentgeltlich an Länder, Naturschutzorganisationen oder Stiftungen zur dauerhaften naturschutzfachlichen Sicherung übertragen wurden. Auf einem Teil des Naturerbes übernimmt der Bund selbst die Naturschutzaufgaben. Bundesweit konnten seit dem Jahr 2008 insgesamt rund 156.000 Hektar als Nationales Naturerbe gesichert werden.

Was trägt das BMU konkret zur Zielerreichung bei?

Das BMU nimmt seine federführende Zuständigkeit für das SDG 15 engagiert wahr und trägt zu dessen Umsetzung durch eine Vielzahl an Aktivitäten und Programmen wesentlich bei. Außer in Deutschland setzt sich das BMU auch in Europa sowie im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit für den Erhalt der Biodiversität ein. Seit dem Jahr 2013 stellt Deutschland dazu jährlich mehr als 500 Millionen Euro für den Erhalt von Wäldern und anderen Ökosystemen weltweit bereit und hat damit sein Engagement seit dem Jahr 2007 mehr als vervierfacht. 

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Von besonderer Bedeutung für die nationale Umsetzung der Biodiversitätsziele ist in Deutschland die "Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt" (NBS), die im Jahr 2007 vom BMU vorgelegt und von der Bundesregierung beschlossen wurde. Es handelt sich dabei um ein anspruchsvolles Programm zur Umsetzung des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD). Die NBS zielt darauf ab, den Rückgang der biologischen Vielfalt in Deutschland aufzuhalten und in einen positiven Trend umzukehren. Die Umsetzung der Strategie zur biologischen Vielfalt wird seit Anfang 2011 durch das "Bundesprogramm Biologische Vielfalt" als Förderprogramm des BMU unterstützt. Von ursprünglich 20 Millionen Euro im Jahr 2017 konnten die Fördermittel im Jahr 2018 auf 25 Millionen Euro und 2019 auf rund 32 Millionen Euro angehoben werden. Für das Jahr 2020 stehen in diesem Förderprogramm rund 45 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung.


Aktionsprogramm Insektenschutz

Verschiedene Studien sowie die Roten Listen belegen, dass sowohl die Gesamtmenge als auch die Artenvielfalt bei den Insekten in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen haben. Der beobachtete Insektenrückgang ist alarmierend, denn Insekten spielen in unseren Ökosystemen eine wichtige Rolle. Viele Insektenarten erbringen elementare Ökosystemleistungen, die auch für uns Menschen unverzichtbar sind. Zum Beispiel die Bestäubung von Pflanzen, die biologische Kontrolle von Schadorganismen, die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit oder die Gewässerreinigung. Deshalb hat das BMU ein umfassendes "Aktionsprogramm Insektenschutz" erarbeitet. Das Programm enthält Maßnahmen in neun Handlungsbereichen, die alle wesentlichen Ursachen des Insektensterbens adressieren. Dazu gehören unter anderem klare Vorgaben für eine umwelt- und naturverträgliche Anwendung von Pestiziden wie der rechtsverbindliche Ausstieg aus Glyphosat im Jahr 2023, Maßnahmen zum Schutz und zur Wiederherstellung von Insektenlebensräumen in allen Landschaftsbereichen und der Stadt sowie die Eindämmung des Staubsaugereffekts auf Insekten durch Licht. 


Schutz und nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder

Mit dem im Jahr 2013 unter der gemeinsamen Federführung von BMEL und BMU eingerichteten Waldklimafonds können jährlich Maßnahmen zur Erhaltung und zum Ausbau des CO2-Minderungspotenzials von Wald und Holz sowie zur Anpassung von Wäldern an den Klimawandel in Höhe von 20 Millionen Euro gefördert werden. Ab 2020 stehen jährlich 25 Millionen Euro zur Verfügung stehen

Seit dem Jahr 2008 stellte die Bundesregierung für die Reduktion von Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung mehr als eine Milliarde Euro bereit. Auch die Internationale Klimaschutzinitiative legt einen Schwerpunkt auf den Erhalt von Wäldern als natürliche Kohlenstoffsenken. Über den IKI-Förderbereich "Erhalt natürlicher Kohlenstoffsenken/REDD+" unterstützt die Bundesregierung Länder des globalen Südens dabei, Strategien zur Reduktion der Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung zu implementieren. Von 2008 bis 2017 wurden in diesem Förderbereich Vorhaben mit einem Gesamtvolumen von 378 Millionen Euro gefördert. Auf dem Klimagipfel in Paris 2015 hat Deutschland angekündigt, gemeinsam mit Norwegen und dem Vereinigten Königreich zwischen 2015 und 2020 insgesamt bis zu fünf Milliarden US Dollar für die Unterstützung von REDD+ zur Verfügung zu stellen. Alle drei Länder haben zwischen 2015 und 2019 gemeinsam bereits über 80 Prozent dieses Zieles erreicht.

Im Rahmen der umfassenden Initiative zur weltweiten Wiederbewaldung, der "Bonn Challenge", setzt sich das BMU für die Wiederherstellung von 350 Millionen Hektar Wald bis zum Jahr 2030 ein. Insbesondere durch die finanzielle, technische und politische Unterstützung der Regionalinitiativen der "Bonn Challenge" hat es so auch wesentlich dazu beigetragen, die weltweite Wiederaufforstung bis zum Jahr 2020 beträchtlich zu erhöhen.


Wildnisfonds

Nach einer ersten Schätzung sind derzeit etwa 0,6 Prozent der Landesfläche in Deutschland für die großflächige Wildnisentwicklung auf den Flächen des Nationalen Naturerbes sowie in den Kernzonen der Nationalparke und einigen großflächigen Naturschutzgebieten gesichert. Zur weiteren Erhöhung des Wildnisanteils hat die Bundesregierung für die 19. Legislaturperiode einen Wildnisfonds als neues Förderinstrument eingerichtet. Der neue Fonds soll die Länder dabei unterstützen, potenzielle Wildnisgebiete zu sichern bzw. bestehende Wildnisgebiete zu ergänzen und/oder zusammenzulegen. Hierfür werden in diesem Jahr 20 Millionen Euro im Haushalt des BMU bereitgestellt, im Jahr 2019 waren es zehn Millionen.


Wilderei und illegaler Wildtierhandel

Wilderei und der illegale Wildtierhandel gefährden unzählige Arten. Überdies hat die Wissenschaft verdeutlicht, dass der illegale Wildtierhandel mit lebenden Tieren und Produkten und insbesondere illegale und unregulierte Wildtiermärkte, auf denen Wildtiere geschlachtet und zum Verzehr angeboten werden, Ursachen für die Verbreitung von Zoonosen (Krankheiten, die von Tier auf Mensch oder umgekehrt übertragen werden können) sein können.

International setzt sich Deutschland daher für die Bekämpfung des illegalen Handels mit Wildtieren und Wildtierprodukten ein. Deutschland ist in diesem Bereich einer der größten internationalen Geldgeber. So fördert das BMU gemeinsam mit dem BMZ gegenwärtig relevante Projekte mit einem Gesamtvolumen von circa 250 Millionen Euro. Neben der Förderung von Projekten und der aktiven Mitgestaltung der Verhandlungsprozesse unter dem Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES) wurden von Deutschland auch in hochrangigen Gremien Initiativen gegen den illegalen Wildtierhandel mitinitiiert und unterstützt. Beispielsweise wurden unter der deutschen Präsidentschaft die "Hochrangigen Grundsätze zur Bekämpfung der Korruption im Zusammenhang mit dem illegalen Handel wildlebender Tiere und Pflanzen und daraus gewonnener Produkte" auf dem G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 verabschiedet.


Bundesprogramm "Blaues Band Deutschland"

Die Bundesregierung beschloss am 1. Februar 2017 das Bundesprogramm "Blaues Band Deutschland" (BBD). Ziel dieses vom BMU und BMVI gemeinsam initiierten und erarbeiteten Bundesprogramms ist es, entlang der Bundeswasserstraßen einen Biotopverbund von nationaler Bedeutung, ein "Blaues Band", aufzubauen. Insbesondere an den Nebenwasserstraßen, aber auch durch lokale Renaturierungsmaßnahmen sollen Fluss, Ufer und Aue wieder miteinander vernetzt und dadurch als Ökosysteme aufgewertet werden. Am 1. Februar 2019 ist das dazugehörige "Förderprogramm Auen" des BMU gestartet. Mit diesem Förderprogramm können zum Beispiel Naturschutz- und Umweltverbände, Landkreise und Kommunen bei der Umsetzung von Maßnahmen in den Auen im Sinne des BBD unterstützt werden. Im Haushalt 2020 des BMU stehen hierfür 6,8 Millionen Euro zur Verfügung.