Nachhaltiger Konsum im Online-Handel

Der Online-Handel boomt, gerade während der Corona-Pandemie. Er geht mit einem Wachstum des Transportaufkommens und einem Mehr an Transportverpackungen durch die wachsenden Sendungszahlen einher. Dies macht sich insbesondere in innerstädtischen Lagen bemerkbar. Dazu kommen die Beanspruchung der Verkehrsinfrastruktur, Beiträge zum Klimawandel und lokale Umweltprobleme wie Feinstaubbelastung und Lärm.

Wo die ökologischen Herausforderungen und Stellschrauben des Online-Handels liegen zeigt eine Studie, die im Auftrag des Bundesumweltamts (UBA) erstellt wurde. Sie vergleicht die Klimagasemissionen des Online-Handels mit anderem Einkaufsverhalten. Die Studie zeigt auf, dass der Onlinekauf durchaus Vorteile kann haben, wenn dadurch die Einkaufsfahrt mit dem eigenen Auto entfällt. Je nach Lieferweg und Ladengröße kann Online-einkaufen klimafreundlicher sein als im Laden. Wer konsequent nachhaltig Einkaufen möchte, sollte sich für Produkte entscheiden, deren Herstellung und Nutzung energiesparend und umweltfreundlich ist und sie im Geschäft um die Ecke kaufen, was mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichbar ist.

Die UBA-Broschüre "Umweltrelevante Produktinformationen im E-Commerce" unterstützt Verbraucherinnen und Verbraucher, ökologische und soziale Aspekte beim Kauf von Produkten und Dienstleistungen im E-Commerce zu berücksichtigen. Von besonderer Bedeutung ist dabei die Transparenz der Produktinformationen.

Das BMU arbeitet seit Jahren mit vielen verschiedenen Maßnahmen daran, den nachhaltigen Konsum im Online-Handel voranzubringen.

Informationsangebote

Wer im Alltag nachhaltig handeln will, kann in fast allen Lebensbereichen auf entsprechende Produkte zurückgreifen. Labels und Siegel erleichtern die Auswahl. Mit dem Blauen Engel (seit 1978) und dem EU Ecolabel (seit 1992) stellen die Bundesregierung und die Europäische Kommission besonders glaubwürdige und transparente Zeichen zur Verfügung. Doch sind diese im Online-Handel oftmals nur unzureichend abgebildet wie auch Informationen zu Reparierbarkeit und der Verfügbarkeit von Updates bei elektronischen Geräten. Bei der Kaufentscheidung spielen diese Faktoren, anders als der der Preis oder das Design, oft eine untergeordnete Rolle. Um Verbraucherinnen und Verbraucher eine bessere Orientierung zu geben, betreibt die Bundesregierung das Internetportal www.siegelklarheit.de – dort werden in acht Produktkategorien Siegel und Label bewertet. Siegeln und Labeln, die dort als "gute" oder "sehr gute Wahl" bewertet werden, können Verbraucherinnen und Verbraucher vertrauen.


Nachhaltige Logistik

Einer der ökologischen Hotspots des Online-Handels ist die Logistik, insbesondere die letzte Meile. Hier setzt BMU mit einem neuen Förderangebot der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) an. Mit der Mikro-Depot-Richtlinie sollen Investitionen in die regional-modellhafte Errichtung von sogenannten Mikro-Depots gefördert werden. Ziel der Förderrichtlinie ist es, eine möglichst große Anzahl von Sendungen durch klimafreundliche Fahrzeuge wie elektrische Transporter und Lastenräder abzuwickeln, um möglichst große Teile der logistischen Fahrleistung auf der letzten Meile von fossilen Antrieben hin zu emissionsfeien Formen zu verlagern. Dadurch sollen die Treibhausgasemissionen auf der letzten Meile pro zugestellter Sendung verringert werden. Die Richtlinie tritt am 1. März 2021 in Kraft. Das Antragsverfahren ist zweistufig. In der ersten Stufe sind in den Jahren 2021 bis 2023 jeweils im Zeitraum vom 1. März bis zum 31. Mai aussagekräftige Projektskizzen einzureichen.

Das Potenzial von Lastenrädern für eine nachhaltige urbane Mobilität ist groß. Die Kleinserien-Richtlinie der Nationalen Klimaschutzinitiative (NKI) ermöglicht die gewerbliche Mobilität, insbesondere auf kurzen Distanzen, klimafreundlich zu gestalten. Es wird eine Förderung in Höhe von 25 Prozent der Investitionen in E-Schwerlastenfahrräder und E-Lastenradanhänger für den fahrradgebundenen Lastenverkehr in Industrie, Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und in Kommunen gewährt. Die Förderanträge zur Richtlinie nimmt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vom 1. März 2021 bis zum 29. Februar 2024 entgegen.


Umweltpolitische Digitalagenda

Illustration Umweltpolitische Digitalagenda

Der Einfluss der Digitalisierung auf den Konsum und auf das Verhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern nimmt stetig zu. Der Online-Handel boomt bei stagnierenden Umsätzen im Einzelhandel. Unter dem Schlagwort "Konsum 4.0" vollzieht sich eine umfassende Entwicklung, die weit über die Verlagerung und Ausweitung des Angebots ins Internet hinausgeht. Neuartige Konsumprozesse kommen in Gang. Bei ihnen hat die Digitalisierung nicht nur wesentlichen Einfluss darauf, wie Angebote, Suchprozesse oder Kaufentscheidungen entstehen, sondern auch darauf, wie diese Einzug in Märkte und in den Lebensalltag halten. Tracking im Internet, der Login mit dem Social-Media-Account und die Erstellung von "maßgeschneiderten" Profilen: Big-Data-Analysen erlauben es, Kundinnen und Kunden durch personalisierte Werbung passgenau in ihrer individuellen Lebenssituation anzusprechen. Sie prognostizieren Konsumwünsche und wecken (vermeintliche) Bedarfe. Insbesondere die ununterbrochene Verfügbarkeit des Online-Handels birgt die Gefahr, durch mehr Konsum die Umwelt zu belasten und den potenziellen Nutzen der Digitalisierung zu konterkarieren. Deshalb arbeitet das BMU mit seiner Umweltpolitik daran, den nachhaltigen Konsum mittels digitaler Lösungen zu fördern und digitale Märkte umweltfreundlicher zu gestalten.


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