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Luftverkehr

Der Luftverkehr gehört zu den international ausgerichteten und wachstumsstarken Sektoren. Er wächst so stark wie kein anderer Verkehrsträger. Diese Entwicklung ist in Deutschland, Europa und weltweit zu beobachten. Aktuelle Marktprognosen gehen von einer jährlichen Zunahme des globalen Luftverkehrs von knapp fünf Prozent in den kommenden zwei Jahrzehnten aus.

Mit dem starken Wachstum der Verkehrsleistung ist auch eine Zunahme der Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima verbunden: Der Luftverkehr trägt durch den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) und weiteren Emissionen zur Erwärmung der Erdatmosphäre bei, der Ausstoß von Luftschadstoffen beeinträchtigt die Luftqualität und es entstehen Belastungen für die Bevölkerung durch Fluglärm.

Luftverkehr und Klimaschutz

Mit dem Übereinkommen von Paris hat sich die Weltgemeinschaft zur Erreichung von globaler Treibhausgasneutralität in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verpflichtet, das heißt weltweit müssen die globalen Treibhausgasemissionen auf netto Null reduziert werden. Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur soll auf deutlich unter 2 Grad Celsius (möglichst 1,5 Grad Celsius) gegenüber dem vorindustriellen Niveau begrenzt werden. Um dies umzusetzen, müssen die durch den Menschen bedingten Emissionen zügig und umfassend reduziert werden. Dies schließt die Emissionen des Luftverkehrs ein.

Für die Belange des internationalen Luftverkehrs ist die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) als UN-Sonderorganisation zuständig. 2016 wurde von der ICAO ein CO2-Standard für Flugzeuge beschlossen. Der CO2-Standard legt Grenzwerte für den Treibstoffverbrauch eines Flugzeuges fest und tritt ab dem Jahr 2020 stufenweise in Kraft. Ab dem Jahr 2028 dürfen Flugzeuge, die den Standard nicht erfüllen, nicht mehr produziert werden.

2016 haben die Mitgliedstaaten der ICAO darüber hinaus eine globale marktbasierte Maßnahme zur Begrenzung der CO2-Emissionen des internationalen Luftverkehrs beschlossen. Diese Maßnahme wird als CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) bezeichnet. CORSIA ist die erste internationale Klimaschutzmaßnahme, die einen einzelnen Sektor betrifft. Sie wurde auf Basis des in der ICAO vereinbarten Ziels eines CO2-neutralen Wachstums des internationalen Luftverkehrs ab 2020 entwickelt. 

Mit Beginn des Jahres 2021 sollen so die CO2-Emissionen des internationalen Luftverkehrs, die über dem Niveau des Jahres 2020 liegen, durch die Fluggesellschaften, kompensiert werden. Die Fluggesellschaften erwerben hierzu Emissionszertifikate, zum Beispiel Gutschriften aus Projekten, die CO2-Emissionen an anderer Stelle einsparen. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz von solarthermischen Heizungsanlagen, die Sonnenenergie zur Wärmeerzeugung nutzen und damit das Heizen mit Holz oder Paraffin ersetzen. Nach zwei zunächst freiwilligen CORSIA-Phasen ist die Teilnahme ab 2027 für alle Staaten verpflichtend, die nicht unter eine Ausnahmeregelung fallen, zum Beispiel auf Grund einer sehr geringen Verkehrsleistung. Die Laufzeit von CORSIA ist mit der Option zur Verlängerung bis zum Jahr 2035 beschränkt.

Um die Ziele des Übereinkommens von Paris zu erreichen, sind neben dem CO2-Standard und CORSIA weitere Maßnahmen und eine tatsächliche Reduktion von Treibhausgasemissionen im Luftverkehr selbst erforderlich. Der Luftverkehr als ein global stark wachsender Sektor weist jedoch nur begrenzte technische Minderungspotenziale für klimaschädliche Emissionen auf (vergleiche "Klimaschutz im Verkehr 2050", UBA). 

Um die Treibhausgas-Emissionen des Luftverkehrs langfristig deutlich zu reduzieren, ist daher zukünftig auch der Einsatz von möglichst treibhausgasneutralen Flugkraftstoffen auf der Basis erneuerbarer Energien erforderlich. Damit sind zum Beispiel strombasierte Kraftstoffe gemeint, die mit Hilfe von Sonnen- oder Windenergie hergestellt werden. Diese Kraftstoffe werden als "Power-to-Liquid"-Kraftstoffe bezeichnet (vergleiche "Power-to-Liquids-Hintergrundpapier", UBA). Die CO2-Bilanz des Luftverkehrs kann durch die Verwendung von Power-to-Liquids-Kraftstoffen, die so auf Basis von erneuerbaren Energien hergestellt worden sind, deutlich verbessert werden. Die Forschung und Entwicklung von CO2-neutralen alternativen Kraftstoffen ist auch im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung festgeschrieben.

Der Luftverkehr belastet das Klima aber nicht nur durch CO2-Emissionen. Aufgrund der großen Höhe, in der die Flugzeuge fliegen, wirken sich auch die Ausstöße von Wasserdampf, Stickoxiden und Rußpartikeln auf den Strahlungshaushalt der Erde aus. Diese "nicht-CO2-Effekte" haben einen erheblichen Anteil an der Gesamtklimawirkung des Luftverkehrs. Die Gesamtklimawirkung des Flugverkehrs wird häufig durch die Anwendung eines Multiplikators abgeschätzt. Bei der Berechnung der Emissionen, die durch die Dienstreisen der Bundesregierung entstehen und deren Klimawirkung durch Unterstützung von speziellen Klimaschutzprojekten kompensiert werden, wird beispielsweise der Faktor 3 verwendet (vergleiche Pressemitteilung "Die Bundesregierung reist weiterhin klimaneutral", UBA).

Bereits 2012 wurde der Luftverkehr neben der Industrie und der Energiewirtschaft in den Europäischen Emissionshandel einbezogen. Seitdem benötigen Luftfahrzeugbetreiber Berechtigungen für den gesamten Ausstoß von Treibhausgasemissionen, die im Gegensatz zu CORSIA zwischen den einzelnen Luftfahrzeugbetreibern handelbar sind. Wenn ein Luftfahrzeugbetreiber seine Treibhausgasemissionen reduziert, kann er die entsprechend weniger benötigten Berechtigungen verkaufen. Für den nationalen Vollzug des Europäischen Emissionshandels ist ebenso wie für CORSIA die Deutsche Emissionshandelsstelle zuständig.