Der Weltklimarat IPCC

Der Weltklimarat (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen, IPCC) wurde 1988 vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als zwischenstaatlicher Ausschuss ins Leben gerufen. In seinem Auftrag tragen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit den aktuellen Stand zum Klimawandel zusammen. Er bietet Grundlagen für wissenschaftsbasierte Entscheidungen der Politik, ohne jedoch politische Handlungsempfehlungen zu geben. Eigene Forschungsarbeit leistet der IPCC dabei nicht, sondern in seinem Auftrag bewerten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit den aktuellen Stand der Forschung zum Klimawandel anhand anerkannter Veröffentlichungen. Die Ausgewogenheit, Verlässlichkeit und Vollständigkeit der Berichte wird durch detaillierte Verfahrensregeln mit einem mehrstufigen Begutachtungsverfahren und weltweite Expertenbeteiligung gewährleistet. Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertreter der derzeit 195 Mitgliedsstaaten von UNEP oder WMO können die Entwürfe der IPCC-Berichte vor deren Veröffentlichung kommentieren und stimmen den Berichten formell zu.

Produkte und Organisation des IPCC

Eisschollen auf einem Gletschersee in Island

Seit seiner Gründung hat der Weltklimarat bereits fünf umfangreiche Sachstandsberichte (Assessment Reports) veröffentlicht. Aktuell wird der Sechste Sachstandsbericht (AR6) erstellt, dessen einzelne Teile bis 2022 veröffentlicht werden. Die Berichte beleuchten die neuesten Ergebnisse der Klimaforschung und zeigen die Risiken und Folgen des Klimawandels sowie Möglichkeiten zu dessen Minderung und Anpassungsstrategien auf.

Zudem hat der IPCC mehr als zehn Sonderberichte herausgegeben. Sonderberichte werden nach dem gleichen Verfahren wie Sachstandsberichte erstellt, behandeln aber spezielle Themen. Außerdem erstellt der IPCC methodische Richtlinien und Software für die Treibhausgasberichterstattung und bietet Emissionsfaktoren zur Berechnung von Treibhausgasemissionen. Das IPCC-Datenzentrum stellt Informationen zum Klimawandel sowie Umwelt- und sozioökonomische Daten zur Verfügung, die für die Sachstandsberichte relevant sind.

Insgesamt gibt es drei Arbeitsgruppen im IPCC, die jeweils einen Teilbericht der Sachstandsberichte beisteuern. Die Arbeitsgruppe I befasst sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels. Arbeitsgruppe II zeigt die Verwundbarkeiten von sozioökonomischen und natürlichen Systemen gegenüber dem Klimawandel sowie dessen Folgen auf und beschreibt Wege, wie sich die Menschen an die globale Erwärmung anpassen können. Die dritte Arbeitsgruppe befasst sich mit Strategien zur Minderung des Klimawandels. Darüber hinaus können IPCC-Projektgruppen eingerichtet werden, die ausgewählte Themen – meist über einen begrenzten Zeitraum hinweg – bearbeiten. Beispielsweise befasst sich eine Projektgruppe mit Methoden zur Berechnung nationaler Treibhausgasemissionen für nationale Treibhausgasinventare. Die Arbeitsgruppen und die Projektgruppen arbeiten stets auf der Grundlage eines vom Plenum verabschiedeten Mandats.

Die Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertreter der Mitgliedstaaten treffen sich regelmäßig zu Plenarsitzungen. Bei diesen legt das Plenum die Themen für zukünftige Sachstandsberichte fest, verabschiedet die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger der jeweiligen Sachstandsberichte und berät über Verfahrensregeln zum Beispiel zur Berichterstellung. Darüber hinaus wählt das Plenum den IPCC-Vorstand. 

Zum neuen Vorsitzenden des IPCC wurde im Oktober 2015 der Südkoreaner Professor Hoesung Lee gewählt. Der deutsche Biologe und Klimaforscher Professor Doktor Hans-Otto Pörtner vom Alfred Wegener-Institut wurde zum Ko-Vorsitzenden der Arbeitsgruppe II gewählt. Die Amtszeiten umfassen den Zeitraum der Erstellung des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts bis zum Jahr 2022. 

Der IPCC und seine Vorstände werden durch ein Sekretariat in Genf und die nationalen IPCC-Kontaktstellen – in Deutschland das Bundesumweltministerium – unterstützt. Als IPCC-Kontaktstelle erhält das Bundesumweltministerium wiederum Unterstützung von der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle, die vom Bundesforschungsministerium und Bundesumweltministerium getragen wird.  

Produkte im sechsten IPCC-Berichtszyklus (2016-22)

Teilbericht der IPCC-Arbeitsgruppe I über die "Naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels"; August 2021

Der erste Teilbericht fasst den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels zusammen. Dazu beschreibt er den aktuellen Zustand des Weltklimas und Modellierungen seiner zukünftigen Entwicklung. Außerdem vermittelt er wichtige Informationen hinsichtlich der damit verbundenen Risiken für Mensch und Natur und analysiert den Bedarf an Emissionsminderungen, die für die Einhaltung der Ziele des Übereinkommens von Paris nötig sind.

Weitere Informationen:


Teilbericht der IPCC-Arbeitsgruppe II über die "Folgen des Klimawandels, Verwundbarkeit und Anpassung", Februar 2022

Folgt im Februar 2022.


Teilbericht der IPCC-Arbeitsgruppe III zur "Minderung des Klimawandels"; März 2022

Folgt im März 2022.


Synthesebericht – Hauptaussagen der drei Teilbände und der drei Sonderberichte (1,5°C globale Erwärmung, Ozean und Kryosphäre, Klimawandel und Landsysteme); 2. Halbjahr 2022.

Folgt im 2. Halbjahr 2022.


Drei Sonderberichte sowie die Ergänzungen der IPCC-Richtlinien von 2006 zur Treibhausgasberichterstattung wurden bereits veröffentlicht. Die Themen der Sonderberichte umfassen den Landsektor, Ozeane/Kryosphäre sowie 1,5 Grad Celsius globale Erwärmung:

Sonderbericht über "1,5 Grad Celsius globale Erwärmung" (SR1.5); Oktober 2018

Der Sonderbericht fasst den wissenschaftlichen Kenntnisstand zu den Folgen von 1,5 Grad globaler Erwärmung und zu den mit einer solchen Erwärmung konsistenten Emissionspfaden zusammen. Er untersucht außerdem konkrete Maßnahmen zur Verstärkung und Beschleunigung des Kampfes gegen den Klimawandel. Darüber hinaus geht ein gesondertes Kapitel auf Berührungspunkte zu den Zielen nachhaltiger Entwicklung (SDG) ein. Der Bericht wurde auf Bitte der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) im Kontext des Pariser Abkommens erstellt.

Weitere Informationen:


Sonderbericht Klimawandel und Landsysteme (SRCCL); August 2019

Der "Sonderbericht über den Klimawandel, Desertifikation, Bodendegradation, nachhaltiges Landmanagement, Desertifikation, Ernährungssicherheit und Treibhausgasflüsse in terrestrischen Ökosystemen" betrachtet die Wechselwirkungen zwischen diesen Komponenten. Außerdem bewertet er den wissenschaftlichen Kenntnisstand über Risikomanagement und Entscheidungsfindung im Hinblick auf ein nachhaltiges Landmanagement und eine nachhaltige Entwicklung.

Weitere Informationen:


Sonderbericht "Ozean und Kryosphäre" (SROCC); September 2019

Der "Sonderbericht über den Ozean und die Kryosphäre in einem sich wandelnden Klima" enthält die Themen Hochgebirgsregionen; Polargebiete; Meeresspiegelanstieg und Änderungen in den Weltmeeren sowie extreme und abrupte Veränderungen. Er beschäftigt sich auch mit den Folgen und Risiken für tief liegende Inseln, Küsten und Gemeinden; marine Ökosysteme und abhängige Gemeinden sowie mit Risikomanagement und Anpassung.

Weitere Informationen:


Produkte im fünften IPCC-Berichtszyklus

In den Jahren 2013/2014 hat der IPCC seinen Fünften Sachstandsbericht (AR5) verabschiedet. Neben den Teilberichten der drei IPCC-Arbeitsgruppen fasst der Synthesebericht die Ergebnisse zusammen und ordnet sie übergreifend ein. Der AR5 stellt klar, dass der menschliche Einfluss auf das Klimasystem eindeutig ist und bekräftigt somit die Existenz des anthropogen verursachten Klimawandels. Des Weiteren beschreibt er die damit einhergehenden Risiken und Folgen sowie Strategien zur Anpassung an den Klimawandel und Möglichkeiten zu dessen Minderung.

Der erste Teilband des Fünften Sachstandsberichts zu den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels wurde bereits im September 2013 in Stockholm veröffentlicht. Die Bände II und III wurden im März 2014 in Yokohama sowie im April 2014 in Berlin verabschiedet. Die Sitzung in Berlin leitete unter anderem der deutsche Ökonom Professor Doktor Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der während des Zyklus der Erstellung des Fünften Sachstandsberichts einer der Ko-Vorsitzenden der Arbeitsgruppe III des IPCC war. Die Veröffentlichung des übergreifenden Syntheseberichts erfolgte im Oktober 2014 in Kopenhagen.

Ebenfalls im fünften Berichtszyklus legte der IPCC zwei Sonderberichte vor: Im November 2011 zum Thema Klimawandel und Extremereignisse (SREX) und im Mai 2011 zum Thema erneuerbare Energien (SRREN).

Verfahrensregeln zur Berichterstellung

Die Berichterstellung muss bestimmten Verfahrensregeln genügen. Zunächst beschließt das IPCC-Plenum die Berichterstellung und legt die Themen fest, welche die Arbeitsgruppen bearbeiten sollen. In einem zweiten Schritt werden die Teams der Autorinnen und Autoren der einzelnen Arbeitsgruppen zusammengestellt. Dazu können die Regierungen der 195 Mitgliedsstaaten sowie etwa 100 akkreditierte Beobachterorganisationen Vorschläge für Autorinnen und Autoren unterbreiten. Die Vorstände der Arbeitsgruppen wählen aus den Nominierten die Autoren aus.

Diese Teams setzen sich aus einer Vielzahl von Expertinnen und Experten zusammen – von den Ko-Vorsitzenden der Arbeitsgruppen über koordinierende und gewöhnliche Leitautorinnen und Leitautoren sowie beitragende Autorinnen und Autoren bis hin zu den Begutachtenden der jeweiligen Kapitel. So waren an der Erstellung des Fünften Sachstandsberichts etwa 830 Autorinnen und Autoren beteiligt, darunter 40 Fachleute deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie aus der Privatwirtschaft. Bei der Zusammensetzung der Autorenteams wird nicht nur auf die jeweilige Expertise geachtet, sondern auch darauf, dass die Autorinnen und Autoren unterschiedliche Perspektiven mitbringen.

Außerdem müssen innerhalb eines Teams verschiedene Weltregionen und beide Geschlechter vertreten sein. Auf diese Weise soll die Ausgewogenheit des Autorenteams gewährleistet sein. Bei der Berichterstellung greifen die Autoreninnen und Autoren hauptsächlich auf Artikel aus wissenschaftlich begutachteten (sogenannte peer-reviewed) Zeitschriften zurück. Das Team muss sich auf die Darstellung und wissenschaftliche Bewertung des Sachstands einigen. Konträre Ansichten, Wissenslücken und Unsicherheiten werden im Bericht klar dargestellt. Die vorläufigen Entwürfe der Arbeitsgruppen werden von Expertinnen und Experten sowie Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertretern mehrfach begutachtet und kontinuierlich verbessert. 

Die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger (Summary for Policymakers) eines IPCC-Berichts wird außerdem von den Regierungen bei einer Plenarsitzung Zeile für Zeile verabschiedet. Das Plenum achtet vor allem darauf, dass die Aussagen vollständig, verständlich und ausgewogen sind. Die Autoren und Autorinnen entscheiden, ob die von den Regierungen vorgeschlagenen Formulierungen korrekt sind. Durch ihre Zustimmung zu den IPCC-Berichten erkennen die Regierungen die wissenschaftlichen Aussagen des Sachstandsberichts an. Anschließend wird der Bericht veröffentlicht und vorgestellt.