Antworten an Klimaskeptiker

Wir werden immer wieder gefragt …

Täglich erreichen uns viele Fragen zum Klimaschutz und zur Umsetzung der Energiewende. Im Zusammenhang mit zahlreichen wissenschaftlichen Belegen beantworten wir die häufigsten Aussagen von Klimaskeptikern.

FAQ Klimaskeptiker vs. Wahrheit

Erderwärmung ist ja nicht unbedingt etwas Schlechtes...

Eine Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur und lokale Temperaturerhöhungen sind nicht dasselbe: Letztere müssen in der Tat nicht unbedingt schlecht sein - jede und jeder freut sich über gutes Wetter. Der Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur über 1,5 Grad hingegen kann laut Weltklimarat ("IPCC") bedeuten, dass wir in vielen Weltregionen mit einer Zunahme von Temperaturextremen mit entsprechenden Auswirkungen auf uns und unsere Gesundheit sowie auf Natur und Ökosysteme rechnen müssen. Zum Beispiel würden weltweit die Korallenriffe bereits bei einer Erwärmung um 1,5 Grad Celsius zu 70 bis 90 Prozent absterben. Deren Verlust führt u.a. zum Zusammenbruch von Fischbeständen und gefährdet damit die Lebensgrundlagen von Menschen in Küstenregionen, die von der Fischerei abhängig sind. Auch kann durch die Klimaerwärmung das Risiko gesundheits-und lebensbedrohlicher Hitzewellen, vor allem in Großstädten, zunehmen.

Klimawandel ist außerdem nicht auf den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur beschränkt. Auch Extremwetterereignisse wie Starkniederschläge mit Hochwassergefahr, Zunahme von Dürren, der Meeresspiegelanstieg mit Risiken für Millionen von Menschen, die Ozeanversauerung sowie das Artensterben gehören dazu. In vielen Regionen der Welt leiden Menschen schon jetzt unter Wasserknappheit und Ernteausfällen. Die Bedingungen für eine weltweite Versorgung mit sauberem Wasser und Nahrung verschärfen sich und erschweren eine nachhaltige Entwicklung. Klimawandel entwickelt sich global auch immer mehr zum Treiber für Konflikte und Migration.

Deutschland allein kann eh nichts retten...

Stimmt - muss es aber auch nicht. Klimapolitik ist ein globales Problem und braucht internationale Lösungsansätze. Weltweit gibt es zahlreiche Staaten, Regionen und Städte, die beim Klimaschutz vorangehen (und zum Teil deutlich weiter sind als wir). Sie zeigen, wie erfolgreicher Klimaschutz auch positive Auswirkungen auf die Wirtschaftskraft und die Lebensqualität haben kann und setzen international Standards in Sachen Technologieentwicklung.

Bereits 189 Staaten, darunter auch Deutschland, haben sich im Rahmen des Pariser Klimaschutzabkommen völkerrechtlich dazu verpflichtet, ihren Beitrag dazu zu leisten, dass die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad und möglichst unter 1,5 Grad begrenzt wird. Die Weltgemeinschaft hat damit die Dringlichkeit von Klimaschutz zur Begrenzung der Erderwärmung und ihrer Folgen erkannt. An diesem Konsens ändert auch der erklärte Austritt der USA nichts, denn viele Bundesstaaten der USA fühlen sich weiterhin den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet.

Was bringt es denn, in Deutschland Klimaschutz zu machen, wenn die USA, Russland und Brasilien nichts tun?

Umweltschutz und Energieeffizienz sind mittlerweile wichtige Faktoren für Wertschöpfung und Beschäftigung. Indem wir in Deutschland nachhaltige Technologien entwickeln, die dann in der ganzen Welt zum Einsatz kommen, machen wir das Land fit für die Zukunft. Wir brauchen eine aktive Industrie- und Strukturpolitik, die frühzeitig die Weichen für die gute Arbeit von morgen stellt. Und für einen Sozialstaat, der bei allen Sorgen und Ängsten für Sicherheit und Perspektive sorgt. Unter der Prämisse von "Just Transition" – dem sozial gestalteten Umbau hin zu einer klimafreundlicheren Volkswirtschaft – müssen wir Klimaschutz und gute Arbeit zusammenführen.

Aber es gilt auch: Für den Klimaschutz ist jede eingesparte Tonne CO2 wichtig. Als sechstgrößter CO2-Emittent weltweit ist der Beitrag Deutschlands zum globalen Klimawandel enorm. Nur China, die USA, Indien, Russland und Japan stoßen – zumal mit einer größeren Bevölkerung – mehr Treibhausgase aus als Deutschland.

Wichtig ist: Pro Kopf verursacht jeder in Deutschland lebende Mensch jährlich rund doppelt so viele Emissionen wie der Durchschnitt der Menschheit. Deutschland muss also Verantwortung übernehmen. Dafür haben wir uns national, in der EU und weltweit verpflichtet.

Ist es nicht viel effektiver, wenn wir Klimaschutz in den Entwicklungs- und Schwellenländern betreiben?

Um irreversible Schäden und die Gefährdung von Lebensgrundlagen zu vermeiden, muss die Welt in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts "klimaneutral" werden. Alle Staaten dürfen dann zusammen nicht mehr Treibhausgase ausstoßen als an anderer Stelle – etwa in Wäldern – gebunden werden. Es gibt also keine Alternative "hier oder dort"; die Transformation in Richtung Treibhausgasneutralität muss überall eingeleitet werden. Die Industrieländer haben sich dabei dazu bekannt, zeitlich voranzugehen und schon zur Mitte des Jahrhunderts "klimaneutral" zu sein.

Deutschland unterstützt aber auch die Schwellen- und Entwicklungsländer an vielen Stellen dabei, mit dem Klimaschutz voranzukommen. Ein Umsteuern ist also in jedem Fall notwendig – und je früher wir damit starten, umso mehr können wir uns auf eine langfristige, sozial ausgewogene Strukturentwicklung konzentrieren.

Sind wir Deutschen nicht die einzigen in Europa, die sich um den Klimaschutz bemühen?

Ganz und gar nicht. Die Europäische Union hat ein gemeinsames Klimaziel im Rahmen des Pariser Abkommens vereinbart. Im Gegensatz zu Deutschland werden die meisten EU-Länder ihre europarechtlich festgelegten Klimaschutzziele für 2020 erreichen oder sogar übererfüllen.

Aber Klimaschutz schadet der Wirtschaft...

Im Gegenteil! Fehlender Klimaschutz schadet der Wirtschaft, weil wir einerseits die Technologien von morgen verpassen und andererseits die Klimafolgen das Wirtschaftswachstum senken werden. Investitionen in den Klimaschutz hingegen sind gut für unsere Wirtschaft: Im Jahr 2017 gab es rund 1,5 Millionen Klimaschutzbeschäftigte. Damit ist jeder 30. Beschäftigte in Deutschland für den Klimaschutz tätig. Ein Markt, der zukünftig noch anwachsen wird und damit die Arbeitsplätze von morgen schafft.

Klimaschutz ist Öko-Planwirtschaft...

Klimaschutz hat nicht das Ziel, wirtschaftliche Aktivitäten einzuschränken. Im Gegenteil: ambitionierter Klimaschutz schafft für die Wirtschaft langfristige Stabilität. Denn ein ungebremster Klimawandel würde wichtige Grundlagen unseres Wirtschaftssystems stark gefährden. Wichtig ist, dass wir den Weg zu einer treibhausgasneutralen Wirtschaft transparent gestalten. Daher haben wir unsere Klimaschutzziele und die jährlich zulässigen Emissionsmengen im Bundes-Klimaschutzgesetz rechtlich verankert und einen Mechanismus der Überprüfung und Nachsteuerung geschaffen. Damit bieten wir Unternehmen Orientierung für ihre langfristigen Investitionsentscheidungen. 

Der Markt wird das schon regulieren...

Die Finanzkrise hat uns gezeigt, dass der Markt sich nicht immer selbst reguliert. Auch kann der Markt nicht klima-effizient sein, solange Preise nicht die ökologische Wahrheit widerspiegeln. Hier kann eine CO2-Bepreisung, die sozialverträglich gestaltet ist, einen wichtigen Beitrag leisten.

Allerdings hätten wir schon früher beginnen können, technologische Innovationen und nachhaltige Mobilitätskonzepte zu erforschen und auf den Markt zu bringen. Ein Weiter-So wie bisher, ein einseitiger Verbrauch endlicher fossiler Ressourcen, führt uns in die Krise. Der vermehrte Einsatz etwa von erneuerbaren Energien, klimaschonender Mobilität, steigender Gesundheitsvorsorge sowie Techniken zur Herstellung von sauberem Trinkwasser hingegen führt zu wachsendem Wohlstand.

Aber ein Ausbau der Windenergie verstärkt das Insektensterben...

Der Insektenrückgang in Deutschland, aber auch weltweit, findet bereits seit mehreren Jahrzehnten statt, also beginnend vor dem Ausbau der Windenergie. Die Hauptursachen des Insektensterbens wirken also bereits über einen sehr langen Zeitraum; dies sind zum Beispiel Flächenverluste, Flurbereinigung, die Intensivierung der Landnutzung oder auch der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

In keiner der bekannten Studien, die die Ursachen des Insektenrückgangs untersuchen, wird die Windenergie als Ursache oder Mit-Ursache genannt. Es zeigt sich vielmehr, dass der Insektenrückgang eine weltweit feststellbare Entwicklung ist, und zwar auch in Regionen, in denen es noch keine oder kaum Windräder gibt.

Nicht mal die Wissenschaft ist sich einig, ob es den menschgemachten Klimawandel überhaupt gibt...

Im Gegenteil, die Klimaforschung belegt regelmäßig auf fundierte, transparente und nachvollziehbare Weise den menschengemachten Klimawandel. Der mittlerweile fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarates ("IPCC") bestätigt dieses Ergebnis erneut. Die Berichte des IPCC beruhen auf tausenden von Veröffentlichungen der führenden Wissenschaftler aus aller Welt und zehntausenden von Gutachterkommentaren. Die Ausgewogenheit, Verlässlichkeit und Vollständigkeit seiner Aussagen wird durch detaillierte Verfahrensregeln mit einem mehrstufigen, transparenten Begutachtungsverfahren sowie weltweite Expertenbeteiligung gewährleistet.

Aktuelle Studien kommen zu dem Ergebnis, dass rund 99 Prozent der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die Fachaufsätze zum Klimaschutz veröffentlichen, der Überzeugung sind, dass der Klimawandel durch den Menschen verursacht ist.

Das Klima hat sich schon immer geändert, der Mensch hat nur einen marginalen Anteil daran...

Das Klima hat sich in erdgeschichtlichen Zeiträumen häufig stark gewandelt. Vor etwa 100 Millionen Jahren war es auf der Erde deutlich wärmer. Die atmosphärischen CO2-Konzentrationen lagen damals um ein Vielfaches höher als heute. Nach einer starken Abkühlung wechseln seit nunmehr 2 bis 3 Millionen Jahren Eiszeiten und Warmzeiten einander ab. Betrachten wir einen Zeitraum von hunderten bis zu tausenden von Jahren, befinden wir uns – erdgeschichtlich gesehen – seit etwa 10.000 Jahren in einer Warmzeit, in der eine zivilisatorische Entwicklung möglich war. Gegenwärtig sind wir dabei, diese stabile Phase zu verlassen.

Blicken wir nur auf die letzten Jahrhunderte, so stellen wir fest, dass mit Beginn der Industrialisierung die Menschen begonnen haben, das Klima auf der Erde zusätzlich spürbar zu beeinflussen. Insbesondere durch unsere Lebensweise mit hohem Energieverbrauch geben wir immer mehr Treibhausgase in die Luft ab. Die dadurch steigenden Konzentrationen der Treibhausgase in der Atmosphäre verursachen einen zusätzlichen und rasanten, den so genannten anthropogenen, also menschgemachten Treibhauseffekt. Mit Hilfe von computergestützten Klimamodellen der Wissenschaft kann die Temperaturentwicklung der vergangenen 100 Jahre nur dann realistisch simuliert werden, wenn neben den natürlichen Einflüssen auf das Klima (wie Änderungen der Sonnenstrahlung, Vulkanausbrüche) auch die menschlichen Einflüsse (wie erhöhte Treibhausgaskonzentrationen) einbezogen werden. Besonders deutlich wird dies in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Die Simulationsrechnungen ergeben übereinstimmend, dass der größte Teil der globalen Erwärmung seit Mitte des 20. Jahrhunderts sehr wahrscheinlich durch den Anstieg der anthropogenen Treibhausgaskonzentrationen verursacht wurde.

Zum Umsteuern ist es eh schon zu spät...

Der Weltklimarat ("IPCC") hat in seinem Sonderbericht von 2018 Bedingungen und Wege aufgezeigt, wie wir eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad noch schaffen können. Hierfür müssen die globalen CO2-Emissionen bis etwa Mitte dieses Jahrhunderts auf netto Null reduziert werden. Auch der Ausstoß anderer Treibhausgase wie zum Beispiel Methan muss drastisch abgebaut werden. Es ist also noch nicht zu spät – aber um diesen Weg einzuschlagen und einzuhalten, müssen wir schnelle und weitreichende Veränderungsprozesse in unserem Energiesystem, in der Landwirtschaft, in der Industrie, in der Infrastruktur und vor allem im Verkehr und in unseren Gebäuden vornehmen. 

Klimaschutz können sich nur die Reichen leisten, es ist ein Eliteprojekt...

Das Gegenteil ist der Fall: Ökologisches Handeln führt zu mehr sozialer Gerechtigkeit, beide gehören untrennbar zusammen. Sowohl international als auch in Deutschland sind einkommensschwache Menschen am stärksten von den negativen Folgen der Erderwärmung betroffen. Wer jetzt schon das Geld am Ende des Monats zählen muss, kann sich auch keine teure Klimaanlage leisten. Und wer vom Ackerbau abhängt, verliert bei Dürrekatastrophen seinen gesamten Lebensunterhalt. Dazu kommt, dass der ökologische Fußabdruck einkommensstarker Gruppen oft deutlich größer ist als derjenige von ärmeren Menschen – Fernreisen, leistungsstarke Autos, große Wohnungen muss man sich leisten können.

Erfolgreicher Klimaschutz ist also ganz und gar kein Eliteprojekt, sondern vielmehr eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. Dementsprechend ist es richtig und wichtig, dass unterschiedliche Einkommensgruppen den Beitrag zum Klimaschutz leisten, der ihren Möglichkeiten und ihrem Wohlstand entspricht. Konkret heißt dies in Deutschland, dass ärmere Menschen im Klimaschutz entlastet werden müssen. Ein weiteres Beispiel ist die Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" (sogenannte "Kohlekommission"). Sie hat Vorschläge erarbeitet, wie Kosten und Nutzen von Klimaschutz gerecht verteilt und strukturschwache Regionen entlastet werden können. International bedeutet der Gerechtigkeitsaspekt von Klimapolitik, dass Deutschland und anderen Industrienationen eine besondere Verantwortung für Klimaschutz zukommt.

Beim Klimaschutz geht es immer nur um Verbote und Verteuerung...

Nein – beim Klimaschutz geht es darum, allen Menschen, auch denen die noch nicht geboren sind, einen lebenswerten Planeten zu erhalten. Der Fokus beim Klimaschutz liegt nicht auf Verboten, sondern bei der Entwicklung klimaschonender Alternativen in der Wirtschaft, im Verkehr, in den Lieferketten und so weiter. Das kann zum Beispiel durch die Förderung von klimafreundlichen Technologien und Antriebssystemen, durch die Unterstützung entsprechender Forschung, durch den Ausbau von klimafreundlicher Verkehrsinfrastruktur oder durch Investitionen in die Energiewende geschehen. So kann die Politik Anreize setzen, damit Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger einen Vorteil haben, wenn sie sich umwelt- und klimafreundlich verhalten.

Gleichzeitig sind im Klimaschutz auch klare, verbindliche und transparente Regeln notwendig. Diese Regeln fordern nicht nur Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler, weil sie fragen, wohin die Entwicklungen der nächsten Jahre gehen sollen. Klare Regeln fordert auch die Wirtschaft, denn sie braucht Planungssicherheit für ihre Investitionen – nicht wechselnde Signale aus der Politik. Daher können Standards, Regelungen, Quoten und manchmal auch Verbote Sinn machen, wenn es Alternativen gibt, auf die die Menschen kostengünstig ausweichen können. Aber wer zum Beispiel das Auto braucht, um zum Arbeitsplatz zu kommen, weil es keine Bahnverbindung gibt, der oder die soll auch weiterhin Auto fahren können. Im Gegenzug ist die Politik dann gefragt, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen.

Aufzeichnungen des Deutschen Wetterdienstes

Temperaturanomalie in Deutschland zwischen den Jahren 1881 und 2018

Temperaturanomalie in Deutschland zwischen den Jahren 1881 und 2018

- Deutscher Wetterdienst