Verbraucherschutz vor Umweltkontaminanten in Lebensmitteln

Dioxine und PCB

Kühe auf der Alm in den Alpen

Dioxine und Polychlorierte Biphenyle (PCB)

Seit 1. Januar 2012 beziehungsweise seit Dezember 2013 gelten europaweit anspruchsvolle und rechtsverbindliche Höchstgehalte (Grenzwerte) sowie freiwillig anzuwendende Auslösewerte (Frühwarnsystem) für die gesundheitsschädlichen Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) in verschiedenen Lebensmitteln tierischen Ursprungs, pflanzlichen Fetten und Säuglingsnahrung. Insbesondere die Harmonisierung der bislang geltenden verschiedenen einzelstaatlichen Höchstgehalte für nicht dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln und die aus Vorsorgegründen erfolgte Ausdehnung der Regelung auf Säuglings- und Kleinkindernahrung, sind ein spürbarer Beitrag zur Verbesserung des gesundheitlichen Verbraucherschutzes beziehungsweise der Lebensmittelsicherheit.

Europaweit geltende Auslösewerte und Höchstgehalte für Dioxine und dioxinähnliche PCB (dl-PCB) in ausgewählten Lebensmittelgruppen

LebensmittelEU-Auslösewerte pg WHO-TEQ/g FettEU-Höchstgehalt pg WHO-TEQ/g Fett
Dioxinedl-PCBDioxineDioxine + dl-PCB
Geflügel
Fleisch und Fleischerzeugnisse1,250,751,753,0
Öle und Fette--1,753,0
Hühnereier und Eiprodukte1,751,752,55,0
Rind und Schaf
Fleisch und Fleischerzeugnisse1,751,752,54,0
Öle und Fette--2,54,0
Milch- und Milcherzeugnisse einschließlich Butterfett1,7522,55,5
Schwein
Fleisch und Fleischerzeugnisse0,750,51,01,25
Öle und Fette--1,01,25
Tierische Produkte
Gemischtes tierisches Fett1,00,751,52,5
  • Maßeinheit: 1 pg (Pikogramm) = 0,000 000 000 001 Gramm
  • Auslösewerte: Empfehlung der Europäischen Kommission vom 11. September 2014 zur Änderung des Anhangs der Empfehlung 2013/711/EU zur Reduzierung des Anteils von Dioxinen, Furanen und PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln (2014/663/EU; Amtsblatt der Europäischen Union Nummer L 272, Seite 17 bis 18)
  • Höchstgehalte: Verordnung (EU) Nummer 1259/2011 der Kommission vom 2. Dezember 2011 zur Änderung der Verordnung (EG) Nummer 1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte für Dioxine, dioxinähnliche PCB und nicht dioxinähnliche PCB in Lebensmitteln (Amtsblatt der Europäischen Union Nummer L 320 vom 03.12.2011, Seite 18 bis 23)

Die Höchstgehaltregelung für Dioxine und für die Summe von Dioxinen und dioxinähnlichen PCB wird seit 1. Januar 2012 durch einen europaweit geltenden und gegenüber der bisherigen nationalen Regelung niedrigeren Höchstgehalt für die ebenfalls gesundheitsschädlichen nicht dioxinähnlichen PCB in Höhe von 40 Nanogramm je Gramm Fett (1 Nanogramm entspricht 0,000 000 001 Gramm) unter anderem im Fleisch von Geflügel, Rindern, Schafen und Schweinen sowie in Kuhmilch, Eiern und gemischten tierischen Fetten ergänzt. Die über das EU-Recht hinausgehenden seit 1988 in Deutschland geltenden nationalen Höchstgehalte zur Begrenzung des Gehalts von nicht dioxinähnlichen PCB in verschiedenen Lebensmitteln wie Fleisch vom Pferd, Ziege und Kaninchen, Federwild und Haarwild sowie von Wildschweinen sind im Abschnitt 4 der Anlage in der nationalen Kontaminanten-Verordnung (KmV) festgelegt.

Seit 1. Januar 2014 gelten europaweit neue Höchstgehalte für Dioxine und PCB in Lebern und ihren Verarbeitungserzeugnissen an Land lebender Nutztiere. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt, auch weiterhin den Verzehr von Schafleber zu meiden.

Seit 1. Januar 2014 neue europaweit geltende Höchstgehalte für Dioxine und PCB in Lebern an Land lebender Tiere

LebensmittelEU-Höchstgehalt pg WHO-TEQ/g FrischgewichtEU-Höchstgehalt ng/g Frischgewicht
DioxineDioxine + dl-PCBndl-PCB
Leber und ihre Verarbeitungserzeugnisse von Geflügel, Rindern und Schweinen0,30,53,0
Leber und ihre Verarbeitungserzeugnisse von Schafen1,252,03,0
  • Maßeinheit: 1 ng (Nanogramm) = 0,000 000 001 Gramm
  • Maßeinheit: 1 pg (Pikogramm) = 0,000 000 000 001 Gramm
  • Höchstgehalt: Verordnung (EU) Nummer 1067/2013 der Europäischen Kommission vom 30. Oktober 2013 zur Änderung der Verordnung (EG) Nummer 1881/2006 hinsichtlich der Höchstgehalte für Dioxine, dioxinähnliche PCB und nicht dioxinähnliche PCB in Leber von an Land lebenden Tieren

Dioxine und PCB in der Umwelt

Die gesundheitsschädlichen Dioxine und polychlorierten Biphenyle (PCB) können aus Luft und Boden sowie Sedimenten in Lebensmittel gelangen. Diese Verunreinigungen in Lebensmitteln werden daher auch "Umweltkontaminanten" genannt. Dioxine wurden nie gezielt technisch hergestellt. Dioxine entstehen als ungewollte beziehungsweise unerwünschte Nebenprodukte bei chemischen Prozessen in der "Chlorchemie" und bei allen Verbrennungsprozessen in Anwesenheit von Chlor und organischem Kohlenstoff unter bestimmten Bedingungen, zum Beispiel bei Temperaturen zwischen 250 Grad Celsius und 800 Grad Celsius und bestimmten Verweilzeiten. Im Gegensatz zu Dioxinen sind PCB früher für verschiedene Anwendungen zweckbestimmt hergestellt worden, in der Hauptsache als nicht brennende und den Strom nicht leitende zähe Flüssigkeiten in Transformatoren und in der Hydraulik (Bergbau).

Rückgang der Emissionen an Dioxinen in die Umwelt von 1990 bis 2018

Seit Mitte der 1980er Jahre sorgen zahlreiche regulatorische Maßnahmen, insbesondere durch das Bundes-Immissionsschutzrecht, für eine Minderung der Freisetzung von Dioxinen und PCB in die Umwelt. Die Emissionen an Dioxinen aus bekannten Quellen konnten von 1990 bis 2004 bereits um mehr als 90 Prozent gesenkt werden. Bis zum Jahr 2009 ist ein weiterer Rückgang zu verzeichnen, danach sind die Emissionen an Dioxinen auf einem niedrigen Niveau weitgehend stabil geblieben.

Seit dem Jahr 1990 hat sich die Bedeutung der einzelnen Emissionsquellen deutlich verändert. Während 1990 die Abfallverbrennung mit Abstand die Quelle mit den höchsten Emissionen war, verursachten im Jahr 2018 Brände, Kleinfeuerungsanlagen, Verkehr sowie thermische Prozesse der Metallgewinnung und -verarbeitung den größten Anteil an den verbleibenden Emissionen an Dioxinen. 

Übergang von Dioxinen und PCB in die Nahrungskette

Kühe auf der Alm in den Alpen

Aufgrund ihrer Langlebigkeit sind Dioxine und PCB gleichwohl insbesondere als Altlasten nach wie vor allgegenwärtig in der Umwelt vorhanden, wenngleich meist auf einem niedrigen Niveau. Vor allem Böden und die Sedimente in den Gewässern sind einerseits Schadstoffspeicher, andererseits durch Remobilisierung die wesentlichen Quellen für den Übergang dieser Schadstoffe in die Nahrungskette. Auch fahrlässige Entsorgung von PCB-haltigen Altprodukten und Altgeräten verhindern den weiteren Rückgang dieser Schadstoffe in der Umwelt und damit auch in der Nahrungskette. Der in den vergangenen 20 Jahren deutlich verminderte Neueintrag von Dioxinen und PCB in die Umwelt spiegelt sich insbesondere aufgrund ihrer Langlebigkeit nicht in einer vergleichbaren Verringerung der Schadstoffgehalte in allen Lebensmittelgruppen aller Haltungsformen gleichermaßen wider.

Anreicherung von Dioxinen und PCB in der Nahrungskette

Für das am umfangreichsten untersuchte Lebensmittel Milch ist festzustellen, dass die Dioxinbelastung zwischen 1987 und 2000 um rund 80 Prozent von circa 2,3 auf circa 0,4 Pikogramm Dioxin-Toxizitätsäquivalente je Gramm Milchfett (1 Pikogramm entspricht 0,000 000 000 001 Gramm) abgenommen hat und seitdem mit geringen Schwankungen auf niedrigem Niveau bleibt. Damit liegt die durchschnittliche Dioxinbelastung in Milch auch weit unter dem seit 1. Januar 2012 europaweit geltenden Auslösewert beziehungsweise Höchstgehalt.

Abnahme der Dioxinbelastung in Milch von 1987 bis 2018

Infografik zu der Abnahme von Dioxinbelastung in Kuhmilch von 1987 bis 2018. Das Balkendiagramm zeigt eine stetige Verringerung der Dioxinbelastung in Kuhmilch seit 1987. Vom 01.07.2002 bis 31.12.2011 war der EU-Höchstgehalt 3,0 Piktogramm pro Gramm Fett, während der EU-Auslösewert bei 2,0 Piktogramm pro Gramm Fett lag. Seit dem 01. Januar 2012 lag der EU-Höchstgehalt bei 2,5 Piktogramm pro Gramm Fett, während der EU-Auslösewert bei 1,75 Piktogramm pro Gramm Fett.

Infografik zu der Abnahme von Dioxinbelastung in Kuhmilch von 1987 bis 2018. Das Balkendiagramm zeigt eine stetige Verringerung der Dioxinbelastung in Kuhmilch seit 1987. Vom 01.07.2002 bis 31.12.2011 war der EU-Höchstgehalt 3,0 Piktogramm pro Gramm Fett, während der EU-Auslösewert bei 2,0 Piktogramm pro Gramm Fett lag. Seit dem 01. Januar 2012 lag der EU-Höchstgehalt bei 2,5 Piktogramm pro Gramm Fett, während der EU-Auslösewert bei 1,75 Piktogramm pro Gramm Fett.

Quelle: Jahresberichte des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes sowie des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Freiburg, des Chemischen Landes- und des Staatlichen Veterinäruntersuchungsamtes Münster, des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit Oldenburg und des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit Oberschleißheim und des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Bundesweite Untersuchungsergebnisse der Länder dokumentieren jedoch, dass in Nischenlebensmitteln wie Leber von Lämmern, Schafen, Wild und vom Ostseedorsch sowie Muskelfleisch wildlebender Flussfische regelmäßig hohe Belastungen mit Dioxinen und dioxinähnlichen PCB oberhalb der EU-Höchstgehalte vorkommen und damit nicht verkehrsfähig sind. Ergänzend zu den Rechtsvorschriften hat das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit Verbrauchertipps zum gesundheitlichen Verbraucherschutz erarbeitet.

Aus der Grafik wird deutlich, dass 70 Prozent der aus Lebensmitteln aufgenommenen Dioxine und PCB über die tierischen Lebensmittel Eier, Milch und Milchprodukte sowie Geflügel, Rinder und Schweinefleisch erfolgen.

Frühwarnsystem

Parallel zur europaweit geltenden rechtsverbindlichen Höchstgehaltregelung für Dioxine und polychlorierte Biphenyle (PCB) in verschiedenen Lebensmitteln wurden als weitere Maßnahmen zur Begrenzung des Vorkommens von Dioxinen und PCB in Lebensmitteln europaweit erstmals im Jahr 2002 rechtlich unverbindliche sogenannte Auslösewerte erlassen. Dioxine und dioxinähnliche PCB werden aus unterschiedlichen Quellen emittiert. Daher werden getrennte Auslösewerte für jede Stoffgruppe festgelegt. Die Auslösewerte sind je nach Lebensmittelgruppe zwischen 25 bis 30 Prozent niedriger als die Werte für die Höchstgehalte. Auslösewerte dienen als Frühwarnsystem und sollen überdurchschnittlich hohe Belastungen, also Belastungen oberhalb der für den Lebensmittelerzeuger unvermeidbaren so genannten Hintergrundbelastung, finden helfen. Die Anwendung der Auslösewerte trägt zur Verringerung des Gehalts an Dioxinen und PCB in Lebensmitteln bei. Sie dienen als Hilfsmittel, um Kontaminationsquellen ausfindig zu machen und diese einzuschränken oder zu beseitigen, bevor eine Höchstgehaltüberschreitung eintritt. Die Empfehlung 2013/711/EU der Kommission vom 3. Dezember 2013 zur Reduzierung des Anteils von Dioxinen, Furanen und PCB in Futtermitteln und Lebensmitteln beinhaltet die seit dem 1. Januar 2012 geltenden Auslösewerte getrennt für die Stoffgruppe der Dioxine und die der dioxinähnlichen PCB.

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