Blei in Lebensmitteln – Hintergrundinformationen

Das Schwermetall Blei gelangt überwiegend aus anthropogenen Quellen, also vom Menschen verursacht, in Lebensmittel. Für die Bevölkerung gelten Lebensmittel als eine Hauptquelle für die Aufnahme von Bleiverbindungen. Vergleichsweise hohe Bleigehalte können in Lebensmitteln wie beispielsweise Algen, Fisch und Meeresfrüchten, Innereien oder Nahrungsergänzungsmitteln vorkommen. Auch Lebensmittel wie zum Beispiel Getreideprodukte oder Gemüse können trotz vergleichsweise geringer Bleigehalte einen nennenswerten Anteil zur Bleiaufnahme beitragen, da diese viel verzehrt werden.  

Im April 2010 hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) ein Gutachten zu Blei in Lebensmitteln veröffentlicht. Bei der Auswertung von wissenschaftlichen Studien zur Giftigkeit von Blei für den Menschen fand die EFSA keine Wirkungsschwelle, unterhalb derer gesundheitliche Schädigungen für den Menschen sicher ausgeschlossen werden können. Dieses Ergebnis hat der Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe der Vereinten Nationen (JECFA) im Juni 2010 bestätigt. Beide Gutachten zeigen auf, dass Menschen viel empfindlicher auf die Aufnahme von Blei reagieren als bisher angenommen. Aufgrund der neurotoxischen Wirkungen von Blei auf das sich entwickelnde Nervensystem gelten Föten, Säuglinge und Kleinkinder sowie schwangere bzw. stillende Frauen als besonders schützenswerte Bevölkerungsgruppen gegenüber der Aufnahme von Bleiverbindungen.

Die Belastung von Lebensmitteln mit dem Schwermetall Blei erscheint vor dem Hintergrund dieser neuen Erkenntnisse daher heute noch weniger akzeptabel als früher. Für Stoffe, für die keine Wirkungsschwelle genannt werden kann – wie nun auch für Blei – wird bei der Festsetzung von Höchstgehalten das so genannte Minimierungsprinzip ALARA (As Low As Reasonably Achievable; so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar) angewendet. Die Höchstgehalte werden daher so festgesetzt, wie dies nach dem jeweiligen wissenschaftlichen und technologischen Stand durch optimierte Lebensmitteltechnologien beziehungsweise Herstellungsverfahren in der Praxis machbar beziehungsweise mit vernünftigen Mitteln realisiert werden kann, aber niemals höher als toxikologisch vertretbar.

Was ist die EFSA?

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) (englisch EFSA – European Food Safety Authority) wurde im Januar 2002 als unabhängige wissenschaftliche Risikobewertungsbehörde gegründet, mit dem Ziel einer verbesserten Lebensmittelsicherheit in der EU, der Gewährleistung eines hohen Verbraucherschutzniveaus und der Wiederherstellung des Vertrauens in die Lebensmittelversorgung in der EU.

Die EFSA erstellt wissenschaftliche Gutachten und Empfehlungen, die als Arbeitsgrundlage für Politik und Gesetzgebung der Gemeinschaft dienen und die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten dabei unterstützen, wirksame und zeitnahe Entscheidungen im Bereich des Risikomanagements zu treffen.

Zum Aufgabenbereich der EFSA gehören Lebensmittelsicherheit und Futtermittelsicherheit, Ernährung, Tiergesundheit und Tierschutz sowie Pflanzengesundheit und Pflanzenschutz. Zu den wichtigsten Aufgaben der EFSA in allen diesen Bereichen gehört die objektive und unabhängige, wissenschaftlich fundierte Beratung sowie die transparente Kommunikation, gestützt auf die aktuellsten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Der Auftrag der EFSA, deren Aufgaben, Organisation und Arbeitsweise sind in Kapitel III der Verordnung (EG) Nr. 178/2002 vom 28. Januar 2002 zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts, zur Errichtung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und zur Festlegung von Verfahren zur Lebensmittelsicherheit gesetzlich geregelt.

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Was ist JECFA?

Der Sachverständigenausschuss für Lebensmittelzusatzstoffe der Vereinten Nationen (englisch JECFA – Joint FAO/WHO Expert Committee on Food Additives) wurde auf einer gemeinsamen Konferenz der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (englisch FAO – Food and Agriculture Organization of the United Nations) und der Weltgesundheitsorganisation (englisch WHO – World Health Organization) im September 1955 in Genf (Schweiz) ins Leben gerufen. Ziel der wissenschaftlichen Expertenkommission ist es heute, die Gefährlichkeit von Zusatzstoffen und Kontaminanten einzuschätzen sowie Empfehlungen für die Verwendung von Zusatzstoffen beziehungsweise duldbare Mengen an Kontaminanten in Lebensmitteln zu geben. Seit 1956 tagt die Kommission üblicherweise mindestens einmal jährlich.

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