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Aus der Wissenschaft

Korallenriffe im Klimawandel

Fischschwarm im Korallenriff

Die von Nesseltieren im Meer gebildeten Korallenriffe sind die größten, von Lebewesen geschaffenen Strukturen der Erde. Tropische Korallenriffe bilden einzigartige Ökosysteme mit einer unendlichen Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Als Quelle von Fisch und anderen Meerestieren tragen Korallenriffe zur Ernährung von vielen Millionen Menschen bei.

Indes sind Korallenriffe insbesondere durch steigende Wassertemperaturen der Meere – bedingt durch die globale Erwärmung – stark gefährdet. Korallen leben in enger Symbiose mit bestimmten Algenarten, die ihnen die prächtigen Farben verleihen. Bei höheren Wassertemperaturen kann diese lebenswichtige Symbiose zusammenbrechen. Die Algen werden dann aus dem Korallengewebe ausgestoßen, und das weiße Kalkgehäuse, in dem die Nesseltiere leben, kommt zum Vorschein. Dieser Vorgang wird als Korallenbleiche bezeichnet. Dauert die Korallenbleiche nur kurze Zeit an, kann das Körpergewebe der Korallen wieder Algenzellen aufnehmen und die Symbiose wird fortgesetzt. Tritt die Korallenbleiche dagegen über einen längeren Zeitraum oder gehäuft nacheinander auf, können die Korallen absterben und ganze Ökosysteme zusammenbrechen.

Seit den 1980er Jahren wurden besonders großräumige und starke Korallenbleichen beobachtet. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten die Ursachen und Ausmaße dieser Ereignisse detailliert am Great Barrier Reef, dem vor der Nordostküste Australiens gelegenen, größten Korallenriff der Erde. Dort traten 1998, 2002 und 2015/16 wiederholt Korallenbleichen auf, die sich deutlich unterschieden. Die Bleiche 2016 betraf erheblich größere Teile und war wesentlich stärker als in den beiden zurückliegenden Jahren. Gegenstand langjähriger Beobachtungen waren speziell 171 Riffe des aus vielen Einzelriffen bestehenden Great Barrier Reefs. Während von diesen 171 Riffen im Jahr 1998 43 Prozent von Korallenbleiche betroffen waren, stieg der Prozentsatz 2002 auf 56 und erreichte 2016 bereits 85 Prozent. Hauptursache der massenhaften Korallenbleiche am Great Barrier Reef waren die außergewöhnlich hohen Meeresoberflächentemperaturen in den Jahren 1998, 2002 und 2015/16, die im letztgenannten Zeitraum besonders lange vorherrschten.

Auch im Jahr 2017 hat sich die schwere Korallenbleiche am Great Barrier Reef fortgesetzt. Während 2016 noch vorrangig nördliche Teile des Riffs betroffen waren, erstreckt sich die Schädigung nun auch auf mittlere Teile und damit insgesamt auf eine Länge von 1.500 Kilometern des rund 2.300 Kilometer langen Riffs.

Zur Erholung benötigen die geschädigten Riffe Zeit: Bei schnell wachsenden Korallen sind es 10 bis 15 Jahre, bei langlebigen Korallen viele Jahrzehnte. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels mit steigenden Luft- und Meeresoberflächentemperaturen scheint es unwahrscheinlich, dass dem extrem artenreichen und kostbaren Ökosystem diese Zeit gewährt wird. Nur kurzfristige und wirkungsvolle weltweite Maßnahmen zum Klimaschutz können zumindest einem Teil der Korallenriffe das Überleben ermöglichen.