BMU Website

Navigation

Von hier aus koennen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

Aus der Wissenschaft

Klimawandel: Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentieren Faktenüberblick

Deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nahmen das G20-Gipfeltreffen Anfang Juli 2017 zum Anlass, die Dringlichkeit des weltweiten Klimaschutzes zu betonen und einen Überblick grundlegender Fakten zum Klimawandel vorzustellen. Die Forscherinnen und Forscher verdeutlichten, dass der natürliche Wechsel von Kalt- und Warmzeiten über Jahrzehntausende erfolgt. Indes ist der gegenwärtige, schnelle Klimawandel in nur rund 150 Jahren eine völlig neue Entwicklung. Hauptursache ist der Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre. Die Konzentration von Kohlendioxid liegt gegenwärtig 41 Prozent über dem vorindustriellen Niveau. Das ist die höchste Konzentration seit mindestens 800.000 Jahren.

Seit mehreren Jahrzehnten zeigt die weltweit gemittelte Lufttemperatur in Bodennähe einen klaren Aufwärtstrend. Seit den 1960er Jahren war jedes Jahrzehnt wärmer als das vorherige. Betrachtet man das Langzeitmittel der Lufttemperatur über das gesamte 20. Jahrhundert, so lagen seit 1977 alle Jahre ausnahmslos oberhalb dieses Durchschnittswertes. 16 der 17 wärmsten Jahre, die seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im 19. Jahrhundert beobachtet wurden, traten nach dem Jahr 2000 auf, alle 5 wärmsten davon seit 2010. Das Rekordjahr war 2016. In der Reihung der wärmsten Jahre folgen 2015 und 2014. Drei Rekordjahre in Folge wurden seit Beginn der Messungen noch nie registriert. Während der Anstieg des weltweiten Temperaturmittels seit 1881 rund 1 Grad Celsius betrug, stieg die Mitteltemperatur der Luft in Deutschland im selben Zeitraum bereits um 1,4 Grad Celsius.

Der weitaus größte Teil der globalen Erwärmung zeigt sich jedoch nicht im Anstieg der bodennahen Lufttemperatur, sondern in der Erwärmung der Ozeane. Von 1980 bis 2015 ist die mittlere Temperatur der oberen Wasserschichten der Weltmeere um 0,5 Grad Celsius gestiegen. Auch tiefere Wasserschichten erwärmten sich, jedoch in geringerem Maße. Allein 93 Prozent der globalen Erwärmung seit den 1970er Jahren entfallen auf die Ozeane, 3 Prozent auf das Schmelzen von Eismassen, weitere 3 Prozent auf die Erwärmung der Kontinente und lediglich 1 Prozent auf die Erwärmung der Luft.

Infolge der Ausdehnung des erwärmten Ozeanwassers und des fortgesetzten Schmelzens von Gletschern und Eisschilden ist der weltweite, mittlere Meeresspiegel seit Beginn des 20. Jahrhunderts um rund 20 Zentimeter gestiegen. Allein zwischen 1993 und 2017 betrug der Anstieg 8,5 Zentimeter. Die gegenwärtige Anstiegsrate liegt bei etwa 3,4 Millimetern pro Jahr. In Nord- und Ostsee wurde im Zeitraum der vergangenen 100 Jahre eine Zunahme um 10 bis 20 Zentimeter beobachtet. Höhere Sturmfluten sind die Folge davon.

An der deutschen Nordseeküste steigt der Meeresspiegel um 1,6 bis 1,8 Millimeter pro Jahr. Die Ozeane haben einen großen Teil des in die Atmosphäre emittierten Kohlendioxids aufgenommen, was zu einer Versauerung des Meerwassers geführt hat. Bleiben die Kohlendioxidemissionen weiterhin hoch, könnte es bis Ende dieses Jahrhunderts zu einer Versauerung kommen, die seit mehr als 50 Millionen Jahren nicht mehr vorkam. Saures Wasser behindert die Kalkbildung. Die Folge ist eine Schwächung des Knochen- und Schalenaufbaus bis hin zur Knochenauflösung von Meereslebewesen wie Muscheln, Schnecken, bestimmten Planktongruppen und Korallen. Bei fortschreitender Versauerung des Meerwassers besteht die Gefahr der Beeinträchtigung des Nahrungsnetzes und im kritischsten Falle der gesamten Lebenswelt in den Ozeanen.

Der Grönländische Eisschild verliert jedes Jahr 250 bis 300 Milliarden Tonnen an Eismasse und trägt jährlich mit rund 0,6 Millimetern zum Anstieg des globalen Meeresspiegels bei. In den vergangenen Jahren beschleunigte sich dieser Eismassenverlust. Das antarktische Kontinentaleis schwindet seit 2002 um rund 220 Milliarden Tonnen pro Jahr. Im Zeitraum 1991 bis 2001 lag dieser Wert noch bei durchschnittlich 30 Milliarden Tonnen im Jahr. Ebenso beschleunigte sich der Eismassenverlust der Gebirgsgletscher in den zurückliegenden Jahrzehnten. Seit Beginn der Satellitenmessungen 1979 verringerte sich die Ausdehnung des Meereises in der Arktis stetig und erreichte im Oktober und November 2016 ein Minimum. Überdies nahm auf der Nordhalbkugel die Schneebedeckung ab. Die Schneesaison in den Schweizer Alpen startet heute beispielsweise im Durchschnitt 12 Tage später und endet 26 Tage früher als 1970.

Nach Daten des Versicherungsunternehmens Munich Re hat sich seit 1980 weltweit die Zahl schadensrelevanter Naturereignisse etwa verdreifacht (diese Daten werden so bearbeitet, dass die Effekte der Inflation und zunehmender Vermögenswerte nicht enthalten sind). In Deutschland nahmen vor allem die Risiken durch schwere Gewitter zu. Überdies wurde seit Ende des 19. Jahrhunderts eine markante Zunahme bestimmter Großwetterlagen beobachtet, die häufig mit ergiebigen Niederschlägen in Mitteleuropa und erhöhtem Risiko von Hochwassern verbunden sind. So stieg auch in Deutschland das Gefahrenpotenzial für Hochwasser in den letzten 30 Jahren deutlich.

Die Eismassen auf der Erde reagieren sehr langsam auf ein wärmeres Klima. So würde ein vollständiges Abschmelzen des Grönländischen Eisschildes mehrere Jahrhunderte dauern und einen Meeresspiegelanstieg von etwa sieben Metern hervorrufen. Ebenso dauert es im Ozean lange Zeit, bis sich eine Erwärmung der oberflächennahen Schichten bis in die Tiefe fortsetzt. Wegen der langen Reaktionszeiten von Ozean und Eismassen werden die Folgen des heutigen Ausstoßes von Treibhausgasen in die Atmosphäre über viele Jahrzehnte und Jahrhunderte spürbar sein. Deshalb sind umgehende und ehrgeizige Maßnahmen zum Klimaschutz vordringlich. Die deutschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bekräftigen: "Die Emissionen der Gegenwart werden auf lange Sicht die Geographie vieler Länder drastisch verändern: Weite Landstriche, auf denen heute noch Megastädte stehen, dürften dann im Meer liegen."