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Aus der Wissenschaft

Frühjahr und Sommer 2018: extrem heiß und trocken

Viele Menschen werden sich in diesem Jahr gefragt haben, ob sich so der Klimawandel bemerkbar macht: Seit April bis in den September hinein wurde in Deutschland anhaltend außerordentlich warmes und trockenes Wetter beobachtet. In vielen Regionen traten lange Hitzewellen auf. Der Sommer war nach 2003 der zweitwärmste Sommer seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) im Rahmen seiner saisonalen Auswertung berichtet. Zwei Monate in Folge waren die wärmsten, die je in Deutschland beobachtet wurden: die Frühjahrsmonate April und Mai. Die Monatsmitteltemperatur im April lag 4,9 Grad Celsius höher als der langjährige Durchschnittswert in der Vergleichsperiode 1961 bis 1990. Auch der Mai war 3,9 Grad Celsius wärmer als im vieljährigen Durchschnitt der Vergleichsperiode.

Besonderes Augenmerk lenkt der DWD auf die Auswertung der gesamten Periode von April bis August. Die Fachleute geben die Durchschnittstemperatur für diese fünf Monate mit 17,3 Grad Celsius an. Auch hierzu gibt es einen entsprechenden Wert in der Vergleichsperiode 1961 bis 1990, der 13,7 Grad Celsius beträgt. Das heißt, der Zeitraum April bis August 2018 war 3,6 Grad Celsius wärmer als das vieljährige Mittel. Zugleich war es auch die wärmste April-bis-August- Periode in Deutschland seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Auf Platz 2 liegt der entsprechende Fünfmonatszeitraum im Jahr 2003 mit einem Temperaturmittel von 16,4 Grad Celsius. Auffallend, so der DWD, ist dabei die große Differenz zwischen den beiden aufeinanderfolgenden Rekordwerten in Höhe von fast 1 Grad Celsius.

Neben der anhaltenden Hitze wird der Sommer 2018 auch durch die ungewöhnliche Trockenheit in Erinnerung bleiben. In Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt registrierte der DWD den trockensten Sommer seit 1881. Deutschlandweit war 2018 der zweittrockenste Sommer. Lediglich im Sommer 1911 war die Niederschlagsmenge noch geringer.

Hitze in anderen Ländern Europas

Der DWD verweist darauf, dass auch in vielen Teilen Europas der Sommer ausgesprochen warm und trocken war. Besonders von der Hitze betroffen waren die nördlichen Länder. In Skandinavien war vor allem der Julia sehr warm. Sogar am Polarkreis stiegen die Temperaturen auf über 30 Grad Celsius an. Mehrere Länder verzeichneten Temperaturrekorde, sei es an einzelnen Stationen wie in Schweden oder auch im Landesdurchschnitt wie in Großbritannien, den Niederlanden, Belgien und Dänemark.

Längere Hitzewellen traten laut DWD neben Deutschland unter anderem auch in Polen, Skandinavien, Nordwestrußland, im Baltikum sowie im Mittelmeerraum und am Schwarzen Meer auf. In weiten Teilen Mitteleuropas und in südlichen Teilen Nordeuropas herrschte langanhaltende Dürre. Dagegen wurden im Mittelmeerraum häufig intensive Gewitter beobachtet.

Möglicher Zusammenhang des warmen Wetters mit dem Klimawandel

Dass Hitzeextreme mit einer Klimaerwärmung zunehmen, gilt als gesicherte wissenschaftliche Erkenntnis, wie der Klimawissenschaftler Prof. Dr. Stefan Rahmstorf in seinem Beitrag "Hitze ohne Ende" auf dem Wissenschaftsblog Klimalounge ausführt. Er hebt hervor, dass Hitzerekorde im Hinblick auf Monatsmitteltemperaturen inzwischen fünfmal so häufig auftreten, wie im vorindustriellen Klima (ohne globale Erwärmung). Auch Dr. Paul Becker, Vizepräsident des DWD betont: "Der Klimawandel bedeutet nicht nur eine Erhöhung der mittleren Temperaturen, sondern auch die Zunahme von Extremereignissen. Der diesjährige Sommer war mit seiner ausgesprochen intensiven Trockenheit und langanhaltenden Hitze außergewöhnlich."

Ein in den vergangenen Jahren beobachtetes Phänomen, das mit dem Klimawandel zusammenhängen könnte und sehr beständiges Wetter verursacht, ist die Abschwächung des sogenannten Jetstreams. Dabei handelt es sich um ein Band starker Winde in höheren Atmosphärenschichten, das je nach Wetterlage zwischen 40 und 60 Grad nördlicher Breite um die Hemisphäre weht. Verursacht wird der Jetstream durch den großen Temperaturunterschied zwischen den Tropen und der Arktis. Genauer gesagt, entsteht er als großräumige Ausgleichs-Luftbewegung zwischen Gebieten verschiedener Lufttemperatur und verschiedenen Luftdrucks, den äquatorialen und den nordpolaren Regionen.

Stefan Rahmstorf erläutert in seinem Beitrag, dass der Jetstream in den letzten Jahrzehnten an Stärke verloren hat und langsamer geworden ist. Gleichzeitig wurde er welliger. Andreas Frey drückt dieses Phänomen in seinem Artikel "Ist das schon der Klimawandel?" auf Spektrum.de sehr anschaulich aus: "Der polare Jetstream [...] schlingert in großen Schleifen um die Nordhalbkugel...".

Diese Schleifen wiederum können sehr beständig sein. Sie bleiben für lange Zeit an Ort und Stelle und sorgen dadurch für beständige Wetterbedingungen. Je nach Lage der Schleifen bedeutet das in manchen Gebieten andauernde Hitze und Dürren und in anderen Regionen dagegen Dauerregen. Derartige Bedingungen herrschten in diesem Frühjahr und Sommer in Europa. Nach Angaben des DWD wurde die langanhaltende und trockene Periode durch eine beständige Wetterlage mit Hochdruckgebieten über Nordeuropa verursacht, die einerseits warme und trockene Luft nach Deutschland führten und andererseits atlantische Tiefs mit kühler und feuchter Luft blockierten.

Bleibt noch die Frage zu beantworten, warum sich der Jetstream abschwächt und was dies mit dem Klimawandel zu tun haben könnte. "Ursache ist wahrscheinlich die starke Erwärmung der Arktis", so Rahmstorf. In Verbindung mit dem Klimawandel erwärmte sich die Arktis seit Mitte des 20. Jahrhunderts im Vergleich zu anderen Regionen der Welt besonders stark. Dadurch verringert sich der Temperaturunterschied zwischen Tropen und Arktis. Der Jetstream, der durch diesen Temperaturunterschied angetrieben wird, könnte dadurch an Energie verlieren und langsamer werden – mit den zuvor beschriebenen Auswirkungen auf das Wetter und die Witterung in Europa.

Aus den dargestellten Zusammenhängen kann zweifellos nicht geschlussfolgert werden, dass jeder künftige Sommer extrem heiß und trocken sein wird. Schwankungen von Jahr zu Jahr werden auch weiterhin auftreten. Aber die Häufigkeit von Hitzeextremen und stabilen sommerlichen Wetterlagen wird längerfristig zunehmen, wie Stefan Rahmstorf deutlich macht.

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