Grenzwerte bei hochfrequenten EMF

Wie werden die Grenzwerte für hochfrequente elektromagnetische Felder abgeleitet?

Grenzwerte berücksichtigen die Erkenntnisse aus der Gesamtheit der wissenschaftlichen Veröffentlichungen (epidemiologische Studien, Tierexperimente und Zelluntersuchungen). Grenzwertempfehlungen werden durch interdisziplinär besetzte Kommissionen erarbeitet; dabei berücksichtigen sie nur bestätigte Wirkungen. Die in Deutschland geltenden Grenzwerte stützen sich auf Empfehlungen der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) sowie der deutschen Strahlenschutzkommission (SSK). Sie orientieren sich am wissenschaftlichen Kenntnisstand zu Wirkungen und Risiken, nicht an bestimmten technischen Anwendungen. Sie entsprechen der einschlägigen Rechtsquelle der EU, der Empfehlung 1999/519/EG zur Begrenzung der Exposition der Bevölkerung gegenüber elektromagnetischen Feldern.

Der einzige wissenschaftlich nachgewiesene Wirkmechanismus hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf den menschlichen Körper ist eine Erwärmung des Gewebes. Eine vorübergehende Körpererwärmung um maximal ein Grad Celsius wird als gesundheitlich unbedenklich erachtet, da sie auch im Tagesverlauf oder bei körperlicher Anstrengung vorkommt. Eine Erhöhung der Kerntemperatur um ein Grad Celsius wird erreicht, wenn die spezifische Absorptionsrate (SAR, ein Maß für die Energieaufnahme im Körper) über die Dauer von 30 Minuten bei vier Watt pro Kilogramm liegt. Eine solche Ganzkörperexposition ist eine Wirkschwelle, bei deren Überschreitung negative gesundheitliche Auswirkungen als möglich gelten.

Um wissenschaftliche Unsicherheiten, ungünstige Umstände (hohe Umgebungstemperatur, schwere körperliche Arbeit, Sport) zu berücksichtigen und auch den Schutz von möglicherweise empfindlichen Personengruppen (Kinder, Schwangere, Kranke, Alte) zu gewährleisten, wurde für die allgemeine Bevölkerung ein Grenzwert von 0,08 Watt pro Kilogramm für die Exposition des gesamten Körpers festgelegt, der sogenannte Basisgrenzwert. Teile des Körpers dürfen höher exponiert sein, nämlich bis zwei Watt pro Kilogramm am Kopf und vier Watt pro Kilogramm am Rumpf (in diesem Fall wird über 10 Gramm Körpergewebe gemittelt).

Aus dem Basisgrenzwert wurden mittels Computersimulationen Referenzwerte errechnet, die außerhalb des Körpers gemessen werden können. Die Einhaltung dieser Referenzwerte gewährleistet, dass unter üblichen Randbedingungen der Basisgrenzwert im Körper nicht überschritten wird. Auf diesen Referenzwerten beruhen die Grenzwerte der oben genannten EU-Ratsempfehlung sowie der 26. BImSchV.

Welche Gremien und Organisationen sind an der Bewertung der gesundheitlichen Risiken und der Ableitung von Grenzwerten beteiligt und wie wird sichergestellt, dass diese rein wissenschaftsbasiert und unabhängig von wirtschaftlichen Interessen arbeiten?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bewertet gesundheitliche Auswirkungen elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder. An den jährlichen Treffen nehmen Vertreter der einzelnen Mitgliedstaaten teil, aus Deutschland das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Strahlenschutz. Dabei wird der aktuelle wissenschaftliche Kenntnisstand diskutiert und zusammengefasst. Bei bestehenden Kenntnislücken spricht die WHO Forschungsempfehlungen aus. Die Forschungsergebnisse fließen in eine Serie von Monographien ein, die als Datenbasis für die Ableitung von Grenzwertempfehlungen dient.

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der WHO bewertet das Potential unterschiedlicher Stoffe und Umwelteinflüsse Krebs zu verursachen. Aufgrund begrenzter wissenschaftlicher Hinweise (einzelne Studien) auf eine krebserregende Wirkung hochfrequenter elektromagnetischer Felder auf den Menschen hat die IARC hochfrequente elektromagnetische Felder im Jahr 2011 als "möglicherweise krebserregend für den Menschen" eingestuft. Die Bewertungen des Krebsrisikos führen eingeladene Expertinnen und Experten durch, die ihre eventuellen Interessenskonflikte offenlegen müssen. Es ist vorgesehen, diese Bewertung in den nächsten Jahren zu überprüfen und erforderlichenfalls zu aktualisieren.

Die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) ist eine internationale unabhängige wissenschaftliche Organisation, die von der WHO anerkannt ist. ICNIRP besteht aus Mitgliedern und weiteren wissenschaftlichen Experten aus den Bereichen Biologie, Epidemiologie, Physik, Biophysik und Medizin. Mitglieder dürfen nicht bei Hersteller- oder Betreiberunternehmen beschäftigt sein und müssen ihre persönlichen Interessenkonflikte offenlegen, die auf der Homepage veröffentlicht werden. ICNIRP hat 1998 eine Grenzwertempfehlung insbesondere für hochfrequente elektromagnetische Felder veröffentlicht. Diese wurde in die EU-Ratsempfehlung übernommen und ist auch die Basis für die 26. BImSchV. Eine Überarbeitung wird in den nächsten Monaten erwartet.

Das Wissenschaftliche Gremium der EU über Gesundheits-, Umwelt- und neu auftretende Risiken (SCHEER, von 2004 bis 2013 SCENIHR) bewertet im Auftrag der Europäischen Kommission Risiken neuer Technik, auch des Mobilfunks. Mitglieder sind Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus europäischen Behörden und Universitäten, die von der Europäischen Kommission bestellt werden. Alle Mitglieder des Ausschusses müssen mögliche Interessenskonflikte offenlegen. Die letzte umfassende Risikobewertung elektromagnetischer Felder stammt aus dem Jahr 2015.

Die Strahlenschutzkommission (SSK) ist ein Beratungsgremium des Bundesumweltministeriums (BMU). Sie besteht aus Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen unterschiedlicher Disziplinen, die vom BMU berufen werden. Mitglieder der SSK sowie ihrer Ausschüsse und Arbeitsgruppen müssen mögliche Interessenskonflikte offenlegen.