Stadtnatur in Parks und Quartieren

Wohnen und Radfahren im grünen Vorort Vauban, Freiburg, Deutschland

Immer mehr Menschen in der Stadt wünschen sich in ihrem Wohnquartier mehr Natur und eine größere Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten. Schon mit wenig Aufwand lassen sich in der Stadt naturnahe Oasen für Menschen, Tiere und Pflanzen gestalten – egal ob im Gründerzeitviertel oder der Großwohnsiedlung.

Wenn wir aus dem Fenster in den Hof schauen, freuen wir uns: über das Eichhörnchen, das unter Sträuchern seine Nüsse vergräbt, und über die Meisen, die von Ast zu Ast hüpfen. Naturerlebnisse vor der Haustür bereichern alle – vom Kleinkind bis zur Großmutter – und tragen wesentlich zur Lebensqualität in der Stadt bei.

Stadtnatur verbessert zudem das Mikroklima im Wohnquartier: Begrünte Fassaden und Dächer, mehr Bäume und weniger asphaltierte Flächen tragen dazu bei, dass Regenwasser versickert und verdunstet, Gebäude gekühlt werden und sich die Stadt im Sommer weniger aufheizt. Und weil das Grün den Feinstaub bindet, wird die Luft sauberer.

Wohn- und Grünanlagen sowie Parks werden vor allem dort naturnäher, wo Menschen sich für ihre grüne Umgebung einsetzen: Mitarbeitende der Kommunen, Mieterinnen und Mieter, Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer, Wohnungsunternehmen oder Urban-Gardening-Initiativen. Das Spektrum möglicher Maßnahmen für mehr Stadtnatur ist groß:

  • Gebäudebegrünung: zum Beispiel extensive und intensive Dachbegrünung, Fassadenbegrünung mit selbstklimmenden Kletter- oder Gerüstkletterpflanzen (wandgebundene Systeme)
  • Entsiegelung von Flächen: zum Beispiel Verwendung von wasserdurchlässigen Materialien, wie Rasengittersteinen oder Fugenpflaster, auf Parkplätzen, Höfen und Gehwegen
  • Naturnahe, artenreiche Gestaltung von Stadtgrün: zum Beispiel naturnahe Pflege von öffentlichem und halböffentlichem Grün, unter anderem in Parks oder an Gewässerufern
  • Gemeinschaftsgärten: zum Beispiel Urban Gardening, Urbane Waldgärten oder Interkulturelle Gärten
  • Nisthilfen an Dach und Fassade: zum Beispiel Balkon-Nistkästen, Gebäudebrüter-Nisthilfen, wie Einbau-Nistkästen und -steine, Fledermausquartiere, Insekten-Nisthilfen
  • Naturschutzgerechte energetische Gebäudesanierung: zum Beispiel Einbindung von Artenschutzmaßnahmen in modernen Wärmeverbundsysteme
  • Anlegen von Biotopen und Kleingewässern: zum Beispiel ökologische Aufwertung von Rückhaltebecken oder Zierteichen durch flache Uferzonen und heimische Wasserpflanzen
  • Naturnahe Regenwasserbewirtschaftung: Vermeidung von Regenabfluss durch Entsiegelung, Speichern und Verdunsten durch Grünflächen, Teiche oder Gebäudegrün
  • Naturerfahrungsräume (NER): naturnahe Freiflächen, auf denen Kinder unbeaufsichtigt ohne Geräte spielen und sich ausprobieren können

Das Bundesumweltministerium fördert eine Reihe von Projekten für mehr Stadtnatur in Wohnquartieren und Parks: Treffpunkt Vielfalt unterstützt die naturnahe Gestaltung und Pflege von Freiflächen in Wohnquartieren. Im Teilprojekt Pikoparks geht es um den Aufbau kleiner artenreicher Parks in Wohnquartieren. Tausende Gärten – Tausende Arten möchte Bürgerinnen und Bürger dafür begeistern, private oder öffentliche Grünflächen naturnah zu gestalten. Die INsektenSchutzAkademie INSA entwickelt ein breites Bildungsangebot zu Biodiversität und Insektenschutz, das ab 2022 erprobt wird. Im Projekt Urbane Insektenbiotope werden Interessierte dabei unterstützt, Insektenbiotope in Städten anzulegen. Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung entwickelt insektenfreundliche Beleuchtungskonzepte.

Urbane Waldgärten – eine neue Form urbaner Gärten – beheimaten vor allem essbare Pflanzen und sollen eine dauerhafte waldartige Vegetation ausbilden. Das Projekt StadtGrün naturnah soll Kommunen motivieren, mehr Grünflächen naturnah zu gestalten und zu bewirtschaften.