Stadtnatur für Unternehmen

Großes Potenzial für eine artenreichere Flora und Fauna in unseren Städten bieten Gewerbe- und Industrieflächen. Sie machen in Deutschland knapp ein Fünftel der Siedlungsfläche aus und verfügen oft über wenig genutzte Grün- und Freiflächen.

Mit einem naturnah gestalteten Firmengelände und -gebäude können Unternehmen wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen schaffen. Sie stärken die Artenvielfalt, verbessern die Luftqualität und verringern im Sommer das Aufheizen der Stadt. Davon profitieren auch die Mitarbeitenden: Eine blühende Vielfalt an Pflanzen verwandelt einst öde Firmenareale in Orte, die entspannen und motivieren. Und gegenüber Kundinnen und Kunden und Geschäftspartnerinnen und  Geschäftspartner signalisiert ein artenreich gestalteter Firmensitz, dass ein Unternehmen seine ökologische Verantwortung ernst nimmt.

Eine naturnahe Firmengestaltung kann sogar Kosten sparen: Dach- und Fassadenbegrünung sorgen beispielsweise für Energieeinsparungen im Gebäude und senken die Niederschlagswassergebühr, naturbelassenes Grün braucht in der Regel weniger Dünger und Pflege als eine Rasenfläche.

Firmengelände können unter anderem mit folgenden Maßnahmen naturnah umgestaltet werden:

  • Minimieren der Bodenversiegelung: zum Beispiel durch wasserdurchlässige Pflastersysteme, Drainbelag oder wassergebundene Wegedecken
  • Bepflanzen von wenig genutzten Flächen: zum Beispiel Verkehrsnebenflächen, Feuerwehrzufahrten oder Dächer
  • Artenreiche Bepflanzung von Freiflächen: zum Beispiel Blumenwiesen, heimische Stauden oder Obstbäume und -sträucher
  • Begrünen von Dachflächen: zum Beispiel mit Trockenheit tolerierenden Gewächsen, wie Moosen, Gräsern, Sukkulenten und Kräutern als Futterpflanzen und Lebensraum auch für die heimische Fauna
  • Begrünen von Wandflächen: zum Beispiel mit bodengebundenen Pflanzen wie heimische Reben, Efeu, Hopfen oder Wildbrombeeren
  • Anlegen von Feuchtbiotopen: zum Beispiel Sickermulden oder Teiche als Rast-, Überwinterungs- und Brutplätze für Insekten, Vögel und Amphibien
  • Einrichten von Nisthilfen: zum Beispiel Steinhaufen, Totholz, Offenböden, Hecken und Laubhaufen für Insekten und Kleinsäuger wie Igel
  • Installieren tierfreundlicher Beleuchtungssysteme: zum Beispiel "Full-Cut-Off-Leuchten", die insektenfreundlicher sind, weil sie nur nach unten strahlen

Das Bundesumweltministerium fördert Projekte für die naturnahe Gestaltung von Firmengebäuden und -grundstücken: Das Projekt Außenstelle Natur berät mindestens 42 kleine und mittlere Unternehmen zur insektenfreundlichen Gestaltung ihrer Firmenareale.

Auch bei der vom Bundesumweltministerium 2013 initiierten Dialog- und Aktionsplattform zu Unternehmen und biologische Vielfalt spielt das Thema naturnahe Firmengelände eine wichtige Rolle, denn dies bietet sich für Unternehmen sehr gut als Einstieg in die Beschäftigung mit Biodiversität an und entsprechende Maßnahmen am Firmenstandort sind ein ganz konkreter Beitrag der Wirtschaft zur Erhaltung der Natur vor Ort. Im Mittelpunkt der Plattform, in der Wirtschafts- und Umweltverbände vertreten sind, stehen neben dem Dialog über politische Entwicklungen und fachliche Konzepte vor allem die Handlungsmöglichkeiten in Industrie und Dienstleistungssektor aufgrund von Eigeninitiative und freiwilligem Engagement.