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Kampagne "Nein zur Wegwerfgesellschaft"

Fragen und Antworten zum 5-Punkte-Plan des BMU für weniger Plastik und mehr Recycling

FAQ Kunststoffabfälle

Warum steigt das Aufkommen von Kunststoffabfällen, insbesondere im Verpackungsbereich in Deutschland weiter so stark an?

Die Gründe dafür sind vielfältig. Vor allem neue Konsumtrends sind dafür verantwortlich, zum Beispiel eine deutliche Zunahme des Außer-Haus-Verzehrs oder eine deutliche Zunahme des Versandhandels. Auch der Trend hin zu mehr Single-Haushalten und verschärfte Hygienevorschriften tragen dazu bei.

Wie können wir überflüssige Plastikartikel vermeiden?

Überall wo Überflüssiges weggelassen werden kann, sollte dies auch geschehen. Das gilt nicht nur für Kunststoff. Vor allem braucht es mehr Bewusstsein beim Konsum und alternative Angebote. Dort, wo dies nicht ausreicht, können auch Produkteinschränkungen oder –verbote eingesetzt werden. Solche Verbote können wir wegen der gemeinsame EU-Binnenmarktregeln nicht allein auf Deutschland bezogen durchsetzen. Hierzu bedarf es EU-weiter Regelungen. In der EU sollen darum bestimmte Plastikartikel, die in der Regel nur kurz benutzt werden und häufig in der Umwelt, vor allem auch im Meer landen, verboten werden. Dazu zählen Strohhalme, Rührstäbchen oder Plastikbesteck.

Wie können wir überflüssige (Kunststoff-)Verpackungen vermeiden?

Etwa die Hälfte der Verpackungsmaterialien wird deutschlandweit für Verpackungen eingesetzt, die bei privaten Endverbrauchern landen. Die andere Hälfte besteht aus industriellen Verpackungen (zum Beispiel auch für den Export) oder in Logistikanwendungen. Der Handel ergreift bereits heute eigene Initiativen, um mehr Verpackung zu vermeiden. Zum Beispiel werden Bananen und Süßkartoffeln in Pilotversuchen auf der eigenen Schale mit einer Codierung versehen, die eine Art Preisschild und Herkunftsangabe darstellt. Mehrere Supermarktketten und Hersteller haben auch bereits angekündigt, in den kommenden Jahren weniger Verpackungen einsetzen zu wollen, indem sie zum Beispiel auf wiederverwendbare Verpackungen für Frischwaren setzen. Wichtig ist zudem die Arbeit von Verbraucher- und Umweltschutzorganisationen, die regelmäßig auf unnötige Verpackungen hinweisen.

Versucht auch die Logistikbranche, Verpackungen zu vermeiden?

Ja. In der Logistikbranche gibt es verschiedene Ansätze, die Menge an Verpackungsmaterialien weiter zu verringern. So wird geprüft, für welche Bereiche der Logistik Mehrwegverpackungen eingesetzt werden können, wie sie beim Handling von Briefpost oder bei der Blumenlogistik eingesetzt werden. Best-Practice-Beispiele will das BMU nutzen, um mit dem Handel zu klären, bei welchen Produkten und Anwendungsbereichen Verpackungen vermindert oder weggelassen werden können. 

Was unternimmt der Gesetzgeber, damit mehr Kunststoffabfälle recycelt werden?

Am 1. Januar 2019 tritt das neue Verpackungsgesetz in Kraft. Damit geben wir gesetzlich deutlich höhere Recycling-Quoten vor. Diese Quoten sind materialspezifisch festgelegt: aus Papierverpackungen muss zu bestimmten Quoten wieder neues Papier, aus Kunststoffen müssen entsprechend wieder neue Kunststoffprodukte hergestellt werden et cetera. Aus gebrauchten Verpackungen müssen also wesentlich mehr Wertstoffe wiedergewonnen werden als bisher.

Hierzu gibt das Verpackungsgesetz konkrete Quoten vor: Für Kunststoffverpackungen im dualen System müssen sie von heute 36 auf 63 Prozent bis zum Jahr 2022 ansteigen (Stufe 1, 2019: 58,5 Prozent). Noch höhere Recycling-Quoten sind bei anderen Materialien vorgesehen: bei Metallen 90 Prozent (heute bei Aluminium 60 Prozent, bei Weißblech 70 Prozent); bei Glas 90 Prozent ab 2022 (heute 75 Prozent, Stufe 1, 2019: 80 Prozent) und bei Papier 90 Prozent ab 2022 (heute 70 Prozent, Stufe 1, 2019: 85 Prozent). Die dualen Systeme müssen diese Quoten nachweisen, für alle Verpackungen, die bei ihnen lizenziert sind. Um das zu erreichen muss noch besser gesammelt werden und es muss gründlicher sortiert werden. im Sinne des Verpackungsgesetzes zählt weder das Verbrennen noch die energetische Verwertung zum Recycling, da die enthaltenen Stoffe werkstofflich zu nutzen sind.

Wie viele Kunststoffe werden durch unsere Maßnahmen zukünftig mehr im Kreislauf gehalten?

Allein die erhöhten Recyclingquoten werden dafür sorgen, dass deutlich mehr Kunststoffverpackungen gesammelt, sortiert und recycelt werden müssen. Schätzungen gehen davon aus, dass im Jahr 2022 im Vergleich zu heute mehr als 400.000 Tonnen Kunststoffverpackungen zusätzlich recycelt werden.

Warum gibt es nicht mehr kompostierbare Verpackungen?

Biologisch abbaubare ("kompostierbare") Verpackungen sind keine sinnvolle Alternative. Der Begriff "kompostierbare" Kunststoffverpackungen führt in die Irre, da nach dem biologischen Abbau praktisch kein Kompost übrigbleibt, welcher verwertet werden könnte. Solche Kunststoffe zersetzen sich lediglich, und das auch nur unter optimalen verfahrenstechnischen Bedingungen, zum Beispiel in großtechnischen Kompostierungsanlagen aber auch dort vielfach nicht vollständig. Aus Sicht des Bundesumweltministeriums kann somit ein Eintrag von Kunststoffresten mit dem Bioabfall-Kompost in die Umwelt bislang nicht sicher ausgeschlossen werden. Außerhalb geeigneter großtechnischer Anlagen bauen sich solche Kunststoffe noch schlechter oder gar nicht ab zum Beispiel bei der Eigenkompostierung. Das Attribut „biologisch abbaubar“ kann somit zu einem sorglosen Umgang in Form wilder Entsorgung führen.

FAQ Rezyklate

Wie hoch ist die Produktion / der Einsatz von Rezyklaten also wieder gewonnen Kunststoffen derzeit? In welchen Produkten werden Rezyklate eingesetzt?

Nach aktuellen Erhebungen der Wirtschaft wurden in Deutschland im Jahr 2017 etwa 14,4 Millionen Tonnen Kunststoffe verarbeitet. Dabei wurden mit 1,8 Millionen Tonnen, also etwa 12 Prozent Kunststoff-Rezyklate eingesetzt. Der Großteil dieser Rezyklate wurde in Produkten des Bausektors (circa 43 Prozent) und des Verpackungssektors (circa 23 Prozent) verwendet.

Wie können wir den Einsatz von Rezyklaten steigern?

Hohe Recyclingquoten sind die wesentliche Voraussetzung dafür, dass Kunststoffe als Wertstoff erhalten bleiben. Diese Sekundärrohstoffe müssen aber auch nachgefragt und in der Produktion eingesetzt werden. Das Verpackungsgesetz verpflichtet deshalb die dualen Systeme, Hersteller zu belohnen, die recycelte Kunststoffe verwenden. Mit einer Rezyklat-Initiative wird das Bundesumweltministerium für zusätzliche Impulse sorgen. So werden wir zum Beispiel mit Recyclern, Herstellern und Vertreibern darüber sprechen, wie Hindernisse abgebaut und der Rezyklateinsatz gefördert werden kann. Auch das öffentliche Beschaffungswesen kann zur Steigerung der Nachfrage rezyklathaltiger Produkte beitragen. Hierzu wird im Dialog mit Bundesstellen, Ländern und Kommunen geklärt werden, in welchen Bereichen bei der Öffentlichen Beschaffung Produkten mit Rezyklatanteilen der Vorrang gegenüber Produkten aus Primärrohstoffen einzuräumen ist.

Welche Kriterien spielen bei der ökologischen Bewertung von Getränkeverpackungen eine Rolle?

Der Beurteilung der Umweltwirkungen von Getränkeverpackungen erfolgt im Wesentlichen auf der Grundlage von Ökobilanz-Untersuchungen. Das sind zunächst die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführten Ökobilanzen von 1995, 2000 und 2002. Hinzu kamen Ökobilanz-Studien, die von privater Seite in Auftrag gegeben und vom Umweltbundesamt geprüft und bewertet wurden. Den Wirtschaftsbeteiligten ist es jederzeit möglich, eigene Ökobilanzen durchführen und durch das Umweltbundesamt überprüfen zu lassen. Zu diesem Zweck wurde im Auftrag des Umweltbundesamtes das Vorhaben "Prüfung und Aktualisierung der Ökobilanzen für Getränkeverpackungen" durchgeführt und als UBA Texte 19/2016 veröffentlicht. Darin wurden gemeinsam mit relevanten Wirtschaftsakteuren, Umwelt- und Verbraucherverbänden sowie Vertretern der Wissenschaft Mindestanforderungen und Qualitätskriterien erarbeitet, die als neuer Standard für das Erstellen von Ökobilanzen für Getränkeverpackungssysteme dienen sollen.

Bei einer solchen Ökobilanz spielen nicht nur abfallwirtschaftliche Kriterien eine Rolle, sondern die gesamten Umweltwirkungen bei Herstellung, Transport, Reinigung und Entsorgung der Getränkeverpackungen. Die Mindestanforderungen an die Erstellung von Ökobilanzen enthalten zum Beispiel Anforderungen an die Methodik zur Berechnung von Umlaufzahlen bei Mehrwegflaschen, an die Bemessung von Transportentfernungen oder an die angemessene Berücksichtigung von Gutschriften für das Recycling.

Wie hoch ist der Anteil der Plastikflaschen, der zum Recycling zurückgegeben wird?

Die Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung schätzt die Rücklaufquote bei Einweg-Kunststoffflaschen auf über 96 Prozent. Hiervon werden nahezu 100 Prozent werkstofflich verwertet.

Was wird konkret getan, um den Eintrag von Kunststoffen in die Umwelt durch die Verwertung von Bioabfällen zu verhindern?

Die Bioabfallverordnung und die Düngemittelverordnung enthalten bereits strenge Grenzwerte für Kunststoffe und andere Fremdstoffe in Bioabfall-Komposten und -Gärrückständen. Die Bundesregierung wird die rechtlichen Anforderungen zur Begrenzung von Kunststoffrestgehalten, zum Beispiel in Komposten, weiter verschärfen.

Die praktische Erfahrung zeigt aber, dass neben strengeren Grenzwerten weitere Maßnahmen erforderlich sind, um eine Verringerung der Kunststoffe im Bioabfall zu erreichen. So hat beispielsweise eine gute kommunale Abfallberatung einen hohen Einfluss auf die Sortenreinheit der getrennt gesammelten Bioabfälle. Das BMU unterstützt daher Kampagnen zur besseren Getrenntsammlung von Bioabfällen.

Was ist mit verpackten Lebensmittelabfällen aus Produktion und Handel?

Verpackte Lebensmittel sind nach den geltenden Regelungen der Bioabfallverordnung kein zulässiger Ausgangstoff für die Bioabfallverwertung. Verpackungsbestandteile müssen vorher ausgeschleust werden. Bund und Länder entwickeln derzeit ein Konzept, um die Trennung der Verpackungsbestandteile von den Lebensmittelabfällen zu verbessern. Gegebenenfalls muss es weitere gesetzliche Regelungen geben.

Warum werden Bioabfälle nicht einfach (gemeinsam mit dem Restmüll) verbrannt?

Bei einer Verbrennung wird lediglich der Energiegehalt der Bioabfälle genutzt, die stofflichen Eigenschaften und wertgebenden Inhaltsstoffe des Bioabfalls bleiben dagegen ungenutzt. In Kompostierungsanlagen entsteht aus Bioabfall ein hochwertiges Düngemittel oder Bodenverbesserer, welche vor allem im Gartenbau und in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Dabei kann der Bioabfall sogar mehrfach genutzt werden: Zunächst als Einsatzstoff für Biogasanlagen, um Gas zu erzeugen und daraus Strom- und Wärme zu produzieren. Anschließend kann der Gärrückstand noch zu Düngezwecken verwendet werden.

Lassen sich biologisch abbaubare Kunststoffe gut recyceln?

Auch bei Recyclingprozessen sind biologisch abbaubare Kunststoffe bislang kritisch zu bewerten. Aufgrund ihrer marginalen Mengenanteile bei Kunststoffabfällen ist eine automatische Erkennung und Sortierung dieser Polymere augenblicklich nicht wirtschaftlich darstellbar. Trotz ihrer geringen Mengenanteile am Altkunststoffstrom können sie sich aufgrund ihrer biologischen Instabilität aber negativ auf die Qualität stabiler Kunststoffrezyklate auswirken, was deren Marktfähigkeit negativ beeinflusst.

FAQ Coffee-to-go-Becher

Wie ist die Ökobilanz von Mehrwegbechern im Vergleich zu Coffee-to-go-Bechern? Was betrachtet die Ökobilanz und was nicht?

Mehrwegbecher, insbesondere solche ohne Einwegdeckel, sind Einwegbechern aus ökobilanzieller Sicht dann überlegen, wenn sie möglichst oft genutzt werden und somit möglichst oft Einwegbecher substituieren. In die Betrachtung müssen allerdings auch weitere Faktoren wie zum Beispiel der Bechergröße, dem eingesetzten Material oder der eingesetzten Materialmenge einfließen. Als Faustformel kann man jedoch sagen, dass Mehrwegbecher mehr als 10 Mal, besser noch mehr als 25 Mal genutzt werden sollten, um ihre ökologischen Vorteile voll ausspielen zu können.

Wie viele Einweg-Becher werden jährlich verbraucht? Wie viele landen davon in der Umwelt?

In Deutschland werden stündlich rund 320.000 Einweg-Becher verbraucht, hiervon sind bis zu 140.000 Becher "To-go". Pro Jahr sind das fast drei Milliarden Einwegbecher. Eine repräsentative Studie der Marktforschungsgesellschaft TNS Emnid ergab, dass allein in Berlin jeden Tag etwa 460.000 "Coffee-to-go"-Becher verbraucht werden. Im Schnitt trank 2014 jeder Deutsche 162 Liter Kaffee, davon etwa fünf Prozent aus Einwegbechern.

FAQ Einweg und Mehrweg

Wie lassen sich Einweg von Mehrweggetränkeverpackungen im Handel unterscheiden?

Es gibt dafür bisher keine feste Kennzeichnung. Zumindest auf Einweg- und Mehrwegflaschen gibt es ein entsprechendes Logo der Hersteller. Diese sind teilweise freiwillig und für viele Menschen weder eindeutig noch genug sichtbar. Um die Unterscheidbarkeit von Einweg- und Mehrweggetränken zu verbessern, ist der Handel deswegen ab dem 1. Januar 2019 verpflichtet, am Regal deutlich darauf hinzuweisen, um welche der beiden Verpackungsarten es sich handelt.

Warum gibt es eine Pfandpflicht für Einweg- und Mehrwegverpackungen?

Wesentliches Ziel der Pfandpflicht für Einweggetränkeverpackungen ist die Förderung bestehender Mehrwegsysteme. Außerdem wird mit dem Pfand verhindert, dass Verpackungen in der Umwelt landen. Es garantiert durch die sortenreine Sammlung im Pfandsystem zudem das hochwertige Recycling von Einwegverpackungen. So verbessert sich ihre Ökobilanz, trotzdem schneiden diese in den allermeisten Fällen nicht besser als Mehrwegverpackungen ab.

Mit welchen konkreten Maßnahmen unterstützen wir Mehrweg-Ansätze?

Das Bundesumweltministerium fördert den Einsatz umweltfreundlicher Mehrwegsysteme. Das Verpackungsgesetz sieht als politische Zielmarke bei Getränkeverpackungen einen Mehrweganteil von 70 Prozent vor. Dieses Ziel wird mit verschiedenen Maßnahmen verfolgt: Die Pfandpflicht, die zum Beispiel bei Bier eine dauerhafte Stabilisierung des Mehrweganteils von über 80 Prozent bewirkt hat, wird daher auf weitere Getränkebereiche wie Fruchtsaftschorlen ausgeweitet. Das neue Verpackungsgesetz verpflichtet ab dem 01. Januar 2019 den Handel außerdem zu einer klaren Kennzeichnung an den Getränkeregalen, ob es sich um Einweg- oder Mehrwegflaschen handelt.

Warum sind manche Einweggetränkeverpackungen von der Pfandpflicht ausgenommen?

Ausgenommen sind ökologisch vorteilhafte Getränkeverpackungen, die in Ökobilanzen vergleichbar gut abschneiden wie Mehrwegflaschen. Außerdem sind Getränkebereiche ausgenommen, in denen der ökologische Nutzen der Pfandpflicht den Aufwand einer Umstellung auf Mehrweg derzeit nicht rechtfertigen würde. Das gilt zum Beispiel für Wein- und Spirituosenflaschen. Dier Rechtfertigung von Ausnahmen wird ständig überprüft und die Pfandpflicht in der Folge angepasst. So wurde zum Beispiel mit dem Verpackungsgesetz die Pfandpflicht auf kohlensäurehaltige Fruchtnektare erweitert. 

Warum lassen sich Einweggetränkeverpackungen nicht einfach besteuern oder verbieten?

Dadurch sollen die Verbraucherinnen und Verbraucher Getränke möglichst in Mehrwegverpackungen kaufen. Um eine solche Lenkungswirkung zu erzielen, müsste die entsprechende Steuer / Abgabe jedoch sehr hoch ausfallen und den Grundpreis des Getränks teilweise um das Doppelte übersteigen. Solch eine drastische Preiserhöhung ließe sich mit dem Grundgesetz, das den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vorschreibt, nur schwer vereinbaren. Ziel des Verpackungsgesetzes ist es, ökologisch vorteilhafte Verpackungssysteme zu fördern. Dies sind häufig, aber nicht immer Mehrwegsysteme. Bestimmte Einwegverpackungen wie Schlauchbeutel oder Getränkekartons schneiden zum Beispiel in Ökobilanz-Untersuchungen ähnlich gut ab wie Mehrwegflaschen. Mehrwegverpackung ist häufig gut und richtig, aber kein Selbstzweck.

Auch Verbote müssen sich am Grundsatz der Verhältnismäßigkeit messen lassen und sie sind in aller Regel nur auf europäischer Ebene möglich. Derzeit wird auf europäischer Ebene ein Richtlinienvorschlag verhandelt, der für bestimmte Einwegprodukte aus Kunststoff auch Verbote vorsieht.

Sind alle Pfandflaschen auch Mehrwegflaschen?

Nicht alle Pfandflaschen sind Mehrwegflaschen. Rechtlich vorgegeben ist, dass für die meisten Einwegflaschen ein Pfand von in der Regel 0,25 Euro pro Flasche zu erheben ist. Dies gilt für die 1,5 Liter PET-Flasche, die im Discounter angeboten und über Pfandautomaten zurückgenommen wird. Auf Mehrwegflaschen gibt es ein freiwillig erhobenes Pfand, zum Beispiel bei Bier-Mehrwegflaschen. Die Höhe des Pfandes richtet sich nach dem Wert der Flasche und variiert zwischen 8 Cent und 1 Euro pro Flasche.

Was passiert mit gebrauchten Einwegflaschen?

Nach der Rückgabe wird die Flasche geschreddert; der Werkstoff Polyethylen, kurz PET wird zu über 97 Prozent recycelt. Dieser Kunststoff geht sortenrein ins Recycling und als PET erneut eingesetzt. 

Wie ist die Ökobilanz von Mehrwegflaschen im Vergleich zu anderen Getränkeverpackungen?

Eine Mehrwegflasche kann bis zu 50-mal wieder befüllt werden. Einwegflaschen und Dosen werden nur einmal benutzt. Mehrwegflaschen helfen nicht nur Abfälle zu vermeiden und wertvolle Ressourcen zu schonen. Auch in einer gesamtökologischen Betrachtung haben sie die Nase vorn. Das beweisen zahlreiche Ökobilanzen. Sowohl beim Vergleich von Glasflaschen als auch bei Kunststoffflaschen schneidet Mehrweg regelmäßig besser ab als Einweg. Allerdings zeigt sich auch, dass Getränkekartons ökologisch vorteilhaft sind und dass bei Mineralwasser Einwegflaschen aus Polyethylen ähnlich gut wie Glas-Mehrwegflaschen abschneiden. Das liegt vor allem am hochwertigen Recycling der PET-Flaschen, die im Pfandsystem sortenrein gesammelt werden.

FAQ Plastiktüten

Was hat die freiwillige Vereinbarung mit dem Handel zur entgeltlichen Abgabe von Plastiktüten bislang gebracht?

Seit 2016 kosten praktisch alle Plastiktüten im deutschen Handel Geld. Der Verbrauch dieser Tüten ist in der Folge um fast zwei Drittel zurückgegangen. Und er geht weiter zurück. Der Handel hat sich verpflichtet, die Verbrauchsentwicklung jährlich durch ein unabhängiges Marktforschungsinstitut analysieren zu lassen und in Form eines Monitoringberichts hierüber zu berichten.

Wie ist die Ökobilanz von Plastiktüten im Vergleich zu anderen Tüten?

Plastiktüten und Papiertüten schneiden in den Ökobilanzen ähnlich ab. Unterschiede gibt es beim Verhalten in der Umwelt. Unsachgemäß, "wild" entsorgte Plastiktüten tragen Kunststoffpartikeln in die Umwelt ein, welche dort über viele Jahrzehnte verbleiben und vor allem Meerestiere schädigen können. Im Gegensatz zu Papiertüten sind Plastiktüten jedoch stabiler, insbesondere bei Nässe, und können öfter genutzt werden. Den größten ökobilanziellen Vorteil bringt es jedoch, wenn statt Einwegtragetaschen welchen Materials auch immer Mehrwegsysteme, zum Beispiel der Einkaufsrucksack zum Einsatz kommt.

Substitutionseffekte: Haben sich Verbraucher statt für Plastiktüten im Supermarkt stärker für Papiertüten entschieden oder vermehrt eigene Mehrwegtüten mitgebracht?

Der Verbrauch an Papiertüten ist seit Inkrafttreten der freiwilligen Vereinbarung gestiegen, allerdings nicht in dem Maße, wie der Verbrauch an Plastiktüten zurückgegangen ist. Dass die Verbraucherinnen und Verbraucher vermehrt Mehrwegbehältnisse zum Transport ihrer Einkäufe nutzen, liegt nahe.

Muss ich zukünftig immer mit einem Kaffeebecher und einer Einkaufstüte im Gepäck rumlaufen?

Sollten? Ja! Müssen? Nein. Wir gehen davon aus, dass es trotz unserer Anstrengungen zur Abfallvermeidung und Mehrwegförderung auch zukünftig hier und da noch Einkaufstüten als auch Einwegbecher geben wird, eben da wo sie gegebenenfalls sinnvoll sind.

Gibt es künftig noch Gemüse- und Obsttüten?

Die Supermärkte bieten nach wie vor besonders leichte Obst- und Gemüsetüten aus Plastik an. Sie probieren aber auch andere Verfahren aus: Obst und Gemüse wird auf der eigenen Schale mit einer Codierung versehen, das eine Art Preisschild und Herkunftsangabe darstellt. Das vermeidet Verpackungen. Möglicherweise liegt darin schon eine Lösung für bestimmte Produkte. Um lose verkauftes Obst und Gemüse zu verpacken, werden bereits mehrfach verwendbare Netze erprobt. Das ist sicher eine gute Lösung. Kontraproduktiv wäre es, auf die ultraleichten Tütchen zu verzichten und stattdessen feste Tragetaschen anzubieten, da dann der Materialverbrauch ansteigt und nicht sinkt.

Was bei Plastiktüten funktioniert hat, kann auch bei anderen Produkten funktionieren. Inwiefern ist das BMU hier aktiv?

In Deutschland soll der Einsatz von Mikroplastik in Kosmetika so schnell wie möglich, spätestens aber bis 2020 beendet sein. Das wurde im Kosmetikdialog des Bundesumweltministeriums mit den Kosmetikherstellern vereinbart. Zahnpasten sind laut Angaben der Hersteller mittlerweile weitgehend mikroplastikfrei. Die Daten der Hersteller werden derzeit überprüft. Sollte das Ziel des Komplettverzichts bis 2020 nicht vollständig erreicht sein, werden wir uns auch innerhalb der EU für ein generelles Verbot von Mikroplastik in Kosmetika einsetzen. Auch bei Verpackungen wollen wir mit dem Handel über zusätzliche Anstrengungen zum Verzicht auf überflüssige Verpackungen sprechen.