FAQ zu Gentechnik

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit beantwortet hier häufige Fragen rund um Gentechnik in Umwelt, Natur und Landwirtschaft.

FAQ Gentechnik in Umwelt und Natur: Positionen des Bundesumweltministeriums

Was ist Agrogentechnik?

Gentechnisch veränderter Mais auf dem Feld, gentechnisch veränderter Lachs in Aquakulturen oder gentechnisch veränderte Pappel in der Forstwirtschaft sind Beispiele für Agrogentechnik. Agrogentechnik bedeutet also, dass gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in der Land-, Forst- oder Fischereiwirtschaft genutzt werden.

Für diese Art der Nutzung dürfen GVO nur in die Umwelt gelangen, wenn vorher das mit der Freisetzung verbundene Risiko ausführlich überprüft und dieses als gering eingestuft wurde. Damit soll das Vorsorgeprinzip gewahrt werden, das dem Bundesumweltministerium (BMU) bei der Agrogentechnik besonders wichtig ist. Denn einmal in die Umwelt gelangte Organismen sind nicht mehr rückholbar. Außerdem setzt sich das BMU dafür ein, dass GVO-Produkte gekennzeichnet werden, damit Verbraucherinnen und Verbraucher die Wahl haben, ob sie Produkte essen, die aus oder mit GVO hergestellt wurden.

Welche Aufgabe hat das BMU beim Thema Agrogentechnik?

Das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) sind bei allen Entscheidungen zur Agrogentechnik und immer, wenn gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in die Umwelt freigesetzt werden, vom federführenden Bundeslandwirtschaftsministerium und dem Bundesamt für Verbraucherschutz zu beteiligen. Dies gilt auch, wenn die Gesetze und Regelungen zur Gentechnik angepasst werden. Das BMU konzentriert sich dabei besonders auf die Auswirkungen von GVO auf Natur und Umwelt. Geht ein Antrag, GVO in Deutschland in die Umwelt freizusetzen, beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) ein, bewertet auch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) als nachgeordnete Behörde des BMU das Risiko. Es übermittelt seine Stellungnahme an das BVL. Das BVL ist die nationale Genehmigungsbehörde für GVO und muss begründen, wenn es in seiner Entscheidung von der Stellungnahme des BfN abweichen möchte. Dies gilt für Anträge auf Freisetzung zu Versuchszwecken und für Marktzulassungen von GVO und GVO-Produkten. In Deutschland wurden seit 2012 keine Anträge auf Freisetzung zu Versuchszwecken gestellt, es sind zurzeit auch keine gentechnisch veränderten Pflanzen zum Anbau zugelassen. BfN bewertet jedes Jahr eine Reihe von Anträgen auf Marktzulassung von GVO zum Import, zur Verarbeitung und als Lebens- und Futtermittel in den Binnenmarkt der EU.

Warum ist das Thema Gentechnik aus Umwelt- und Naturschutzsicht besonders wichtig?

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) werden hergestellt, indem man ihr Erbgut künstlich verändert. Diese Veränderung vererbt sich in die nächste Generation weiter. Damit ist es kaum möglich, einmal angebaute gentechnisch veränderte Pflanzen aus der Saatgutproduktion und der Lebensmittelkette zu entfernen. Das bedeutet: Gentechnisch verändertes Saatgut anzubauen, ist eine Entscheidung, die über Generationen nachwirkt. Sie kann auch negative Auswirkungen auf gentechnik-freie Anbaumethoden wie zum Beispiel die ökologische Landwirtschaft haben. Wenn die gentechnisch veränderten Pflanzen in natürliche Bestände auskreuzen oder heimische Arten verdrängen, führt das zu Schäden an der Natur, die noch viele Jahre später entstehen können.

Welche Umweltrisiken gehen von freigesetzten gentechnisch veränderten Organismen aus?

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) können in der Natur und Umwelt (1) erwartete und unerwartete, (2) direkte und indirekte, (3) sofortige und langfristige Effekte haben. Auch können Effekte sich aufsummieren. All diese Risiken für Natur und Umwelt müssen daher überprüft werden, bevor die GVO freigesetzt werden.

  1. Gentechnikerinnen und Gentechniker verändern Pflanzen, aber auch Tiere und Bakterien, um ihnen eine neue Eigenschaft zu geben. Diese beabsichtigte Veränderung kann aber auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Wenn zum Beispiel eine gentechnische Maissorte ein Insektengift gegen Schädlinge bildet, kann das unerwartet dazu führen, dass auch geschützte Tiere, die von der Pflanze fressen, sterben. Oder der Wind trägt die Pollen, in denen dieses Gift enthalten ist, in Naturschutzgebiete. Sie können dort beispielsweise geschützte Insekten wie Schmetterlinge schädigen. Außerdem kann ein gentechnischer Eingriff auch weitere, unvorhergesehene Veränderungen bewirken. Die Gründe dafür sind vielschichtig. So kann der Eingriff zusätzlich das Genom an Stellen verändern, die gar nicht das Ziel waren. Oder der Stoffwechsel der Pflanze wird entweder beabsichtigt oder zufällig verändert.
  2. Weil ein lebender GVO auf vielen Ebenen mit der Natur, der Umwelt und den Menschen in Wechselwirkungen steht, können auch indirekte Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen entstehen: zum Beispiel kann der Anbau von gentechnisch veränderten, Glyphosat-resistenten Pflanzen zu höheren Belastungen von Glyphosat in Nahrungsmitteln führen. Die Pflanzen können während der ganzen Anbauperiode mit dem Unkrautvernichtungsmittel behandelt werden. Damit werden alle Ackerwildkräuter abgetötet. Als Folge verlieren Insekten und Vögel, die sich von den Wildkräutern ernähren, die Nahrungsgrundlage.
  3. Auswirkungen auf Populationen sind oft nicht sofort zu erkennen, sondern zeigen sich erst langfristig. Auch können sich die GVO in wildverwandte Arten auskreuzen und damit die Eigenschaften von wilden Populationen verändern.

Das Bundesamt für Naturschutz überprüft all diese möglichen Auswirkungen der gentechnischen Veränderung auf ihr Risiko für Natur und Umwelt.

Warum ist das Vorsorgeprinzip bei Neuer Gentechnik/ Genome Editing so wichtig?

Grundsätzlich sind die möglichen Risiken bei Neuen Gentechniken vergleichbar mit denen der klassischen Gentechnik. Auch hier verändern Gentechnikerinnen und Gentechniker Pflanzen technisch, um ihnen eine oder mehrere neue Eigenschaften zu geben. Mit Genome Editing kann man punktuell das Genom verändern, es sind aber auch noch wesentlich tiefgreifendere Änderungen möglich als mit klassischer Gentechnik. Daher ist dem BMU wichtig, dass wissenschaftlich überprüft wird, ob diese Veränderungen negative Auswirkungen auf Natur oder Umwelt, Mensch oder Tier haben, bevor sie in die Umwelt gebracht werden. Damit bleibt das Vorsorgeprinzip gewahrt. 

Warum setzt sich das BMU für die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln ein?

Nur wenn gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet sind, können Verbraucherinnen und Verbraucher frei entscheiden, was bei ihnen auf den Tisch kommt. Die Menschen in Deutschland wünschen sich, dass mit Gentechnik transparent und sicher umgegangen wird. Das zeigen auch die Erkenntnisse der jüngsten Naturbewusstseinsstudie von 2019. Die Studie zeigt, dass die Menschen selbst entscheiden wollen, ob sie gentechnisch veränderte Lebensmittel essen oder nicht. 95 Prozent der Befragten befürworten, dass entsprechende Lebensmittel gekennzeichnet werden und dass mögliche Umweltauswirkungen untersucht werden. 

Warum ist Gentechnik in der Landwirtschaft nicht hilfreich?

Die Agrogentechnik wird hauptsächlich eingesetzt, um die intensivierte und industrialisierte Landwirtschaft weiter voranzutreiben. Mehr als 80 Prozent der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen sind heute herbizid-resistent. Ihr großflächiger Einsatz führt zu gravierenden Schäden an Natur und Umwelt.

Herbizid-resistent bedeutet: Eine Pflanze wird so verändert, dass sie überlebt, auch wenn sie mit einem Unkrautvernichtungsmittel (Herbizid) besprüht wird. Durch diese gezielte genetische Veränderung kann auf dem Feld während des Wachstums ein Totalherbizid eingesetzt werden, das alle anderen Pflanzen abtötet. Auch solche Pflanzen, die den Ertrag des Landwirts gar nicht mindern würden. Häufiger Einsatz von Totalherbiziden führt dazu, dass manche Unkräuter eine natürliche Resistenz gegen genau diese Herbizide entwickeln. In der Folge können sich diese Unkräuter konkurrenzlos ausbreiten, denn alle anderen Wildkräuter überstehen die Herbizidanwendung nicht. Dies zwingt die Landwirte, weitere Herbizide zu spritzen, um die resistenten Unkräuter, die zu massiven Ertragseinbußen führen können, zu bekämpfen. Dadurch erhöht sich der Herbizideinsatz auf diesen Flächen noch weiter, mit noch weiteren Folgen für Natur und Umwelt. So verlieren beispielsweise Wildbienen ihre Nahrungsgrundlage. Außerdem kann es in Grundwasser und Oberflächengewässer gelangen, und auch dort Pflanzen und Tiere schädigen. Auch die Rückstände an Herbiziden in den Ernteprodukten und damit in der Folge auch in den Futter- und Lebensmitteln nimmt zu. Herbizide und ihre Abbauprodukte können schädlich für Mensch und Tier sein.

Andere gentechnisch veränderte Pflanzen enthalten Gifte gegen Schädlinge, zum Beispiel den Maiszünsler, dessen Ausbreitung man mit einer wechselnden Fruchtfolge und Bodenbearbeitung, zum Beispiel Pflügen, ebenso kontrollieren könnte.

Das BMU setzt dagegen auf eine nachhaltige, natur- und umweltverträgliche Landwirtschaft. Zum Schutz der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Luft und Artenvielfalt ist mehr Nachhaltigkeit im Ackerbau notwendig. Das BMU setzt sich daher für einen grundlegenden Wandel in der Landwirtschaftspolitik und -förderung ein.

FAQ Neue Gentechnik, Genome Editing und CRISPR/Cas

Was versteht man unter Neuer Gentechnik beziehungsweise Genome Editing?

Neue Gentechniken ermöglichen es, genetische Veränderungen in einen Organismus gezielt an bestimmten Stellen einzufügen. Der Begriff umschließt verschiedene Techniken. Einige dieser Verfahren können genutzt werden, um "Buchstaben" (Nukleotide) der Erbinformation (Genom) an einzelnen oder mehreren Stellen umzuschreiben beziehungsweise zu bearbeiten. Deshalb nennt man diese Verfahren auch Genome Editing. Man kann damit aber auch Teile des Genoms stilllegen oder neue Gene (also praktisch ganze Wörter) einfügen. Die Entdeckung von CRISPR/Cas, der sogenannten Genschere, hat die Entwicklung des Genome Editings einen enormen Schritt vorangetrieben, denn sie funktioniert vielfach besser als die bisherigen Verfahren. Angewandt werden kann sie bei praktisch allen Organismen, also Pflanzen, Tieren, Bakterien, Pilzen, Viren und auch menschlichen Zellen. Sie ist damit in vielen Bereichen, zum Beispiel der Biotechnologie, der Medizin, der Grundlagenforschung und der Tier- und Pflanzenzüchtung einsetzbar.

Was ist der Unterschied zwischen Genome Editing und klassischer Gentechnik?

Bei der klassischen Gentechnik ist es dem Zufall überlassen, an welcher Stelle und wie häufig sich das gewünschte Gen in das Genom einfügt. Beim Genome Editing dagegen kann ziemlich sicher festgelegt werden, wo die beabsichtigte Änderung platziert werden soll.

Gentechnik nutzt unterschiedliche Übertragungsmechanismen, um die Gene in die Zelle einzuschleusen: zum Beispiel eine "Mini-Kanone", die die Zelle mit den neuen Genen mit hoher Geschwindigkeit beschießt, oder es werden Bakterien als Transporter genutzt. Wo und wie häufig eine gentechnische Veränderung entsteht, ist zufällig und beeinflusst allerdings, ob und wie das neue Gen funktioniert und ob es möglicherweise andere, pflanzeneigene Gene zerstört. In der klassischen Gentechnik müssen Forscher daher lange suchen, bis sie eine Zelle finden, bei der die gentechnische Veränderung so funktioniert hat, wie es beabsichtigt war.

Genome Editing benutzt biologische Werkzeuge (Proteine oder RNS), die genau die Sequenz im Genom erkennen können, die verändert werden soll. Daher sind gentechnische Veränderungen mit Genome Editing präziser möglich als mit klassischer Gentechnik. Genome Editing-Werkzeuge werden jedoch häufig mit den gleichen Methoden in die Zelle eingeschleust, wie bei der klassischen Gentechnik. Nach der Genom Editierung muss – wie bei der klassischen Gentechnik– dann aus der veränderten Zelle wieder ein Lebewesen, zum Beispiel eine Pflanze, erzeugt werden.

Die mittlerweile am häufigsten angewandte Methode zur zielgerichteten Veränderung von Erbinformation ist die sogenannte "Genschere" CRISPR/Cas.

Was ist das Besondere und Neue an CRISPR/Cas? Wie funktioniert es?

Die Gen-Schere CRISPR/Cas ist das wichtigste Werkzeug des Genome Editing. Sie besteht aus zwei Teilen: dem Teil, der den Abschnitt in der Erbinformation (Genom) der Zelle erkennt (Erkennungskomponente), und dem Teil, der sie schneidet (Schneidekomponente). Die Erkennungskomponente bringt die Schneidekomponente in der Zelle an den gewünschten Genom-Abschnitt, um ein oder mehrere gewünschte Gene auszuschalten, zu verändern oder neue Erbinformation einzufügen.

Die Erkennungskomponente besteht nur aus wenigen Buchstaben und passt manchmal an verschiedenen Stellen im Genom. Daher kann die Genschere auch ungewollt an diesen oder ähnlichen Erkennungsstellen schneiden. Bislang wird die Genschere bei Pflanzen und Tieren am häufigsten angewendet, um an einer oder an mehreren Stellen Gene oder bestimmte Funktionen dauerhaft auszuschalten. Mit CRISPR/Cas ist das auch in Genomregionen möglich, die von Natur aus in der Zelle besonders geschützt sind und für die klassische Züchtung kaum zugänglich sind. Außerdem kann man wiederholt CRISPR/Cas anwenden. Auch deshalb können Organismen, die mit Neuer Gentechnik erzeugt wurden, auch dann tiefgreifende genetische Veränderungen aufweisen, wenn keine zusätzlichen Gene eingefügt wurden.

Ist Neue Gentechnik überhaupt Gentechnik?

Ja, Neue Gentechnik beziehungsweise Genome Editing ist Gentechnik. Das hat der Europäische Gerichtshof 2018 in einem Grundsatzurteil festgestellt. Eine Begründung für die Entscheidung ist, dass durch Genome Editing genetische Veränderungen schneller, umfangreicher und tiefgreifender herbeigeführt werden können als durch klassische Züchtung oder klassische Gentechnik. Die Risiken seien vergleichbar mit den Risiken der klassischen Gentechnik. Deshalb fallen in der EU zum Beispiel Pflanzen für die landwirtschaftliche Nutzung, die mit Neuer Gentechnik erzeugt wurden, unter das Gentechnikrecht. Sie müssen vor ihrer Zulassung auf mögliche Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit geprüft werden.

Welchen Unterschied gibt es zwischen Pflanzen und Tieren aus "normaler" Züchtung und solchen, die mit Neuer Gentechnik erzeugt wurden?

Häufig hört man, Genome Editing sei nichts Anderes als natürlich vorkommende Mutationen oder Züchtung und deshalb müsse es ungefährlich sein. Diese Aussage ist nicht richtig, denn sie lässt wichtige Punkte außer Acht:

  1. Genome Editing ist zwar präziser als die klassische Gentechnik, aber nicht fehlerfrei.
  2. Genome Editing kann die Erbinformation an Stellen verändern, die sonst durch natürliche Mechanismen vor Veränderungen geschützt sind.
  3. Mit Genome Editing können parallel oder mehrfach hintereinander ganz unterschiedliche Gene verändert werden, um komplexe Eigenschaften von Pflanzen zu beeinflussen. Das kann tiefgreifende Änderungen im Organismus herbeiführen. Das Risiko, das von genom-editierten Organismen ausgeht, ist daher nur schwer vorhersagbar.
  4. Nur weil eine Veränderung möglicherweise auch natürlich entstehen könnte, bedeutet dies nicht, dass diese automatisch ungefährlich ist. Ist sie aber vom Menschen erzeugt, tragen wir auch die Verantwortung dafür.

Daher müssen vom Menschen erzeugte, genom-editierte Organismen auf mögliche Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit überprüft werden.

Welche Risiken oder Nebenwirkungen hat Genome Editing?

Nebenwirkungen sind auch beim Genome Editing möglich. Einerseits sind die Eingriffe in das Genom oft doch nicht so präzise, wie es vorgesehen ist. Durch das Verfahren können weitere gentechnische Veränderungen an anderer Stelle als gewünscht entstehen. Die gentechnische Veränderung der Erbinformation an einer oder mehreren Stellen kann sich ungeplant auf weitere Erbinformationen auswirken. Es können Reste der Genschere in der Zelle bleiben. Eine geänderte Eigenschaft zieht in der Folge weitere mögliche Änderungen nach sich. So können sich beispielsweise bei genom-editierten Pflanzen oder Tieren die Inhaltsstoffe ändern, was deren Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge, ihren Nährwert sowie ökologische Funktionen verändern kann.

Auch die beabsichtigte Veränderung kann außerhalb der veränderten Pflanzen- oder Tierart zu Problemen führen. So könnten sich z.B. trockenheitsresistente Pflanzen in die Umwelt ausbreiten und zu Schäden an natürlichen Lebensräumen führen. Herbizid-resistente Pflanzen können den Anbau von Monokulturen fördern.

Aus diesen Gründen ist die im Gentechnikrecht vorgeschriebene, umfassende Umweltrisikoprüfung auch bei genom-editierten Pflanzen unerlässlich.

FAQ Gentechnik in der Landwirtschaft: Positionen des Bundesumweltministeriums

Können durch Genome Editing zentrale ökologische oder Umwelt-Probleme der Landwirtschaft gelöst werden?

Insektensterben, Klimawandel und die Gewässerbelastung durch übermäßige Düngung sind nur ein Teil der komplexen Probleme, vor denen die Landwirtschaft aktuell steht. Diese lassen sich nicht einfach mit dem Einsatz von Neuen Gentechniken lösen. Im Gegenteil: Der Einsatz Neuer Gentechniken würde die voranschreitende Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft weiter fördern. Natürliche Ressourcen wie Wasser, Boden und Artenvielfalt werden dadurch stärker belastet beziehungsweise verbraucht. Werden weniger Nutzpflanzenarten über einen längeren Zeitraum auf denselben Flächen angebaut und nur wenige Hochleistungspflanzen genutzt, macht das die Landwirtschaft anfälliger für Wetterextreme und Schädlinge. Eine nachhaltige Landwirtschaft muss zum Erhalt von Wasser, Boden und Artenvielfalt beitragen, um das ganze System widerstandfähig (resilient) zu machen. 

Brauchen wir Genome Editing, um Pflanzen an den Klimawandel anzupassen?

Nein, mit Genome Editing versucht man, die Nutzpflanzen gegen einzelne Stressfaktoren, bspw. Dürre, resistent zu machen. Ob diese Pflanzen aber gegen andere Stressfaktoren anfällig sind, kann man erst erkennen, wenn sie angebaut werden. Wichtiger für die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel ist es, Anbausysteme zu schaffen, die widerstandsfähiger, also resilienter und nachhaltiger sind. Dafür ist die Pflanzenzüchtung nur ein Baustein. Weitere wichtige Bausteine sind eine größere Fruchtartenvielfalt bzw. weite Fruchtfolgen, gezielter eingesetzte und damit weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel oder der ökologische Landbau. Ob Pflanzen mit Hilfe von Genome Editing einzelne Eigenschaften erhalten können, die sie widerstandsfähig gegen Dürre oder Starkregen, Hitze oder Sturm machen, ist bislang nicht nachgewiesen, sondern lediglich ein Versprechen der großen Pflanzenzuchtunternehmen. Bereits vor 30 Jahren machten die gleichen Akteure ähnliche Versprechen für Pflanzen, die mit klassischer Gentechnik hergestellt wurden. Letztendlich wurden diese Versprechen auch damals nicht gehalten. 

Wie kann ich erkennen, ob meine Lebensmittel mittels Gentechnik erzeugt wurden?

Grundsätzlich gibt es eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wurden, oder diese enthalten. Diese Kennzeichnung erfolgt meistens in der Zutatenliste auf folgende oder ähnliche Weise: "Enthält gentechnisch veränderte …". Allerdings ist Lebensmittelhändlern die Sensibilität der Verbraucherinnen und Verbraucher in Bezug auf Gentechnik so bewusst, so dass sie in ihrem Angebot fast ohne Ausnahme auf Produkte, die Gentechnik enthalten, verzichten.

Nicht kennzeichnungspflichtig sind Produkte von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Organismen gefüttert wurden. Um Verbraucherinnen und Verbraucher auch hier die Wahlfreiheit zu ermöglichen, hat sich der Verband "Lebensmittel ohne Gentechnik" (VLOG) gegründet. Seine Mitglieder kennzeichnen Fleisch sowie Milchprodukte und Eier, die ohne Verfütterung von gentechnisch veränderten Pflanzen erzeugt werden, mit dem "Gentechnik - frei – Logo".

FAQ Gene Drives

Was sind Gene Drives und wie funktionieren sie?

Gene Drives sind gentechnische Werkzeuge, die sich gezielt ins Erbgut eines Organismus an zuvor bestimmter Stelle einbringen und dort eine Veränderung hervorrufen sollen. Zusätzlich sorgen Gene Drives durch spezielle Mechanismen dafür, dass sie an möglichst alle Nachkommen des Organismus weitervererbt werden. Damit wiederholt sich der Vorgang der gentechnischen Veränderung in den folgenden Generationen.

Ein Gene Drive vervielfältigt sich so lange selbstständig, bis ihn die ganze Population enthält, oder diese eine Resistenz dagegen entwickelt hat. Damit unterwandert er die Regeln der natürlichen Evolution. Er kann das Erbgut einer ganzen Population oder einer ganzen Art verändern. Mit Gene Drives ist es sogar möglich, Gene in einer Art auszubreiten, die für diese Art nachteilig sind, wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit.

Sind Gene Drives Genome Editing?

Anders als beim Genome Editing verbleibt bei Gene Drives die Fremd-DNA immer in der Zelle und der Gene Drive wird immer weitervererbt. Zugleich benutzen die meisten synthetischen Gene Drives aber dasselbe Werkzeug, das auch am häufigsten für das Genome Editing verwendet wird, nämlich CRISPR/Cas. Die Entdeckung von CRISPR/Cas hat den Biotechnologen also ein mächtiges Werkzeug auch für die Entwicklung synthetischer Gene Drives an die Hand gegeben.

Wofür sollen Gene Drives eingesetzt werden?

Gene Drives sollen zukünftig eingesetzt werden, um Wildpopulationen im Freiland gentechnisch zu verändern. Die Forschung konzentriert sich vornehmlich darauf, invasive Arten oder krankheitsübertragende Mücken unfruchtbar zu machen. Ein Ansatz ist es beispielsweise, invasive Nagetiere wie Mäuse oder Ratten, die Brutvogelkolonien auf Inseln bedrohen, auszurotten. Die Gefahr, dass sich die Gene Drives in der Folge auch an anderen Orten ausbreiten können, an denen die ursprünglichen Arten eine wichtige ökologische Funktion erfüllen, wird in Kauf genommen. Oder man verfolgt das Ziel, Malaria zu bekämpfen, indem man die übertragende Mücke ausrottet. Die Fragen, ob die Mücke eine wichtige ökologische Funktion hat und ob es alternative Bekämpfungsmöglichkeiten gibt, treten dabei in den Hintergrund. Zudem ist fragwürdig, ob diese Ansätze wirklich umsetzbar sind. Denn die Entwickler haben mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Beispielsweise können sich Resistenzen gegen den Gene Drive bilden und damit lässt seine Wirksamkeit von Generation zu Generation nach. Auch bleibt unklar, was die Umsetzung für die betroffenen Ökosysteme bedeuten würde.

Gibt es aus Sicht des BMU noch offene Fragen, die vor einer Freisetzung von Gene Drive Organismen zwingend geklärt werden müssen?

Ja, aus Sicht des BMU müssen zwingend noch viele grundsätzliche Fragen geklärt werden, bevor man über jegliche Anwendung von Gene Drive Organismen (GDO) in der Natur entscheiden könnte. Man muss annehmen, dass GDO, wenn sie einmal in die Natur entlassen wurden, nicht mehr rückholbar sind. Denn GDO sind so ausgelegt, dass sie sich in einer Art ausbreiten, um die ursprünglichen, nicht gentechnisch veränderten Lebewesen der Art zu verdrängen. Daher sind die Auswirkungen, die der Einsatz von GDO in der freien Natur hätte, nicht abschätzbar. Da GDO gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind, wird über Freilandversuche mit GDO in Europa national entschieden, über eine kommerzialisierte Zulassung dagegen auf europäischer Ebene. Freigesetzt werden aber nach dem Gentechnikrecht nur GVO, die zuvor auf ihr Risiko überprüft wurden und bei denen die Risiken einer Freisetzung als vernachlässigbar eingeschätzt wurde. Beispielhaft sind im Folgenden einige grundsätzliche Fachfragen und gesellschaftlich-ethische Aspekte aufgegriffen, die aus Sicht des Bundesumweltministeriums zwingend zu klären sind, bevor über jedwede Anwendung von Gene Drives in der Natur entschieden werden könnte:

  • Wie wird damit umgegangen, dass sich die GDO über Grenzen hinweg ausbreiten werden? Welches Mitspracherecht haben andere Staaten und betroffene indigene Völker?
  • Wer kommt für entstandenen Schaden auf?
  • Wie kann man damit umgehen, dass GDO sich nicht rückholen lassen und es daher nicht möglich ist, bei der Freisetzung stufenweise vorzugehen?
  • Wie ist eine Risikobewertung möglich, wenn sie lediglich auf im Labor erhobenen Daten und Modellen beruht?
  • Wie kann man die Auswirkungen einer Freisetzung beobachten, wenn der Beobachtungsraum schlimmstenfalls global sein müsste?
  • Wie kann Generationengerechtigkeit gewährleistet werden?
  • Wer trägt das Risiko?
  • Ist es nach Naturschutzrecht erlaubt, wilde und geschützte Arten unwiederbringlich gentechnisch zu verändern? Bleibt der Schutzstatus berechtigt, wenn die Art gentechnisch verändert wurde? Widerspricht es den Zielen des Naturschutzes, Gentechnik in der Natur anzuwenden?

Bei den Vorbereitungen zu den anstehenden Verhandlungen zur Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) wurde von einigen Ländern und Nichtregierungsorganisationen gefordert, dass keine Gene Drives Organismen in die Umwelt freigesetzt werden dürfen, solange die damit verbundenen Risiken nicht bewertbar und handhabbar sind. BMU teilt diese Einschätzung.

Gibt es Mechanismen, Gene Drives einzuschränken oder zurückzuholen?

Forscher verfolgen unterschiedliche genetische Ansätze, eine Beschränkung, Beendigung oder Rückholung von Gene Drives zu entwickeln. Bislang funktioniert allerdings keiner dieser Ansätze mit hinreichender Sicherheit. Ein wichtiges Problem ist außerdem, die Wirksamkeit solcher Ansätze in der natürlichen Umgebung zu überprüfen: Denn alle Tests im Labor können nicht die tatsächlichen Umstände im Freiland simulieren, dafür gibt es in der Natur zu viele unterschiedliche und nicht vorhersehbare Einflüsse. Der Test im Freiland wäre bei Gene Drives daher ein Versuch, ohne die Möglichkeit ihn anzuhalten oder rückgängig zu machen, wenn der oder die eingebauten genetischen Abbruchmechanismen nicht greifen.