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Häufige Fragen (FAQ)

Hier finden Sie Antworten auf einige besonders häufig gestellte Fragen. Wird Ihre Frage hier nicht beantwortet, haben Sie die Möglichkeit uns über das Formular "Ihre Fragen" zu kontaktieren. Wir sind bemüht, Ihr Anliegen schnellstmöglich zu beantworten. 

Strahlenschutz

5G bezeichnet einen neuen technischen Standard für Mobilfunknetze der fünften Generation und stellt die Weiterentwicklung der früheren Standards GSM, UMTS und LTE dar. Hier werden die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet.

Artenschutz

Der Wolf ist eine nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützte Tierart. Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland? Wie steht es um ihren Schutzstatus? Wie leben diese Tiere hier?

Ministerium

Weniger überflüssige Verpackungen, weniger Abfall und weniger Produkte zum Wegwerfen. Hier beantwortet das BMU wichtige Fragen zum 5-Punkte-Plan für weniger Plastik und mehr Recycling.

LLL:form.legend

Artenschutz

Was wird gegen den Fang von Singvögeln im Mittelmeerraum getan?

Das Problem des illegalen Vogelfangs betrifft verschiedene Mittelmeer-Anrainer-Staaten. Deutschland ist Vertragspartei des Übereinkommens zum Schutz wandernder, wildlebender Tierarten (CMS), das insbesondere zur Zusammenarbeit verpflichtet. Damit soll der Schutz und die Erhaltung von Zugvögeln gestärkt und Hindernisse für die Tierwanderungen entfernt werden. Die Bundesregierung ist seit Bekanntwerden des massenhaften illegalen Vogelfangs mit dem CMS-Sekretariat sowie den betreffenden Staaten im intensiven Austausch, um den Vogelfang in den betreffenden Ländern zu beenden.

Welche Tiere und Pflanzen darf ich nach Deutschland einführen?

Der weltweite Handel mit Tieren, Pflanzen und daraus hergestellten Produkten birgt nicht nur die Gefahr der Ausbreitung und Einschleppung von Tier- und Pflanzenseuchen, sondern bedroht auch den Erhalt der Artenvielfalt. Durch die Beschränkung des Handels soll weltweit ein Aussterben von seltenen Tieren und Pflanzen verhindert werden. Grundsätzlich sollten Sie davon absehen, Pflanzen und Tiere aus anderen Staaten nach Deutschland mitzubringen. Konkrete Informationen darüber, welche Tiere und Pflanzen Sie nach Deutschland einführen dürfen, finden Sie auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

Wie stärkt das Bundesumweltministerium den Artenschutz?

In der Natur lebende Tiere und Pflanzen werden durch das gesamte Naturschutzrecht und auch wesentliche umweltrechtliche Vorschriften geschützt. Der Artenschutz hat den besonderen Auftrag, die Arten als solche (beziehungsweise deren Populationen) zu erhalten. Gefährdungen sollen abgewehrt, möglichst eine gute Erhaltungssituation hergestellt und bewahrt werden, zumindest aber das Artensterben verhindert oder verlangsamt werden.

Proaktive Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für Arten und deren Biotope werden von den Bundesländern auf Basis der Paragrafen 37 f. BNatSchG entwickelt und durchgeführt. Das BNatSchG ergänzt diese Maßnahmen im Allgemeinen und besonderen Artenschutz durch Beschränkungen der Entnahme (Fangen, Pflücken), der Beeinträchtigung der Exemplare (Stören, Verletzen, Töten) sowie deren Fortpflanzungs- oder Ruhestätten, durch Besitz- und Vermarktungsverbote. Für Arten, die der EG-Verordnung Nummer 338/97 zur Umsetzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens unterliegen, gelten vorrangige Einfuhr- und Vermarktungsbeschränkungen in der gesamten Union. Der Vollzug der Einfuhr-, Handels- und Besitzbeschränkungen wird durch weitere Instrumente erleichtert. Das Artenschutzrecht enthält ferner Regelungen zum Umgang mit invasiven und gebietsfremden Arten und Regelungen zur Genehmigung von Zoos und Tiergehegen.

Wolf

Was mache ich, wenn ich einem Wolf begegne?

Wenn Sie im Wolfsgebiet zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, ist eine Begegnung mit Wölfen zwar selten, aber nicht auszuschließen. Begegnungen auf unter 100 Meter finden in der Regel dann statt, wenn die Wölfe den Menschen zum Beispiel wegen entsprechender Windverhältnisse noch nicht bemerkt haben. Wenn sie den Menschen wahrnehmen, fliehen die Wölfe meist nicht panisch, sondern orientieren sich zunächst einen Augenblick lang und ziehen sich dann zurück. Unter allen dokumentierten Wolfsichtungen in der Lausitz waren nur einige wenige, in denen sich Wölfe Menschen genähert haben, obwohl sie ihre Anwesenheit schon bemerkt hatten. Meistens handelte es sich in diesen Fällen um unerfahrene, neugierige Jungwölfe oder es überwog vor dem Fluchtimpuls vor dem Menschen das Interesse der Wölfe für Hunde oder Schafe in der Nähe der jeweiligen Person.

Grundsätzlich gilt, dass man sich bei einer Begegnung ruhig verhalten und Abstand halten sollte. Wenn der Wolf sich nicht zurückzieht und Ihnen die Situation nicht geheuer ist, sprechen Sie laut oder klatschen Sie in die Hände, um sich bemerkbar zu machen. Rennen Sie nicht davon, dies könnte ein Verfolgungsverhalten des Tieres auslösen. Sollte der Wolf sich Ihnen wider Erwarten nähern, bleiben Sie stehen und machen Sie sich groß, versuchen Sie ihn einzuschüchtern. In einem solchen Fall sollten Sie eher einen Schritt auf das Tier zugehen, als zurückweichen.

Wölfe sind, wie auch Wildschweine, große wehrhafte Wildtiere. Begegnen Sie Ihnen mit Respekt. Versuchen Sie nicht, sich einem Wolf anzunähern und schon gar nicht, ihn anzulocken. Lassen Sie ihm Raum für den Rückzug. Füttern Sie Wölfe unter keinen Umständen und lassen Sie keine Essensreste liegen. Die instinktive Vorsicht, die Wölfe Menschen gegenüber zeigen, kann verloren gehen, wenn die Tiere positive Reize vom Menschen erfahren. Daraus kann ein problematisches oder sogar aggressives Verhalten des Wolfes entstehen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, Begegnungen mit Wölfen dem Wolfsmanagement des jeweiligen Bundeslandes zu melden. Auffälliges Verhalten kann so frühzeitig erkannt und wenn notwendig, entsprechend gegengesteuert werden.

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Was macht ein Wolf, wenn ich ihm begegne?

Dokumentierte Angriffe durch gesunde Wölfe auf Menschen sind weltweit sehr selten. In Deutschland ist seit der Rückkehr des Wolfs kein Angriff eines Wolfs auf einen Menschen dokumentiert. Allerdings haben die Menschen in Deutschland das Zusammenleben mit diesen Tieren weitgehend verlernt und fühlen sich durch deren Nähe teilweise verunsichert oder bedroht.

Wölfe, die in Kulturlandschaften aufwachsen, meiden zwar den Menschen, aber nicht menschliche Strukturen. So zeigen sie auch Autos und Maschinen gegenüber kaum Furcht. Derselbe Wolf, der beim Anblick eines Menschen zu Fuß auf 100 Meter flüchtet, kann ein vorbeifahrendes Auto auf 30 Meter tolerieren. Auch auf Menschen auf Hochsitzen reagieren Wölfe oft deutlich weniger scheu als auf Fußgänger. Aus der Lausitz wurden über 2000 Sichtungen protokolliert (2001 bis 2015). In den Fällen, in denen Beobachter angaben, einem Wolf auf eine Distanz von 100 Meter oder weniger begegnet zu sein, zog sich dieser in der Regel zurück, wenn er den Menschen bemerkte. Dabei traten Wölfe häufig einen ruhigen "geordneten Rückzug" an und flüchteten nicht panisch. In einzelnen Fällen reagierten Wölfe auch bei Nahbegegnungen sehr entspannt. Bei Anwesenheit eines Hundes können Wölfe, statt sich zurück zu ziehen, stehen bleiben und beobachten beziehungsweise sich dem Menschen sogar nähern.

Auch das Zusammentreffen zwischen Mensch und Wolf an einem frisch gerissenen Tier stellt keine Gefahrensituation dar. In der Regel verteidigen Wölfe ihren Riss nicht (McNay 2002). In der Lausitz wurden mehrfach Wölfe durch Händeklatschen oder schreiend Hinterherlaufen von einem getöteten Schaf vertrieben. In einem anderen Fall flüchteten Wölfe von einer frisch getöteten Hirschkuh am Straßenrand vor der Postbotin, die sich auf dem Fahrrad näherte. Es kann jedoch vorkommen, dass ein Wolf, nachdem er dem Menschen erst einmal ausgewichen ist, anschließend versucht, sich dem Riss erneut zu nähern und weiter zu fressen.

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Wer ist überhaupt zuständig für den Wolf?

Obwohl der Schutz des Wolfs durch europäische und bundesweite rechtliche Regelungen garantiert wird, sind die Bundesländer und ihre unteren Naturschutzbehörden zuständig für das Management des Wolfs (wie auch sonst für den Vollzug des Naturschutzrechts). Der Bund, unter Federführung des Bundesumweltministeriums, unterstützt die Länder bei der rechtssicheren Ausgestaltung der Managementpläne mit wissenschaftlicher Expertise und der "Dokumentations- und Beratungsstelle zum Thema Wolf" (DBBW).

Die Koalitionspartner der Bundesregierung haben zum Wolf folgendes in den Koalitionsvertrag geschrieben: "Im Umgang mit dem Wolf hat die Sicherheit der Menschen oberste Priorität. Wir werden die EU-Kommission auffordern, den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können. Unabhängig davon wird der Bund mit den Ländern einen geeigneten Kriterien- und Maßnahmenkatalog zur Entnahme von Wölfen entwickeln. Dazu erarbeiten wir mit der Wissenschaft geeignete Kriterien für die letale Entnahme. Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden."

Dem trägt der Gesetzentwurf vom 22. Mai 2019 Rechnung.

Insbesondere die Weidetierhaltung ist ein wertvoller Beitrag zur Landschaftspflege und zum Naturschutz. Das BMU will helfen, diese auch dort in Zukunft sicherzustellen, wo der Wolf auftritt. Es ist eine zu lösende Kernfrage, wie Wolfschutz und Herdenschutz miteinander vertretbar gestaltet werden können. Der Schutz der Nutztiere muss dafür weiter verbessert werden, Kosten für Schutzmaßnahmen sowie Schäden müssen dafür aus Sicht des BMU schnell und zu 100 Prozent ausgeglichen werden.

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Dürfen Wolf-Hund-Mischlinge einfach getötet werden?

In Deutschland wird seit einiger Zeit ein intensives, auch genetisches Monitoring der Wolfspopulation durchgeführt. Seit einem Hybridisierungsfall im Jahr 2003 – die Tiere sind seinerzeit allesamt der Natur entnommen worden – konnte in dem umfangreichen genetischen Probenmaterial, das von den Ländern erhoben wird, bis 2017 kein weiterer Nachweis für einen Wolfshybriden geführt werden. In Thüringen wurden 2018 drei Wolfshybride getötet. Das Thema Hybridisierung besitzt in Deutschland dennoch bisher nur eine kleine Relevanz.

Weil Wolf-Hund-Hybriden (kurz Hybriden) weniger gut an ein Leben in freier Natur angepasst sind als Wölfe und auch die wolfstypische Vorsicht bei ihnen unter Umständen geringer ausgeprägt sein kann, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie häufiger in Konflikt mit dem Menschen geraten, höher als bei Wölfen. So ist es denkbar, dass Hybriden vermehrt Übergriffe auf Nutztiere verüben oder, dass sie häufiger in Siedlungsnähe gesehen werden als Wölfe. Dies muss nicht so sein, ist aber möglich und ruft bei vielen Menschen Ängste hervor. Hinweise darauf, dass wildlebende Hybriden für den Menschen gefährlicher sind als Wölfe, gibt es jedoch nicht (L. Boitani, pers. Mittl.).

Hybriden in den ersten vier Generationen unterliegen dem gleichen Schutzstatus wie Wölfe. Dies ergibt sich aus Verordnung (EG) Nummer 1497/2003 zur Änderung der Verordnung (EG) Nummer 338/97 der Kommission des Rates über den Schutz von Exemplaren wild lebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels. Der Wolf ist im Anhang A der oben genannten Verordnung aufgeführt und damit gemäß Paragraph 10 Absatz 2 Nummer 11 a) Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützte Art. Daraus ergibt sich, dass auch Hybriden dem Artenschutz unterliegen. Hybriden dürfen demnach im Rahmen der Jagdausübung nicht wie Hunde geschossen werden. Für ihr Entfernen aus der Natur bedarf es immer einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung nach Paragraph 45 Absatz 7 Nummer 2 Bundesnaturschutzgesetz. Dies ist aus Artenschutzsicht ausdrücklich zu begrüßen, da ansonsten die Gefahr bestünde, dass Wölfe als vermeintliche Hybriden geschossen werden.

Auch aus Sicht des internationalen Artenschutzes sind Hybridisierungen zwischen Wildtierarten und ihren domestizierten Formen, in diesem Fall Wölfen und Haushunden, eindeutig unerwünscht und sollen unter allen Umständen vermieden werden. Wenn es bereits zu Hybridisierungen gekommen ist, gilt es daher, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Ausbreitung von Haushundgenen in der Wolfspopulation zu verhindern. Vorhandene Hybriden sollten so schnell wie möglich aus der Natur entnommen werden. Zur eindeutigen Regelung der Hybridproblematik ist in dem Gesetzentwurf des BMU zur Änderung des Bundesnaturschutzgesetzeseine entsprechende Regelung vorgesehen, die die Entnahme der Hybridexemplare vorschreibt.

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Verliert der Wolf seine Scheu, wenn er nicht gejagt wird?

Für die immer wieder zu lesende und zu hörende Behauptung, dass Wölfe in Deutschland ihre Scheu verlieren und immer näher an den Menschen herankommen würden, gibt es in der wissenschaftlichen Literatur keinen Beleg. Dreiste Individuen können in jeder Population auftreten (Fritts et al. 2003, McNay 2002). Die wenigen aus Europa bekannten Fälle nach 1950, in denen nicht tollwütige wilde Wölfe Menschen getötet haben, geschahen übrigens ausschließlich in bejagten Populationen.

Für Wölfe in vergleichsweise dicht besiedelten Kulturlandschaften wie in Deutschland ist ein Mindestmaß an Habituierung darüber hinaus für die Tiere überlebenswichtig. Eine gewisse Gewöhnung beziehungsweise Anpassung an den Menschen führt jedoch nicht per se zu problematischem Verhalten. Wölfe, die ein stark habituiertes Verhalten zeigen, das heißt sich Menschen wiederholt ohne Anzeichen von Scheu nähern, sollten möglichst frühzeitig besendert und vergrämt werden. Um eine Gewöhnung von Wölfen an Menschen zu verhindern, sieht der Gesetzentwurf des BMU ein striktes Fütterungsverbot vor.

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Woran sterben Wölfe?

Seit dem Jahr 2000 wurden in Deutschland insgesamt 348 Wölfe tot aufgefunden. Häufig handelte es sich dabei um Welpen oder Jährlinge 262 Wölfe starben durch Verkehrseinwirkung, 37 wurden illegal getötet, 3 legal im Rahmen des Managements, 29 Wölfe starben eines natürlichen Todes und bei 17 Totfunden war die Ursache unklar. (Quelle: Abfrage der DBBW-Datenbank am 21.05.2019 um 15:33 Uhr)

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Wann darf ein Wolf erschossen werden, wer entscheidet das und gibt es Alternativen?

In Deutschland sind die Bundesländer für das Wolfsmanagement verantwortlich. Daher obliegt es den einzelnen Bundesländern bzw. den in den Bundesländern für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörden, letale Entnahmen vorzunehmen. Ob diese dann auf lokaler Ebene mit der Jägerschaft oder geschulten Experten zusammenarbeiten, liegt im Ermessensspielraum der Behörden.

Nach derzeitigem Rechtsstand können Wölfe, die sich Menschen auffällig gegenüber verhalten, letal entnommen werden. Dies gilt auch für Wölfe, die wiederholt empfohlene Herdenschutzmaßnahmen überwunden haben und die Gefahr besteht, dass sie hohe wirtschaftliche Schäden anrichten (siehe unter anderem Managementplan Wolf Sachsen). Eine Regulierung der Wolfsbestände ist vor dem Hintergrund des Schutzstatus des Wolfes und des Gefährdungsstatus der deutschen Population nicht möglich. Eine Regulierung ist auch nicht erforderlich. Die Entnahme einzelner Wölfe, die zum Beispiel fortwährend hinreichend geschützte Nutztiere erbeuten, oder die sich dem Menschen gegenüber auffällig verhalten, ist auch in dem jetzigen Status des Wolfs nach geltender Rechtslage möglich. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Wolfsrisse an geschützten und ungeschützten Nutztieren hat BMU zur Präzisierung der Rechtssicherheit für eine Entnahme von übergriffigen Wölfen und der Begrenzung von ernsten landwirtschaftlichen und sonstiger ernster Schäden einen Gesetzesentwurf zur Änderung des BNatSchG am 20. Mai 2019 vorgelegt, der gegenwärtig in den zuständigen Gremien behandelt wird.

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Kann der Schutzstatus des Wolfs nicht einfach gesenkt werden?

EU-Kommissar Karmenu Vella hat am 21. Dezember 2017 gegenüber dem Bundeslandwirtschaftsministerium geschrieben, dass der Wolf sich in Deutschland weiter in einer ungünstigen Erhaltungssituation befinde und ein Vergleich mit Nachbarländern sich verbiete. Praxisbezogene Lösungen zur Bewältigung der Konflikte im geltenden Schutzregime seien vorhanden; es sei möglich, Naturschutz und wirtschaftliche Aktivitäten zu fördern. Durch Dialog, Information und Unterstützung könne Vertrauen der Nutztierhalter zurückgewonnen werden.

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Warum ist der Wolf so streng geschützt und darf nicht gejagt werden?

Vorab: Die Jagd auf Wölfe vermeidet keine Schäden bei Nutztieren!

Der Wolf ist streng geschützt, da es sich um eine natürlich in Deutschland vorkommende Art handelt, die in der Vergangenheit durch den Menschen ausgerottet wurde. Er spielt eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht.

Daher wurde der Wolf in internationales und europäisches Naturschutzrecht als streng zu schützende Tierart aufgenommen. Für diese bestehen Verpflichtungen, Tötungen der Tiere zu verbieten; bestimmte Ausnahmen sind jedoch auch heute bereits möglich. Sie dürfen keinem Jagdregime mit Jagdzeiten unterworfen werden. Die internationalen und europäischen Verpflichtungen sind durch Schutzregelungen im Artenschutzrecht (5. Kapitel des Bundesnaturschutzgesetzes) festgeschrieben. In Sachsen ist der Wolf dem Jagdrecht unterstellt worden. Um nicht mit höherrangigem Recht zu verstoßen, wurde aber keine Jagdzeit in Sachsen eingerichtet – er darf also auch dort nicht gejagt werden.

Eine Regulierung durch Jagd oder Abschuss der Wolfsbestände ist vor dem Hintergrund des strengen Schutzstatus des Wolfes und des Gefährdungsstatus der deutschen Population nicht möglich.

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Wer unterstützt die Nutztierhalter beim Schutz vor Wölfen?

Die Bundesländer mit Wolfsvorkommen haben Managementpläne erlassen, die eine Kompensation von durch Wölfe gerissenen Nutztieren ganz überwiegend auf freiwilliger Basis vorsieht. Aufgrund des nationalen Austauschs (Länder-AG-Herdenschutz) sowie internationalen Austauschs bezüglich der Neu- und Weiterentwicklung von Herdenschutzmaßnahmen fließen neue Erkenntnisse, sofern diese auf Deutschland übertragbar sind, in die Empfehlungen mit ein. Die DBBW hat aktualisierte Standards für empfohlene Schutzmaßnahmen vor Wolfsübergriffen bei Schafen, Ziegen, Rindern oder Pferden ausgearbeitet. Die Länder haben Schadensansprüche an vorher erfolgte Präventionsmaßnahmen gekoppelt, um so eine Konditionierung von Wölfen auf das Reißen von ungeschützten Nutztieren zu verhindern.

In Deutschland betrugen die Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen im Jahr 2017 mit 1.324.956 Euro etwa das Siebenfache der Ausgleichszahlungen (187.894 Euro)

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Wie können Landwirtinnen und Landwirte ihre Nutztiere gegen Wolfsrisse schützen?

Auch Nutztierhalter sind in der Regel jeweils nur von einem Wolfsrudel betroffen. Bei konsequenter Anwendung der empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen durch die Nutztierhalter lassen sich die Schäden stark reduzieren oder meistens sogar völlig ausschließen.

So gibt es eine Vielzahl an Rudeln, die in den vergangenen Jahren keine Nutztierübergriffe verursacht hatten. Für Schafe und Ziegen werden beispielsweise elektrische Zäune (höher als 120 cm, elektrische Spannung größer als 4000 Volt) mit fünf Litzen/Drähten, die unterste Litze bei 20 cm empfohlen, wenn möglich in Kombination mit Herdenschutzhunden empfohlen. Hierzu hat das Bundesamt für Naturschutz eine Zusammenfassung der empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen für Schafe und Ziegen erstellt. Herdenschutzhunde (HSH) können vor allem bei Schafen und Ziegen eingesetzt werden.

Rinder reagieren auf hundeartige Tiere generell eher aggressiv. Deswegen können Herdenschutzhunde nicht zum Schutz von Rindern eingesetzt werden. Die jeweiligen Landesschafzuchtverbände geben Informationen zu Herdenschutzhunde. Die Hunde stammen in der Regel aus Zucht- und Arbeitslinien aus der Schweiz, Frankreich und mittlerweile auch aus Deutschland . Es handelt sich vornehmlich um Pyrenäenberghunde oder italienische Maremmanos, die bereits ausgebildet sind. Herdenschutzhunde sind an die von ihnen zu bewachenden Schafherden gewöhnt und leben mit ihnen in der Herde, sozusagen als Schafe.

Es wird empfohlen, mindestens zwei Hunde pro Herde zu halten. Je nach Größe der Herde sowie Weidefläche sind zusätzliche Hunde notwendig. Wie viele Hunde finanziert werden, hängt von den jeweiligen Richtlinien der Länder ab.

Die Beihilfegrenzen für investive Kosten (zum Beispiel Herdenschutzhunde) und indirekte Schadenskosten können zukünftig auf 100 Prozent angehoben werden. Mit den Ländern wird derzeit beraten, wie Fördermöglichkeiten für einmalige und laufende Kosten finanziert werden können. Den Schafhaltern wird empfohlen, bei den Länderbehörden nachzufragen, ob und unter welchen Voraussetzungen die Kosten übernommen werden.

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Kann man Wölfe nicht aus landwirtschaftlich geprägten Regionen vertreiben?

Da der Wolf im Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt wird und gemäß Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt ist, darf er in Deutschland nicht getötet oder verfolgt werden. Wenn einzelne Wölfe nachweislich für Menschen gefährlich werden, können Ausnahmen von diesem strengen Schutz gewährt werden. Auch bei unzumutbar hohen finanziellen Schäden durch bestimmte Tiere dürfen unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen gewährt werden, wenn vorher alle zumutbaren Alternativen ausgeschöpft sind, um diese Schäden zu vermeiden. Die Ausnahmeregelungen sind in der FFH-Richtlinie und im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben.

Eine Bestandsreduktion durch Quotenfreigabe und/oder die Schaffung so genannter "wolfsfreier" Zonen ist nach geltendem Recht nicht möglich und würden den Vorgaben der FFH-Richtlinie widersprechen. Eine Bejagung ist grundsätzlich keine Lösung für den Herdenschutz, weil die verbleibenden Wölfe weiterhin ungeschützte Nutztiere angreifen werden. Außerdem würden bestehende Rudelstrukturen zerstört und es bestünde die Gefahr, dass zuwandernde Wölfe und elternlose Jungtiere noch eher auf schlecht geschützte Nutztiere zurückgreifen als auf Rehe oder Wildschweine.

Wolfsfreie Zonen könnten zudem nur durch permanenten Abschuss von allen neu ankommenden Wölfen realisiert werden. Diese Zonen würden damit als sogenannte "Senke" wirken und nachteilige Auswirkungen auf den Erhaltungszustand der gesamten Population Deutschlands haben. Hinzu kommt, dass mit dem Töten eines Rudels das Revier frei würde. Es ist davon auszugehen, dass sich sofort wieder andere Wölfen ansiedeln. Ein Rückgang von Übergriffen auf Nutztiere ist damit nicht zu erwarten, diese lassen sich nur durch die konsequente Anwendung der empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen verhindern.

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Ab wann spricht man von einem auffälligen Verhalten beim Wolf?

Die "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf" (DBBW) hat Kriterien für die Beurteilung von kritischem Wolfsverhalten gegenüber Menschen aufgearbeitet und mit Bund und Ländern abgestimmt. Hierin werden Einschätzungen zum Wolfsverhalten im Hinblick auf die Sicherheit des Menschen gegeben. Die Handreichung enthält auch Empfehlungen für den Umgang mit solchen Wölfen, die ein auffälliges Verhalten zeigen. Unter auffälligem Verhalten wird in diesem Konzept die ganze Bandbreite von ungewöhnlichem, unerwünschtem bis zu problematischem Verhalten von Wölfen in Bezug auf Menschen verstanden.

Nicht zu den "auffälligen Wölfen" gehören Tiere, die Nutztiere reißen. Wölfe sind Fleischfresser und das Töten von Wild- und Nutztieren ist keine Form der Aggression, sondern Nahrungserwerb. Mit der Zunahme der Wölfe gibt es natürlich hier eine deutliche Zunahme der Probleme. Die Übergriffe finden jedoch vor allem dort statt, wo kein oder ungenügender Herdenschutz installiert wurde.

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Fressen Wölfe nur Schafe, Ziegen und Kühe?

Wölfe sind Fleischfresser und das Töten von Wild- und Nutztieren ist keine Form der Aggression, sondern Nahrungserwerb. Trotzdem sind Wölfe Prädatoren.

Der Wolf ernährt sich zu über 90 Prozent von Reh-, Rot- und Schwarzwild, deren ohnehin sehr hohen Bestände zum Teil in Deutschland weiter zunehmen. Andere Wildtierarten zählen nur in Ausnahmefällen zum Beutespektrum des Wolfes und sind daher nicht gefährdet.

Wölfe unterscheiden auf der Suche nach Nahrung nicht zwischen wilden "erlaubten" Beutetieren und "nicht erlaubten" Nutztieren. Sie töten Tiere, die sie leicht überwältigen können. Bei den von Wölfen von 2002 bis 2016 getöteten oder verletzten Nutztieren in Deutschland handelte es sich daher zu 86,8 Prozent um Schafe oder Ziegen, 9,7 Prozent um Gatterwild und in 3,3 Prozent um Rinder (meist Kälber). Kleine Nutztiere wie Schafe und Ziegen sind – verglichen mit wilden Huftieren - eine sehr einfache Beute, sofern sie nicht durch Zäune/Herdenschutzhunde geschützt sind. Bei vielen Nutztierrassen ist das Fluchtverhalten darüber hinaus durch die Domestikation abgemildert. Deshalb kommt es bei Übergriffen auf Schaf- und Ziegenherden häufig zu Mehrfachtötungen. In Deutschland wurden 2016 pro Wolfsübergriff durchschnittlich 3,8 Tiere getötet. Wenn Wölfe große Nutztiere töten, handelt es sich meist um Jungtiere oder um einzeln gehaltene Rinder oder Pferde.

Das Ausmaß der Schäden an Nutztieren ist dabei weder von der Größe des Wolfsbestandes noch von der Anzahl der Nutztiere in einem Gebiet abhängig. Entscheidend ist, wie gut oder schlecht vor allem kleine Nutztiere geschützt sind. Auch eine Zunahme der Schäden pro Wolfsrudel kann nicht festgestellt werden. Die Schäden treten vor allem dort vermehrt auf, wo sich ein Wolfsrudel neu niederlässt und die Nutztierhalter sich noch nicht auf die Anwesenheit von Wölfen eingestellt haben. In Gebieten mit längerer Wolfsanwesenheit gehen die Schäden häufig zurück.

Im Jahr 2017 gab es bundesweit nach den Erhebungen der Länder gemäß der Zusammenstellung der DBBW insgesamt 472 gemeldete Wolfsübergriffe auf Nutztiere (Schafe, Ziegen, Rinder, Gehegewild u.a. Tierarten) mit insgesamt 1667 getöteten Tieren.

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Können Jagdhunde überhaupt in Wolfsgebieten eingesetzt werden?

In der Jagdpresse wird immer wieder auf die Gefahr für jagdlich geführte Hunde im Wolfsgebiet hingewiesen. Begründet wird dies mit Beispielen aus Schweden, wo jährlich zwischen 20 und 40 Jagdhunde bei der Jagdausübung durch Wölfe getötet werden. Einen vergleichbaren Fall in Deutschland hat es in den letzten 15 Jahren nicht gegeben.

Der Einsatz von Jagdhunden im schwedischen Wolfsgebiet ist mit der Jagdausübung, wie sie in Deutschland stattfindet, nicht vergleichbar. Dort jagen Hasenbracken und Elchhunde weiträumig und oft weit entfernt vom Jäger. In Deutschland werden Stöberhunde vor allem bei Ansitzdrückjagden eingesetzt. Dabei sollen sie innerhalb eines begrenzten Gebietes den Jägern das Wild zutreiben.

In der Lausitz wird seit 15 Jahren mit Hunden im Wolfsgebiet gejagt. Die Erfahrungen zeigen, dass die Gefährdung für Jagdhunde hier nicht höher ist als anderswo. Das Risiko bei der Jagdausübung verletzt zu werden, ist für Jagdhunde nicht gering. Jährlich kommen Hunde dabei durch Wildschweine zu Tode, werden aus Versehen erschossen oder im Straßenverkehr überfahren. In Bezug auf den Wolf werden in der Lausitz bei Drückjagden im Wolfsgebiet von Seiten des Bundesforstbetriebes Lausitz seit Jahren bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergriffen:

  • Hundeführer werden im Vorhinein über die Anwesenheit von Wölfen informiert.
  • Es wird darum gebeten, dass Hunde, die im Ausland bereits auf Großraubwild (Jagd auf große Beutegreifer) eingesetzt wurden, im Wolfsgebiet nicht verwendet werden.
  • Die Hunde werden erst circa 20 Minuten nach Beginn des Treibens geschnallt (von der Leine gelassen). Dadurch sollen die Wölfe die Möglichkeit bekommen, sich auf das Geschehen einzustellen und überraschende Zusammentreffen von Wolf und Hund vermieden werden.
  • Bei der Nachsuche auf verletztes Wild wird der Schweißhund erst dann geschnallt, wenn der Hundeführer das verletzte Tier kurz vor sich hat und ausschließen kann, dass es bereits von Wölfen in Besitz genommen worden ist.

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, den Hunden Glocken oder Schellen umzuhängen, um sie für Wölfe schon von weitem hörbar zu machen.

Eine Vorsichtsmaßnahme sollte bereits bei der Ausbildung von Jagdhunden berücksichtigt werden. Bei der Abrichtung und beim Führen eines Jagdhundes sollte der Hund nicht für das Anzeigen von Wolfszeichen belohnt werden. Die Gefahr besteht, dass ein jagdlich geführter Hund dies fehlinterpretiert und bei anderer Gelegenheit eine Wolfsfährte verfolgt, wie er das mit einer Hirsch- oder Wildschweinfährte auch tun würde. Ein Hund, der einen Wolf verfolgt und stellt, riskiert jedoch tatsächlich, von diesem angegriffen zu werden.

Ein solcher Vorfall ereignete sich bereits 2005 in der Lausitz, als eine Jagdterrierhündin sich außerhalb des Jagdeinsatzes unbemerkt von ihrem Besitzer entfernte, die Fährte einer Wölfin aufnahm, diese verfolgte und stellte. Die Hündin wurde von der Wölfin mehrfach gebissen. Sie kam noch zum Besitzer zurück, starb jedoch wenig später bei der tierärztlichen Behandlung an ihren Verletzungen. Es gibt durchaus Hundeführer, die ihren Hund im Wolfsgebiet nicht mehr einsetzen. Tatsächlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch in Deutschland zukünftig Hunde beim Jagdeinsatz von Wölfen angegriffen werden. Die größere Gefahr für Jagdhunde geht jedoch auch im Wolfsgebiet vom Straßenverkehr und von Wildschweinen aus.

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Wie vertragen sich Wölfe und Hunde?

Wölfe sind die Vorfahren unserer Hunde und können noch immer mit ihnen kommunizieren. Gerade die Tatsache, dass Wölfe Hunde unter Umständen als Artgenossen ansehen, kann jedoch problematisch sein. Hunde verhalten sich in der Regel nicht wie Wölfe, was zu "Missverständnissen" führen kann. Generell sollten Hunde im Wolfsgebiet angeleint beziehungsweise nahe bei ihrem Besitzer geführt werden. Es kann durchaus vorkommen, dass Wölfe sich für diese Artgenossen interessieren, die aus Wolfssicht "dreist" in ihrem Territorium markieren. Die Nähe seines Besitzers ist der beste Schutz für den Hund. Eine Gefahr für den Hundeführer besteht selbst in diesen Situationen nicht. Die Wölfe interessieren sich für ihre domestizierten Verwandten, nicht für die Menschen. Kommt es zu einem Zusammentreffen von Wolf und Hund, sollte man seinen Hund zu sich rufen, anleinen und sich ruhig zurückziehen. Falls der Wolf weiter Interesse an dem Hund zeigt, sollte man sich durch Rufen deutlich bemerkbar machen und den Wolf gegebenenfalls durch das Werfen von Gegenständen vertreiben.

Zur möglichen Paarung von Wölfen und Hunden finden Sie weiter unten einen eigenen Eintrag.

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Überträgt der Wolf die Schweinepest oder andere Krankheiten?

Teilweise wurde in letzter Zeit vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die in Teilen Osteuropas grassiert, die Vermutung gestreut, der Wolf könne die ASP einschleppen. Dies ist laut dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Löffler-Institut) jedoch nicht der Fall. Der Wolf überträgt die ASP nicht und kann sie auch selbst nicht bekommen.

Übertragbare Krankheiten durch den Wolf sind Tollwut (gilt seit 2008 in Deutschland als ausgerottet), Fuchsbandwurm, Räude, Staupe, Parvovirose und die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut).

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Ist der Wolf gefährlich für den Menschen?

Das Bild vom Wolf, der unberührte Wildnis und weiträumige menschenleere Gebiete braucht, entspricht nicht der Realität in Deutschland. Wölfe in der Kulturlandschaft sind nicht gefährlicher als ihre Artgenossen, die in menschenleeren Gebieten leben oder die bejagt werden. Wolfsgebiete, die ähnlich dicht mit Menschen besiedelt sind, wie die Wolfsgebiete in Deutschland, und in denen ebenfalls keine (legale) Jagd auf Wölfe stattfindet, gibt es zum Beispiel in Italien und Polen. Auch in diesen Gebieten gibt es keine Hinweise darauf, dass Wölfe ihre Vorsicht dem Menschen gegenüber verlieren. Gleiches gilt für Wölfe, die in Nationalparks mit hohem Besucheraufkommen aufwachsen und die keine negative Erfahrung mit Menschen gemacht haben.

Es gehört daher zum normalen Verhalten der Wölfe, dass sie gelegentlich auch tagsüber in Sichtweite von bewohnten Gebäuden entlanglaufen, nachts dann und wann Dörfer durchqueren oder am Dorfrand nach Nahrung suchen. Die Erfahrung zeigt, dass ein solches Verhalten in der Regel keine Gefährdung des Menschen darstellt. Schäden können mittels Vorsorgemaßnahmen erfolgreich begrenzt werden. Dennoch gilt: Sicherheit zuerst! Zur Bewertung des Annährungsverhaltens von Wölfen an Menschen und den sich aus diesem Verhalten möglicherweise ergebenden Gefahren hat die DBBW Bewertungskriterien erarbeitet.

Umfassende Informationen zum Gefahrenpotenzial von Wölfen liefert die 2002 vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) veröffentlichte Studie "The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans". Darin wurden Berichte über Wolfsangriffe auf Menschen und ihre Ursachen in Skandinavien, Mitteleuropa, Asien und Nordamerika zusammengetragen und ausgewertet. Demnach sind Übergriffe von Wölfen auf Menschen sehr selten. In der Vergangenheit gab es nur wenige Fälle, in denen gesunde Wölfe einen Menschen angegriffen oder gar getötet haben. Wolfsangriffe auf Menschen lassen sich vor allem auf drei Ursachen zurückführen: Tollwut, Provokation und Futterkonditionierung.

Tollwut, eine tödlich verlaufende Viruserkrankung, die in früheren Zeiten als Hauptursache für Wolfsangriffe galt, ist in Deutschland seit 2008 ausgerottet und gilt auch in den angrenzenden Ländern durch die Immunisierung des Fuchses als weitestgehend bekämpft. Auch die Provokation eines Wolfes ist unter den heutigen Gegebenheiten eine eher unwahrscheinliche Gefahrenursache, da sie laut der Studie vor allem Tierhalter betraf, die – beim Versuch ihre Nutztiere vor einem Angriff zu schützen – Wölfe mit Knüppeln oder Heugabeln in die Enge trieben beziehungsweise Jäger, die Welpen aus dem Bau holten.

Die in unserer gegenwärtigen Kulturlandschaft am ehesten mögliche Ursache für gefährliches Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen ist eine starke Gewöhnung an die Nähe von Menschen (Habituation) verbunden mit positiven Reizen wie zum Beispiel Füttern (Futterkonditionierung). Futterkonditionierte Wölfe unterscheiden sich dahingehend von anderen Wölfen, dass sie sich aufgrund von positiven Reizen für Menschen interessieren und aktiv deren Nähe suchen. Bleiben die erwarteten positiven Reize (zum Beispiel Futter) aus, kann das dazu führen, dass die betroffenen Wölfe aufdringliches, dreistes und schlimmstenfalls aggressives Verhalten entwickeln.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Alle Wildtiere, also auch Wölfe, die in Kulturlandschaften leben, müssen sich zu einem gewissen Maße an die menschliche Anwesenheit gewöhnen (Habituation). Sie lernen Menschen und menschliche Aktivitäten in gewissem Umfang zu tolerieren. Eine solche Gewöhnung führt nicht per se zu problematischem Verhalten. Wenn Wölfe die Erfahrung gemacht haben, dass die Wahrnehmung menschlicher Präsenz ohne negative Konsequenzen verläuft, reagieren sie bei Begegnungen mit Menschen und Fahrzeugen in der Regel zwar vorsichtig, aber nicht extrem scheu und traben meist ohne übermäßige Hast davon. Wölfe, die weder positive noch negative Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, bleiben diesen gegenüber argwöhnisch und nähern sich nicht aktiv an. Jungwölfe können durch ihre Neugierde und Naivität bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen, als erwachsene Wölfe.

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Ab wann ist ein Bestand ungefährdet und der günstige Erhaltungszustand erreicht?

Vor 25 Jahren, im Jahr 1992, haben sich die damaligen Mitgliedstaaten der Europäischen Union darauf verständigt, die Natur mit ihrer Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Hierfür unterzeichneten die Politiker ein Regelwerk, in dem aufgelistet ist, welche Tiere, Pflanzen und Lebensräume in besonderem Maße geschützt werden sollen, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG), kurz FFH-Richtlinie genannt. In dieser Richtlinie werden in den verschiedenen Anhängen diejenigen Tiere, Pflanzen und Lebensräume aufgeführt, die aus Sicht der EU von gemeinschaftlichem Interesse sind und daher von allen Mitgliedstaaten besonders gut geschützt werden sollen. Ziel der Richtlinie ist die Erhaltung oder Wiederherstellung des "günstigen Erhaltungszustandes" der in den Anhängen gelisteten Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Der Wolf gehört zu den in den Anhängen verzeichneten streng zu schützenden Tierarten.

Die räumliche Bezugsgröße für die Feststellung der Erhaltungssituation folgt den politisch-geographischen Mustern (Landesgrenzen) und zusätzlich den einzelnen biogeographischen Regionen in Deutschland. Dies sind die atlantische, die kontinentale und die alpine Region.

Auf den Wolf übertragen, lässt sich der günstige Erhaltungszustand wie folgt formulieren: Wölfe leben jetzt und auch in Zukunft überall dort, wo sie von Natur aus leben können; der Lebensraum und das Nahrungsangebot jetzt und auch zukünftig wird ausreichen, um das Überleben der Wölfe langfristig zu sichern. Die Anzahl der Wölfe ist außerdem ausreichend groß, dass die Wölfe auch in Zukunft nicht wieder aussterben können, zum Beispiel durch Krankheiten, Verkehrsunfälle oder Wilderei. Für die Bewertung und Einstufung des Erhaltungszustandes sind demnach mehrere Merkmale von Bedeutung: das natürliche Verbreitungsgebiet, der Bestand ("Population"), der Lebensraum und die Zukunftsaussichten. Bei der Ermittlung des Gesamturteils ist wesentlich, welches dieser vier Einzelmerkmale am schlechtesten ausgeprägt ist.

Trotz der Vermehrung der Wölfe in Deutschland wurde bislang aufgrund der noch zu geringen Anzahl und Verbreitung der Wölfe deren Erhaltungszustand mit "ungünstig-schlecht" bewertet. Erst wenn es Wölfe auch in bisher nicht vom Wolf besiedelten aber besiedelungsfähigen Gebieten gibt und die Anzahl so groß ist, dass der Wolf auch langfristig in Deutschland ohne Inzuchterscheinungen überleben kann, kann sein Erhaltungszustand mit "günstig" bewertet werden. Die Bewertung des günstigen Erhaltungszustandes nach den Vorgaben der FFH-Richtlinie erfolgt in einem Turnus von sechs Jahren. Der Bericht Deutschlands für den Zeitraum 2013 - 2018 wird gegenwärtig finalisiert und im Sommer an die EU übermittelt.

Wenn eine Wolfspopulation den günstigen Erhaltungszustand erreicht hat, muss dieser Erhaltungszustand beibehalten werden. Diese eindeutige Verpflichtung folgt aus der FFH-Richtlinie und gilt für alle zu schützenden Arten, unabhängig davon, ob sie in Anhang IV oder auch in Anhang V aufgeführt sind.

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Wurden die Wölfe in Deutschland absichtlich hier angesiedelt?

Der Wolf ist eigenständig nach Deutschland zurückgekehrt. Es gibt keinerlei glaubhafte Hinweise dafür, dass Wölfe nach Deutschland verbracht oder innerhalb Deutschlands umgesiedelt oder ausgewildert worden sind. Im Rahmen der genetischen Untersuchungen des Senckenberg Institutes für Wildtiergenetik Gelnhausen wurden bisher ebenfalls keine diesbezüglichen Hinweise gefunden.

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Wo gibt es überall Wölfe in Deutschland und wie breiten sie sich aus?

Die meisten Tiere leben nach wie vor in Brandenburg, Niedersachsen und Sachsen, wo im Jahr 2000 erstmals nach der Ausrottung der Art in Deutschland vor 150 Jahren ein Wolfspaar aus Polen zugewandert ist. Die Wolfsvorkommen konzentrieren sich derzeit weiterhin vor allem auf das norddeutsche Tiefland, das sich von der sächsischen Lausitz in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen bis nach Niedersachsen erstreckt. Auch in anderen Bundesländern leben mittlerweile Wölfe.

Die Wölfe in Deutschland gehören zur mitteleuropäischen Flachlandpopulation, die sich auch über die Mittelgebirge erstreckt.

Die Ausdehnung des Verbreitungsgebiets führt nicht zu höheren Wolfsdichten. Wo ein Rudel sesshaft ist, kommt kein zweites oder weiteres hinzu. Wolfsrudel besetzen Territorien, die sie gegen fremde Rudel verteidigen. Wölfe verbreiten sich dann durch Wanderung, wenn ein Rudel zu groß wird bzw. zu viele erwachsene Tiere im Rudel sind. Insofern hat es die Bevölkerung in einem bestimmten Wolfsverbreitungsgebiet (Territorium) maximal mit einem Wolfsrudel zu tun.

Auch die Größe der jeweiligen Rudelterritorien hängt vor allem von der verfügbaren Nahrung ab und kann einer BfN-Pilotstudie zur Abwanderung und Ausbreitung von Wölfen in Deutschland zufolge zwischen 103 und 375 Quadratkilometern liegen. Je weniger Beutetiere auf einer Fläche leben, desto größer sind die Wolfsterritorien. Weil die Jungwölfe in der Regel mit Erreichen der Geschlechtsreife aus dem elterlichen Territorium abwandern, bleibt die Anzahl der Wölfe, die sich innerhalb eines bestimmten Gebietes etabliert haben, in der Folge dann meist relativ konstant.

Mit durch- oder zuwandernden Wölfen muss inzwischen überall in Deutschland gerechnet werden. Entsprechend haben bereits vierzehn Länder eigene Managementpläne, Leitlinien oder Handlungsleitfäden erstellt.

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Wer führt die genetischen Untersuchungen bei Wölfen durch?

In Bezug auf die Wolfsgenetik untersucht das Senckenberg-Institut in seiner Außenstelle Gelnhausen als zentrales Labor und "Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf" die bundesweit erhobenen Wolfsproben. Darauf haben sich der Bund und die Länder verständigt. Das Institut ist zugleich Partnerorganisation der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW). Die Basis für das bundesweite genetische Wolfsmonitoring des Senckenberg-Instituts bilden Untersuchungen auf Basis der Kern-DNA, die einen individuellen genetischen Fingerabdruck ergeben und Rückschlüsse auf Individuenzahlen, Verwandtschaften und das Vorkommen von Hybriden der ersten Hybridgeneration (F1) erlauben. Ferner wird bei allen eingeschickten Proben zusätzlich auch Mitochondrien-DNA untersucht, was auch bei Proben mit sehr geringem DNA-Gehalt eine Bestimmung der Art ermöglicht und Hinweise auf die Populationszuordnung, nicht jedoch auf den Hybridisierungsgrad gibt. Mit einer weiteren Methode, basierend auf Punktmutationen im Genom, lassen sich Hybride mindestens bis in die dritte Hybridgeneration sicher nachweisen. In Deutschland sind in den vergangenen 20 Jahren lediglich zwei Wolf-Hund-Hybridisierungsereignisse nachgewiesen worden, einmal im Jahr 2003 und einmal im Jahr 2017. Die von einzelner Seite verbreitete Darstellung, das Senckenberg-Institut arbeite bei der Feststellung der Hybridisierung allein mit der Analysemethode der Mitochondrien-DNA, ist unzutreffend.

Das Senckenberg-Institut in Gelnhausen ist Teil der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), einer der wichtigsten Forschungseinrichtungen Deutschlands rund um die biologische Vielfalt. Die SGN ist ihrerseits Teil der Leibniz-Gemeinschaft, die 93 selbstständige Forschungseinrichtungen verbindet. Senckenberg kooperiert im Bereich der Wolfsgenetik mit zahlreichen wissenschaftlichen Institutionen aus unterschiedlichen Ländern.

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Kann man nicht einfach alle Wölfe fangen und besendern?

Um Bewegungsräume und Verhalten verfolgen zu können, kann es sinnvoll sein, einzelnen Wölfen einen Sender anzulegen. Dazu müssen die Tiere gefangen werden. Das ist sehr arbeitsintensiv und mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden.

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Wie werden Wölfe gezählt?

Das Zählen wild lebender Tiere ist generell sehr aufwändig. Das Wolfsmonitoring wird auf Länderebene nach zwischen Bund und Ländern abgestimmten Vorgaben von den Ländern durchgeführt. Wölfe werden dabei nicht als Einzeltiere gezählt, sondern es wird die Zahl an Rudeln bestimmt. In einem Rudel leben die Elterntiere, die Jungen des Vorjahres sowie die Welpen des aktuellen Jahres. Das Wolfsmonitoring ist nicht auf die Erfassung von Welpen ausgerichtet. Die Sterblichkeit unter den Jungtieren ist jedoch relativ hoch, deswegen kann man sicher nur die Zahl erwachsener Tiere nachweisen. Das Zählen ist dabei für die Wolfsexperten der Länder sehr aufwändig. Die Erhebungen beziehen sich jeweils auf das sogenannte "Wolfsjahr", das den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres abdeckt. Die Daten aus den Ländern werden von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) zusammengeführt und mit den Experten der Länder gemeinsam bewertet.

Die Methoden des Wolfsmonitorings sind vor allem Fotofallen, Telemetrie, genetische Analysen sowie Heulanimation (kann Chorheulen auslösen). Nach den hierbei verwendeten "SCALP"-Kriterien ist ein eindeutiger Nachweis (C1) für die Feststellung eines Wolfsvorkommens nötig. Dazu gehören Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis (auch aus Kotproben), Foto, Telemetrieortung. Für die Erhebung der Rudelzahlen werden auch C2-Nachweise (eine erfahrene Person dokumentiert Spur, Losung oder Riss) als Nachweis gezählt, wenn sie drei Mal für eine Rasterzelle (10 x 10 Kilometer) erbracht wurden.

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Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?

In ganz Deutschland lebten nach den aktuellen Angaben der DBBW (Stand 22.05.2019) im Monitoringjahr 2017/2018 insgesamt 75 bestätigte Rudel, 30 Paare, 3 territoriale Einzeltiere. In 56 Rudeln wurde Reproduktion nachgewiesen, insgesamt wurden 218 Welpen bestätigt. Welpenzahlen werden überwiegend im Sommer erhoben, da Wolfswelpen in der Regel Anfang Mai geboren werden. Dabei handelt es sich in der Regel um Mindestzahlen. Welpenspuren sind nämlich zum Beispiel in den ersten Monaten nicht von Hundespuren zu unterscheiden, und Kot kleiner Welpen lässt sich nicht von dem von Füchsen unterscheiden. Insofern ist die Feststellung von Welpenzahlen zusätzlich erschwert. Der positive Trend der Populationsentwicklung hält demnach weiter an.

Die Sterblichkeit junger Wölfe ist hoch, vor allem in den ersten zwei Lebensjahren. Dies ist ein Grund, warum Hochrechnungen zum Gesamtbestand mit Unsicherheiten behaftet sind und wissenschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht werden. Wurfgröße und Überlebensrate der Welpen sind stark abhängig vom Nahrungsangebot im Wolfsrevier. Aber auch in beutereichen Revieren muss mit einer hohen Mortalität (das heißt etwa bis Jahresende des Geburtsjahres) von 20 bis 30 Prozent gerechnet werden. Durch Verkehrsunfälle, (illegale) Abschüsse, Vergiftung oder andere menschliche Einflüsse kann die Zuwachsrate in Wolfspopulationen sich ebenfalls reduzieren. Verkehrsunfälle sind die häufigste unnatürliche Todesursache. Aber auch Krankheiten wie die Räude machen Jungtieren zu schaffen.

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Insektenschutz

Was sind die Ursachen des Insektenrückgangs?

Die Ursachen des Insektenrückgangs sind vielfältig und insgesamt komplex. Nach aktuellem Forschungsstand liegen die zentralen Ursachen im Verlust und der qualitativen Verschlechterung von Insektenlebensräumen, dem Verlust der Strukturvielfalt mit einer Vielzahl an Wildpflanzen, einem Management von Naturschutzgebieten, das zum Teil die Bedürfnisse von Insekten unzureichend berücksichtigt, der Anwendung von Pestiziden, dem Eintrag von Nähr- und Schadstoffen in Böden und Gewässer sowie der Lichtverschmutzung. Viele weitere Einflussfaktoren tragen darüber hinaus zum Verlust oder der Qualitätsverschlechterung von Insektenlebensräumen bei. Deshalb ist die Erhaltung beziehungsweise Förderung der Wiederherstellung dieser Lebensräume in Qualität und Quantität sowie ihre Vernetzung wichtig.

Die vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse belegen bereits jetzt, dass der mengen- und flächenmäßig sehr hohe Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – zum Beispiel Glyphosat – in der Agrarlandschaft mit zu einem deutlichen Rückgang der Artenvielfalt geführt hat. Pflanzenschutzmittel wirken auf Insekten entweder direkt schädlich oder auch indirekt, indem sie die Nahrungsnetze stören und sich auf Lebensräume auswirken. Es ist geltendes EU-Recht, dass nur solche Pflanzenschutzmittel zugelassen werden dürfen, die nachweislich keine unannehmbaren Auswirkungen auf den Naturhaushalt haben. Gerade in Bezug auf die indirekten Effekte über Nahrungsnetze gibt es aber beim Vollzug des Zulassungsrechts noch Defizite. Daher werden Effekte von Pflanzenschutzmitteln auf die biologische Vielfalt nicht hinreichend angegangen, obwohl das EU-Zulassungsrecht die Möglichkeit dazu gibt. Das müssen wir ändern.

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Was ist der Zusammenhang zwischen Glyphosat und Insektensterben?

Effektiver Insektenschutz erfordert einen grundsätzlich restriktiveren Umgang mit Pestiziden, nicht nur mit Glyphosat. Denn die flächendeckende Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und anderen Pestiziden ist eine wesentliche Ursache für das Insektensterben. Dabei tötet der Einsatz von Totalherbiziden wie Glyphosat Insekten nicht direkt, verringert aber die Nahrungsgrundlage für Insekten und trägt so ebenfalls zum Insektensterben bei. Mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz sollen unter anderem die negativen Auswirkungen auf Insekten durch Pflanzenschutzmittel und andere Pestizide deutlich verringert werden. Der Koalitionsvertrag sieht vor, mit einer systematischen Minderungsstrategie den Einsatz von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln deutlich einzuschränken, mit dem Ziel, die Anwendung so schnell wie möglich grundsätzlich zu beenden. Die Bundesregierung wird diesen Auftrag schnellstmöglich umsetzen. Doch dabei darf es nicht bleiben. Generell soll die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln umwelt- und naturverträglich ausgestaltet werden, nicht zuletzt durch eine deutlich stärkere Berücksichtigung der biologischen Vielfalt bei der Zulassungspraxis und den Anwendungsbestimmungen für Pflanzenschutzmittel. Das Aktionsprogramm soll auch dazu beitragen, die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen, wie Schutzgebieten nach dem Naturschutzgesetz oder in Wasserschutzgebieten, deutlich zu verringern und wo möglich zu verbieten. Die öffentliche Hand soll für ihre Liegenschaften auf den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln verzichten.

Die negativen Auswirkungen von Glyphosat auf die biologische Vielfalt beruhen insbesondere auf sogenannten indirekten Effekten, nämlich solchen auf die Nahrungsnetze: Dort, wo in Äckern, aber auch im Obst- und Weinbau alle Wild- und Beikräuter durch Glyphosat abgetötet werden, gibt es keinen Lebensraum mehr für Insekten. Mit deren Verschwinden fehlt wiederum die Nahrungsgrundlage für weiter oben in der Nahrungskette angesiedelte Tiere, insbesondere die Vögel und die Kleinsäuger der Agrarlandschaft.

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Was steht in der "Krefelder Studie"?

Eine im Oktober 2017 in der Online-Zeitschrift "PlosOne" veröffentlichte Studie von C. Hallmann, Universität Nijmwegen, et al. hat die Ergebnisse der von ehrenamtlichen Insektenkundlern des Entomologenvereins Krefeld (Entomologen = Insektenkundler) von 1989 bis 2016 mit Standard-Flugfallen durchgeführten Erhebungen zur Entwicklung der Insektenbestände ausgewertet.

Das Ergebnis: Drastische Bestandseinbrüche lassen sich klar nachweisen. Bei den Erhebungen in 63 deutschen Schutzgebieten zwischen 1989 und 2016 ist ein Rückgang von 76 Prozent (im Hochsommer bis zu 82 Prozent) der Fluginsekten-Biomasse festgestellt worden.

Es gibt aber nicht nur diese sogenannte "Krefelder Studie". Auch weitere wissenschaftliche Untersuchungen in Deutschland an verschiedenen Artengemeinschaften und in verschiedenen Lebensräumen haben einen allgemeinen Rückgang der Anzahl der Insektenarten für alle betrachteten Gruppen und Lebensräume beobachtet. Den Rückgang der Insektenvielfalt belegen nicht zuletzt auch die Roten Listen der gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten Deutschlands. Bereits seit den 1970er Jahren wird dort die Gefährdung von Insekten anhand bestimmter Insektenordnungen untersucht und bewertet. Insgesamt stehen von den bisher bewerteten Insektenarten 42 Prozent als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben oder verschollen auf der Roten Liste. Auch europäisch und weltweit ausgerichtete Studien, zum Teil mit Langzeitdaten weit in die Vergangenheit, belegen einen Rückgang bei den Insekten.

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Was ist unter dem "Aktionsprogramm Insektenschutz" zu verstehen?

Mit einem "Aktionsprogramm Insektenschutz" sollen die Lebensbedingungen für Insekten in Deutschland insgesamt verbessert werden. Das Aktionsprogramm wird im Koalitionsvertrag zur 19. Legislaturperiode angekündigt und soll auf eine zügige Umsetzung konkreter Maßnahmen abzielen, um den Insektenrückgang effektiv zu verlangsamen bzw. zu stoppen. Der Maßnahmenkatalog soll sich dabei auf die Hauptursachen für den Insektenschwund fokussieren.

Eckpunkte für "Aktionsprogramm Insektenschutz" sind bereits am 20. Juni 2018 vom Kabinett beschlossen worden. Das Eckpunkte-Papier beinhaltet neben wesentlichen Informationen zum Insektenrückgang insbesondere die neun Handlungsbereiche, in deren Rahmen sich die konkreten Maßnahmen des Gesamtprogramms bewegen werden.

Das Bundesumweltministerium hat nun auf der Basis dieser Eckpunkte Vorschläge für konkrete Maßnahmen für das Aktionsprogramm Insektenschutz erarbeitet, die im Rahmen einer Beteiligungsphase mit der Öffentlichkeit diskutiert werden sollen. Dieser Online-Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern ist ein wichtiger Teil davon. Die Ergebnisse aus dem Online-Dialog werden für die Weiterarbeit am Maßnahmenkatalog berücksichtigt und fließen in den Entwurf für das Aktionsprogramm Insektenschutz ein. Anschließend wird das Aktionsprogramm mit den anderen Bundesministerien abgestimmt. Das Gesamtprogramm soll dann bis Sommer 2019 vom Bundeskabinett beschlossen werden.

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Naturschutz/Biologische Vielfalt

Was unternimmt das Bundesumweltministerium, um die Wälder in Deutschland zu schützen?

Der deutsche Wald leistet einen großen Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Um weitere Schutzmaßnahmen zu fördern, hat die Bundesregierung zum Beispiel den Waldklimafonds auf den Weg gebracht. Mit Geldern aus dem Waldklimafonds werden die Leistungen nachhaltiger Forstwirtschaft gestärkt und die notwendige Anpassung der Wälder an den Klimawandel unterstützt. Finanziert wird der Waldklimafonds aus dem Energie- und Klimafonds (EKF).

Der Schutz des Waldes spielt auch in der Nationalen Biodiversitätsstrategie eine große Rolle. Hierfür zentral ist das Ziel, bis 2020 auf fünf Prozent der Waldfläche Deutschlands eine natürliche Waldentwicklung zu erreichen sowie das sogenannte 2-Prozent-Wildnis-Ziel: Bis 2020 soll sich die Natur auf zwei Prozent der Fläche Deutschlands wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten ungestört entwickeln können. Das Erreichen beider Ziele unterstützt das Bundesumweltministerium zum Beispiel durch die Finanzierung verschiedener Projekte, in denen gemeinsam mit den Waldeigentümern nach Wegen für die Umsetzung gesucht wird. Seiner Verantwortung bei der Umsetzung dieser Ziele kommt der Bund auch auf seinen Flächen nach. Bis 2020 wird der Bund 20 Prozent seiner Waldflächen im Rahmen des Nationalen Naturerbes aus der Nutzung nehmen.

Ein weiteres Beispiel für den hohen Schutz der Wälder in Deutschland sind die Buchenwälder. Im Jahr 2011 wurden fünf deutsche Buchenwald-Gebiete in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen. Die ausgewählten Schutzgebiete repräsentieren die wertvollsten Relikte großflächiger naturnaher Buchenwälder in Deutschland.

Wie viele Naturparke gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es derzeit 104 Naturparke. Darüber hinaus befindet sich der Naturpark Muldenland (Sachsen) in Gründung. Mit einer Gesamtfläche von über 9,5 Millionen Hektar decken die Naturparke etwa 27 Prozent der Landesfläche Deutschlands ab. Naturparke sind großräumige Landschaften, die überwiegend aus Landschafts- und Naturschutzgebieten bestehen. Naturparke dienen dem Schutz und Erhalt der Kulturlandschaften, dem Naturerleben und der Erholung, dem natur- und umweltverträglichen Tourismus und einer dauerhaft natur- und umweltverträglichen Landnutzung.

Was ist das "Grüne Band"?

Das "Grüne Band" ist der ehemalige Grenzstreifen zwischen Ost und West in ganz Europa. In diesem 12.500 Kilometer langen Bereich konnte sich aufgrund der Nutzungsruhe und Abgeschiedenheit über Jahrzehnte ein zusammenhängendes Band von zum Teil sehr wertvollen Biotopen entwickeln, das heutige "Grüne Band". In Deutschland gehört der 1400 Kilometer lange Abschnitt zum Nationalen Naturerbe und bildet einen Biotopverbund von Süd nach Nord.

Welche Naturstätten in Deutschland sind als UNESCO Welterbe ausgezeichnet?

In Deutschland befinden sich drei UNESCO Weltnaturerbestätten auf der Welterbeliste: die Fossilienlagerstätte Grube Messel (Hessen), das deutsch-niederländisch-dänische Wattenmeer, und die Alten Buchenwälder Deutschlands.

Das Wattenmeer wurde 2009 in die Welterbeliste aufgenommen. Zum Weltnaturerbe Wattenmeer gehören die Nationalparke Niedersächsisches Wattenmeer, Hamburgisches Wattenmeer, Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sowie ein Schutzgebiet in den Niederlanden. 2014 wurde das Gebiet um das dänische Wattenmeer erweitert, sodass nun das gesamte Wattenmeer entlang der Nordseeküste auf der UNESCO-Welterbeliste steht.

Die Alten Buchenwälder Deutschlands wurden 2011 als Erweiterung der Buchenurwälder der Karpaten (Slowakische Republik/Ukraine) als Naturerbe in die Welterbeliste aufgenommen. Dabei handelt es sich um Gebiete in den Nationalparken Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, Hainich in Thüringen und Kellerwald-Edersee in Hessen sowie dem Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg.

Das Ziel des UNESCO Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Welterbekonvention) ist es, Natur- und Kulturgüter von außergewöhnlichem und universellem Wert als Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit dauerhaft zu erhalten. 

Was ist und macht "IPBES"?

IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für das Thema biologische Vielfalt - vergleichbar mit dem Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Dieses Biodiversitätsgremium soll politischen Entscheidungsträgern zuverlässig unabhängige, glaubwürdige Informationen über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität zur Verfügung stellen, damit diese gut informierte Entscheidungen zu ihrem Schutz treffen können. IPBES wurde im April 2012 von der Staatengemeinschaft gegründet und der Sitz seines Sekretariats ist in Bonn.

Was muss ich beachten, wenn ich genetische Ressourcen aus anderen Ländern in Deutschland für Forschung und Entwicklung nutzen möchte?

Nutzer von genetischen Ressourcen, die aus anderen Ländern stammen, müssen die europäische und deutsche Gesetzgebung zur Umsetzung des Nagoya Protokolls befolgen. Seit 2010 setzt das Nagoya-Protokoll international verbindliche Standards für den Umgang mit genetischen Ressourcen und fördert so Transparenz und Rechtssicherheit. Es regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen und die faire und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus ihrer Nutzung ergeben (Access and Benefit Sharing, ABS). Das betrifft zum Beispiel Pflanzen, die in tropischen Wäldern gefunden werden und dann in anderen Ländern zu Medikamenten, Kosmetika und anderen Produkten verarbeitet werden. Gleichzeitig verpflichtet es alle Länder, in denen genetische Ressourcen genutzt werden, zu gewährleisten, dass die genutzten Ressourcen im Herkunftsland ordnungsgemäß erlangt wurden. Herkunftsländer sollen auf diese Weise fair und gerecht an den Erträgen von Produkten beteiligt werden, die aus "ihren" genetischen Ressourcen hergestellt werden. So soll so ein dauerhafter wirtschaftlicher Anreiz für den Erhalt von biologischer Vielfalt und seltenen Ökosystemen geschaffen werden.

Warum unterstützen wir Entwicklungsländer bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt?

Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist für die Menschheit von hoher Bedeutung, um die Bedürfnisse nach Gesundheit, Nahrung und Wohlbefinden zu befriedigen und die Gesundheit und das Gleichgewicht in der Natur und Landwirtschaft zu schützen.

Darüber hinaus stellt die Erhaltung der biologischen Vielfalt einen wesentlichen Eckpfeiler der Bekämpfung der Armut dar. Die biologische Vielfalt und die Basisleistungen der Ökosysteme bilden besonders die Lebensgrundlagen der Armen, die zur Befriedigung ihrer existenziellen Bedürfnisse zu etwa 90 Prozent auf biologische Ressourcen angewiesen sind, denn sie sind für diese Menschen direkte Grundlage der Ernährung, medizinischen Versorgung, des Hausbaus und gleichzeitig wichtigste Einkommensquellen. Rund 80 Prozent der globalen terrestrischen biologischen und genetischen Ressourcen befinden sich in Entwicklungsländern.

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt stellen auch konkrete wirtschaftliche Vorteile für die Industrieländer dar, beispielsweise durch die für Forschung und Entwicklung bedeutsame genetische Vielfalt.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) fördert mit dem seit 2011 existierenden eigenständigen Förderbereich "Biologische Vielfalt" durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) gezielt Biodiversitätsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Was ist die CBD?

CBD ist die Abkürzung für das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, englisch Convention on Biological Diversity. Die CBD gehört – wie das Klimarahmenabkommen (UNFCCC) und die Wüstenkonvention (UNCCD) – zu den drei völkerrechtlichen Verträgen, die auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 zur Unterzeichnung auslagen. Deutschland ist seit ihrem Inkrafttreten am 29. Dezember 1993 Vertragspartei der CBD. Die CBD ist mit ihren derzeit 193 Vertragsparteien (inklusive der EU) das zahlenmäßig wie auch von Umfang und Anspruch her umfassendste, verbindliche, internationale Abkommen im Bereich Biodiversitätsschutz und nachhaltige Entwicklung.

Das Abkommen hat drei übergeordnete Ziele:

  • die Erhaltung biologischer Vielfalt (Gene, Arten, Lebensräume),
  • die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und
  • die gerechte Aufteilung der aus der Nutzung genetischer Ressourcen gewonnenen Vorteile.

Für den Zeitraum 2011 bis 2020 wurde ein Strategischer Plan für Biodiversität verabschiedet, der ambitionierte globale Biodiversitätsziele beinhaltet. Bis 2020 soll der Biodiversitätsverlust durch effektives und unverzügliches Handeln gestoppt werden. Es soll sichergestellt werden, dass die Ökosysteme bis 2020 widerstandsfähig sind und weiterhin wesentliche Ökosystemleistungen bereitstellen und somit die Vielfalt des Lebens des Planeten sichern sowie zum menschlichen Wohlergehen und zur Beseitigung der Armut beitragen. Hierfür enthält der Strategische Plan die sogenannten Aichi Biodiversitätsziele: Fünf strategische Ziele mit insgesamt 20 konkreten Unterzielen.

Alle zwei Jahre findet eine Vertragsstaatenkonferenz der CBD statt. Sie ist das oberste politische Entscheidungsgremium des Übereinkommens.

Was ist das Schutzgebietsnetz Natura 2000 in Deutschland?

Natura 2000 ist ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie (Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten) und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen). Mit derzeit über 20 Prozent der Fläche der EU ist Natura 2000 das größte Schutzgebietsnetz weltweit.

In Deutschland sind rund 15 Prozent der Landesfläche und 45 Prozent der Meeresfläche als Natura 2000-Gebiete gemeldet. Auf diese Weise übernimmt Deutschland Verantwortung für den Erhalt typischer Naturlandschaften, wie zum Beispiel Buchenwälder oder das weltweit einmalige Ökosystem Wattenmeer, und leistet so einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Erhalt der Biologischen Vielfalt.
Der aktuelle Meldestand der Natura-2000-Gebiete in Deutschland sowie Steckbriefe der Gebiete können auf den Internetseiten des Bundesamts für Naturschutz eingesehen werden.

Wer ist zuständig für Naturschutz in Deutschland?

Für den Vollzug des Naturschutzrechtes sind die Bundesländer zuständig. Deshalb müssen Fragen, Beschwerden und Stellungnahmen zu Angelegenheiten des Naturschutzes vor Ort in der Regel direkt an die zuständigen Naturschutzbehörden der Länder gerichtet werden. Ausnahme bildet hier die Ausschließliche Wirtschaftszone der Nord- und Ostsee (AWZ: zwölf bis 200 Seemeilenzone), für die der Bund zuständig ist.
Der Bund hat konkurrierende Gesetzgebungskompetenz auf dem Gebiet des Naturschutzes und der Landschaftspflege (Artikel 74 Absatz 1 Nummer 29 GG). Die Ländern können dabei – mit Ausnahme der allgemeinen Grundsätze des Naturschutzes und des Arten- und Meeresnaturschutzrechts – vom Bundesrecht abweichende Regelungen treffen (Artikel 72 Absatz 3 GG).

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Wie unterstützt das Bundesumweltministerium die Erhaltung der biologischen Vielfalt?

Am 7. November 2007 hat die Bundesregierung die unter Federführung des Bundesumweltministeriums erarbeitete Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Darin formuliert die Bundesregierung zukunftsorientierte Visionen, setzt konkrete Ziele und benennt Maßnahmen, wie die biologische Vielfalt erhalten werden soll. Umgesetzt werden die Ziele und Maßnahmen durch die Mitwirkung aller gesellschaftlichen Akteure. Deshalb führt das Bundesumweltministerium seit 2007 einen langfristig angelegten Dialog- und Umsetzungsprozess durch.

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade der biologischen Vielfalt erklärt. In Deutschland ist die Ausgestaltung der UN-Dekade eng mit der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verknüpft.

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In welchem Zusammenhang steht die UN-Dekade "Biologische Vielfalt 2011 bis 2020" zur Nationalen Biodiversitätsstrategie?

Die Vereinten Nationen haben im Dezember 2010 das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen. Die Dekade soll die Umsetzung des Strategischen Plans des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) unterstützen. In Deutschland geschieht dies inhaltlich vor allem durch die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie. Sie wird durch besonders öffentlichkeitswirksame Maßnahmen ergänzt. Mit Mitteln des BMUB wurde hierzu eine Dekade-Geschäftsstelle beim Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eingerichtet. Auftakt der UN-Dekade in Deutschland war das 4. Nationale Forum im November 2011 in Berlin. Informationen zur Ausgestaltung der UN-Dekade finden Sie sind auf der Internetseite UN-Dekade Biologische Vielfalt.

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Was ist die Aufgabe des Bundesprogramms Biologische Vielfalt?

Im Koalitionsvertrag für die 17. Legislaturperiode vorgesehen war die Erarbeitung eines Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Es handelt sich dabei um ein neues Förderprogramm, das die bestehenden Fördermöglichkeiten des Bundes im Naturschutz ergänzen und der Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) dienen soll. Es wurde 2010 entwickelt und 2011 gestartet. Ab 2011 werden dafür Mittel in den Bundeshaushalt im Umfang von 15 Millionen Euro jährlich eingestellt. Die vier Förderschwerpunkte umfassen Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands, Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland, Sichern von Ökosystemdienstleistungen und weitere Maßnahmen von besonderer repräsentativer Bedeutung für die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt.

Das BMBF hat gemeinsam mit dem BMUB eine Bekanntmachung zur Förderung von Forschungsvorhaben zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt veröffentlicht. Der BMBF stellt im Rahmen dieser Bekanntmachung über sechs Jahre 30 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel für die Forschungsanteile von Verbundvorhaben im Bundesprogramm Biologische Vielfalt zur Verfügung.

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Wie wird die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt umgesetzt?

Die Umsetzung hat unmittelbar nach Verabschiedung der Strategie durch das Bundeskabinett begonnen. Bereits im Dezember 2007 wurde ein Follow up-Prozess sowohl mit nicht-staatlichen wie mit staatlichen Akteuren gestartet.

Auftakt war das 1. Nationale Forum zur biologischen Vielfalt im Dezember 2007. Die Nationalen Foren werden etwa in jährlichem Abstand durchgeführt, haben jedes Mal einen anderen Schwerpunkt und dienen der Vernetzung aller am Umsetzungsprozess beteiligten Akteure.

In 2008 haben insgesamtacht Regionalforen in verschiedenen Regionen Deutschlands zu verschiedenen Schwerpunktthemen stattgefunden. Sie dienten in erster Linie dazu, die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt bekannt zu machen.

Im Herbst 2008 wurde mit den akteursspezifischen Dialogforen begonnen, diese Reihe wurde bisher ohne Unterbrechung durchgeführt. Wichtige Akteurskreise sind "Naturschutz", "Naturnutzung / Ländlicher Raum", "Wissenschaft und Forschung", "Unternehmen" und "Gesellschaftliches Bewusstsein, Kommunikation".

Im Bereich der staatlichen Akteure gibt es ausgehend von einem Dialogforum mit den Kommunen seit Februar 2010 die Deklaration "Biologische Vielfalt in Kommunen", die inzwischen 250 Kommunen unterzeichnet haben, und seit Februar 2012 das Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" mit aktuell 100 Kommunen (Stand: August 2014).

Seit Dezember 2010 finden regelmäßig Länderforen zur biologischen Vielfalt statt. Ziel ist es, den Austausch über den Stand der Entwicklung und Umsetzung der Strategien und Aktionspläne zur biologischen Vielfalt auf Bundes- und Landesebene zu ermöglichen und das Netzwerk der verantwortlichen Akteure zu stärken. Zudem sollen Ansatzpunkte zur Gewinnung von Synergieeffekten ausgelotet und Möglichkeiten für gemeinsame Maßnahmen entwickelt werden.

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Welche Kosten kommen auf Bund und Länder durch die nationale Biodiversitätsstrategie zu?

Bei einer Strategie, die mit möglichst quantifizierten Zielen arbeitet wie die nationale Biodiversitätsstrategie, stellt sich rasch die Frage nach zusätzlichen Kosten und Anstrengungen. Der Bericht des Ökonomen Nicholas Stern zum ökonomischen Nutzen des Klimaschutzes hat gezeigt, dass die Kosten des Nichthandelns um ein Vielfaches höher sind als die Kosten des Handelns. Ähnliches gilt sicher auch für die Erhaltung der Biodiversität. Um dieses zu belegen, haben das Bundesumweltministerium und die EU-Kommission eine entsprechende Untersuchung initiiert.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Umsetzung der Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu einer erheblichen Verbesserung nicht nur der ökologischen, sondern auch der ökonomischen und sozialen Zukunftsfähigkeit Deutschlands führt. Von der Strategie sollen Impulse für Effizienzsteigerungen und neue innovative Lösungen ausgehen, die auch ökonomische Vorteile bringen. Es wäre außerdem völlig kontraproduktiv, erst die Beeinträchtigung der Biodiversität mit staatlichen Geldern zu finanzieren, um dann mit zusätzlichen Finanzmitteln für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu sorgen. Um die Schwierigkeiten zur Vermeidung und zum Abbau solcher Fehlallokationen wohl wissend, ist es ein Anliegen der Nationalen Biodiversitätsstrategie, dass die vorhandenen Finanzmittel intelligent eingesetzt werden. Hierbei sind nicht nur Naturschutzmittel gemeint, sondern es geht darum, alle die Biodiversität betreffen-den öffentlichen Finanzmittel so einzusetzen, dass sie die biologische Vielfalt nicht gefährden und trotzdem möglichst zielgerichtet eingesetzt werden. Die Umsetzung der Ziele muss so nicht zwingend zusätzliche Kosten verursachen, sie kann sogar zu Kosteneinsparungen oder zu zusätzlichen wirtschaftlichen Erträgen führen. Gefordert ist hier allerdings ein Mitwirken aller Politikbereiche. Eine genaue Angabe der für die Umsetzung der Strategie zu erwartenden Kosten für Bund und Länder sowie Kommunen ist leider nicht möglich.

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Für welche Politikbereiche ist die Nationale Biodiversitätsstrategie relevant?

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist kein Naturschutzübereinkommen im engeren Sinn. Die Nutzung – und damit das wirtschaftliche Potenzial der natürlichen Ressourcen – ist ebenfalls ein wesentlicher Aspekt der Erhaltung der Biodiversität. Die Nationale Biodiversitätsstrategie ist deshalb auch eine Strategie zur Integration von Naturschutzbelangen in andere Politikbereiche. Sie kann als gesamtgesellschaftliches Programm verstanden werden.

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Wie ist die Einbeziehung von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren bei der Erarbeitung der Nationalen Biodiversitätsstrategie erfolgt?

Bei der Erarbeitung des Entwurfs der Nationalen Biodiversitätsstrategie ist das Wissen von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Naturschutzfachbehörden, Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie des Gender Mainstreamings genutzt worden (sieben meist zweitägige Veranstaltungen zwischen Dezember 2004 und September 2005). Der Schwerpunkt lag zu diesem Zeitpunkt bewusst auf der naturschutzfachlichen Expertise und im noch neuen Bereich der geschlechtsspezifischen Aspekte. Nach Zustimmung der Bundesressorts, das heißt nach Abschluss der ersten Runde der Ressortabstimmung, wurden Länder und Verbände breit beteiligt. Die Länder wurden über die Länder-Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) eingebunden. Die Verbändebeteiligung richtete sich an Naturschutzverbände, Verbände der Naturnutzung, Vertreterinnen und Vertreter aus einschlägigen Wissenschaften sowie Verbände und Expertinnen des Gender Mainstreamings.

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Wie ist das Indikatorenset der Nationalen Biodiversitätsstrategie zusammengesetzt?

Indikatoren fassen vielschichtige Sachverhalte verständlich zusammen und machen Trends erkennbar. Sie haben sich international, im europäischen Raum und auch national bereits als geeignetes Instrumentarium bewährt. Für die Nationale Biodiversitätsstrategie wurden Indikatoren ausgewählt, die geeignet sind, möglichst breit die in der Strategie behandelten Themen abzubilden, und in einem Set zusammengefasst. Selbstverständlich wurde dabei auf die bestehende Indikatorenentwicklung im internationalen, europäischen, nationalen Raum sowie auf Bundesländerebene sowie größtmögliche Nutzung von Synergieeffekten geachtet. Das Indikatorenset enthält Zustands-, Belastungs- und Maßnahmenindikatoren und ist mit den bestehenden Indikatorensystemen kompatibel. Die Indikatoren liegen bereits vor oder sind weitgehend entwickelt. Zusammenstellung und Auswertung erfolgen durch das Bundesamt für Naturschutz. Der erste Indikatorenbericht zur NBS wurde im November 2010 von der Bundesregierung beschlossen. Er enthält 19 Indikatoren, die ein breites Themenspektrum abdecken. Sie informieren in zusammenfassender Form über den Zustand und die Ent-wicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland, über Belastungen und Maßnahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt und sind Basis für eine verlässliche und transparente Erfolgskontrolle der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

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Wie wird die Erreichung der Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie überprüft?

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt wird nur dann Wirkung entfalten, wenn eine Erfolgskontrolle in regelmäßigen Abständen stattfindet. Deshalb wird die Bundesregierung einmal in jeder Legislaturperiode einen Bericht vorlegen, aus dem hervorgeht, wie weit man auf dem Weg zur Zielerreichung bereits fortgeschritten ist. Es ist selbstverständlich, dass die Berichterstattung so gestaltet wird, dass die Aussagekraft des Berichts in einem günstigen Verhältnis zum Aufwand der Berichtserstellung steht. Mit Indikatoren wird dabei eine zusammenfassende Erfolgskontrolle vorgenommen.

2010 wurde der erste Indikatorenbericht zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt vom Bundeskabinett beschlossen und veröffentlicht.

2013 wurde der erste Rechenschaftsbericht zur Nationalen Biodiversitätsstrategie, in dem auch die Indikatoren fortgeschrieben werden, vom Bundeskabinett verabschiedet.

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Was bedeutet "Aktionsfeld"?

Mit den konkreten Visionen wird eine Orientierung gegeben, in welche Richtung sich Schutz und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt mittel- und langfristig entwickeln sollen. Damit diese Vision Wirklichkeit wird, muss sie mit konkreten Maßnahmen ausgefüllt werden. Diese Maßnahmen werden in den Aktionsfeldern dargestellt. Die Nationale Biodiversitätsstrategie hat die derzeit prioritären Aktionsfelder in Anlehnung an die EU-Biodiversitätsstrategie ausgewählt und mit ausgewählten, zeitnah realisierbaren Maßnahmen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure ausgefüllt. Die Vielfalt der Maßnahmen bildet die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns aller Akteure ab. Eine Vollständigkeit der Maßnahmen und der Akteure war nicht angestrebt. Im Laufe der Zeit und bei Fortschreibung der Nationalen Biodiversitätsstrategie werden weitere Maßnahmen und Akteure hinzukommen.

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Was bedeutet "Konkrete Vision"?

Die Idee, konkrete Visionen zu entwickeln, ist der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie entnommen. Die Vision beschreibt einen fernen, zeitlich nicht näher definierten wünschbaren Zustand, als ob er bereits eingetreten wäre; dabei wird ein attraktives, leicht verständliches Bild entworfen, das möglichst ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Um diese Vision zu verwirklichen, werden Qualitätsziele formuliert, die den langfristig angestrebten Zustand beschreiben und an denen sich das politische und gesellschaftliche Handeln ausrichtet. Handlungsziele geben an, mit welchen Schritten diese Qualitätsziele angestrebt werden. Alle Ziele sind zukunftsorientiert und möglichst konkret, quantifiziert und mit einem Zeithorizont versehen, damit sie praktische Konsequenz entfalten können. Insgesamt werden in der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu 28 biodiversitätsrelevanten Themen Visionen und Ziele entwickelt.

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Welche besonderen Leistungen haben Bund und Länder zum Zeitpunkt des Beschlusses der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bereits erbracht, und warum waren weitere Anstrengungen notwendig?

Die Vorlage einer Nationalen Biodiversitätsstrategie in 2007 bedeutete nicht, dass Deutschland erst dann mit einer wirksamen Erhaltung der Biodiversität begonnen hätte. Im Gegenteil: Die oben genannten vielfältigen National- und Umsetzungsberichte zur CBD haben immer wieder darauf hingewiesen, dass in Deutschland bereits seit langem ein reichhaltiges rechtliches, institutionelles und organisatorisches Instrumentarium vorhanden ist, das sich sehr bewährt hat. Die Anstrengungen der Länder insbesondere zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und zum Aufbau des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sollen hier besonders hervorgehoben werden. Es ist zu erwarten, dass das Schutzgebietsnetz Natura 2000 den maßgeblichen Beitrag der Länder zur Erhaltung der biologischen Vielfalt Deutschlands leisten wird. Dies und viele konkrete Erfolge bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt zeigen, dass Deutschland auf dem richtigen Weg ist. Der weiterhin hohe Gefährdungsgrad vieler Arten und Biotope macht aber auch deutlich, dass es nicht ausreicht, beim Erreichten stehen zu bleiben und dass weitere Anstrengungen auf allen Ebenen und in Kooperation mit den Betroffenen erforderlich sind. Um diese möglichst konkret werden zu lassen, hat sich die Bundesregierung entschieden, in der Nationalen Biodiversitätsstrategie zukunftsorientierte Ziele zu formulieren.

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Wie ist die Nationale Biodiversitätsstrategie aufgebaut?

Im Kapitel "Ausgangslage" werden die Gründe für die Erhaltung der biologischen Vielfalt aus ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller sowie ethischer Sicht dargestellt, die globale und nationale Dimension der Gefährdung der biologischen Vielfalt beleuchtet und die bisherigen Anstrengungen und der Handlungsbedarf aufgezeigt. Im Kapitel "Konkrete Vision" werden zu den national bedeutsamen biodiversitätsrelevanten Themen Visionen, Qualitätsziele und Handlungsziele für die Zukunft entwickelt und erläutert. Im Kapitel "Aktionsfelder" werden die Handlungsziele durch Maßnahmen konkretisiert, die den verschiedenen staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren zugeordnet sind. Im Kapitel "Innovation und Beschäftigung" werden die Potenziale der biologischen Vielfalt für wirtschaftliche Entwicklung, Innovation und Arbeitsplätze dargestellt. Im Kapitel "Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit" werden die Zusammenhänge zwischen der biologischen Vielfalt und der Umsetzung der Millenium Development Goals aufgeführt. Im Kapitel "Umsetzung des Millenium Ecosystem Assessments in Deutschland" wird die Umsetzung des von den Vereinten Nationen in Auftrag gegebenen Millennium Ecosystems Assessments für Deutschland erläutert. Im Kapitel "Leuchtturmprojekte" werden konkrete Projekte dargestellt, die der Erhaltung der biologischen Vielfalt dienen und dabei in vorbildlicher Weise die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Das Kapitel "Monitoring und Indikatoren" greift die künftige regelmäßige Berichterstattung über die Erreichung der Ziele und das Indikatorenset auf. Im Kapitel "Anhang" werden unter anderem die Beschlüsse der verschiedenen Vertragsstaatenkonferenzen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt sowie die Inhalte der EU-Biodiversitätsstrategie und der EU-Aktionspläne den Abschnitten der vorliegenden Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zugeordnet.

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Welchen Beitrag leistet die Nationale Biodiversitätsstrategie Deutschlands zur Erhaltung der globalen Biodiversität?

Die deutsche Biodiversitätsstrategie zielt als nationale Strategie auf die Erhaltung und Nachhaltigkeit der Nutzung der biologischen Vielfalt in Deutschland. Deutschland stellt auf Grund seiner geographischen Lage nur einen vergleichsweise kleinen Teil der globalen Biodiversität; trotzdem gibt es auch in Deutschland eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten, die hier endemisch sind oder ihren weltweiten Verbreitungsschwerpunkt haben, und für deren Erhaltung Deutschland eine besondere Verantwortung hat. Insbesondere durch die internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen beeinflusst Deutschland aber auch die biologische Vielfalt außerhalb seiner Grenzen. Deshalb berücksichtigt die Strategie bewusst auch die Auswirkungen deutscher Aktivitäten auf die biologische Vielfalt weltweit.

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An wen richtet sich die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt?

Die Nationale Biodiversitätsstrategie wird von der Bundesregierung erstellt und herausgegeben und verpflichtet diese bei der Umsetzung in ganz besonderer Weise. Dies trifft im Hinblick auf erforderliche Aktivitäten insbesondere für die Themen einer nachhaltigen Naturnutzung zu, während die Länder gemäß der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern im Wesentlichen über den Naturschutz bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt betroffen sind. Ziel der Strategie ist es aber darüber hinaus, alle gesellschaftlichen Akteure anzusprechen und die gesellschaftlichen Kräfte zu mobilisieren und zu bündeln. Wegen der großen Komplexität der Aufgabe der Erhaltung der biologischen Vielfalt, der hohen Zahl betroffener Politikbereiche und der vielen involvierten staatlichen und nicht-staatlichen Akteure kann die anspruchsvolle Aufgabe nur gemeinsam bewältigt werden.

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Welche Bezüge zu internationalen, europäischen und nationalen Strategien, Programmen und Aktionsplänen hat die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt?

Auf internationaler Ebene berücksichtigt die Nationale Biodiversitätsstrategie die Beschlüsse der bisher 8 Vertragsstaatenkonferenzen der CBD und die biodiversitätsrelevanten Beschlüsse des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung von 2002. Auf europäischer Ebene berücksichtigt die Nationale Biodiversitätsstrategie die relevanten Beschlüsse der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie von 2001, die EU-Biodiversitätsstrategie von 1998 sowie die einschlägigen EU-Aktionspläne von 2001 und 2006, die Mitteilung der Kommission "Eindämmung des Verlustes der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 und darüber hinaus" von 2006. Auf nationaler Ebene berücksichtigt die Nationale Biodiversitätsstrategie die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (2002, 2004, 2005) sowie alle einschlägigen deutschen Sektorstrategien und Fachprogramme des Bundes. Beschlüsse der Bundesländer spielen insbesondere bei den Indikatoren der Nationalen Biodiversitätsstrategie eine Rolle.

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Welche internationalen, europäischen und nationalen Verpflichtungen waren ausschlaggebend für die Erarbeitung einer Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?

International ist Deutschland zur Vorlage einer Nationalen Biodiversitätsstrategie durch Artikel 6 der CBD verpflichtet (siehe oben) sowie durch zahlreiche Beschlüsse der bisher insgesamt 8 Vertragsstaatenkonferenzen, auf europäischer Ebene durch die EU-Biodiversitätsstrategie von 1998, national durch die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (Wegweiser Nachhaltigkeit, Kapitel C IV, 2005) und durch die Koalitionsvereinbarung der 16. Legislaturperiode der Bundesregierung von 2005 (siehe oben). Die Bundesregierung hat sich bei der Erarbeitung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt an den Empfehlungen des CBD-Sekretariats zur Erarbeitung solcher Strategien orientiert.

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Was bedeutet "Biologische Vielfalt" und warum brauchen wir sie?

Biologische Vielfalt oder Biodiversität ist letztlich alles das, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Arten von Tieren, höheren Pflanzen, Moosen, Flechten, Pilzen und Mikroorganismen sowie die innerartliche Vielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. Im Sinne des Übereinkommens über die biologische Vielfalt werden wildlebende Arten ebenso dazu gerechnet wie die Vielfalt von Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten.

Die Schätzungen des globalen Artenreichtums schwanken zwischen drei und 30 Millionen Arten, je nach gewählter Schätzmethode. Allgemein wird eine Gesamtzahl von 14 Millionen Arten angenommen. Beschrieben sind weltweit etwa 1,8 Millionen Arten, davon fällt der größte Anteil mit etwa eine Million Arten auf die Insekten. Die derzeitige Aussterberate übertrifft die vermutete natürliche Rate um das 100 bis 1000fache und ist durch menschliches Handeln bedingt.

Biologische Vielfalt ist die Grundlage einer langfristig gesicherten Existenz des menschlichen Lebens auf der Erde. Für ihre Erhaltung gibt es vielfältige ökologische, ökonomische, soziale, kulturelle und ethische Gründe: Eine intakte biologische Vielfalt kann sich besser an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen – eine wichtige Voraussetzung angesichts des weltweiten Klimawandels. Wirtschaftlich bedeutsame Naturleistungen sind beispielsweise die Selbstreinigungskraft von Gewässern, die Luftreinigung über die Filterleistungen von Bäumen und Sträuchern oder die natürliche Bodenfruchtbarkeit. Der aus der Nutzung genetischer Ressourcen ableitbare wirtschaftliche Vorteil zeichnet sich schon heute ab, steht aber erst am Anfang einer un-geheuren ökonomischen Entwicklung. Nicht zuletzt hängen schon heute viele bedeutsame Wirtschaftszweige und zahllose Arbeitsplätze in Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Tourismus, Gesundheitswesen direkt und indirekt von einer intakten und vielfältigen Naturausstattung ab. Aspekte des Naturerlebens, von Ästhetik, Bildung, Freizeitgestaltung, aber auch Heimatgefühl und Lebensqualität des Wohnumfelds sowie ethische Gründe sprechen ebenfalls für die dauerhafte Sicherung der biologischen Vielfalt.

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Warum hat die Bundesregierung eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt 2007 beschlossen?

1992 wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biodiversity, CBD) beschlossen. 1993 hat Deutschland das Übereinkommen ratifiziert. Inzwischen sind 193 Staaten weltweit der CBD beigetreten, 167 Staaten und die EU haben das Übereinkommen ratifiziert. Die CBD verpflichtet die Mitgliedsstaaten in Artikel 6, "…nationale Strategien, Pläne oder Programme zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt (zu) entwickeln oder zu diesem Zweck ihre bestehenden Strategien, Pläne und Programme an(zu)passen". Inzwischen haben über 90 Prozent der Vertragsstaaten eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt – oder etwas Vergleichbares gemäß Artikel 6 der CBD - an das Sekretariat des Übereinkommens über-mittelt.

Deutschland hat von Anfang an intensiv an der nationalen Ausfüllung der CBD gearbeitet und mehrere National- und Umsetzungsberichte erstellt, jedoch lange keine nationale Biodiversitätsstrategie beschlossen. Deshalb hat sich die Bundesregierung in der Koalitionsvereinbarung der 16. Legislaturperiode darauf verständigt, "mit einer nationalen Strategie den Schutz der Natur zu verbessern und mit einer naturverträglichen Nutzung zu kombinieren". Im November 2007 hat die Bundesregierung die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen.

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Naturschutz-Offensive

In welchem Verhältnis steht die Naturschutz-Offensive 2020 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?

Die Naturschutz-Offensive 2020 des Bundesumweltministeriums ist ein Handlungsprogramm zur Umsetzung von prioritären Zielen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung.

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Warum legt das Bundesumweltministerium die Naturschutz-Offensive 2020 vor?

Obwohl seit 2007 eine von der Bundesregierung beschlossene Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) mit anspruchsvollen Zielen vorliegt, zeigen die NBS-Indikatorenberichte, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Ziele zu erreichen.

Besonders deutlich ist das in der Normallandschaft zu beobachten, also außerhalb von Schutzgebieten des Naturschutzes. Der Druck, dem die biologische Vielfalt in der Normallandschaft ausgesetzt ist, ist zu hoch. Artenschutzmaßnahmen und zusätzliche Ausweisungen von Schutzgebieten können das nicht ausgleichen. Es muss an den Ursachen der bedenklichen Situation der biologischen Vielfalt in der Normallandschaft angesetzt werden, um Verbesserungen zu erreichen. Das ist das Ziel der Naturschutz-Offensive 2020.

Die Naturschutz-Offensive 2020 macht deutlich, in welchen Handlungsfeldern die größten Defizite bestehen und bis zum Jahr 2020 verstärkte Anstrengungen zur Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt von welchen Akteuren gefordert sind.

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Welche Handlungsfelder umfasst die Naturschutz-Offensive 2020?

Die Naturschutz-Offensive 2020 umfasst 10 prioritäre Handlungsfelder: Agrarlandschaften, Küsten und Meere, Auen, Wälder, Wildnis, Schutzgebiete und Biotopverbund, Stadtnatur und gesellschaftliches Bewusstsein, internationale Verantwortung, Naturwissen sowie Finanzierung. 

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Nach welchen Kriterien wurden die Handlungsfelder bestimmt?

Alle 330 Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wurden einem nachvollziehbaren und transparenten Verfahren einer Priorisierung unterworfen: Einschätzung von Status und Trend der Ziele in den zurück liegenden Jahren, Recherche der Ursachen für die Nichterreichung eines prioritären Ziels, Bedeutsamkeit eines prioritären Ziels für die Erfüllung internationaler und europäischer Ziele, Zusammenfassung zusammengehöriger prioritärer Ziele zu Handlungsfeldern. Die Fachinformation, die vom Bundesamt für Naturschutz flankierend zur Naturschutz-Offensive 2020 herausgegeben worden ist, enthält wissenschaftlich belegte Informationen zu Status, Trend und Gründen zu den prioritär eingestuften Zielen der NBS. 

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Wie viele Maßnahmen enthält die Naturschutz-Offensive 2020?

Die Naturschutz-Offensive 2020 enthält 40 Maßnahmen.

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An wen richtet sich die Naturschutz-Offensive 2020 und wer soll sie umsetzen?

Die Naturschutz-Offensive 2020 richtet sich an staatliche Akteure von Bund, Ländern und Kommunen ebenso wie an nicht-staatliche gesellschaftliche Akteure wie Natur- und Umweltschutzverbände, Naturnutzungsverbände, Wirtschafts- und Unternehmensverbände, Religionsgemeinschaften und Kirchen, Akteure aus Wissenschaft, Forschung, Bildung sowie Träger nicht-schulischer Bildung, u. a. m.

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Welche Rolle hat das Bundesumweltministerium bei der Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020?

Das Bundesumweltministerium wird bei eigener Zuständigkeit für Maßnahmen die notwendigen Schritte zur Realisierung umgehend einleiten.

Bei Zuständigkeit anderer Ministerien in der Bundesregierung wird das Bundesumweltministerium diesen Ressorts Vorschläge für konkrete Maßnahmen vorlegen und sich für entsprechende Entscheidungen einsetzen.

Bei Zuständigkeit anderer staatlichen Ebenen wie Länder und Kommunen wird das Bundesumweltministerium neue Initiativen in Gremien wie die Umwelt- oder Kultusministerkonferenz einbringen oder seine Förderprogramme für Modellprojekte nutzen.

Das Bundesumweltministerium wird alle Möglichkeiten nutzen, um die verantwortlichen Akteure und Entscheidungsträger zu einer Änderung ihrer Politiken zu drängen und zu bewegen, wenn deren Politiken die biologische Vielfalt beeinträchtigen. Dies schließt auch neue rechtliche Regelungen ein.

Das Bundesumweltministerium wird zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung stellen.

Das Bundesumweltministerium wird einen Follow up-Prozess zur Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 starten und in den Umsetzungs- und Dialog-Prozess der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt integrieren.

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Wie kann die Öffentlichkeit etwas über die Umsetzung der Naturschutz-Offensive erfahren?

Die Internetplattform www.biologischevielfalt.de ist die zentrale Informationsdrehscheibe zum Umsetzungs- und Dialog-Prozess der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Dort werden auch die Informationen über Aktivitäten zur Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 nachzulesen sein.

Im nächsten Rechenschaftsbericht zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, der in der 18. Legislaturperiode zum zweiten Mal vorgelegt und voraussichtlich Anfang 2017 veröffentlicht wird, wird auch auf die Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 eingegangen werden. Dies gilt auch für den dritten NBS-Rechenschaftsbericht, der in der 19. Legislaturperiode und voraussichtlich 2020 vorgelegt wird. 

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Biologische Vielfalt

Was bedeutet biologische Vielfalt?

Die biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche: die Vielfalt der Arten und Lebensräume sowie die genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Pflanzen- und Tierarten. Diese drei Aspekte hängen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.

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Wie viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gibt es? Sind alle schon erforscht und bekannt?

Nach derzeitiger Schätzung könnte es zwischen 10 und 100 Millionen Arten auf der Erde geben, Experten gehen von circa 15 Millionen Arten aus, von denen aber bislang nur etwa 1,8 Millionen bekannt und wissenschaftlich beschrieben sind. Mehr als die Hälfte davon sind Insekten, die wiederum fast dreimal so viele Arten umfassen wie die Pflanzen.

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In welchen Ländern ist die Artenvielfalt am höchsten?

Die größte Artendichte findet sich in so genannten "Hot Spots". Diese 25 artenreichsten Gebiete der Erde - meist in den Tropen oder Subtropen gelegen - machen gerade einmal 1,4 Prozent der Erdoberfläche aus. Aber in ihnen existieren 44 Prozent aller Pflanzen und ein Drittel aller Wirbeltierarten. Im Vergleich dazu ist Deutschland ein relativ artenarmes Land: So gibt es hier zum Beispiel lediglich 3.062 Gefäßpflanzenarten. Das pflanzenreichste, aber gegenüber Deutschland auch sehr viel größere Land ist Brasilien mit 56.000 Arten, gefolgt von Kolumbien mit 51.000 und China mit 32.000 Arten.

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Wodurch ist die biologische Vielfalt gefährdet?

Für den Rückgang der Artenvielfalt ist vor allem der Mensch verantwortlich. Gründe gibt es viele: Der Raubbau an der Natur lässt aus Wäldern Agrarsteppen entstehen, und Flussauen machen für Siedlungen Platz. Vom Menschen eingeschleppte Arten verdrängen die einheimische Flora und Fauna. Und auch der Klimawandel beeinträchtigt Lebensgemeinschaften, etwa weil weniger Niederschläge fallen.

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Hat der Klimawandel etwas mit dem Thema Biodiversität zu tun?

Ja, klimatische Veränderungen wirken sich auf Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume aus. So kann durch die dünnere Ozonschicht mehr ultraviolette Strahlung auf die Erde gelangen. Und das kann Organismen schädigen. Auch ein Temperaturanstieg schon um wenige Grad könnte für zahlreiche Pflanzen und Tiere den Tod bedeuten. Und wenn beispielsweise einzelne Arten aus einem Lebensraum verschwinden, gerät dieser möglicherweise aus dem Gleichgewicht - und noch mehr Arten wären gefährdet.

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Woran zeigt sich, dass biologische Vielfalt verlorengeht?

Derzeit sind etwa 15.500 Arten vom Aussterben bedroht. Tiere wie der chinesische Flussdelfin, der Pyrenäen-Steinbock oder der Java-Tiger sind für immer verschwunden. Ein Viertel aller Meeresfischbestände sind gefährdet. Karibische Korallenriffe sind bereits jetzt zu 80 Prozent zerstört (TEEB - The Economics of Biodiversity and Ecosystems 2008). Und durch die Überfischung der Weltmeere könnte schon ab 2050 keine kommerzielle Fischerei mehr möglich sein. Aber auch an Land sind die Verluste deutlich: 13 Millionen Hektar Wald werden jährlich vernichtet. Und die intensive Landwirtschaft führt dazu, dass wertvolle Sorten von Nutzpflanzen verlorengehen.

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Geht das Artensterben immer so weiter?

Momentan ist die Rate des weltweiten Artensterbens hundert- bis tausendfach so hoch wie die natürliche Aussterberate. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat eine Rote Liste der bedrohten Arten erstellt. Demnach sind rund 15.500 Arten weltweit vom Aussterben bedroht. Darunter 23 Prozent aller Säugetiere, zwölf Prozent der Vögel und 31 Prozent der Amphibien.

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Warum muss biologische Vielfalt erhalten bleiben? Reicht es nicht aus, wenn die Stärksten überleben?

Vielfalt ist das wichtigste Überlebensprinzip in der Natur. Nur bei einer großen genetischen Bandbreite innerhalb einer Art besteht die Chance, dass Organismen vorhanden sind, die sich an neue Bedingungen anpassen können. Andernfalls ist das Risiko hoch, dass sie ausstirbt.

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Wie wirkt sich der Verlust von Arten auf unser Leben aus?

Der Verlust biologischer Vielfalt kann unser Leben gefährden. Denn die Vielfalt der Natur ist die Grundlage unser aller Leben und der globalen wirtschaftlichen Entwicklung. So können Pflanzen, die wie Reis ein Grundnahrungsmittel sind, durch Ungeziefer oder eine Krankheit bedroht sein. Dafür gibt es zahlreiche historische Beispiele, etwa die Kartoffelfäule in Irland im 19. Jahrhundert. Wie groß die Bedrohung ist, erfahren derzeit die USA. Dort sterben nach und nach die Bienenvölker. Bienen bestäuben mehr als 90 Obst- und Gemüsesorten. Sollten sie aussterben oder ihr Bestand sich extrem verringern, wäre die Lebensmittelversorgung der Menschen in Gefahr.

Die Vielfalt der Natur ist aber auch Vorbild für technische Innovationen und trägt zum Klimaschutz bei. 40 Prozent des weltweiten Handelsvolumens bauen darauf auf, die natürlichen Lebensgrundlagen zu nutzen, 10.000 bis 20.000 Pflanzenarten werden weltweit für Arzneien verwendet. Und Leistungen der Wälder wie sauberes Wasser und der Schutz des Klimas sichern den Lebensunterhalt von etwa 600 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern.

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Insektenschutz

Warum sind Insekten besonders wichtig?

Insekten sind wichtige Bausteine der Nahrungskette, da sie Nahrungsgrundlage für eine ganze Reihe von Arten sind. Dazu zählen viele Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere (zum Beispiel Fledermäuse, Spitzmäuse, Igel, Dachs), aber auch andere Insekten. Räuberische Insekten ernähren sich von anderen Insekten, die zum Teil als landwirtschaftliche Schädlinge gelten, sie sind daher für den Menschen auch wirtschaftlich interessant.

Ein weiteres Beispiel, warum Insekten für den Menschen besonders wichtig ist, ist die Bestäubung. Neben Wildbienen bestäuben auch viele Schwebfliegen, Schmetterlingsarten, Fliegen, Käfer und Wespen Pflanzen. Unter den Zweiflüglern gibt es über 70 Familien mit Bestäubern. Die Insekten-Bestäubung der Pflanzen ist essentiell für den Erhalt der Wildpflanzen und damit auch eine Grundlage für die biologische Vielfalt insgesamt. Aber auch für die Ernte von Nutzpflanzen ist die Bestäubung essentiell. In Deutschland wären beim Ausfall der Bestäubungsleistungen insbesondere der Obst- und Gemüseanbau, aber auch großflächig angebaute Ackerkulturpflanzen, wie Raps, Sonnenblumen oder Ackerbohnen, betroffen.

Bodeninsekten spielen außerdem beim Abbau der organischen Substanz sowie als Gestalter des Bodens eine wichtige Rolle. Ohne die von Insekten bestimmten Zersetzungsprozesse wird Pflanzenmaterial wesentlich langsamer abgebaut und Nährstoffe werden langsamer wieder verfügbar gemacht.

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Was sind Insekten?

Insekten sind die artenreichste Gruppe aller Lebewesen. Sie haben (anders als Spinnen) sechs Beine und einen eingekerbten Körper. Zu den Insekten zählen unter anderem Bienen, Hummeln, Käfer, Schmetterlinge, Libellen, Heuschrecken, Ameisen, Zikaden und Fliegen. In Deutschland sind etwa 48.000 Tierarten nachgewiesen, davon über 33.000 Insektenarten. Insekten machen demnach circa 70 Prozent aller Tierarten in Deutschland aus. Unter der Gruppe der Insekten sind zahlreiche Arten und Artengruppen zu finden, die in unseren Ökosystemen eine wichtige Rolle spielen. Insekten sind als Nahrungsgrundlage für andere Insekten und weitere Tiergruppen wie Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien oder Fische ein elementarer Teil des Nahrungsnetzes. Der Verlust an Insekten, sowohl was die Arten selbst als auch die Populationsgrößen innerhalb der Arten anbelangt, hat aber auch weitere unmittelbare Auswirkungen auf die menschliche Umwelt (auf die Bestäubung von Pflanzen, die Erhaltung der biologischen Vielfalt, für den Abbau organischer Masse, die biologische Kontrolle von Schadorganismen, die Gewässerreinigung oder die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit) und damit auch auf die Menschen.

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Wirtschaftliche Konsequenzen des Insektensterbens

Der Rückgang der Gesamtmenge der Insekten und der Artenvielfalt bei den Insekten hat auch wirtschaftliche Konsequenzen. Die Wissenschaftler des Nationalen Institutes für Agrarforschung (INRA) und des Zentrums für Wissenschaftliche Forschung (CNRS) aus Frankreich sowie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) veröffentlichten im Jahr 2008 eine Schätzung zu Schäden, die durch das Fehlen von bestäubenden Insekten entstehen würden, auf 190 bis 310 Milliarden Euro pro Jahr. Die Forscher berichteten über die ökonomische Verwundbarkeit der Weltagrarproduktion durch den Rückgang von Bestäubern in einer Ausgabe der Fachzeitschrift "Ecological Economics". Andere Zahlen sprechen von 153 Milliarden Euro (Gallai et al, 2008) – das entspricht 9,5 Prozent des ökonomischen Werts der gesamten Landwirtschaft weltweit. Allein in Deutschland wird der volkswirtschaftliche Nutzen durch Bestäubungsdienstleistungen auf 1,13 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt (Leonhardt et al. 2013).

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Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes

Warum ist der Schutz von Hecken wichtig und wie unterstützt die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes ihren Schutz?

Hecken und andere Gehölze sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere, beispielsweise für Vögel. Deswegen ist es schon bisher verboten, sie zwischen dem 1. März und dem 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes stellt klar, dass zu den verbotenen Handlungen auch das Ausreißen oder komplette Entfernen der Hecke fällt.

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Wie verbessert die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes den Schutz von Höhlen und Stollen?

Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes erklärt Höhlen und Stollen zu sogenannten "geschützten Biotopen". Das bedeutet, dass es von nun an grundsätzlich verboten ist, sie zu zerstören oder erheblich zu beeinträchtigen. Auf diese Weise wird die Lebensgrundlage der Tierarten geschützt, die für ihren Fortbestand auf Höhlen und Stollen als Lebensraum angewiesen sind.

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Warum ist der Schutz von Höhlen und Stollen wichtig?

Höhlen und stillgelegte Stollen sind ein wichtiger und einzigartiger Lebensraum für eine ganze Reihe von Tieren. Zum Beispiel haben sich viele Fledermäuse, Schmetterlinge, Spinnen und Insekten an die speziellen Lebensbedingungen in Höhlen angepasst. Einige von ihnen kommen nur dort vor, andere nutzen Höhlen, weil sie dort optimale Lebensbedingungen zu bestimmten Jahres- oder Tageszeiten finden.

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Was ändert sich beim Meeresschutz?

Die bisherigen Regelungen im Meeresnaturschutz, beispielsweise die Anwendung der FFH-Richtlinie oder der Eingriffsregelung, bleiben erhalten. Neu ist die Möglichkeit, weitere gefährdete Arten unter Schutz zu stellen.

Die europäische Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-RL) stellt eine begrenzte Anzahl der in Nord- und Ostsee lebenden marinen Arten unter Schutz, darunter zum Beispiel den Schweinswal, die Kegelrobbe und die Finte. § 57 des Bundesnaturschutzgesetzes in seiner neuen Fassung dient dazu, einen ausreichenden Schutz auch für weitere marine Arten der Nord- und Ostsee zu ermöglichen und somit einen Beitrag zu dem laut europäischer Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) vorgesehenen guten Umweltzustand der Meere zu leisten. Dies folgt aus den zwischen Bund und Ländern abgestimmten Maßnahmen im Zuge der MSRL, die eine solche Unterschutzstellung durch Rechtsverordnungen nach eingehender Prüfung vorsehen.

Außerdem besteht nun durch den neuen Paragraf 56a BNatSchG die Möglichkeit, Kompensationsmaßnahmen zu bevorraten. Ein Vorhabenträger muss bereits jetzt nach geltendem Recht Maßnahmen, die zu erheblichen Beeinträchtigungen der Natur und Landschaft führen, ausgleichen beziehungsweise kompensieren. Dies kann beispielsweise beim Verlegen von Seekabeln relevant sein.

Durch den neuen Paragraf 56a wird es nun möglich, eine zeitliche und personelle Entkoppelung von Eingriff und Kompensation zu schaffen. Die dadurch entstehende Bevorratung führt zu einer Flexibilisierung der Eingriffsregelung. So ermöglicht die Bevorratung die Möglichkeit zur freiwilligen Bevorratung bzw. zum An- und Verkauf von Kompensationsmaßnahmen. Über die Handelbarkeit von Maßnahmen und die Übertragbarkeit der Verantwortung erhalten die Unternehmen eine wirtschaftlich effiziente Möglichkeit der Auslagerung (Outsourcing) an eine vom Bundesamt für Naturschutz anerkannte juristische Person, die berechtigt ist, die Kompensationspflichten zu übernehmen.

Bei Maßnahmen an Land besteht diese Möglichkeit einer Bevorratung bereits jetzt. Um diese Lücke in Anlehnung an bewährtes Landesrecht zu schließen und einen hinreichend konkreten gesetzlichen Rahmen für vorgezogene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auch in der AWZ zu schaffen wurde der neue Paragraf 56a geschaffen. Dieser ersetzt also keine für Handlungen in der AWZ allgemein erforderlichen Zulassungen und schafft auch kein neues Zulassungserfordernis.

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Wird mit dem Gesetzentwurf die Windkraft zulasten des Artenschutzes privilegiert?

Nein, die Windkraft wird nicht privilegiert. Die Novelle sieht keinerlei Sonderregelung für die Windkraft vor. Die Gesetzesbegründung stellt lediglich klar, dass die artenschutzrechtliche Ausnahmeregelung auch für Vorhaben privater Träger in Betracht kommt, wenn und soweit die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Die Nennung des Ausbaus der "Erneuerbaren Energien" ist dabei rein exemplarischer Natur. Sie begründet keinen neuen Ausnahmegrund und führt auch nicht zu einer Privilegierung der Windkraft. Für diese gelten die gleichen gesetzlichen Voraussetzungen wie für alle anderen Vorhaben. Eine Energiewende zulasten des Artenschutzes findet daher nicht statt.

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Warum wird der Paragraf zum Artenschutzrecht neu formuliert?

Wir haben die etablierte und allgemein anerkannte Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in das Gesetz aufgenommen. Das bedeutet: Mit dem Gesetzentwurf ändert sich an der Rechtslage nichts. Dabei wird insbesondere die langjährige und eingeführte sogenannte Signifikanzrechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aufgegriffen. Danach liegt ein Verstoß gegen das Tötungs- und Verletzungsverbot nur vor, wenn die Durchführung eines Vorhabens zu einer signifikanten Erhöhung des allgemeinen Lebensrisikos für Exemplare der betroffenen Art führt.

Es kann nie verhindert werden, dass ein einzelner Vogel in ein Windrad, gegen eine Fensterscheibe, in eine Stromleitung oder ein Fahrzeug fliegt. Das Gericht sagt daher nicht: Der einzelne Käfer steht über dem Projekt. Sondern es darf kein deutlich steigendes Risiko geben, dass Tiere zu Schaden kommen. Diese Einschränkung des Tötungs- und Verletzungsverbotes dient nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Sie soll sicherstellen, dass ein unvermeidbarer Verlust einzelner Tiere durch ein Vorhaben nicht automatisch und immer zu einem Verstoß gegen das artenschutzrechtliche Verbot führt.

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Nationales Naturerbe

Wie werden die Flächen vor Ort betreut?

Die Betreuung der Flächen des Nationalen Naturerbes ist unterschiedlich organisiert. Auf den meisten ehemaligen Militärflächen und auf den Flächen an der früheren innerdeutschen Grenze ist weiterhin der Bundesforst tätig – im Auftrag der (neuen) Flächeneigentümer des Nationalen Naturerbes. Die Bundesförster sind in der Regel die örtlichen Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger. In Einzelfällen ist auch der Flächeneigentümer selbst der direkte Ansprechpartner. Dies gilt vor allem für Flächen, die an die Länder-Naturschutzstiftungen und an Naturschutzorganisationen übertragen wurden. Für ausgewählte Flächen des Nationalen Naturerbes haben örtliche Naturschutzgruppen auch Patenschaften übernommen – und setzten sich gemeinsam mit dem Flächeneigentümer für die Pflege der Fläche ein beziehungsweise bieten entsprechende Wanderungen und Exkursionen an.

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Ist das Nationale Naturerbe für die Öffentlichkeit zugänglich?

Alle Flächeneigentümer im Nationalen Naturerbe bemühen sich, die Flächen für Interessierte zu öffnen und zugleich sensible Bereiche vor Störungen zu bewahren. Hierzu werden Rundwege und Aussichtsplattformen auf vielen Naturerbe-Flächen errichtet. Größere Besucher-Einrichtungen sind derzeit auf den von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt betreuten Naturerbe-Flächen in Prora/Rügen (Besucherinformationszentrum mit Baumwipfelpfad) und in der Wahner Heide bei Köln (vier Besucher-Informationsstellen) zu finden.

Auf vielen Flächen des Nationalen Naturerbes bieten die Flächeneigentümer auch geführte Wanderungen und Exkursionen an. Andererseits dürfen viele Teilbereiche des Nationalen Naturerbes aufgrund der Gefahren aus der militärischen oder bergbaulichen Vornutzung aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Auch zum Schutz seltener Arten kann es notwendig sein, ausgewählte Flächen für Besucher zu sperren – beispielsweise die Sandstrände der Naturerbe-Flächen an der Ostsee. Entsprechende Sperrschilder sind deshalb unbedingt zu beachten.

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Was unterscheidet das Nationale Naturerbe von anderen Schutzgebieten?

Das Nationale Naturerbe ist kein neuer Typ eines Naturschutzgebietes. Es ist vielmehr die Bezeichnung für eine Initiative des Bundes, auf die Privatisierung von für den Naturschutz bedeutsamen Flächen im Bundeseigentum zu verzichten und diese Gebiete in die Hände des Naturschutzes zu geben.

Viele der im Nationalen Naturerbe gesicherten Gebiete liegen allerdings zu großen Teilen in Schutzgebieten – beispielsweise in Nationalparken, Biosphärenreservaten, Natura-2000-Gebieten (europäisches Schutzgebiet) oder in Naturschutzgebieten. Flächen des Nationalen Naturerbes haben also in der Regel einen sehr hohen Naturschutzwert und sind unbedingt schützenswert. Dort, wo die Flächen des Nationalen Naturerbes bisher noch keinen Schutzstatus haben, soll dies nachgeholt werden. Ziel ist es, dass mittelfristig alle größeren Naturerbe-Flächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden.

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Wie werden die Flächen des Nationalen Naturerbes für den Naturschutz gesichert?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes sind in großen Teilen bereits als Schutzgebiet ausgewiesen – als Nationalpark, Biosphärenreservat oder als Naturschutzgebiet. Darüber hinaus haben sich die Flächeneigentümer des Nationalen Naturerbes gegenüber dem Bund vertraglich zur Einhaltung strenger Naturschutzvorgaben verpflichtet. Bestandteil der Übertragungsvereinbarungen zu den Flächen des Nationalen Naturerbes ist ein umfassender Katalog von Auflagen und Vorgaben zur zukünftigen Betreuung der Flächen. Pachtverträge müssen so umgestaltet werden, dass zukünftig allein der Naturschutz im Vordergrund steht.

Die Bundesregierung hat – vertreten durch das Bundesamt für Naturschutz – jederzeit die Möglichkeit, die Einhaltung der Auflagen zu überprüfen. Viele Entscheidungen zur zukünftigen Entwicklung der jeweiligen Fläche müssen von den Flächeneigentümern auch mit dem Bundesumweltministerium beziehungweise dem Bundesamt für Naturschutz einvernehmlich abgestimmt werden. Naturschutzorganisationen sichern die Ziele für ihre Naturerbe-Flächen zudem über einen Grundbucheintrag ab.

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Wird auf den Flächen des Nationalen Naturerbes noch gejagt?

Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes kann auch weiterhin gejagt werden. In vielen Fällen ist dies erforderlich, um (Wild-)Schäden von den benachbarten Flächen abzuwenden oder das Aufkommen der für das Gebiet typischen Baumarten zu ermöglichen. Allerdings muss sich die Jagd den Naturschutzzielen klar unterordnen. Für jede größere Fläche des Nationalen Naturerbes wird vom Flächeneigentümer auch ein Konzept zum Wildtiermanagement entwickelt. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes wird ausschließlich mit bleifreier Munition gejagt.

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Wer bezahlt die Naturschutzmaßnahmen auf den Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Empfänger der Flächen des Nationalen Naturerbes haben sich gegenüber dem Bund vertraglich verpflichtet, alle Folgekosten für Betreuung und Naturschutz selbst zu zahlen. Die Kosten für die Betreuung der Flächen und die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen liegen in der Regel deutlich über den eventuellen Einnahmen aus dem Verkauf von Holz aus dem Waldumbau beziehungsweise den Pachterträgen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellt für die Betreuung ihrer Naturerbe-Flächen jährlich fünf Millionen Euro in den Haushalt ein. Für die vom Bundesumweltministerium betreuten Flächen des Nationalen Naturerbes sind im Bundeshaushalt pro Jahr vier Millionen Euro eingeplant.

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Welche Kosten fallen für die Pflege und Betreuung der Flächen des Nationalen Naturerbes an?

Die Betreuung und Entwicklung der Flächen des Nationalen Naturerbes ist mit zum Teil hohen Kosten verbunden. Selbst die nicht mehr genutzten Wälder des Nationalen Naturerbes erfordern finanzielle Aufwendungen – beispielsweise für die Verkehrssicherung und die Besucherlenkung. Auch Steuern und Abgaben müssen bezahlt werden. Besonders hohe Kosten fallen für die Erhaltung der wertvollen Wiesen, Magerrasen und Heiden an. Die für die Erhaltung dieser Offenlandschaften erforderlichen extensiven Nutzungen (Mahd, Beweidung) müssen in der Regel bezuschusst werden.

Hinzu kommen Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit und die Flächenverwaltung. Bei den im Nationalen Naturerbe übertragenen Militärflächen und den Gebieten an der ehemaligen innerdeutschen Grenze muss der Flächenempfänger außerdem noch das auf der Fläche zum Zeitpunkt der Flächenübertragung arbeitende Personal des Bundesforstes bis zum Renteneintritt finanzieren. Hierfür wird jeweils zwischen Flächenempfänger und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ein Dienstleistungsvertrag abgeschlossen. Auf ehemaligen Militärflächen sind häufig Kampfmittelreste und Altlasten zu finden. Die Flächenempfänger tragen hierfür einen großen Teil der Risiken und müssen gegebenenfalls Aufwendungen zur Beseitigung solcher Reste einrechnen.

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Warum wird auf den Flächen des Nationalen Naturerbes noch Forstwirtschaft und Landwirtschaft betrieben?

In den Offenlandbereichen - also den nicht bewaldeten Flächen - des Nationalen Naturerbes ist eine naturnahe landwirtschaftliche Nutzung oft die Voraussetzung dafür, den Lebensraum überhaupt zu erhalten. Die meisten Offenlandflächen im Nationalen Naturerbe wie zum Beispiel Wiesen, Magerrasen und Heiden sollen langfristig erhalten bleiben. Sie müssen gemäht oder beweidet werden, sonst wachsen sie mit Gebüschen zu und entwickeln sich langsam zu Wald. Landwirtschaft auf den Naturerbeflächen unterscheidet sich jedoch deutlich von der üblichen landwirtschaftlichen Nutzung. Das vorrangige Ziel ist es, für möglichst vielfältige, artenreiche Lebensräume auf den Flächen zu sorgen. Darauf zielen alle Bewirtschaftungsmaßnahmen ab. Viele Naturerbe-Flächen werden auch extensiv beweidet, zum Beispiel mit Wasserbüffeln, Wildpferden, robusten Rinderrassen, Schafen und Ziegen.

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Wird auf den Flächen noch Forstwirtschaft und Landwirtschaft betrieben?

In den Wäldern des Nationalen Naturerbes findet keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt. In heute bereits naturnahen Naturerbe-Wäldern wird schon jetzt kein Baum mehr gefällt. In naturfernen Wäldern ist eine übergangsweise Holznutzung erlaubt – allerdings nur im Rahmen eines schrittweisen Waldumbaus, um die Wälder naturnäher zu gestalten. Dabei können beispielsweise für das Gebiet untypische Baumarten entfernt werden, um so dort natürlicherweise vorkommenden Bäumen mehr Raum zum Wachsen zu schaffen. Ist der Waldumbau abgeschlossen, wird auch in diesen Wäldern dauerhaft die Säge ruhen und die Natur sich selbst überlassen bleiben. Wenn also in den Wäldern des Nationalen Naturerbes noch Holz eingeschlagen wird, dient dies nicht der Erwirtschaftung eines Gewinns, sondern vor allem der Erhöhung der Naturnähe der Wälder.

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Wie trägt das Nationale Naturerbe zur biologischen Vielfalt bei?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes weisen eine außergewöhnlich hohe Arten- und Lebensraumvielfalt auf. Aufgrund der früheren besonderen Nutzung als militärisches Übungsgebiet oder der Lage in Naturschutzgebieten sind viele Naturerbe-Flächen wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Mit ihrer teilweise enormen Ausdehnung sowie dem Fehlen von Siedlungen und Verkehrswegen bieten die Gebiete die Chance, Natur- und Artenschutz großräumig und ohne Konflikte mit konkurrierenden (wirtschaftlichen) Nutzungen umzusetzen. Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind einzig der Natur gewidmet.

Alle Wälder im Nationalen Naturerbe sollen sich zukünftig so wenig vom Menschen beeinflusst wie möglich entwickeln. Wenn Bäume alt werden dürfen und nicht eingeschlagen werden, sind sie reichhaltiger Lebensraum für speziell angepasste Käfer, Flechten und Pilze. Die Bundesregierung strebt an, bis zum Jahr 2020 insgesamt 5 Prozent der deutschen Waldfläche beziehungsweise 10 Prozent des Waldes im Eigentum der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Kommunen) dauerhaft aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Die Wälder des Nationalen Naturerbes sind hierfür ein wesentlicher Baustein. Große Naturschutzflächen bieten außerdem Lebensraum für Wildkatze, Luchs und Wolf. Mit der Sicherung eines beträchtlichen Teils bundeseigener (Wald-)Flächen für das Nationale Naturerbe hat der Bund dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Viele Magerrasen und Heideflächen weisen eine besonders hohe Artenvielfalt an Vögeln, Schmetterlingen und Insekten auf. Diese früher häufigen Lebensräume sind durch die Intensivierung der Landwirtschaft deutschlandweit stark gefährdet. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes sind sie dagegen noch oft zu finden. Da hier die Ziele des Naturschutzes Vorrang haben, können diese artenreichen Lebensräume durch eine naturnahe Nutzung langfristig erhalten werden.

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Was sind die Naturschutzziele für die Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sollen für nachfolgende Generationen als Orte der biologischen Vielfalt erhalten werden. Hierzu müssen auf den Flächen strenge Naturschutzstandards eingehalten und umgesetzt werden. So ist festgeschrieben, dass in allen Wäldern des Nationalen Naturerbes keine forstliche Nutzung mehr stattfindet. Dort, wo die Wälder bereits naturnah sind, ruht sofort die Säge. In naturfernen Wäldern können in einem befristeten Übergangszeitraum noch naturschonende waldbauliche Maßnahmen zur Erhöhung der Naturnähe umgesetzt werden. Heidelandschaften, Magerrasen und andere Offenland-Ökosysteme sind langfristig durch eine gezielte Pflege zu erhalten. Moore, Gewässer und Auen werden sich selbst überlassen oder naturnäher gestaltet. Mittelfristig sollen alle größeren Flächen des Nationalen Naturerbes als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden – sofern sie nicht schon jetzt unter Schutz stehen.

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Wer bestimmt, was auf den Flächen passiert?

Ein Großteil der Naturerbe-Flächen wurde und wird an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Länder oder von diesen benannte Naturschutzorganisationen übertragen. Als neue Flächeneigentümer bestimmen sie die zukünftige Entwicklung der Flächen. Sie müssen dabei allerdings strenge Vorgaben des Bundes einhalten. Denn der Bund hat die (unentgeltliche) Übertragung der Flächen an konkrete Bedingungen geknüpft. So sollen beispielsweise nahezu alle Wälder des Nationalen Naturerbes nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Bestehende Pachtverträge dürfen nicht mehr verlängert werden oder sind unter den Maßgaben des Naturschutzes neu abzuschließen. Auch die Jagd muss sich an strengen Naturschutzstandards orientieren. Für jede Fläche muss der neue Eigentümer seine Naturschutzziele in Form eines Leitbildes mit dem Bundesamt für Naturschutz einvernehmlich abstimmen. Die geplanten Aktivitäten auf der Fläche müssen in einem Pflege- und Entwicklungsplan aufgelistet werden. So wird sichergestellt, dass die Flächen tatsächlich langfristig dem Naturschutz dienen.

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Wer ist Eigentümer der Flächen des Nationalen Naturerbes?

Für die Flächen des Nationalen Naturerbes (rund 156.000 Hektar) verzichtet der Bund als bisheriger Eigentümer auf eine Privatisierung. Die Flächen werden stattdessen unentgeltlich, aber unter strengen Naturschutzauflagen an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (circa 70.000 Hektar), die Länder (circa 30.000 Hektar) oder von diesen benannte Naturschutzorganisationen (circa 26.000 Hektar) übertragen.

Etliche Naturerbe-Flächen verbleiben aber auch dauerhaft im Bundeseigentum (circa 30.000 Hektar) und werden von den Bundesforsten im Auftrag des Bundesumweltministeriums betreut. Die neuen Eigentümer der Flächen des Nationalen Naturerbes müssen – vertraglich verpflichtet – für alle Folgekosten aufkommen und zugleich den naturschutzfachlichen Wert der Flächen langfristig erhalten.

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Wie wurden die Flächen ausgewählt?

Dem Bund gehören weit mehr Flächen als die insgesamt 156.000 Hektar, die inzwischen als Nationales Naturerbe dem Naturschutz gewidmet sind. Daher war es wichtig, eine sinnvolle Auswahl zu treffen, um die aus Naturschutzsicht wertvollsten Bundesflächen langfristig zu schützen. Zu diesem Zweck hat das Bundesamt für Naturschutz gemeinsam mit den Ländern und den Naturschutzorganisationen einen Kriterienkatalog entwickelt. Es wurden Bundesflächen ausgewählt

  • im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze (Grünes Band),
  • in Nationalparken,
  • in Kerngebieten der Naturschutzgroßprojekte des Bundes,
  • in Kernzonen beziehungsweise Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten von Biosphärenreservaten,
  • ehemalige militärische Flächen mit einer Größe von mehr als 1.000 Hektar Größe beziehungsweise kleineren Militärflächen mit mehr als 20 Prozent ausgewiesener Schutzgebiete (Naturschutzgebiete, Natura 2000-Gebiete),
  • in Bergbaufolgelandschaften mit einer Größe von mehr als 100 Hektar,
  • in Naturschutzgebieten größer 50 Hektar,
  • in Natura-2000-Gebieten (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete, Europäische Vogelschutzgebiete),
  • in Gebieten, die bedeutsam für den bundes- und landesweiten Biotopverbund und/oder bedeutsam für den Artenschutz sind.

Bei der endgültigen Auswahl der Flächen wurden neben den Flächengebern – die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Treuhand-Nachfolgegesellschaft BVVG und die Bergbausanierungsgesellschaft LMBV – auch die Länder und die Naturschutzorganisationen mit einbezogen. Die ausgewählten Flächen im Gesamtumfang von rund 156.000 Hektar wurden und werden in drei Tranchen (erste Tranche: 100.000 Hektar, zweite Tranche: 25.000 Hektar, dritte Tranche: 31.000 Hektar) an die neuen Flächeneigentümer übertragen. Die entsprechenden Beschlüsse zur endgültigen Auswahl der Flächen fällte jeweils der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages.

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Wie ist die Initiative des Nationalen Naturerbes entstanden?

Viele wertvolle Naturschutzflächen in Deutschland befanden und befinden sich im Bundeseigentum. Dies ist unter anderem eine Folge der deutschen Wiedervereinigung. Der Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin der DDR fiel gleichsam über Nacht ein umfangreiches Flächeneigentum zu – nicht mehr genutzte Militärliegenschaften, Flächen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und aus dem DDR-Volksvermögen sowie ehemalige Braunkohletagbaue. Aber auch im Westteil Deutschlands wurden viele Manövergelände des Militärs nicht mehr benötigt.

Die Bundesregierung hat aufgrund gesetzlicher Vorschriften alle Flächen zu privatisieren, die nicht mehr für Bundesaufgaben benötigt werden. Infolgedessen wurden in den 1990er Jahren viele wertvolle Naturschutzflächen verkauft. Naturschutzorganisationen wandten sich gegen die Privatisierung und belegten mit wissenschaftlichen Studien den Wert der Flächen. 2005 wurde die Sicherung naturschutzfachlich wertvoller Bundesflächen unter dem Begriff "Nationales Naturerbe" erstmals in die Koalitionsvereinbarung der regierenden Parteien aufgenommen und in den nachfolgenden zwei Legislaturperioden fortgesetzt. Mit dem Nationalen Naturerbe bekennt sich der Bund zu seiner Mitverantwortung und Vorbildfunktion in Fragen des Naturschutzes.

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Was ist das Besondere an den Naturerbe-Flächen?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes wurden bis zur Wiedervereinigung – in Teilen sogar noch bis vor einigen Jahren – unterschiedlich genutzt. Als Manövergelände des Militärs, zur Gewinnung von Braunkohle oder als Wald, Acker und Grünlandflächen. Trotz der in Teilen sehr intensiven Nutzung entstanden hier wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Denn dort, wo das Militär übte, wurde beispielsweise weder gedüngt, noch wurden Pestizide verwendet. Ähnlich wie die ehemaligen Braunkohletagebaue haben viele Militärflächen enorme Ausdehnungen, es gibt hier weder Siedlungen noch werden die Gebiete von Straßen durchschnitten.

Damit bieten die Flächen des Nationalen Naturerbes optimale Bedingungen, dass sich die Natur auf großen Flächen ohne das Zutun des Menschen nach eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln kann. Vor allem auf ehemaligen Militärflächen haben sich außerdem "historische" Offenlandschaften erhalten – wie beispielsweise artenreiche Sandmagerrasen und Heiden. Wie ein Zeitfenster erlauben sie einen Blick in die Landschaft vergangener Jahrhunderte. Diese gilt es, als Orte hoher Arten- und Lebensraumvielfalt, aber auch besonderer landschaftlicher Schönheit und Eigenart zu erhalten.

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Wo liegen die Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind im gesamten Bundesgebiet verteilt. Sie reichen von der wilden Küstenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und der Dünenlandschaft der Insel Sylt über ausgedehnte Wälder und Moore, weite Heidelandschaften und vielgestaltige Auenwälder bis hin zu strukturreichen Kulturlandschaften aus Streuobstwiesen und Magerrasen in den deutschen Mittelgebirgen. Besonders viele Flächen des Nationalen Naturerbes liegen in den neuen Ländern. Aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft von Großstädten wie Berlin, Köln, Hamburg, Nürnberg und München gibt es Flächen des Nationalen Naturerbes.

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Meeresumweltschutz

Meereschutzgebiete

Was bedeuten die Verordnungen für die Natur der Nord- und Ostsee?

Der Erlass der Schutzgebietsverordnungen ist ein wichtiger Meilenstein für einen umfassenden Meeresnaturschutz. Auf dieser Grundlage werden wichtige Arten wie Schweinswal, Seehund und Kegelrobbe endlich wirksam geschützt. Auch wertvolle Lebensraumtypen wie Sandbänke oder Riffe werden vor Zerstörungen oder Beeinträchtigungen bewahrt. 

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Was wird durch die Verordnungen geregelt?

Bestimmte Vorhaben werden generell untersagt, etwa die Errichtung von Anlagen und Bauwerken, die Einrichtung von Aquakulturen und die Einbringung von Baggergut. Im Einzelfall werden FFH-Verträglichkeitsprüfungen (Abkürzung für "Fauna, Flora, Habitat") vorgeschrieben, unter anderem für die Erzeugung von Energie aus Wasser, Strömung und Wind, die Gewinnung von Bodenschätzen und die Verlegung von unterseeischen Kabeln. Im Vergleich zu den bisherigen Vogelschutzgebietsverordnungen "Östliche Deutsche Bucht" und "Pommersche Bucht" ist zudem die Regulierung der wissenschaftlichen Meeresforschung beim Einsatz von Luftpulsern (sogenannten Airguns) hervorzuheben. Die Wahl der strengsten Schutzgebietskategorie (Naturschutzgebiet) macht die Bedeutung der sechs neuen Meeresschutzgebiete deutlich.

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Warum werden die neuen Verordnungen überhaupt erlassen?

Mit dem Erlass der sechs Schutzgebietsverordnungen für die sogenannte "Ausschließliche Wirtschaftszone der Nord- und Ostsee" (AWZ) kommt Deutschland seiner Verpflichtung nach, europäisches Naturschutzrecht auf nationaler Ebene umzusetzen. Die AWZ ist der Meeresbereich außerhalb des 12 Seemeilen breiten Küstenstreifens. Hier ist der Bund für den Naturschutz zuständig. Die FFH-Richtlinie (Abkürzung für "Fauna, Flora, Habitat") sieht vor, dass bereits nach europäischem Recht geschützte Meeresgebiete auch durch nationale Regelungen zu schützen sind. Die Frist hierfür ist bereits Ende 2013 abgelaufen. Die beiden seit 2005 bestehenden Vogelschutzgebiete werden in die neuen Verordnungen integriert.

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Welche Folgen hätte der dauerhafte Verstoß gegen EU-Recht für Deutschland?

Die EU-Kommission hat die fehlende nationale Unterschutzstellung der fraglichen FFH-Gebiete in der Verantwortung des Bundes zunächst gerügt. Bereits Anfang 2015 hat die Kommission wegen mangelhafter rechtlicher Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Würde Deutschland sich weiterhin weigern, die FFH-Richtlinie (Abkürzung für "Fauna, Flora, Habitat") zu befolgen, müssten wir mit einer Klage der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof und am Ende mit hohen Strafzahlungen rechnen. Im Hinblick auf die rechtliche Sicherung der Meeresschutzgebiete dürfte das Verfahren nun gegenstandslos sein. Allerdings müssen auch die Bundesländer noch Natura-2000-Gebiete an Land rechtlich sichern.

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Welche Folgen haben die Verordnungen für die Freizeitfischerei?

Freizeitfischerei bleibt weiterhin in weiten Teilen von Nord- und Ostsee möglich, auch in wichtigen Teilen der Schutzgebiete. Angestoßen durch die Länder- und Verbändeanhörungen im Februar 2016 sowie aufgrund von Stellungnahmen der Fischerei- und Tourismusverbände wurde ein Schutzkonzept entwickelt, das sowohl dem Schutz des marinen Naturerbes als auch den Belangen der Freizeitfischerei Rechnung trägt. Danach wird die Freizeitfischerei nicht pauschal in allen sechs Schutzgebieten, sondern räumlich und zeitlich abgestuft in fünf Schutzgebieten reguliert. Einschränkungen gelten demnach in folgenden Gebieten:

  • Fehmarnbelt: circa 23 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig geschützt
  • Kadetrinne: circa 43 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig und circa 28 Prozent des Schutzgebietes temporär vom 01.02. bis 31.05. geschützt
  • Pommersche Bucht – Rönnebank: circa 67 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig geschützt
  • Doggerbank: 0 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig geschützt
  • Borkum Riffgrund: circa 59 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig geschützt
  • Sylter Außenriff/Östliche Deutsche Bucht: circa 86 Prozent ganzjährige Schließung des Schutzgebiets; circa fünf Prozent temporäre Schließung vom 01.10. bis zum 15.05.

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Warum sind diese Regulierungen notwendig?

Diese Beschränkungen der Freizeitfischerei dienen der Erreichung des von der FFH-Richtlinie geforderten "günstigen Erhaltungszustands" des Lebensraumtyps "Riff" und seiner charakteristischen Arten, wie zum Beispiel des Dorschs. Riffe stellen für den Dorsch bedeutende Nahrungsgründe und Rückzugsgebiete dar. Diese werden von der Freizeitfischerei beeinträchtigt, die sich auf die Riffvorkommen und den dort vorkommenden Dorsch konzentriert.

In anderen Bereichen, die auch Vogelschutzgebiete sind, dient der Schutz vorwiegend den rastenden Seevögeln. Hier ist der mit der Freizeitfischerei verbundene Bootsverkehr eine Störquelle durch den Aufenthalt abseits der Hauptschifffahrtsrouten direkt über den Nahrungsgründen der Seevögel, den geschützten Sandbänken und Riffen. Für die hier rastenden, überwinternden beziehungsweise im Sommer mausernden und dann teilweise flugunfähigen Seevögel ist diese Störung erheblich.

Vor diesem Hintergrund sind die Beschränkungen der Freizeitfischerei naturschutzfachlich unverzichtbar, zumal in der ausschließlichen Wirtschaftszone von Nord- und Ostsee weiterhin auf 80 Prozent der Fläche geangelt werden kann und nur auf 20 Prozent naturschutzrechtliche Einschränkungen gelten.

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Werden auch Berufsfischer eingeschränkt?

Alle Regelungen der Berufsfischerei erfolgen grundsätzlich auf europäischer Ebene.

  • Für Beschränkungen der Berufsfischerei in Schutzgebieten muss die Bundesregierung Vorschläge machen. Alle davon betroffenen Mitgliedstaaten müssen den Vorschlägen zustimmen, bevor diese in Kraft treten. Die Vorschläge für die Nordsee werden zurzeit verhandelt. Für die Ostsee werden die Vorschläge noch entwickelt.
  • Die Fangquoten der berufsmäßigen Fischerei werden jährlich neu durch den EU-Ministerrat festgelegt. Der Dorsch in der Ostsee stellt hierbei einen Sonderfall dar: Aufgrund des schlechten Zustands der Dorschbestände wurde auch erstmals die Freizeitfischerei auf europäischer Ebene beschränkt. Hierdurch soll die auf circa 2400 Tonnen geschätzte Fangmenge der deutschen Freizeitfischerei auf 1500 Tonnen reduziert werden. Der Berufsfischerei konnten nur noch 1200 Tonnen zugeteilt werden.

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Wer ist für den Erlass der Verordnungen zuständig?

Zuständig für den Erlass der Schutzgebietsverordnungen ist nach Paragraf 57 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) das Bundesumweltministerium, wobei die fachlich betroffenen Bundesministerien zu beteiligen sind. Ein Einvernehmen anderer Ressorts für den Erlass der Schutzgebietsverordnungen ist nach dem BNatSchG nicht vorgesehen. Die Beteiligung der anderen Ressorts hat stattgefunden. Entwürfe der Verordnungen waren während der letzten zweieinhalb Jahre Gegenstand intensiver Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung und wurden infolgedessen weiterentwickelt. Darüber hinaus haben auch mehrere Gespräche mit betroffenen Verbänden und Vertretern der Länder stattgefunden. Auf dieser Grundlage wurde ein Schutzkonzept erarbeitet, das sowohl die Anliegen der Nutzerseite als auch die Erfordernisse des Naturschutzes berücksichtigt.

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