Fragen und Antworten (FAQ)

Hier finden Sie Antworten auf einige besonders häufig gestellte Fragen. Wird Ihre Frage hier nicht beantwortet, haben Sie die Möglichkeit uns über das Formular "Ihre Fragen" zu kontaktieren. Wir sind bemüht, Ihr Anliegen schnellstmöglich zu beantworten. 

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Kreislaufwirtschaft

Weniger Verpackungsmüll

Welcher Verpackungsmüll entsteht in Deutschland und was unternimmt das BMU dagegen?

Klimaschutz

Klimaschutzprogramm 2030

Ziel des Programms ist es, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen. Erreichen wir mit diesem Programm unsere Klimaziele? Was kostet das Ganze?

Klimaschutz

Notwendigkeit einer CO2-Bepreisung

Seit 1. Januar 2021 erhalten CO2-Emissionen fossiler Brennstoffe für Wärme und Verkehr einen Preis, um ihren Verbrauch zu verringern. Unternehmen müssen Emissionsrechte in Form von Zertifikaten kaufen.

Verkehr

Elektromobilität

Elektroautos können negative Umweltfolgen des Autoverkehrs vermindern – insbesondere den Kohlendioxid-Ausstoß. Hier liegt ein großes Potenzial für den Klimaschutz.

LLL:form.legend

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Naturschutz/Biologische Vielfalt

Wie sieht der weitere Prozess aus, wann tritt die Verordnung in Kraft?

Eine Zustimmung des Bundesrates ist nicht erforderlich. Der Kabinettbeschluss und die Zuleitung dem Bundestag erfolgten fristgerecht am 19. Februar 2020 beziehungsweise zum 01. März 2020. Das Parlament hat sich nach dem Ablauf von drei Sitzungswochen seit Eingang mit der Rechtsverordnung nicht befasst, daher wird diese demnächst unverändert verkündet und dann am darauf folgenden Tag in Kraft treten.

Schaden Laubbläser und Laubsauger der Natur?

Laubbläser und Laubsauger sind nicht nur laut, sie schaden auch der Natur. Denn in der Streuschicht am Boden leben zahlreiche Kleintiere, wie Würmer, Insekten, Spinnen oder auch Kleinsäuger. Durch das Entfernen des Laubes können sie den Lebensraum und die Nahrungsgrundlage verlieren. Deshalb: Diese Geräte sollten im privaten Bereich möglichst gar nicht und im öffentlichen Bereich nur dann verwendet werden, wenn der Einsatz unverzichtbar ist. Ist es unbedingt erforderlich, sollten lärm- und abgasarme Geräte verwendet werden. Damit schließt sich das Bundesumweltministerium den Empfehlungen des Umweltbundesamts (UBA) und des Bundesamts für Naturschutz (BfN) an.

Wie viele Naturparke gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es derzeit 104 Naturparke. Darüber hinaus befindet sich der Naturpark Muldenland (Sachsen) in Gründung. Mit einer Gesamtfläche von über 9,5 Millionen Hektar decken die Naturparke etwa 27 Prozent der Landesfläche Deutschlands ab. Naturparke sind großräumige Landschaften, die überwiegend aus Landschafts- und Naturschutzgebieten bestehen. Naturparke dienen dem Schutz und Erhalt der Kulturlandschaften, dem Naturerleben und der Erholung, dem natur- und umweltverträglichen Tourismus und einer dauerhaft natur- und umweltverträglichen Landnutzung.

Was ist das "Grüne Band"?

Das "Grüne Band" ist der ehemalige Grenzstreifen zwischen Ost und West in ganz Europa. In diesem 12.500 Kilometer langen Bereich konnte sich aufgrund der Nutzungsruhe und Abgeschiedenheit über Jahrzehnte ein zusammenhängendes Band von zum Teil sehr wertvollen Biotopen entwickeln, das heutige "Grüne Band". In Deutschland gehört der 1400 Kilometer lange Abschnitt zum Nationalen Naturerbe und bildet einen Biotopverbund von Süd nach Nord.

Welche Naturstätten in Deutschland sind als UNESCO Welterbe ausgezeichnet?

In Deutschland befinden sich drei UNESCO Weltnaturerbestätten auf der Welterbeliste: die Fossilienlagerstätte Grube Messel (Hessen), das deutsch-niederländisch-dänische Wattenmeer, und die Alten Buchenwälder Deutschlands.

Das Wattenmeer wurde 2009 in die Welterbeliste aufgenommen. Zum Weltnaturerbe Wattenmeer gehören die Nationalparke Niedersächsisches Wattenmeer, Hamburgisches Wattenmeer, Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sowie ein Schutzgebiet in den Niederlanden. 2014 wurde das Gebiet um das dänische Wattenmeer erweitert, sodass nun das gesamte Wattenmeer entlang der Nordseeküste auf der UNESCO-Welterbeliste steht.

Die Alten Buchenwälder Deutschlands wurden 2011 als Erweiterung der Buchenurwälder der Karpaten (Slowakische Republik/Ukraine) als Naturerbe in die Welterbeliste aufgenommen. Dabei handelt es sich um Gebiete in den Nationalparken Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, Hainich in Thüringen und Kellerwald-Edersee in Hessen sowie dem Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg.

Das Ziel des UNESCO Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Welterbekonvention) ist es, Natur- und Kulturgüter von außergewöhnlichem und universellem Wert als Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit dauerhaft zu erhalten. 

Was ist und macht "IPBES"?

IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für das Thema biologische Vielfalt - vergleichbar mit dem Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Dieses Biodiversitätsgremium soll politischen Entscheidungsträgern zuverlässig unabhängige, glaubwürdige Informationen über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität zur Verfügung stellen, damit diese gut informierte Entscheidungen zu ihrem Schutz treffen können. IPBES wurde im April 2012 von der Staatengemeinschaft gegründet und der Sitz seines Sekretariats ist in Bonn.

Was muss ich beachten, wenn ich genetische Ressourcen aus anderen Ländern in Deutschland für Forschung und Entwicklung nutzen möchte?

Nutzer von genetischen Ressourcen, die aus anderen Ländern stammen, müssen die europäische und deutsche Gesetzgebung zur Umsetzung des Nagoya Protokolls befolgen. Seit 2010 setzt das Nagoya-Protokoll international verbindliche Standards für den Umgang mit genetischen Ressourcen und fördert so Transparenz und Rechtssicherheit. Es regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen und die faire und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus ihrer Nutzung ergeben (Access and Benefit Sharing, ABS). Das betrifft zum Beispiel Pflanzen, die in tropischen Wäldern gefunden werden und dann in anderen Ländern zu Medikamenten, Kosmetika und anderen Produkten verarbeitet werden. Gleichzeitig verpflichtet es alle Länder, in denen genetische Ressourcen genutzt werden, zu gewährleisten, dass die genutzten Ressourcen im Herkunftsland ordnungsgemäß erlangt wurden. Herkunftsländer sollen auf diese Weise fair und gerecht an den Erträgen von Produkten beteiligt werden, die aus "ihren" genetischen Ressourcen hergestellt werden. So soll so ein dauerhafter wirtschaftlicher Anreiz für den Erhalt von biologischer Vielfalt und seltenen Ökosystemen geschaffen werden.

Warum unterstützen wir Entwicklungsländer bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt?

Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist für die Menschheit von hoher Bedeutung, um die Bedürfnisse nach Gesundheit, Nahrung und Wohlbefinden zu befriedigen und die Gesundheit und das Gleichgewicht in der Natur und Landwirtschaft zu schützen.

Darüber hinaus stellt die Erhaltung der biologischen Vielfalt einen wesentlichen Eckpfeiler der Bekämpfung der Armut dar. Die biologische Vielfalt und die Basisleistungen der Ökosysteme bilden besonders die Lebensgrundlagen der Armen, die zur Befriedigung ihrer existenziellen Bedürfnisse zu etwa 90 Prozent auf biologische Ressourcen angewiesen sind, denn sie sind für diese Menschen direkte Grundlage der Ernährung, medizinischen Versorgung, des Hausbaus und gleichzeitig wichtigste Einkommensquellen. Rund 80 Prozent der globalen terrestrischen biologischen und genetischen Ressourcen befinden sich in Entwicklungsländern.

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt stellen auch konkrete wirtschaftliche Vorteile für die Industrieländer dar, beispielsweise durch die für Forschung und Entwicklung bedeutsame genetische Vielfalt.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) fördert mit dem seit 2011 existierenden eigenständigen Förderbereich "Biologische Vielfalt" durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) gezielt Biodiversitätsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern.

Was ist die CBD?

CBD ist die Abkürzung für das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, englisch Convention on Biological Diversity. Die CBD gehört – wie das Klimarahmenabkommen (UNFCCC) und die Wüstenkonvention (UNCCD) – zu den drei völkerrechtlichen Verträgen, die auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 zur Unterzeichnung auslagen. Deutschland ist seit ihrem Inkrafttreten am 29. Dezember 1993 Vertragspartei der CBD. Die CBD ist mit ihren derzeit 193 Vertragsparteien (inklusive der EU) das zahlenmäßig wie auch von Umfang und Anspruch her umfassendste, verbindliche, internationale Abkommen im Bereich Biodiversitätsschutz und nachhaltige Entwicklung.

Das Abkommen hat drei übergeordnete Ziele:

  • die Erhaltung biologischer Vielfalt (Gene, Arten, Lebensräume),
  • die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und
  • die gerechte Aufteilung der aus der Nutzung genetischer Ressourcen gewonnenen Vorteile.

Für den Zeitraum 2011 bis 2020 wurde ein Strategischer Plan für Biodiversität verabschiedet, der ambitionierte globale Biodiversitätsziele beinhaltet. Bis 2020 soll der Biodiversitätsverlust durch effektives und unverzügliches Handeln gestoppt werden. Es soll sichergestellt werden, dass die Ökosysteme bis 2020 widerstandsfähig sind und weiterhin wesentliche Ökosystemleistungen bereitstellen und somit die Vielfalt des Lebens des Planeten sichern sowie zum menschlichen Wohlergehen und zur Beseitigung der Armut beitragen. Hierfür enthält der Strategische Plan die sogenannten Aichi Biodiversitätsziele: Fünf strategische Ziele mit insgesamt 20 konkreten Unterzielen.

Alle zwei Jahre findet eine Vertragsstaatenkonferenz der CBD statt. Sie ist das oberste politische Entscheidungsgremium des Übereinkommens.

Was ist das Schutzgebietsnetz Natura 2000 in Deutschland?

Natura 2000 ist ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie (Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten) und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen). Mit derzeit über 20 Prozent der Fläche der EU ist Natura 2000 das größte Schutzgebietsnetz weltweit.

In Deutschland sind rund 15 Prozent der Landesfläche und 45 Prozent der Meeresfläche als Natura 2000-Gebiete gemeldet. Auf diese Weise übernimmt Deutschland Verantwortung für den Erhalt typischer Naturlandschaften, wie zum Beispiel Buchenwälder oder das weltweit einmalige Ökosystem Wattenmeer, und leistet so einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Erhalt der Biologischen Vielfalt.
Der aktuelle Meldestand der Natura-2000-Gebiete in Deutschland sowie Steckbriefe der Gebiete können auf den Internetseiten des Bundesamts für Naturschutz eingesehen werden.

Wer ist zuständig für Naturschutz in Deutschland?

Für den Vollzug des Naturschutzrechtes sind die Bundesländer zuständig. Deshalb müssen Fragen, Beschwerden und Stellungnahmen zu Angelegenheiten des Naturschutzes vor Ort in der Regel direkt an die zuständigen Naturschutzbehörden der Länder gerichtet werden. Ausnahme bildet hier die Ausschließliche Wirtschaftszone der Nord- und Ostsee (AWZ: zwölf bis 200 Seemeilenzone), für die der Bund zuständig ist.
Der Bund hat konkurrierende Gesetzgebungskompetenz auf dem Gebiet des Naturschutzes und der Landschaftspflege (Artikel 74 Absatz 1 Nummer 29 GG). Die Ländern können dabei – mit Ausnahme der allgemeinen Grundsätze des Naturschutzes und des Arten- und Meeresnaturschutzrechts – vom Bundesrecht abweichende Regelungen treffen (Artikel 72 Absatz 3 GG).

Gene Drives

Was sind Gene Drives und wie funktionieren sie?

Gene Drives sind gentechnische Werkzeuge, die sich gezielt ins Erbgut eines Organismus an zuvor bestimmter Stelle einbringen und dort eine Veränderung hervorrufen sollen. Zusätzlich sorgen Gene Drives durch spezielle Mechanismen dafür, dass sie an möglichst alle Nachkommen des Organismus weitervererbt werden. Damit wiederholt sich der Vorgang der gentechnischen Veränderung in den folgenden Generationen.

Ein Gene Drive vervielfältigt sich so lange selbstständig, bis ihn die ganze Population enthält, oder diese eine Resistenz dagegen entwickelt hat. Damit unterwandert er die Regeln der natürlichen Evolution. Er kann das Erbgut einer ganzen Population oder einer ganzen Art verändern. Mit Gene Drives ist es sogar möglich, Gene in einer Art auszubreiten, die für diese Art nachteilig sind, wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit.

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Gene Drives

Sind Gene Drives Genome Editing?

Anders als beim Genome Editing verbleibt bei Gene Drives die Fremd-DNA immer in der Zelle und der Gene Drive wird immer weitervererbt. Zugleich benutzen die meisten synthetischen Gene Drives aber dasselbe Werkzeug, das auch am häufigsten für das Genome Editing verwendet wird, nämlich CRISPR/Cas. Die Entdeckung von CRISPR/Cas hat den Biotechnologen also ein mächtiges Werkzeug auch für die Entwicklung synthetischer Gene Drives an die Hand gegeben.

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Gene Drives

Wofür sollen Gene Drives eingesetzt werden?

Gene Drives sollen zukünftig eingesetzt werden, um Wildpopulationen im Freiland gentechnisch zu verändern. Die Forschung konzentriert sich vornehmlich darauf, invasive Arten oder krankheitsübertragende Mücken unfruchtbar zu machen. Ein Ansatz ist es beispielsweise, invasive Nagetiere wie Mäuse oder Ratten, die Brutvogelkolonien auf Inseln bedrohen, auszurotten. Die Gefahr, dass sich die Gene Drives in der Folge auch an anderen Orten ausbreiten können, an denen die ursprünglichen Arten eine wichtige ökologische Funktion erfüllen, wird in Kauf genommen. Oder man verfolgt das Ziel, Malaria zu bekämpfen, indem man die übertragende Mücke ausrottet. Die Fragen, ob die Mücke eine wichtige ökologische Funktion hat und ob es alternative Bekämpfungsmöglichkeiten gibt, treten dabei in den Hintergrund. Zudem ist fragwürdig, ob diese Ansätze wirklich umsetzbar sind. Denn die Entwickler haben mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Beispielsweise können sich Resistenzen gegen den Gene Drive bilden und damit lässt seine Wirksamkeit von Generation zu Generation nach. Auch bleibt unklar, was die Umsetzung für die betroffenen Ökosysteme bedeuten würde.

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Gene Drives

Gibt es aus Sicht des BMU noch offene Fragen, die vor einer Freisetzung von Gene Drive Organismen zwingend geklärt werden müssen?

Ja, aus Sicht des BMU müssen zwingend noch viele grundsätzliche Fragen geklärt werden, bevor man über jegliche Anwendung von Gene Drive Organismen (GDO) in der Natur entscheiden könnte. Man muss annehmen, dass GDO, wenn sie einmal in die Natur entlassen wurden, nicht mehr rückholbar sind. Denn GDO sind so ausgelegt, dass sie sich in einer Art ausbreiten, um die ursprünglichen, nicht gentechnisch veränderten Lebewesen der Art zu verdrängen. Daher sind die Auswirkungen, die der Einsatz von GDO in der freien Natur hätte, nicht abschätzbar. Da GDO gentechnisch veränderte Organismen (GVO) sind, wird über Freilandversuche mit GDO in Europa national entschieden, über eine kommerzialisierte Zulassung dagegen auf europäischer Ebene. Freigesetzt werden aber nach dem Gentechnikrecht nur GVO, die zuvor auf ihr Risiko überprüft wurden und bei denen die Risiken einer Freisetzung als vernachlässigbar eingeschätzt wurde. Beispielhaft sind im Folgenden einige grundsätzliche Fachfragen und gesellschaftlich-ethische Aspekte aufgegriffen, die aus Sicht des Bundesumweltministeriums zwingend zu klären sind, bevor über jedwede Anwendung von Gene Drives in der Natur entschieden werden könnte:

  • Wie wird damit umgegangen, dass sich die GDO über Grenzen hinweg ausbreiten werden? Welches Mitspracherecht haben andere Staaten und betroffene indigene Völker?
  • Wer kommt für entstandenen Schaden auf?
  • Wie kann man damit umgehen, dass GDO sich nicht rückholen lassen und es daher nicht möglich ist, bei der Freisetzung stufenweise vorzugehen?
  • Wie ist eine Risikobewertung möglich, wenn sie lediglich auf im Labor erhobenen Daten und Modellen beruht?
  • Wie kann man die Auswirkungen einer Freisetzung beobachten, wenn der Beobachtungsraum schlimmstenfalls global sein müsste?
  • Wie kann Generationengerechtigkeit gewährleistet werden?
  • Wer trägt das Risiko?
  • Ist es nach Naturschutzrecht erlaubt, wilde und geschützte Arten unwiederbringlich gentechnisch zu verändern? Bleibt der Schutzstatus berechtigt, wenn die Art gentechnisch verändert wurde? Widerspricht es den Zielen des Naturschutzes, Gentechnik in der Natur anzuwenden?

Bei den Vorbereitungen zu den anstehenden Verhandlungen zur Konvention zur Biologischen Vielfalt (CBD) wurde von einigen Ländern und Nichtregierungsorganisationen gefordert, dass keine Gene Drives Organismen in die Umwelt freigesetzt werden dürfen, solange die damit verbundenen Risiken nicht bewertbar und handhabbar sind. BMU teilt diese Einschätzung.

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Gene Drives

Gibt es Mechanismen, Gene Drives einzuschränken oder zurückzuholen?

Forscher verfolgen unterschiedliche genetische Ansätze, eine Beschränkung, Beendigung oder Rückholung von Gene Drives zu entwickeln. Bislang funktioniert allerdings keiner dieser Ansätze mit hinreichender Sicherheit. Ein wichtiges Problem ist außerdem, die Wirksamkeit solcher Ansätze in der natürlichen Umgebung zu überprüfen: Denn alle Tests im Labor können nicht die tatsächlichen Umstände im Freiland simulieren, dafür gibt es in der Natur zu viele unterschiedliche und nicht vorhersehbare Einflüsse. Der Test im Freiland wäre bei Gene Drives daher ein Versuch, ohne die Möglichkeit ihn anzuhalten oder rückgängig zu machen, wenn der oder die eingebauten genetischen Abbruchmechanismen nicht greifen.

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Gene Drives

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Was ist die Naturschutz-Offensive 2020?

Die Ergebnisse des Indikatorenberichts 2014 zur Nationalen Strategie haben deutlich gemacht, dass die bisherigen Maßnahmen zum Schutz und der Erhaltung der biologischen Vielfalt nicht ausgereicht haben, um die ehrgeizigen Ziele der NBS zu erreichen.

Um dem Umsetzungsprozess der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt neuen Schwung zu verleihen, hat das Bundesumweltministerium im Oktober 2015 mit der "Naturschutz-Offensive 2020" ein ambitioniertes Handlungsprogramm vorgestellt. Die "Naturschutz-Offensive 2020" macht deutlich, in welchen Handlungsfeldern bei der Umsetzung der NBS die größten Defizite bestanden und bis zum Jahr 2020 verstärkte Anstrengungen zur Erhaltung der biologischen Vielfalt von welchen Akteuren gefordert sind. Dazu wurden zehn prioritäre Handlungsfelder definiert und insgesamt 40 vordringliche Maßnahmen beschrieben.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Neuauflage der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt

Es gibt es eine Reihe guter Gründe, die im Jahr 2007 von der Bundesregierung beschlossene NBS weiterzuentwickeln. Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) ist das zentrale Instrument zur Umsetzung der Verpflichtungen des UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biodiversity, CBD) für Deutschland und soll die jeweiligen strategischen Vorgaben der CBD zugrunde legen. Da in der CBD zurzeit ein neuer strategischer Rahen für die Zeit nach 2020 vorbereitet wird, muss die deutsche NBS dies berücksichtigen. Corona-bedingt hat sich allerdings die Verabschiedung des neuen internationalen Rahmens verschoben, nach jetziger Planung in den Herbst 2021. Daher kann auch die neue NBS erst danach – und das heißt nicht mehr in der laufenden Legislaturperiode – beschlossen werden.

Es gibt daneben weitere Gründe für eine Weiterentwicklung der NBS: So soll auch die im Oktober vom EU-Umweltrat gebilligte neue EU-Biodiversitätsstrategie 2030 in der deutschen NBS berücksichtigt werden. Außerdem werden einige wichtige Themen in der Strategie von 2007 nicht hinreichend aufgegriffen, so zum Beispiel die Themen Energiewende, Meeresnaturschutz, Stadtnatur und Pflanzenschutz. Darüber hinaus soll der momentane Umfang der NBS mit ihren insgesamt 330 Qualitäts- und Handlungszielen sowie rund 430 Maßnahmen in ihrer Struktur und Komplexität vereinfacht werden, sodass sie für alle Akteursgruppen einfacher zugänglich und verständlich ist.

Auch die letzten Indikatorenberichte zeigen, dass weiterer Handlungsbedarf beim Schutz und bei der Entwicklung der biologischen Vielfalt besteht. Auch wenn Ziele der NBS verfehlt wurden, ist der Auftrag und die Ziele der NBS von 2007 weiterhin gültig.

Um die Weiterentwicklung der NBS vorzubereiten, werden zurzeit Dialoge mit Stakeholdern geführt. Ein Stakeholder Workshop mit über 70 gesellschaftlichen Akteuren fand Anfang November 2020 statt. Im Sommer 2021 sollen die Dialoge intensiviert werden.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

In welchem Zusammenhang steht die UN-Dekade "Biologische Vielfalt 2011 bis 2020" zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?

Die Vereinten Nationen haben im Dezember 2010 das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen. Die Dekade soll die Umsetzung des Strategischen Plans des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) unterstützen. In Deutschland geschieht dies inhaltlich vor allem durch die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Sie wird durch besonders öffentlichkeitswirksame Maßnahmen ergänzt.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Was ist die Aufgabe des Bundesprogramms Biologische Vielfalt?

Im Koalitionsvertrag für die 17. Legislaturperiode war die Erarbeitung eines Bundesprogramms Biologische Vielfalt vorgesehen. Es handelt sich dabei um ein Förderprogramm, das die damals bestehenden Fördermöglichkeiten des Bundes im Naturschutz ergänzen und der Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) dienen soll. Es wurde 2010 entwickelt und 2011 gestartet. Die vier Förderschwerpunkte umfassen Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands, Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland, Sichern von Ökosystemdienstleistungen und weitere Maßnahmen von besonderer repräsentativer Bedeutung für die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Wie wird die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt umgesetzt?

Die Umsetzung hat unmittelbar nach Verabschiedung der Strategie durch das Bundeskabinett begonnen. Bereits im Dezember 2007 wurde ein Follow up-Prozess sowohl mit nicht-staatlichen wie mit staatlichen Akteuren gestartet.

Die erfolgreiche Umsetzung der weitreichenden Ziele und Maßnahmen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) ist auf die Unterstützung zahlreicher Akteure und Akteursgruppen angewiesen. Um alle wichtigen staatlichen und gesellschaftlichen Gruppen in den Umsetzungsprozess der NBS einzubeziehen, findet seit 2007 ein breit angelegter Dialogprozess statt, der bis heute andauert. Im Rahmen dieses Dialogprozesses werden regelmäßig Informations-, Diskussions- und Arbeitsveranstaltungen mit bestimmten Akteursgruppen und zu unterschiedlichen Themenbereichen durchgeführt.

Auftakt war das 1. Nationale Forum zur biologischen Vielfalt im Dezember 2007. Die Nationalen Foren werden etwa in jährlichem Abstand durchgeführt, haben jedes Mal einen anderen Schwerpunkt und dienen der Vernetzung aller am Umsetzungsprozess beteiligten Akteure.

In 2008 haben insgesamt acht Regionalforen in verschiedenen Regionen Deutschlands zu verschiedenen Schwerpunktthemen stattgefunden. Sie dienten in erster Linie dazu, die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt bekannt zu machen.

Im Herbst 2008 wurde mit den akteursspezifischen Dialogforen begonnen, diese Reihe wird bis heute ohne Unterbrechung durchgeführt. Wichtige Akteurskreise sind "Naturschutz", "Naturnutzung/ Ländlicher Raum", "Wissenschaft und Forschung", "Unternehmen", "Jugend", "Religionsgemeinschaften" und "Gesellschaftliches Bewusstsein, Kommunikation". Im Bereich der staatlichen Akteure gibt es ausgehend von einem Dialogforum mit den Kommunen seit Februar 2010 die Deklaration "Biologische Vielfalt in Kommunen", die inzwischen mehr als 438 Kommunen unterzeichnet haben, und seit Februar 2012 das Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" mit aktuell 280 Kommunen, die sich in besonderen Maße für die biologische Vielfalt engagieren (Stand: März 2021).

Seit Dezember 2010 finden regelmäßig Länderforen zur biologischen Vielfalt statt. Ziel ist es, den Austausch über den Stand der Entwicklung und Umsetzung der Strategien und Aktionspläne zur biologischen Vielfalt auf Bundes- und Landesebene zu ermöglichen und das Netzwerk der verantwortlichen Akteure zu stärken. Zudem sollen Ansatzpunkte zur Gewinnung von Synergieeffekten ausgelotet und Möglichkeiten für gemeinsame Maßnahmen entwickelt werden.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Für welche Politikbereiche ist die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt relevant?

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist kein Naturschutzübereinkommen im engeren Sinn. Die Nutzung – und damit das wirtschaftliche Potenzial der natürlichen Ressourcen – ist ebenfalls ein wesentlicher Aspekt der Erhaltung der Biodiversität. Die Nationale Biodiversitätsstrategie ist deshalb auch eine Strategie zur Integration von Naturschutzbelangen in andere Politikbereiche. Sie kann als gesamtgesellschaftliches Programm verstanden werden.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Wie ist die Einbeziehung von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren bei der Erarbeitung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt erfolgt?

Bei der Erarbeitung des Entwurfs der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt ist das Wissen von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Naturschutzfachbehörden, Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie des Gender Mainstreamings genutzt worden. Der Schwerpunkt lag zu diesem Zeitpunkt bewusst auf der naturschutzfachlichen Expertise und im noch neuen Bereich der geschlechtsspezifischen Aspekte. Nach Zustimmung der Bundesressorts, das heißt nach Abschluss der ersten Runde der Ressortabstimmung, wurden Länder und Verbände breit beteiligt. Die Länder wurden über die Länder-Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) eingebunden. Die Verbändebeteiligung richtete sich an Naturschutzverbände, Verbände der Naturnutzung, Vertreterinnen und Vertreter aus einschlägigen Wissenschaften sowie Verbände und Expertinnen des Gender Mainstreamings. 

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Wie ist das Indikatorenset der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zusammengesetzt?

Indikatoren fassen vielschichtige Sachverhalte verständlich zusammen und machen Trends erkennbar. Sie haben sich international, im europäischen Raum und auch national bereits als geeignetes Instrumentarium bewährt. Für die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt wurden Indikatoren ausgewählt, die geeignet sind, möglichst breit die in der Strategie behandelten Themen abzubilden, und in einem Set zusammengefasst. Selbstverständlich wurde dabei auf die bestehende Indikatorenentwicklung im internationalen, europäischen, nationalen Raum sowie auf Bundesländerebene sowie größtmögliche Nutzung von Synergieeffekten geachtet. Das Indikatorenset enthält Zustands-, Belastungs- und Maßnahmenindikatoren und ist mit den vorherigen Indikatorensystemen kompatibel. Zusammenstellung und Auswertung erfolgen durch das Bundesamt für Naturschutz. Der letzte Indikatorenbericht zur NBS wurde im Herbst 2020 von der Bundesregierung beschlossen. Er enthält 18 Indikatoren, die ein breites Themenspektrum abdecken. Sie informieren in zusammenfassender Form über den Zustand und die Entwicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland, über Belastungen und Maßnahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt und sind Basis für eine verlässliche und transparente Erfolgskontrolle der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Wie wird die Erreichung der Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt überprüft?

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt wird nur dann Wirkung entfalten, wenn eine Erfolgskontrolle in regelmäßigen Abständen stattfindet. Deshalb muss die Bundesregierung einmal in jeder Legislaturperiode einen Bericht vorlegen, aus dem hervorgeht, wie weit man auf dem Weg zur Zielerreichung bereits fortgeschritten ist. Es ist selbstverständlich, dass die Berichterstattung so gestaltet wird, dass die Aussagekraft des Berichts in einem günstigen Verhältnis zum Aufwand der Berichtserstellung steht. Mit Indikatoren wird dabei eine zusammenfassende Erfolgskontrolle vorgenommen.

2019 wurde der neueste Indikatorenbericht zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt vom Bundeskabinett beschlossen und veröffentlicht.

Im Sommer 2021 soll darüber hinaus ein weiterer Rechenschaftsbericht zur Nationalen Bio-diversitätsstrategie, vom Bundeskabinett verabschiedet werden.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Was bedeutet "Aktionsfeld"?

Mit den konkreten Visionen wird eine Orientierung gegeben, in welche Richtung sich Schutz und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt mittel- und langfristig entwickeln sollen. Damit diese Vision Wirklichkeit wird, muss sie mit konkreten Maßnahmen ausgefüllt werden. Diese Maßnahmen werden in den Aktionsfeldern dargestellt. Die Nationale Biodiversitätsstrategie hat die derzeit prioritären Aktionsfelder in Anlehnung an die EU-Biodiversitätsstrategie ausgewählt und mit ausgewählten, zeitnah realisierbaren Maßnahmen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure ausgefüllt. Die Vielfalt der Maßnahmen bildet die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns aller Akteure ab. Eine Vollständigkeit der Maßnahmen und der Akteure war nicht angestrebt. Im Laufe der Zeit und bei Fortschreibung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt werden weitere Maßnahmen und Akteure hinzukommen. 

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Was bedeutet "Konkrete Vision"?

Die Idee, konkrete Visionen zu entwickeln, ist der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie entnommen. Die Vision beschreibt einen fernen, zeitlich nicht näher definierten wünschbaren Zustand, als ob er bereits eingetreten wäre; dabei wird ein attraktives, leicht verständliches Bild entworfen, das möglichst ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Um diese Vision zu verwirklichen, werden Qualitätsziele formuliert, die den langfristig angestrebten Zustand beschreiben und an denen sich das politische und gesellschaftliche Handeln ausrichtet. Handlungsziele geben an, mit welchen Schritten diese Qualitätsziele angestrebt werden. Alle Ziele sind zukunftsorientiert und möglichst konkret, quantifiziert und mit einem Zeithorizont versehen, damit sie praktische Konsequenz entfalten können. Insgesamt werden in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zu 28 biodiversitätsrelevanten Themen Visionen und Ziele entwickelt.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Wie ist die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt aufgebaut?

Im Kapitel "Ausgangslage" werden die Gründe für die Erhaltung der biologischen Vielfalt aus ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller sowie ethischer Sicht dargestellt, die globale und nationale Dimension der Gefährdung der biologischen Vielfalt beleuchtet und die bisherigen Anstrengungen und der Handlungsbedarf aufgezeigt. Im Kapitel "Konkrete Vision" werden zu den national bedeutsamen biodiversitätsrelevanten Themen Visionen, Qualitätsziele und Handlungsziele für die Zukunft entwickelt und erläutert. Im Kapitel "Aktionsfelder" werden die Handlungsziele durch Maßnahmen konkretisiert, die den verschiedenen staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren zugeordnet sind. Im Kapitel "Innovation und Beschäftigung" werden die Potenziale der biologischen Vielfalt für wirtschaftliche Entwicklung, Innovation und Arbeitsplätze dargestellt. Im Kapitel "Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit" werden die Zusammenhänge zwischen der biologischen Vielfalt und der Umsetzung der Millenium Development Goals aufgeführt. Im Kapitel "Umsetzung des Millenium Ecosystem Assessments in Deutschland" wird die Umsetzung des von den Vereinten Nationen in Auftrag gegebenen Millennium Ecosystems Assessments für Deutschland erläutert. Im Kapitel "Leuchtturmprojekte" werden konkrete Projekte dargestellt, die der Erhaltung der biologischen Vielfalt dienen und dabei in vorbildlicher Weise die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Das Kapitel "Monitoring und Indikatoren" greift die künftige regelmäßige Berichterstattung über die Erreichung der Ziele und das Indikatorenset auf. Im Kapitel "Anhang" werden unter anderem die Beschlüsse der verschiedenen Vertragsstaatenkonferenzen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt sowie die Inhalte der EU-Biodiversitätsstrategie und der EU-Aktionspläne den Abschnitten der vorliegenden Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zugeordnet.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Welchen Beitrag leistet die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt zur Erhaltung der globalen Biodiversität?

Die deutsche Biodiversitätsstrategie zielt als nationale Strategie auf die Erhaltung und Nachhaltigkeit der Nutzung der biologischen Vielfalt in Deutschland. Deutschland stellt auf Grund seiner geographischen Lage nur einen vergleichsweise kleinen Teil der globalen Biodiversität; trotzdem gibt es auch in Deutschland eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten, die hier endemisch (also ausschließlich in Deutschland vorkommen) sind oder ihren weltweiten Verbreitungsschwerpunkt haben, und für deren Erhaltung Deutschland eine besondere Verantwortung hat. Insbesondere durch die internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen beeinflusst Deutschland aber auch die biologische Vielfalt außerhalb seiner Grenzen. Deshalb berücksichtigt die Strategie bewusst auch die Auswirkungen deutscher Aktivitäten auf die biologische Vielfalt weltweit.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

An wen richtet sich die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt?

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt wird von der Bundesregierung erstellt und herausgegeben und verpflichtet diese bei der Umsetzung in ganz besonderer Weise. Dies trifft im Hinblick auf erforderliche Aktivitäten insbesondere für die Themen einer nachhaltigen Naturnutzung zu, während die Länder gemäß der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern im Wesentlichen über den Naturschutz bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt betroffen sind. Ziel der Strategie ist es aber darüber hinaus, alle gesellschaftlichen Akteure anzusprechen und die gesellschaftlichen Kräfte zu mobilisieren und zu bündeln. Wegen der großen Komplexität der Aufgabe der Erhaltung der biologischen Vielfalt, der hohen Zahl betroffener Politikbereiche und der vielen involvierten staatlichen und nicht-staatlichen Akteure kann die anspruchsvolle Aufgabe nur gemeinsam bewältigt werden.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Welche Bezüge zu internationalen, europäischen und nationalen Strategien, Programmen und Aktionsplänen hat die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt?

Auf internationaler Ebene berücksichtigt die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) die Beschlüsse aller Vertragsstaatenkonferenzen der CBD, die bis 2007 stattgefunden haben, und die biodiversitätsrelevanten Beschlüsse des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung von 2002. Auf europäischer Ebene berücksichtigt die NBS die relevanten Beschlüsse der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie von 2001, die EU-Biodiversitätsstrategie von 1998 sowie die einschlägigen EU-Aktionspläne von 2001 und 2006, die Mitteilung der Kommission "Eindämmung des Verlustes der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 und darüber hinaus" von 2006. Auf nationaler Ebene berücksichtigt die NBS die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (2002, 2004, 2005) sowie alle einschlägigen deutschen Sektorstrategien und Fachprogramme des Bundes. Beschlüsse der Bundesländer spielen insbesondere bei den Indikatoren der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt eine Rolle.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Welche internationalen, europäischen und nationalen Verpflichtungen waren ausschlaggebend für die Erarbeitung einer Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?

International ist Deutschland zur Vorlage einer nationalen Biodiversitätsstrategie durch Artikel 6 der CBD verpflichtet (siehe oben), auf europäischer Ebene durch die EU-Biodiversitätsstrategie von 1998 sowie national durch die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (Wegweiser Nachhaltigkeit, Kapitel C IV, 2005).

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Warum hat die Bundesregierung eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt 2007 beschlossen?

1992 wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biodiversity, CBD) beschlossen. 1993 hat Deutschland das Übereinkommen ratifiziert. Inzwischen sind der CBD weltweit 196 Mitglieder beigetreten, auch die EU hat das Übereinkommen ratifiziert. Die CBD verpflichtet die Mitgliedsstaaten in Artikel 6, "...nationale Strategien, Pläne oder Programme zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt (zu) entwickeln oder zu diesem Zweck ihre bestehenden Strategien, Pläne und Programme an(zu)passen".

Deutschland hat von Anfang an intensiv an der nationalen Ausfüllung der CBD gearbeitet und mehrere National- und Umsetzungsberichte erstellt, jedoch lange keine nationale Biodiversitätsstrategie beschlossen. Deshalb hat sich die Bundesregierung in der Koalitionsvereinbarung der 16. Legislaturperiode darauf verständigt, "mit einer nationalen Strategie den Schutz der Natur zu verbessern und mit einer naturverträglichen Nutzung zu kombinieren". Im November 2007 hat die Bundesregierung die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen.

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Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Gentechnik in der Landwirtschaft: Positionen des Bundesumweltministeriums

Wie kann ich erkennen, ob meine Lebensmittel mittels Gentechnik erzeugt wurden?

Grundsätzlich gibt es eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel, die aus gentechnisch veränderten Organismen hergestellt wurden, oder diese enthalten. Diese Kennzeichnung erfolgt meistens in der Zutatenliste auf folgende oder ähnliche Weise: "Enthält gentechnisch veränderte …". Allerdings ist Lebensmittelhändlern die Sensibilität der Verbraucherinnen und Verbraucher in Bezug auf Gentechnik so bewusst, so dass sie in ihrem Angebot fast ohne Ausnahme auf Produkte, die Gentechnik enthalten, verzichten.

Nicht kennzeichnungspflichtig sind Produkte von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Organismen gefüttert wurden. Um Verbraucherinnen und Verbraucher auch hier die Wahlfreiheit zu ermöglichen, hat sich der Verband "Lebensmittel ohne Gentechnik" (VLOG) gegründet. Seine Mitglieder kennzeichnen Fleisch sowie Milchprodukte und Eier, die ohne Verfütterung von gentechnisch veränderten Pflanzen erzeugt werden, mit dem "Gentechnik - frei – Logo".

Brauchen wir Genome Editing, um Pflanzen an den Klimawandel anzupassen?

Nein, mit Genome Editing versucht man, die Nutzpflanzen gegen einzelne Stressfaktoren, bspw. Dürre, resistent zu machen. Ob diese Pflanzen aber gegen andere Stressfaktoren anfällig sind, kann man erst erkennen, wenn sie angebaut werden. Wichtiger für die Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel ist es, Anbausysteme zu schaffen, die widerstandsfähiger, also resilienter und nachhaltiger sind. Dafür ist die Pflanzenzüchtung nur ein Baustein. Weitere wichtige Bausteine sind eine größere Fruchtartenvielfalt bzw. weite Fruchtfolgen, gezielter eingesetzte und damit weniger Dünge- und Pflanzenschutzmittel oder der ökologische Landbau. Ob Pflanzen mit Hilfe von Genome Editing einzelne Eigenschaften erhalten können, die sie widerstandsfähig gegen Dürre oder Starkregen, Hitze oder Sturm machen, ist bislang nicht nachgewiesen, sondern lediglich ein Versprechen der großen Pflanzenzuchtunternehmen. Bereits vor 30 Jahren machten die gleichen Akteure ähnliche Versprechen für Pflanzen, die mit klassischer Gentechnik hergestellt wurden. Letztendlich wurden diese Versprechen auch damals nicht gehalten. 

Können durch Genome Editing zentrale ökologische oder Umwelt-Probleme der Landwirtschaft gelöst werden?

Insektensterben, Klimawandel und die Gewässerbelastung durch übermäßige Düngung sind nur ein Teil der komplexen Probleme, vor denen die Landwirtschaft aktuell steht. Diese lassen sich nicht einfach mit dem Einsatz von Neuen Gentechniken lösen. Im Gegenteil: Der Einsatz Neuer Gentechniken würde die voranschreitende Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft weiter fördern. Natürliche Ressourcen wie Wasser, Boden und Artenvielfalt werden dadurch stärker belastet beziehungsweise verbraucht. Werden weniger Nutzpflanzenarten über einen längeren Zeitraum auf denselben Flächen angebaut und nur wenige Hochleistungspflanzen genutzt, macht das die Landwirtschaft anfälliger für Wetterextreme und Schädlinge. Eine nachhaltige Landwirtschaft muss zum Erhalt von Wasser, Boden und Artenvielfalt beitragen, um das ganze System widerstandfähig (resilient) zu machen. 

Neue Gentechnik, Genome Editing und CRISPR/Cas

Welche Risiken oder Nebenwirkungen hat Genome Editing?

Nebenwirkungen sind auch beim Genome Editing möglich. Einerseits sind die Eingriffe in das Genom oft doch nicht so präzise, wie es vorgesehen ist. Durch das Verfahren können weitere gentechnische Veränderungen an anderer Stelle als gewünscht entstehen. Die gentechnische Veränderung der Erbinformation an einer oder mehreren Stellen kann sich ungeplant auf weitere Erbinformationen auswirken. Es können Reste der Genschere in der Zelle bleiben. Eine geänderte Eigenschaft zieht in der Folge weitere mögliche Änderungen nach sich. So können sich beispielsweise bei genom-editierten Pflanzen oder Tieren die Inhaltsstoffe ändern, was deren Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge, ihren Nährwert sowie ökologische Funktionen verändern kann.

Auch die beabsichtigte Veränderung kann außerhalb der veränderten Pflanzen- oder Tierart zu Problemen führen. So könnten sich z.B. trockenheitsresistente Pflanzen in die Umwelt ausbreiten und zu Schäden an natürlichen Lebensräumen führen. Herbizid-resistente Pflanzen können den Anbau von Monokulturen fördern.

Aus diesen Gründen ist die im Gentechnikrecht vorgeschriebene, umfassende Umweltrisikoprüfung auch bei genom-editierten Pflanzen unerlässlich.

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Neue Gentechnik, Genome Editing und CRISPR/Cas

Welchen Unterschied gibt es zwischen Pflanzen und Tieren aus "normaler" Züchtung und solchen, die mit Neuer Gentechnik erzeugt wurden?

Häufig hört man, Genome Editing sei nichts Anderes als natürlich vorkommende Mutationen oder Züchtung und deshalb müsse es ungefährlich sein. Diese Aussage ist nicht richtig, denn sie lässt wichtige Punkte außer Acht:

  1. Genome Editing ist zwar präziser als die klassische Gentechnik, aber nicht fehlerfrei.
  2. Genome Editing kann die Erbinformation an Stellen verändern, die sonst durch natürliche Mechanismen vor Veränderungen geschützt sind.
  3. Mit Genome Editing können parallel oder mehrfach hintereinander ganz unterschiedliche Gene verändert werden, um komplexe Eigenschaften von Pflanzen zu beeinflussen. Das kann tiefgreifende Änderungen im Organismus herbeiführen. Das Risiko, das von genom-editierten Organismen ausgeht, ist daher nur schwer vorhersagbar.
  4. Nur weil eine Veränderung möglicherweise auch natürlich entstehen könnte, bedeutet dies nicht, dass diese automatisch ungefährlich ist. Ist sie aber vom Menschen erzeugt, tragen wir auch die Verantwortung dafür.

Daher müssen vom Menschen erzeugte, genom-editierte Organismen auf mögliche Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit überprüft werden.

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Neue Gentechnik, Genome Editing und CRISPR/Cas

Ist Neue Gentechnik überhaupt Gentechnik?

Ja, Neue Gentechnik beziehungsweise Genome Editing ist Gentechnik. Das hat der Europäische Gerichtshof 2018 in einem Grundsatzurteil festgestellt. Eine Begründung für die Entscheidung ist, dass durch Genome Editing genetische Veränderungen schneller, umfangreicher und tiefgreifender herbeigeführt werden können als durch klassische Züchtung oder klassische Gentechnik. Die Risiken seien vergleichbar mit den Risiken der klassischen Gentechnik. Deshalb fallen in der EU zum Beispiel Pflanzen für die landwirtschaftliche Nutzung, die mit Neuer Gentechnik erzeugt wurden, unter das Gentechnikrecht. Sie müssen vor ihrer Zulassung auf mögliche Risiken für die Umwelt und die menschliche Gesundheit geprüft werden.

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Neue Gentechnik, Genome Editing und CRISPR/Cas

Was ist das Besondere und Neue an CRISPR/Cas? Wie funktioniert es?

Die Gen-Schere CRISPR/Cas ist das wichtigste Werkzeug des Genome Editing. Sie besteht aus zwei Teilen: dem Teil, der den Abschnitt in der Erbinformation (Genom) der Zelle erkennt (Erkennungskomponente), und dem Teil, der sie schneidet (Schneidekomponente). Die Erkennungskomponente bringt die Schneidekomponente in der Zelle an den gewünschten Genom-Abschnitt, um ein oder mehrere gewünschte Gene auszuschalten, zu verändern oder neue Erbinformation einzufügen.

Die Erkennungskomponente besteht nur aus wenigen Buchstaben und passt manchmal an verschiedenen Stellen im Genom. Daher kann die Genschere auch ungewollt an diesen oder ähnlichen Erkennungsstellen schneiden. Bislang wird die Genschere bei Pflanzen und Tieren am häufigsten angewendet, um an einer oder an mehreren Stellen Gene oder bestimmte Funktionen dauerhaft auszuschalten. Mit CRISPR/Cas ist das auch in Genomregionen möglich, die von Natur aus in der Zelle besonders geschützt sind und für die klassische Züchtung kaum zugänglich sind. Außerdem kann man wiederholt CRISPR/Cas anwenden. Auch deshalb können Organismen, die mit Neuer Gentechnik erzeugt wurden, auch dann tiefgreifende genetische Veränderungen aufweisen, wenn keine zusätzlichen Gene eingefügt wurden.

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Neue Gentechnik, Genome Editing und CRISPR/Cas

Was ist der Unterschied zwischen Genome Editing und klassischer Gentechnik?

Bei der klassischen Gentechnik ist es dem Zufall überlassen, an welcher Stelle und wie häufig sich das gewünschte Gen in das Genom einfügt. Beim Genome Editing dagegen kann ziemlich sicher festgelegt werden, wo die beabsichtigte Änderung platziert werden soll.

Gentechnik nutzt unterschiedliche Übertragungsmechanismen, um die Gene in die Zelle einzuschleusen: zum Beispiel eine "Mini-Kanone", die die Zelle mit den neuen Genen mit hoher Geschwindigkeit beschießt, oder es werden Bakterien als Transporter genutzt. Wo und wie häufig eine gentechnische Veränderung entsteht, ist zufällig und beeinflusst allerdings, ob und wie das neue Gen funktioniert und ob es möglicherweise andere, pflanzeneigene Gene zerstört. In der klassischen Gentechnik müssen Forscher daher lange suchen, bis sie eine Zelle finden, bei der die gentechnische Veränderung so funktioniert hat, wie es beabsichtigt war.

Genome Editing benutzt biologische Werkzeuge (Proteine oder RNS), die genau die Sequenz im Genom erkennen können, die verändert werden soll. Daher sind gentechnische Veränderungen mit Genome Editing präziser möglich als mit klassischer Gentechnik. Genome Editing-Werkzeuge werden jedoch häufig mit den gleichen Methoden in die Zelle eingeschleust, wie bei der klassischen Gentechnik. Nach der Genom Editierung muss – wie bei der klassischen Gentechnik– dann aus der veränderten Zelle wieder ein Lebewesen, zum Beispiel eine Pflanze, erzeugt werden.

Die mittlerweile am häufigsten angewandte Methode zur zielgerichteten Veränderung von Erbinformation ist die sogenannte "Genschere" CRISPR/Cas.

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Neue Gentechnik, Genome Editing und CRISPR/Cas

Was versteht man unter Neuer Gentechnik beziehungsweise Genome Editing?

Neue Gentechniken ermöglichen es, genetische Veränderungen in einen Organismus gezielt an bestimmten Stellen einzufügen. Der Begriff umschließt verschiedene Techniken. Einige dieser Verfahren können genutzt werden, um "Buchstaben" (Nukleotide) der Erbinformation (Genom) an einzelnen oder mehreren Stellen umzuschreiben beziehungsweise zu bearbeiten. Deshalb nennt man diese Verfahren auch Genome Editing. Man kann damit aber auch Teile des Genoms stilllegen oder neue Gene (also praktisch ganze Wörter) einfügen. Die Entdeckung von CRISPR/Cas, der sogenannten Genschere, hat die Entwicklung des Genome Editings einen enormen Schritt vorangetrieben, denn sie funktioniert vielfach besser als die bisherigen Verfahren. Angewandt werden kann sie bei praktisch allen Organismen, also Pflanzen, Tieren, Bakterien, Pilzen, Viren und auch menschlichen Zellen. Sie ist damit in vielen Bereichen, zum Beispiel der Biotechnologie, der Medizin, der Grundlagenforschung und der Tier- und Pflanzenzüchtung einsetzbar.

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Neue Gentechnik, Genome Editing und CRISPR/Cas

Gentechnik in Umwelt und Natur: Positionen des Bundesumweltministeriums

Warum ist Gentechnik in der Landwirtschaft nicht hilfreich?

Die Agrogentechnik wird hauptsächlich eingesetzt, um die intensivierte und industrialisierte Landwirtschaft weiter voranzutreiben. Mehr als 80 Prozent der weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen sind heute herbizid-resistent. Ihr großflächiger Einsatz führt zu gravierenden Schäden an Natur und Umwelt.

Herbizid-resistent bedeutet: Eine Pflanze wird so verändert, dass sie überlebt, auch wenn sie mit einem Unkrautvernichtungsmittel (Herbizid) besprüht wird. Durch diese gezielte genetische Veränderung kann auf dem Feld während des Wachstums ein Totalherbizid eingesetzt werden, das alle anderen Pflanzen abtötet. Auch solche Pflanzen, die den Ertrag des Landwirts gar nicht mindern würden. Häufiger Einsatz von Totalherbiziden führt dazu, dass manche Unkräuter eine natürliche Resistenz gegen genau diese Herbizide entwickeln. In der Folge können sich diese Unkräuter konkurrenzlos ausbreiten, denn alle anderen Wildkräuter überstehen die Herbizidanwendung nicht. Dies zwingt die Landwirte, weitere Herbizide zu spritzen, um die resistenten Unkräuter, die zu massiven Ertragseinbußen führen können, zu bekämpfen. Dadurch erhöht sich der Herbizideinsatz auf diesen Flächen noch weiter, mit noch weiteren Folgen für Natur und Umwelt. So verlieren beispielsweise Wildbienen ihre Nahrungsgrundlage. Außerdem kann es in Grundwasser und Oberflächengewässer gelangen, und auch dort Pflanzen und Tiere schädigen. Auch die Rückstände an Herbiziden in den Ernteprodukten und damit in der Folge auch in den Futter- und Lebensmitteln nimmt zu. Herbizide und ihre Abbauprodukte können schädlich für Mensch und Tier sein.

Andere gentechnisch veränderte Pflanzen enthalten Gifte gegen Schädlinge, zum Beispiel den Maiszünsler, dessen Ausbreitung man mit einer wechselnden Fruchtfolge und Bodenbearbeitung, zum Beispiel Pflügen, ebenso kontrollieren könnte.

Das BMU setzt dagegen auf eine nachhaltige, natur- und umweltverträgliche Landwirtschaft. Zum Schutz der natürlichen Ressourcen Wasser, Boden, Luft und Artenvielfalt ist mehr Nachhaltigkeit im Ackerbau notwendig. Das BMU setzt sich daher für einen grundlegenden Wandel in der Landwirtschaftspolitik und -förderung ein.

Warum setzt sich das BMU für die Kennzeichnung von gentechnisch veränderten Lebensmitteln ein?

Nur wenn gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet sind, können Verbraucherinnen und Verbraucher frei entscheiden, was bei ihnen auf den Tisch kommt. Die Menschen in Deutschland wünschen sich, dass mit Gentechnik transparent und sicher umgegangen wird. Das zeigen auch die Erkenntnisse der jüngsten Naturbewusstseinsstudie von 2019. Die Studie zeigt, dass die Menschen selbst entscheiden wollen, ob sie gentechnisch veränderte Lebensmittel essen oder nicht. 95 Prozent der Befragten befürworten, dass entsprechende Lebensmittel gekennzeichnet werden und dass mögliche Umweltauswirkungen untersucht werden. 

Warum ist das Vorsorgeprinzip bei Neuer Gentechnik/ Genome Editing so wichtig?

Grundsätzlich sind die möglichen Risiken bei Neuen Gentechniken vergleichbar mit denen der klassischen Gentechnik. Auch hier verändern Gentechnikerinnen und Gentechniker Pflanzen technisch, um ihnen eine oder mehrere neue Eigenschaften zu geben. Mit Genome Editing kann man punktuell das Genom verändern, es sind aber auch noch wesentlich tiefgreifendere Änderungen möglich als mit klassischer Gentechnik. Daher ist dem BMU wichtig, dass wissenschaftlich überprüft wird, ob diese Veränderungen negative Auswirkungen auf Natur oder Umwelt, Mensch oder Tier haben, bevor sie in die Umwelt gebracht werden. Damit bleibt das Vorsorgeprinzip gewahrt. 

Welche Umweltrisiken gehen von freigesetzten gentechnisch veränderten Organismen aus?

Gentechnisch veränderte Organismen (GVO) können in der Natur und Umwelt (1) erwartete und unerwartete, (2) direkte und indirekte, (3) sofortige und langfristige Effekte haben. Auch können Effekte sich aufsummieren. All diese Risiken für Natur und Umwelt müssen daher überprüft werden, bevor die GVO freigesetzt werden.

  1. Gentechnikerinnen und Gentechniker verändern Pflanzen, aber auch Tiere und Bakterien, um ihnen eine neue Eigenschaft zu geben. Diese beabsichtigte Veränderung kann aber auch unerwünschte Nebenwirkungen haben. Wenn zum Beispiel eine gentechnische Maissorte ein Insektengift gegen Schädlinge bildet, kann das unerwartet dazu führen, dass auch geschützte Tiere, die von der Pflanze fressen, sterben. Oder der Wind trägt die Pollen, in denen dieses Gift enthalten ist, in Naturschutzgebiete. Sie können dort beispielsweise geschützte Insekten wie Schmetterlinge schädigen. Außerdem kann ein gentechnischer Eingriff auch weitere, unvorhergesehene Veränderungen bewirken. Die Gründe dafür sind vielschichtig. So kann der Eingriff zusätzlich das Genom an Stellen verändern, die gar nicht das Ziel waren. Oder der Stoffwechsel der Pflanze wird entweder beabsichtigt oder zufällig verändert.
  2. Weil ein lebender GVO auf vielen Ebenen mit der Natur, der Umwelt und den Menschen in Wechselwirkungen steht, können auch indirekte Umwelt- und Gesundheitsauswirkungen entstehen: zum Beispiel kann der Anbau von gentechnisch veränderten, Glyphosat-resistenten Pflanzen zu höheren Belastungen von Glyphosat in Nahrungsmitteln führen. Die Pflanzen können während der ganzen Anbauperiode mit dem Unkrautvernichtungsmittel behandelt werden. Damit werden alle Ackerwildkräuter abgetötet. Als Folge verlieren Insekten und Vögel, die sich von den Wildkräutern ernähren, die Nahrungsgrundlage.
  3. Auswirkungen auf Populationen sind oft nicht sofort zu erkennen, sondern zeigen sich erst langfristig. Auch können sich die GVO in wildverwandte Arten auskreuzen und damit die Eigenschaften von wilden Populationen verändern.

Das Bundesamt für Naturschutz überprüft all diese möglichen Auswirkungen der gentechnischen Veränderung auf ihr Risiko für Natur und Umwelt.

Aktionsprogramm Insektenschutz

Welche wissenschaftlichen Grundlagen gibt es für den Insektenrückgang?

Es ist wissenschaftlich hinreichend bewiesen, dass wir in Deutschland einen dramatischen Verlust von Insekten haben. Dieser seit mehreren Jahrzehnten zu beobachtende Insektenrückgang wird insbesondere durch die bundesweit geführten Roten Listen des Bundesamts für Naturschutz umfassend für die einzelnen Arten dokumentiert (siehe Bericht des Bundes für die 90. Umweltministerkonferenz) und durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt (zum Beispiel Haslberger & Segerer 2016, Habel et al. 2016, Seibold et al. 2019). Neben dem Rückgang einzelner Insektengruppen ist ebenfalls die Abnahme der Insekten-Biomasse insgesamt belegt (zum Beispiel Hallmann et al. 2017). Zahlreiche internationale und europäische wissenschaftliche Studien untermauern diesen Rückgang.

Welches sind die Hauptursachen für den Insektenrückgang?

Nach aktuellem Forschungsstand liegen die Hauptursachen im Verlust und der qualitativen Verschlechterung von Insektenlebensräumen, dem Verlust der Strukturvielfalt mit einer Vielzahl an Wildpflanzen, einem Management von Naturschutzgebieten, das zum Teil die Bedürfnisse von Insekten unzureichend berücksichtigt, der Anwendung von Pestiziden (Pflanzenschutzmittel und Biozide), dem Eintrag von Nähr- und Schadstoffen in Böden und Gewässer sowie der Lichtverschmutzung. Diese zentralen Ursachen sind wissenschaftlich hinreichend belegt und begründen einen akuten Handlungsbedarf. Viele weitere Einflussfaktoren tragen darüber hinaus zum Verlust oder der Qualitätsverschlechterung von Insektenlebensräumen bei.

Welches Ausmaß hat der Insektenrückgang?

Das Ausmaß des Insektenrückgangs ist dramatisch und hinreichend wissenschaftlich belegt. Das Insektensterben ist kein lokales oder regionales Phänomen, sondern eine bundesweite und klar belegbare Entwicklung. 42 Prozent der in den Roten Listen erfassten Insektenarten gelten als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben. Noch dramatischer ist die Abnahme der Anzahl der Tiere, hier sind Rückgänge um die 80 Prozent keine Ausnahme (siehe dazu auch Antwort auf die erste Frage).

Dieser massive Rückgang von Insekten und ihrer Vielfalt hat weitreichende Konsequenzen für die Umwelt und uns Menschen. Insekten sind ein integraler Teil der biologischen Vielfalt und spielen in unseren Ökosystemen eine wichtige Rolle. Von den knapp 50.000 in Deutschland vorkommenden Tierarten sind über 33.000 Arten – das heißt fast 70 Prozent – Insekten.

Viele Insektenarten erbringen elementare Ökosystemleistungen, zum Beispiel für die Bestäubung von Pflanzen, für den Abbau organischer Masse, die biologische Kontrolle von Schadorganismen, die Gewässerreinigung oder die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit. Der Rückgang der Insekten und ihrer Ökosystemleistungen hat damit unmittelbare Auswirkungen auf uns Menschen.

Zudem sind Insekten auch Nahrungsgrundlage für andere Insekten und weitere Tiergruppen wie Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien oder Fische. Auswertungen von Bestandsveränderungen bei Vogelarten der letzten Jahre zeigen, dass besonders Bestandsrückgänge bei denjenigen Vogelarten zu beobachten sind, die sich während der Brutzeit überwiegend von Kleininsekten und Spinnen ernähren.

Was ist in dem Gesetzentwurf des BMU geregelt?

Das sogenannte Insektenschutzgesetz in Federführung des BMU enthält zahlreiche Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes,  unter anderem Regelungen zur

  • Stärkung der Landschaftsplanung und damit auch des Insektenschutzes in Planungsverfahren unter anderem dadurch, dass konkrete Anwendungsbeispiele von Grünordnungsplänen aufgezählt werden,
  • Ausweitung des gesetzlichen Biotopschutzes auf "artenreiches Grünland", "Streuobstwiesen", "Steinriegel" und "Trockenmauern" als Biotope, die vielen Insektenarten wichtige Lebensräume bieten,
  • Einschränkung des Biozideinsatzes in einer Reihe von Schutzgebieten, um in diesen ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen Insekten und ihre Lebensräume besonders zu schützen,
  • Stärkung temporärer Naturschutzmaßnahmen, auch um Anreize für die Schaffung zusätzlicher temporärer Lebensräume für Insekten zu setzen,
  • Unterbindung der Neuerrichtung bestimmter Beleuchtungsanlagen in bestimmten Schutzgebieten, unter anderem, da nachtaktive Insekten vielfach von künstlichen Lichtquellen angelockt werden und dort verenden,
  • Schaffung von Ermächtigungsgrundlagen zum Erlass von Rechtsverordnungen zur weitergehenden Verringerung der Lichtverschmutzung und zur Beschränkung des Einsatzes von Insektenfallen.

Welche Schritte sind jetzt noch erforderlich, damit das Gesetz in Kraft treten kann?

Der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf durchläuft nun das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren. Das Gesetz wird vom Bundestag beschlossen, der Bundesrat ist zu beteiligen, muss aber nicht ausdrücklich zustimmen. Hat das Gesetz Bundestag und Bundesrat passiert, wird es vom Bundespräsidenten ausgefertigt und im Bundesgesetzblatt verkündet und kann danach in Kraft treten. 

Welche Schritte sind jetzt noch erforderlich, damit die Verordnung in Kraft treten kann?

Der Verordnungsentwurf wird zunächst der Europäischen Kommission notifiziert, die ihn unter unionsrechtlichen Aspekten zu prüfen hat und dazu gegebenenfalls eine Stellungnahme abgeben kann. Nach der Zustimmung des Bundesrates wird die Verordnung vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft ausgefertigt und im Bundesgesetzblatt verkündet.

Nützen die neue Regelungen nur den Insekten?

Der Schutz der Insekten und auch der Insektenvielfalt ist zunächst einmal elementar für den Erhalt der biologischen Vielfalt und des zu schützenden Naturkapitals. Auf den zweiten Blick wird aber deutlich: Er nützt auch den Menschen. Und zwar unter verschiedenen Aspekten.

Zuallererst profitiert auch die Landwirtschaft von einer intakten Insektenvielfalt: Insekten erbringen zum Beispiel in Form von Bestäubung grundlegende Ökosystemleistungen, weshalb ihr durch die jetzt im Entwurf beschlossenen Regelungen bezweckter Schutz auch einen ökonomischen Nutzen für den Menschen bzw. die Landwirtschaft hat. Allein in Deutschland wird die Bestäuberleistung durch Insekten mit einem durchschnittlichen Jahresgesamtgewinn zur Ernte auf 1,1 Milliarden Euro geschätzt.

Zweitens: Ohne Insekten keine Pflanzen- und Tiervielfalt, die – nicht nur in der "freien Landschaft", sondern durchaus auch im Siedlungsbereich – zu unserer Gesundheitsvorsorge beiträgt und uns Raum zur Erholung bietet. Einen Beitrag zur Gestaltung und Erhaltung solcher Freiräume soll der jetzt von der Bundesregierung beschlossene Gesetzentwurf nicht zuletzt durch eine Stärkung des naturschutzrechtlichen Instruments der Landschaftsplanung leisten.

Durch die Erweiterung der Liste der gesetzlich geschützten Biotope leistet er zudem auch einen wichtigen Beitrag zur Förderung und Erhaltung eines vielfältigen Landschaftsbildes und eines bedeutsamen Naturerbes mit in manchen Regionen sogar touristischer Relevanz.

Die mit dem Gesetzentwurf weiterhin in Angriff genommene Reduktion von Lichtverschmutzung fordert außerdem zu einer Suche nach innovativen Lösungen heraus: Das betrifft die Frage, wie Beleuchtungen von Straßen, Gebäuden, Grundstücken usw. in Zukunft so ausgestaltet und betrieben werden können, dass Tiere und Pflanzen wild lebender Arten vor nachteiligen Auswirkungen durch Lichtimmissionen geschützt werden. Und wenn wir auf diese Weise zudem noch dazu beitragen, die allgemeine Aufhellung der Landschaft einzuhegen, können auch davon letztlich alle profitieren, nicht nur die Insekten.

Die rechtliche Umsetzung des Aktionsprogramms Insektenschutz

Was bringt die vorgesehene Ausweitung des gesetzlichen Biotopschutzes den Insekten?

Der Entwurf sieht – wie bereits mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz vereinbart – vor, den gesetzlichen Biotopschutz des § 30 BNatSchG auszuweiten auf artenreiches Grünland, Streuobstwiesen, Steinriegel und Trockenmauern. Solche Biotope sind wichtige Lebensräume vieler Insektenarten. Zugleich handelt es sich hier um Ausprägungen eines bedeutsamen Naturerbes, das Landwirtinnen und Landwirte als Kulturlandschaft geschaffen haben und das es zu sichern und zu bewahren gilt. Durch den gesetzlichen Schutz wird deshalb nun sichergestellt, dass derartige Biotope nicht zerstört oder erheblich beschädigt werden. Maßnahmen, die zur Erhaltung, Pflege und insektenfreundlichen Bewirtschaftung dieser Flächen erforderlich sind, bleiben aber natürlich weiterhin möglich beziehungsweise sind erwünscht und können auch weiterhin finanziell gefördert werden.

Welche Regelungen sieht der Gesetzentwurf für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln vor?

In dem zu erlassenden Gesetz selbst werden keine Regelungen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln getroffen. Diese sind  vielmehr – wie im Aktionsprogramm Insektenschutz vorgesehen – in der Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung enthalten.

Inwieweit nimmt das zu erlassende Gesetz auch andere Sektoren als die Landwirtschaft mit in den Blick?

Ein besonderer Schwerpunkt bei der Bekämpfung des Insektenrückgangs liegt zweifellos bei der Landwirtschaft. Aber die Landwirtschaft ist es eben auch nicht alleine. Darauf weist schon die inhaltliche Vielfalt der im Aktionsprogramm Insektenschutz enthaltenen Maßnahmenpunkte hin. Das spiegelt sich in besonderer Weise auch in dem jetzt verabschiedeten Gesetzentwurf wider. Zu nennen sind hier insbesondere solche Punkte wie die vorgesehene Stärkung der Landschaftsplanung und von temporären Naturschutzmaßnahmen ebenso wie das Vorsehen von Regelungen zur Verringerung der Lichtverschmutzung. Und auch die in dem Entwurf vorgesehene Einschränkung des Biozideinsatzes in Schutzgebieten weist gar keinen spezifischen Bezug zur Landwirtschaft auf, für die ja in erster Linie vielmehr die zweite Untergruppe der Pestizide, die Pflanzenschutzmittel, von Bedeutung sind.

Was wird in der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung geregelt?

Entsprechend der Vorgaben aus dem Aktionsprogramm Insektenschutzgesetz sieht der jetzt beschlossene Verordnungsentwurf Regelungen zur Beschränkung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in drei für den Insektenschutz wichtigen Bereichen vor. Erstens enthält er Vorgaben, die eine Beendigung der Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln zum Ablauf des 31. Dezember 2023 sicherstellen und für die Zeit vor diesem "Komplettausstieg" bereits für deutliche Einschränkungen des Einsatzes solcher Pflanzenschutzmittel sorgen. Zweitens sieht er ein Verbot der Anwendung von Herbiziden und biodiversitätsschädigenden Insektiziden in ökologisch besonders schutzbedürftigen Gebieten vor. Und drittens beinhaltet er die Festlegung eines bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln allgemein einzuhaltenden Mindestabstands zu Gewässern.

Wie soll die Verordnung den "Glyphosatausstieg" umsetzen?

Wie im Aktionsprogramm Insektenschutz vorgesehen soll durch die Verordnung der Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmitteln zunächst mit sofortiger Wirkung in vielen wichtigen Bereichen deutlich eingeschränkt und mit Ablauf des 31. Dezembers 2023 dann vollständig beendet werden. Die unmittelbar greifenden Beschränkungen umfassen dabei insbesondere ein Verbot der Anwendung vor der Ernte und deutliche Beschränkungen der Anwendung vor der Aussaat und nach der Ernte, ebenso aber auch Anwendungsverbote im Haus- und Kleingartenbereich und für Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, sowie in einer Vielzahl von naturschutz- und wasserrechtlich geschützten Schutzgebieten.

In welchen Schutzgebieten wird der Pflanzenschutzmitteleinsatz durch die neuen Regelungen künftig konkret beschränkt?

Das in dem Verordnungsentwurf vorgesehene Verbot von Herbiziden und biodiversitätsschädigenden Insektiziden gilt in Naturschutzgebieten, Nationalparken, Nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern, gesetzlich geschützten Biotopen und Fauna-Flora-Habitat-Gebieten (FFH-Gebiete). In FFH-Gebieten ist allerdings die Anwendung bei Sonderkulturen, zum Beispiel Obst und Gemüse, sowie beim Ackerbau auf solchen Flächen, die nicht einer der anderen oben genannten Schutzgebietskategorien unterfallen, von dem Verbot ausgenommen. Vom Verbot sind damit zunächst 4,9 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands erfasst, davon ist ein Großteil Grünland. Auf Grünlandflächen werden ohnehin nur in sehr geringem Umfang Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Beim Ackerbau in FFH-Gebieten außerhalb von Flächen, die zugleich auch einer anderen der oben genannten Schutzgebietskategorien unterfallen, wird der Verzicht auf bestimmte Pflanzenschutzmittel hingegen zunächst primär über kooperative Ansätze angestrebt. Hierzu ist vereinbart, dass das BMEL bis zum 30. Juni 2024 dem Bundeskabinett über die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und die Auswirkungen freiwilliger Maßnahmen zur Reduzierung der Anwendung dieser Pflanzenschutzmittel auf diesen Flächen berichtet und dabei, sofern erforderlich, auch Vorschläge für eine Anpassung der jetzt zunächst vereinbarten Regelungen unterbreitet. Auf dieser Grundlage wird die Bundesregierung dann über entsprechende Anpassungen beraten.

Außerdem können zur Abwendung erheblicher wirtschaftlicher Schäden oder zum Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt von den zuständigen Landesbehörden Ausnahmen von den Verboten erteilt werden.

Welche Abstandsregeln für den Pflanzenschutzmitteleinsatz sollen an Gewässern nach der Verordnung künftig gelten?

Wie im Aktionsprogramm Insektenschutz vorgegeben, sieht der Verordnungsentwurf die verbindliche Festlegung eines bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln allgemein einzuhaltenden Mindestabstands zu Gewässern, ausgenommen kleine Gewässer von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung, vor, der fünf Meter betragen soll, wenn die Abstandsfläche dauerhaft begrünt ist, und 10 Meter, wenn dies nicht der Fall ist, wobei die Länder abweichende Abstandsregelungen vorsehen können.

In welchem Verhältnis stehen die jetzt auf Bundesebene neu einzuführen-den Regelungen zu den Regelungspaketen zum Insektenschutz, die in den vergangenen beiden Jahren in mehreren Bundesländern erlassen wurden?

Bei der Erarbeitung der Entwürfe sowohl für das Gesetz als auch für die Verordnung ist sehr darauf geachtet worden, sich einerseits möglichst eng an den Vorgaben des vom Kabinett bereits im September 2019 beschlossenen Aktionsprogramms Insektenschutz zu orientieren, andererseits aber, wo möglich, auch Raum zu lassen für die Berücksichtigung von rechtlichen Regelungsinitiativen für den Insektenschutz auf Länderebene, wie es sie in jüngerer Zeit insbesondere in Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen gab. Hier war auf der einen Seite zu würdigen, dass auch diese landesspezifischen Regelungsansätze das Ergebnis hart erarbeiteter Kompromissfindung zwischen Umwelt- und Landwirtschaftsseite darstellen. Auf der anderen Seite war aber auch der Charakter des Aktionsprogramms Insektenschutz als Maßnahmenkatalog mit dem Anspruch bundesweiter Reichweite angemessen in Rechnung zu stellen. Da es dabei zwischen den Ansätzen auf Bundes- und Landesebene in manchen Bereichen mehr Überschneidungen gab als in anderen, schlägt sich dieser Ansatz auch in den beschlossenen Regelungsentwürfen bei unterschiedlichen Regelungen unterschiedlich stark nieder.

Insektenschutz ist ein wichtiges Anliegen, kann aber gegebenenfalls zu Nutzungseinschränkungen führen. Kann dies mit finanziellen Förder-/Ausgleichsmöglichkeiten "aufgefangen" werden? Welchen Beitrag kann die neue GAP leisten?

Schon im Jahr 2020 wurde der Sonderrahmenplan Insektenschutz in der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz (GAK) eingerichtet, in dem der Bund derzeit 85 Millionen Euro jährlich zur Unterstützung der Landwirtschaft zur Verfügung stellt.

Darüber hinaus ermöglicht der EU-Rechtsrahmen zur GAP schon jetzt den Ausgleich von Belastungen, die Landbewirtschafterinnen/Landbewirtschafter durch Nutzungseinschränkungen in Natura 2000-Gebieten entstehen. Dieser sogenannte "Natura 2000-Ausgleich" gilt auch beziehungsweise insbesondere für ordnungsrechtliche Auflagen wie zum Beispiel ein Pestizidverbot in FFH-Gebieten.

Diese Möglichkeit soll in der kommenden Förderperiode attraktiver gestaltet werden, indem die bisherige Obergrenze der Förderung entfällt. Damit bestehen für die Länder gute Rahmenbedingungen, diese Fördermöglichkeiten zukünftig verstärkt zu nutzen.

Das Bundesumweltministerium setzt sich für eine Verbesserung dieser Finanzierungsmöglichkeit durch einen höheren Umschichtungssatz von Mitteln aus der ersten in die zweite Säule der europäischen Agrarpolitik ein, um den kooperativen Ansatz zwischen Landwirtschaft und Naturschutz weiter auszubauen.

Was bedeuten die neuen Regelungen des Bundesnaturschutzgesetzes für die Landwirtschaft in Naturschutzgebieten?

Die neuen Regelungen im Bundesnaturschutzgesetz lassen die Landwirtschaft in Naturschutzgebieten weitestgehend unberührt.

Mit der Änderung im Bundesnaturschutzgesetz wird in einer Reihe von Schutzgebieten die Anwendung bestimmter Biozide grundsätzlich verboten, um in diesen ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen Insekten und ihre Lebensräume besonders zu schützen. Die Vorschrift umfasst spezielle Mittel gegen Arthropoden sowie Holzschutzmittel und konzentriert sich damit auf Biozide mit bestimmungsgemäßer insektizider Wirkung. Die in dem Entwurf vorgesehene Einschränkung des Biozideinsatzes in Schutzgebieten weist gar keinen spezifischen Bezug zur Landwirtschaft auf, für die ja in erster Linie vielmehr die zweite Untergruppe der Pestizide, die Pflanzenschutzmittel, von Bedeutung sind.

Ein Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln wird in der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung geregelt. Außerdem können zur Abwendung erheblicher wirtschaftlicher Schäden von den zuständigen Landesbehörden Ausnahmen von den Verboten erteilt werden. Es kann daher schon nicht von einem Totalverbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln, erst Recht aber nicht von einem Verbot oder gar einer "Enteignung" der Landwirtschaft gesprochen werden.

Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden"

Welche Naturstätten sind als UNESCO-Welterbe ausgezeichnet?

In Deutschland befinden sich drei UNESCO-Weltnaturerbestätten auf der Welterbeliste: die Fossilienlagerstätte Grube Messel (Hessen), das deutsch-niederländisch-dänische Wattenmeer, und die Alten Buchenwälder Deutschlands.

Das Wattenmeer wurde 2009 in die Welterbeliste aufgenommen. Zum Weltnaturerbe Wattenmeer gehören die Nationalparke Niedersächsisches Wattenmeer, Hamburgisches Wattenmeer, Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sowie ein Schutzgebiet in den Niederlanden. 2014 wurde das Gebiet um das dänische Wattenmeer erweitert, sodass nun das gesamte Wattenmeer entlang der Nordseeküste auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Die Alten Buchenwälder Deutschlands wurden 2011 als Erweiterung der Buchenurwälder der Karpaten (Slowakische Republik/Ukraine) als Naturerbe in die Welterbeliste aufgenommen. Dabei handelt es sich um Gebiete in den Nationalparken Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, Hainich in Thüringen und Kellerwald-Edersee in Hessen sowie dem Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg.

Das Ziel des UNESCO-Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Welterbekonvention) ist es, Natur- und Kulturgüter von außergewöhnlichem und universellem Wert als Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit dauerhaft zu erhalten.

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Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden"

Was ist das "Nationale Naturerbe" und welche Bedeutung hat es für den Naturschutz in Deutschland?

Das "Nationale Naturerbe" ist eine herausragende Initiative des Bundes, bei der bundeseigene Flächen unentgeltlich an die Länder, an Naturschutzorganisationen –sowie Stiftungen übertragen werden, die künftig für die Pflege und Entwicklung der Flächen zum Schutze der Natur verantwortlich sind. Auf einem Teil des Naturerbes übernimmt der Bund selbst die Naturschutzaufgaben. Bislang konnten so rund 156.000 Hektar Naturerbe-Flächen für die Natur gesichert werden.

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes weisen eine außergewöhnlich hohe Arten- und Lebensraumvielfalt auf. Aufgrund der früheren besonderen Nutzung als militärisches Übungsgebiet oder der Lage in Naturschutzgebieten sind viele Naturerbe-Flächen wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Mit ihrer teilweise enormen Ausdehnung sowie dem Fehlen von Siedlungen und Verkehrswegen bieten die Gebiete die Chance, Natur- und Artenschutz großräumig und ohne Konflikte mit konkurrierenden (wirtschaftlichen) Nutzungen umzusetzen. Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind vorrangig der Natur gewidmet.

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Was sind "Naturparke" und welche Bedeutung haben sie für den Naturschutz in Deutschland?

Naturparke sind großräumige Landschaften, die überwiegend aus Landschafts- und Naturschutzgebieten bestehen. Sie dienen dem Schutz und Erhalt der Kulturlandschaften, dem Naturerleben und der Erholung, dem natur- und umweltverträglichen Tourismus und einer dauerhaft natur- und umweltverträglichen Landnutzung. Mit einer Gesamtfläche von mehr als 10,1 Millionen Hektar decken die Naturparke etwa 28,4 Prozent der Landesfläche Deutschlands ab. In Deutschland gibt es derzeit 104 Naturparke.

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Was sind "Biosphärenreservate" und welche Bedeutung haben sie für den Naturschutz in Deutschland?

UNESCO-Biosphärenreservate sind international repräsentative Modellregionen. Sie verwirklichen nachhaltige Entwicklung und erhalten die Natur- und Kulturlandschaft im Rahmen des UNESCO-Programms "Der Mensch und die Biosphäre" (MAB).

In Deutschland gibt es derzeit 18 Biosphärenreservate. Sie nehmen mit einer Gesamtfläche von knapp zwei Millionen Hektar einen Anteil von etwa vier Prozent an der Fläche Deutschlands ein (ausgenommen Wasser- und Wattflächen der Nord- und Ostsee). Sie verfügen über eine Kernzone (mindestens drei Prozent ihrer Fläche) für den Prozessschutz beziehungsweise die Erhaltung natürlich-dynamischer Prozesse. Von den 18 Biosphärenreservaten in Deutschland sind 16 von der UNESCO anerkannt; bei den beiden verbleibenden Gebieten Südharz und Drömling wird die internationale Anerkennung angestrebt.

Die Biosphärenreservate zwischen Südostrügen und Berchtesgadener Land repräsentieren wichtige Landschaftstypen Deutschlands und zeigen die Vielfalt der Lebensräume, der Fauna und Flora hierzulande. Sie sind unterteilt in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen. Fast alle deutschen Biosphärenreservate werden als Kulturlandschaften wirtschaftlich genutzt und liegen in ländlichen Räumen. Wegen niedriger Umweltbelastung und reizvoller Landschaft sind sie beliebte Urlaubsziele und Naherholungsgebiete. In Deutschland gehören neben den Nationalparken und Naturparken auch die Biosphärenreservate zu den "Nationalen Naturlandschaften". Weltweit gibt es 701 Biosphärenreservate im UNESCO-Weltnetz.

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Was sind "Nationalparke" und welche Bedeutung haben sie für den Naturschutz in Deutschland?

Im Jahr 1970 wurde der erste deutsche Nationalpark Bayerischer Wald ausgewiesen. Mittlerweile gibt es neben den Biosphärenreservaten und Naturparken insgesamt 16 Nationalparke als Teil der 138 Nationalen Naturlandschaften Deutschlands. Oberstes Schutzziel der deutschen Nationalparke ist die Gewährleistung einer ungestörten Dynamik der Naturprozesse, hier darf Natur wieder Natur sein.

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Was sind "Nationale Naturmonumente" und welche Bedeutung haben sie für den Naturschutz in Deutschland?

"Nationale Naturmonumente" wurden als Schutzgebietskategorie in Anlehnung an internationale Vorbilder im Jahr 2010 in das deutsche Naturschutzrecht eingeführt. Sie schützen Landschaftsausschnitte oder flächenhafte Naturerscheinungen, die aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, kulturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen und wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit von herausragender Bedeutung sind. Oftmals im Zusammenwirken natürlicher und menschlicher Einflüsse entstanden, sind sie häufig Refugien für ganz besondere Lebensgemeinschaften. Bezogen auf ihre Größe ordnen sich Nationale Naturmonumente zwischen den deutlich größeren Nationalparken einerseits und den wesentlich kleineren Naturdenkmälern andererseits ein.

Ein Nationales Naturmonument unterliegt einem strengen Schutz, der jegliche Veränderung der geschützten Naturerscheinung ausschließt. Dieser herausgehobene Schutz ist auch als Auszeichnung zu verstehen. Er weist einerseits auf eine besondere Verantwortung hin und macht andererseits auf eine außergewöhnliche Attraktion aufmerksam. Nationale Naturmonumente halten dazu an, sorgfältig mit dem umzugehen, was das kulturelle und natürliche Erbe aus vergangenen Zeiten überliefert hat. Derzeit gibt es sechs "Nationale Naturmonumente" in Deutschland, die ein vielfältiges Spektrum an außergewöhnlichen natürlichen und kulturellen Erscheinungen abbilden: von den eher kleinräumigen uralten "Ivenacker Eichen", die Felsnadeln der "Bruchhauser Steine" und das "Kluterthöhlensystem" über den imposanten Donaudurchbruch an der "Weltenburger Enge" bis hin zum insgesamt rund 1400 Kilometer langen ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifen, der als "Grünes Band" bereits in Thüringen und Sachsen-Anhalt zum Nationalen Naturmonument erklärt wurde.

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Was ist das "Grüne Band" und welche Bedeutung hat es für den Naturschutz in Deutschland?

Das "Grüne Band" ist der ehemalige Grenzstreifen zwischen Ost und West in ganz Europa. In diesem 12.500 Kilometer langen Bereich konnte sich aufgrund der Nutzungsruhe und Abgeschiedenheit über Jahrzehnte ein zusammenhängendes Band von zum Teil sehr wertvollen Biotopen entwickeln. In Deutschland gehört der 1400 Kilometer lange Abschnitt zum Nationalen Naturerbe und bildet einen Biotopverbund von Süd nach Nord.

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Was war das "DDR-Nationalparkprogramm"?

Das Nationalparkprogramm wurde von der letzten DDR-Regierung im September 1990 verabschiedet. Fünf Nationalparke, sechs Biosphärenreservate und drei Naturparke, davon allein fünf Schutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern, wurden ausgewiesen und erhielten im Einigungsvertrag Bestandsschutz. Damit wurden etwa 4,5 Prozent der Landesfläche der DDR unter Schutz gestellt: ein in der deutschen Geschichte einmaliger Vorgang. Nach der Wiedervereinigung wurden bundesweit sechs weitere Nationalparke ausgewiesen. Insgesamt verfügt Deutschland heute über 138 Großschutzgebiete: 16 Nationalparke, 18 Biosphärenreservate und 104 Naturparke.

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Wodurch ist die biologische Vielfalt gefährdet?

Für den Rückgang der Artenvielfalt ist vor allem der Mensch verantwortlich. Gründe gibt es viele: Der Raubbau an der Natur lässt in vielen Ländern aus Wäldern Agrarsteppen entstehen, und Flussauen machen für Siedlungen Platz. Vom Menschen eingeschleppte Arten verdrängen die einheimische Flora und Fauna. Und auch der Klimawandel beeinträchtigt Lebensgemeinschaften, etwa, weil weniger Niederschläge fallen.

Unser menschliches Handeln hat dramatische Auswirkungen auf alles weitere Leben auf der Erde und im Wasser. Die heutige Biomasse von wilden Landsäugetieren zum Beispiel ist etwa siebenmal niedriger als zu Beginn der menschlichen Zivilisation. Intensiver Walfang und Ausbeutung anderer Meeressäuger haben zu einem circa fünffachen Rückgang der globalen Biomasse von Meeressäugern geführt. Die Hälfte der Pflanzen wurde bisher zerstört. Ursachen sind direkte Vernichtung, aber auch die Einschränkung ihres Lebensraumes oder die Zerstörung von Bedingungen, die sie zu ihrer Fortpflanzung benötigen. Um dem Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken, setzt sich das BMU auf vielfältige Weise auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene ein.

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Warum ist eine intakte Natur wichtig für uns Menschen und eine krisenfeste Gesellschaft?

Wir Menschen sind von einer intakten und vielfältigen Natur abhängig: Wälder, Moore und Flussauen tragen zu Klimaschutz und Klimaanpassung bei. Insekten sind wesentlich für die natürliche Bestäubung und damit für die Lebensmittelproduktion. Naturräume brauchen wir zur Erholung. Stadtnatur trägt zur Abkühlung in heißen Sommern und zu guter Luft bei. Naturschutzgebiete, extensive und naturverträgliche Landwirtschaft und sonstige grüne Infrastruktur sorgen für die Sauberkeit von Flüssen, Grundwasser und damit auch der Meere. Unsere Meere versorgen uns durch komplexe Nahrungsketten mit Fisch und Meeresfrüchten. Die Natur liefert Wirkstoffe, die wir zur Bekämpfung von Krankheiten benötigen. Und das sind nur einige Beispiele. Wenn diese und andere Naturleistungen ausfallen oder beeinträchtigt werden, kann dies unsere Lebensgrundlagen in Gefahr bringen. Denn viele dieser Leistungen können nicht durch Ersatzmaßnahmen durch den Menschen kompensiert werden.

Durch die zunehmende Zerstörung bislang noch intakter Lebensräume nimmt das Risiko von Krankheitsübertragungen vom Tier auf den Menschen (Zoonosen) zu. Für die starke Zunahme von zoonotischen Infektionskrankheiten ist vor allem die Nähe von Mensch und Tier verantwortlich. Denn der Mensch dringt immer weiter in den Lebensraum von wilden Tieren ein. Regenwald wird gerodet, um Rohstoffe zu gewinnen und neue Flächen für die Nutztierhaltung zu schaffen. Wenn Rinder immer weiter dort grasen, wo der Lebensraum von Wildtieren beginnt, kommt es zu verstärktem Kontakt von Tieren untereinander und von Wildtieren und Menschen. Erreger schaffen es so, sich aus ihren historischen Verbreitungsgebieten wegzubewegen. Mit der Zerstörung von Ökosystemen und dem Verlust biologischer Vielfalt schaden wir uns also letztlich selbst. Pandemievorsorge braucht deshalb engagierten internationalen Natur- und Artenschutz.

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Was sind die größten Erfolge und Fortschritte beim Naturschutz in Deutschland in den letzten 30 Jahren?

Mit dem sogenannten "Nationalparkprogramm der DDR" konnten allein 14 neue Großschutzgebiete kurz vor der Wiedervereinigung im Jahr 1990 dauerhaft unter Schutz gestellt werden. Seit dem sind viele weitere Großschutzgebiete hinzugekommen. Insgesamt gibt es in Deutschland heute über 138 Großschutzgebiete: 16 Nationalparke, 18 Biosphärenreservate und 104 Naturparke. Somit stehen heute rund ein Drittel der Landesfläche unter Schutz. Zudem ist auf Basis der europäischen Naturschutzrichtlinien seit 1992 das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000 in Deutschland errichtet worden, das alleine rund 15 Prozent der Landesfläche und rund 45 Prozent der Meeresflächen in Deutschland umfasst. Damit konnten viele gefährdete Arten und ihre Lebensräume auf Dauer gesichert werden. Der Bund hat im Rahmen seiner beispielhaften Initiative des Nationalen Naturerbes bisher rund 156.000 Hektar wertvolle Naturschutzflächen, insbesondere in Ostdeutschland, von einer Privatisierung ausgenommen und für den Naturschutz gesichert. Der Großteil der Flächen wurde unentgeltlich an Länder, Naturschutzorganisationen oder Stiftungen übertragen, damit diese Flächen als Refugien für viele gefährdete oder seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten werden. Auf rund 33.000 Hektar übernimmt der Bund selbst die Naturschutzaufgaben.

Durch gezielte Artenhilfsprogramme konnte zudem eine Reihe von ehemals besonders gefährdeten Arten wie Weißstorch, Seeadler, Fischotter oder Großes Mausohr in ihrem Bestand gesichert werden. Mit dem Wolf ist erstmals eine in Deutschland bereits ausgestorbene Tierart wieder eingewandert.

In den letzten 30 Jahren hat sich aber auch zunehmend die Erkenntnis durchgesetzt, dass Hilfsprogramme für einzelne gefährdete Arten und die Ausweisung von Schutzgebieten allein nicht ausreichen, sondern dass eine nachhaltige Nutzung auf der gesamten Fläche erforderlich ist, um den immer noch anhaltenden Rückgang der biologischen Vielfalt zu stoppen. Zur Verbreitung dieser Erkenntnis und zu einem entsprechenden Handeln hat ganz entscheidend die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beigetragen, die 2007 von der Bundesregierung beschlossen wurde. Diese Strategie, die mit ihren rund 330 Zielen und 430 Maßnahmen sowohl den Schutz als auch die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt im Fokus hat, hat einen breiten Dialogprozess in unserem Land ausgelöst und eine große Vorbildwirkung entfaltet. Fast alle Bundesländer und auch viele Kommunen haben inzwischen eigene Strategien zur Erhaltung der biologischen Vielfalt entwickelt. Für die Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt konnte mit dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt erfolgreich ein eigenes Förderprogramm etabliert werden, dessen Mittelausstattung von ursprünglich 15 Millionen im Jahr 2011 auf mittlerweile 45 Millionen angewachsen ist.

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Wie setzt sich das BMU auf internationaler Ebene für den Naturschutz ein?

Biologische Vielfalt (Biodiversität) kennt keine politischen Grenzen. Neben den Aktivitäten zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von biologischer Vielfalt auf nationaler und europäischer Ebene kommt daher der internationalen Zusammenarbeit eine große Bedeutung zu:

  • Im Jahr 2021 soll auf der 15. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) in China ein neuer globaler Rahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt für die Zeit nach 2020 verabschiedet werden. Das BMU setzt sich gemeinsam mit seinen europäischen und internationalen Partnern für ein ambitioniertes Rahmenwerk und eine verbesserte Umsetzung ein.
  • Um die Umsetzung der international vereinbarten Ziele und nationaler Biodiversitäts-Strategien voranzubringen, unterstützt das BMU über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) weltweit Partnerländer durch konkrete Projekte zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der Biodiversität. Seit 2008 konnten so bisher 309 Vorhaben mit einer Gesamtsumme von 1,38 Milliarden Euro verwirklicht werden.
  • Die Bundesregierung, vertreten durch das BMU und das Bundesamt für Naturschutz (BfN), unterstützt weltweit die Einrichtung neuer UNESCO-Biosphärenreservate in Transformations- und Entwicklungsländern, insbesondere für das südliche Afrika.
  • In der "Bonn Challenge" haben sich Länder weltweit dazu verpflichtet, 350 Million Hektar Wald bis 2030 wiederherzustellen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zu einer erfolgreichen Umsetzung der UN-Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen. Das BMU begleitet auf politischer Ebene intensiv die Regionalprozesse der Bonn Challenge, zum Beispiel in Lateinamerika, Afrika, Zentralasien und im Südkaukasus.
  • Das BMU setzt sich auf allen Ebenen – von lokalen Projekten bis zu internationalen Verhandlungen – dafür ein, dass Wilderei und der illegale Wildtierhandel entlang der gesamten Handelskette bekämpft werden.

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Wie setzt sich das BMU für den Naturschutz auf europäischer Ebene ein?

Die EU-Biodiversitätsstrategie für 2030 verfolgt das Ziel, dass sich die biologische Vielfalt in Europa bis 2030 erholt. Mit der neuen Biodiversitätsstrategie werden die Hauptursachen für den Verlust an biologischer Vielfalt in Angriff genommen, wie etwa die nicht nachhaltige Nutzung von Land und Meer, der Raubbau an natürlichen Ressourcen, die Umweltverschmutzung und invasive gebietsfremde Arten. Die inmitten der COVID-19-Pandemie von der Europäischen Kommission angenommene Strategie ist von entscheidender Bedeutung, um die Widerstandfähigkeit unserer Gesellschaften gegenüber künftigen Pandemien zu stärken oder deren Ausbruch zu verhindern. Das BMU setzt sich unter deutscher Ratspräsidentschaft dafür ein, beim Schutz der biologischen Vielfalt entscheidende Schritte voranzukommen.

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Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden"

Wie setzt sich das BMU für den Naturschutz auf nationaler Ebene ein?

Das BMU setzt sich für einen effektiven Schutz und eine nachhaltige Nutzung von Natur und biologischer Vielfalt in Deutschland ein. Die folgenden Seiten geben einen Überblick über die wichtigsten Strategien, Programme und Konzepte für den Schutz von Natur und biologischer Vielfalt auf nationaler Ebene.

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Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden"

In welchem Zeitraum und auf welchen Kanälen kann man die BMU-Kampagne "natur:verbunden" sehen?

Vom 22. September bis zum 6. Oktober 2020 werden die bewegten Motive der Kampagne vor allem mittels Online-Werbeanzeigen, aber auch digitaler deutschlandweiter Außenwerbung zu sehen sein. Als Sonderaktion werden vom 2. bis 4. Oktober 2020 LED-E-Bikes an fünf Stationen entlang der ehemaligen Mauer in Berlin unterwegs sein, die an diesen besonderen historischen Stätten auf die Themen und Inhalte des Naturschutzes und die besondere Verbindung von erfolgreichem Naturschutz und der Wiedervereinigung aufmerksam machen. Das BMU informiert zudem umfassend auf der Website und über die Social-Media-Kanäle des Ministeriums.

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Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden"

Welche Motive zeigt die BMU-Kampagne "natur:verbunden"?

Das BMU zeigt im Rahmen der Kampagne positive und ungewöhnliche digitale Video-Banner, um einen möglichst hohen Überraschungseffekt und damit Aufmerksamkeit zu erzielen. Es handelt sich bei den zentralen Motiven um drei exemplarische Tiere (Sperlingskauz, Rohrdommel, Teichfrosch), die mit ihrer Umwelt visuell eine Einheit bilden (Mimese) und nicht unmittelbar, sondern erst durch Bewegung erkennbar werden. Aus dieser visuellen Einheit wird auf das Thema deutsche Einheit und dessen Verbindung zum Naturschutz übergeleitet. 

Die Textlinie des Motivs unterstreicht die Kampagnen-Botschaften:

Es wächst zusammen, was zusammengehört.
Natur kennt keine Grenzen. Naturschutz auch nicht.
Warum eine intakte Natur heute wichtiger ist denn je:
bmu.de/30JahreNaturschutz.
Natur:verbunden.

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Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden"

Wie lautet das Motto der Naturschutz-Kampagne und warum wurde es gewählt?

Für die Kampagne wurde das diesjährige Motto des Tags der Umwelt "natur:verbunden" gewählt. Es transportiert in kompakter Form besonders gut, dass

  • die Natur, aber auch der Naturschutz durch die Wiedervereinigung von Deutschland miteinander verbunden wurden,
  • Natur Grenzen überwindet und Naturschutz insbesondere grenzüberschreitend erfolgreich ist,
  • Naturschutz und der Schutz der biologischen Vielfalt nicht allein unsere Lebensgrundlagen sichert, sondern für viele Menschen Entspannung und Erholung in schönen und vielfältigen Landschaften – und damit direktes Erleben der Verbundenheit mit der Natur – ermöglicht,
  • umgekehrt das Gefühl der Natur-Verbundenheit eine wichtige Voraussetzung für Naturschutz-Engagement ist,
  • Naturschutz modern und zukunftsorientiert ist.

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Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden"

Was ist der Anlass des BMU für eine Naturschutz-Kampagne in diesem Jahr?

Hintergrund ist die große Relevanz einer intakten Natur, von Schutz und nachhaltiger Nutzung der biologischen Vielfalt für eine krisenfeste und zukunftsfähige Gesellschaft sowie die Bedeutung von Natur-Verbundenheit und Engagement für den Naturschutz. Besonderen Anlass der Kampagne bieten zudem 30 Jahre Naturschutz im geeinten Deutschland – mit dem Jubiläum der Wiedervereinigung.

Denn mit dem Mauerfall vor mehr als 30 Jahren wurde das Fundament für die Erfolgsgeschichte des Naturschutzes im geeinten Deutschland gelegt: 14 Großschutzgebiete konnten noch kurz vor der Wiedervereinigung im Jahr 1990 vom letzten Ministerrat der DDR dauerhaft gesichert werden – etwa 4,5 Prozent der Landesfläche der DDR.

Ein Meilenstein, der nachhaltig auch im wiedervereinigten Deutschland gewirkt hat: Insgesamt verfügt Deutschland heute über 138 Großschutzgebiete: 16 Nationalparke, 18 Biosphärenreservate und 104 Naturparke. Diese wertvollen Natur- und Kulturlandschaften sind nicht nur Orte der Entspannung und Erholung, sondern auch einzigartig in ihrer Vielfalt: Seltene Arten wie Schreiadler, Biber oder Kranich konnten sich – ausgehend von den geschützten Gebieten der ehemaligen DDR – nach der friedlichen Revolution in der DDR wieder im gesamten Bundesgebiet verbreiten. Diese Errungenschaften des Naturschutzes möchte das BMU anlässlich des 30-jährigen Jubiläums zur Wiedervereinigung würdigen.

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Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden"

Was bedeutet "Biologische Vielfalt" und warum brauchen wir sie?

Biologische Vielfalt oder Biodiversität ist letztlich alles das, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Arten von Tieren, höheren Pflanzen, Moosen, Flechten, Pilzen und Mikroorganismen sowie die innerartliche Vielfalt (=genetische Vielfalt) und die Vielfalt der Ökosysteme. Im Sinne des Übereinkommens über die biologische Vielfalt werden wildlebende Arten ebenso dazu gerechnet wie die Vielfalt von Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten.

Die Schätzungen des globalen Artenreichtums schwanken stark, je nach gewählter Schätzmethode. Allgemein wird eine Gesamtzahl von 14 Millionen Arten angenommen. Beschrieben sind weltweit etwa 1,8 Millionen Arten, davon fällt der größte Anteil mit etwa eine Million Arten auf die Insekten. Die derzeitige Aussterberate übertrifft die vermutete natürliche Rate um das 100 bis 1000fache und ist durch menschliches Handeln bedingt.

Biologische Vielfalt ist die Grundlage einer langfristig gesicherten Existenz des menschlichen Lebens auf der Erde. Für ihre Erhaltung gibt es vielfältige ökologische, ökonomische, soziale, kulturelle und ethische Gründe: Eine intakte und vielfältige Natur kann sich besser an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen – eine wichtige Voraussetzung angesichts des weltweiten Klimawandels. Wirtschaftlich bedeutsame Naturleistungen sind beispielsweise die Selbstreinigungskraft von Gewässern, die Luftreinigung über die Filterleistungen von Bäumen und Sträuchern oder die natürliche Bodenfruchtbarkeit. Viele bedeutsame Wirtschaftszweige und zahllose Arbeitsplätze in Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Tourismus, Gesundheitswesen hängen direkt und indirekt von einer intakten und vielfältigen Naturausstattung ab. Aspekte des Naturerlebens, von Ästhetik, Bildung, Freizeitgestaltung, aber auch Heimatgefühl und Lebensqualität des Wohnumfelds sowie ethische Gründe sprechen ebenfalls für die dauerhafte Sicherung der biologischen Vielfalt.

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Naturschutz-Kampagne "natur:verbunden" | Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Bundeskompensationsverordnung (BKompV)

Werden land- und forstwirtschaftliche Belange berücksichtigt?

Die im Einvernehmen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium beschlossene Verordnung konkretisiert die gesetzliche Vorgabe, dass bei der Inanspruchnahme von land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auf agrarstrukturelle Belange Rücksicht zu nehmen ist. Um möglichst zu vermeiden, dass insbesondere Flächen mit für die landwirtschaftliche Nutzung besonders geeigneten Böden aus der Nutzung genommen werden, ist bei diesen vorrangig zu prüfen, ob die Kompensation auch durch Entsiegelungen, Wiedervernetzungen oder produktionsintegrierte Arten- und Biotopschutzmaßnahmen erbracht werden kann. Die Land- und Forstwirtschaftsbehörden sind zu beteiligen, wenn agrarstrukturelle Belange betroffen sein könnten.

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Bundeskompensationsverordnung (BKompV)

Was sind die wichtigsten Elemente der Verordnung?

Mit der Verordnung wird die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung nach Paragraph 15 des Bundesnaturschutzgesetzes konkretisiert und ergänzt. Dies ist ein wichtiger Schritt zur weiteren untergesetzlichen Maßstabsbildung im Naturschutzrecht. Geregelt werden insbesondere die Bewertung des vorhandenen Zustands und der zu erwartenden Beeinträchtigungen von Biotopen und anderen Schutzgütern. Neben Art und Umfang von Kompensationsmaßnahmen werden auch Vorgaben gemacht zur Höhe und dem Verfahren der Erhebung von Ersatzzahlungen. Die Verordnung enthält aber auch Anforderungen an die Vermeidung von Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft. 

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Bundeskompensationsverordnung (BKompV)

Welche Ziele werden mit der Verordnung verfolgt?

Die Vermeidung und Kompensation von Eingriffen in Natur und Landschaft soll für Bundesvorhaben bei Wahrung der fachlichen Standards vereinheitlicht und transparenter gemacht werden. Dies dient der Planungssicherheit, Verfahrensbeschleunigung und sichert vergleichbare Investitionsbedingungen. Profitieren sollen damit auch zahlreiche Projekte, die im Rahmen der Energiewende der zügigen Realisierung bedürfen. Zudem soll die Flächeninanspruchnahme verringert werden.

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Bundeskompensationsverordnung (BKompV)

Für welche Eingriffe gilt die Verordnung?

Die Bundeskompensationsverordnung gilt für alle Eingriffe in Natur und Landschaft, die ausschließlich durch die Bundesverwaltung zugelassen oder durchgeführt werden. Erfasst sind insbesondere die Errichtung oder Änderung von länderübergreifenden oder grenzüberschreitenden Höchstspannungsleitungen und Anbindungsleitungen der Offshore-Windpark-Umspannwerke, der Bau und die Änderung von Betriebsanlagen einer Eisenbahn, die Errichtung und der Betrieb von Windenergieanlagen auf See, der Ausbau, der Neubau oder die Beseitigung von Bundeswasserstrassen, militärische Vorhaben sowie ab 2021 auch der Aus- oder Neubau von Bundesautobahnen.

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Bundeskompensationsverordnung (BKompV)

Naturschutz-Offensive

In welchem Verhältnis steht die Naturschutz-Offensive 2020 zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?

Die Naturschutz-Offensive 2020 des Bundesumweltministeriums ist ein Handlungsprogramm zur Umsetzung von prioritären Zielen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung.

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Naturschutz-Offensive

Warum legt das Bundesumweltministerium die Naturschutz-Offensive 2020 vor?

Obwohl seit 2007 eine von der Bundesregierung beschlossene Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) mit anspruchsvollen Zielen vorliegt, zeigen die NBS-Indikatorenberichte, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Ziele zu erreichen.

Besonders deutlich ist das in der Normallandschaft zu beobachten, also außerhalb von Schutzgebieten des Naturschutzes. Der Druck, dem die biologische Vielfalt in der Normallandschaft ausgesetzt ist, ist zu hoch. Artenschutzmaßnahmen und zusätzliche Ausweisungen von Schutzgebieten können das nicht ausgleichen. Es muss an den Ursachen der bedenklichen Situation der biologischen Vielfalt in der Normallandschaft angesetzt werden, um Verbesserungen zu erreichen. Das ist das Ziel der Naturschutz-Offensive 2020.

Die Naturschutz-Offensive 2020 macht deutlich, in welchen Handlungsfeldern die größten Defizite bestehen und bis zum Jahr 2020 verstärkte Anstrengungen zur Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt von welchen Akteuren gefordert sind.

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Naturschutz-Offensive

Welche Handlungsfelder umfasst die Naturschutz-Offensive 2020?

Die Naturschutz-Offensive 2020 umfasst 10 prioritäre Handlungsfelder: Agrarlandschaften, Küsten und Meere, Auen, Wälder, Wildnis, Schutzgebiete und Biotopverbund, Stadtnatur und gesellschaftliches Bewusstsein, internationale Verantwortung, Naturwissen sowie Finanzierung. 

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Naturschutz-Offensive

Nach welchen Kriterien wurden die Handlungsfelder bestimmt?

Alle 330 Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wurden einem nachvollziehbaren und transparenten Verfahren einer Priorisierung unterworfen: Einschätzung von Status und Trend der Ziele in den zurück liegenden Jahren, Recherche der Ursachen für die Nichterreichung eines prioritären Ziels, Bedeutsamkeit eines prioritären Ziels für die Erfüllung internationaler und europäischer Ziele, Zusammenfassung zusammengehöriger prioritärer Ziele zu Handlungsfeldern. Die Fachinformation, die vom Bundesamt für Naturschutz flankierend zur Naturschutz-Offensive 2020 herausgegeben worden ist, enthält wissenschaftlich belegte Informationen zu Status, Trend und Gründen zu den prioritär eingestuften Zielen der NBS. 

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Naturschutz-Offensive

Wie viele Maßnahmen enthält die Naturschutz-Offensive 2020?

Die Naturschutz-Offensive 2020 enthält 40 Maßnahmen.

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Naturschutz-Offensive

An wen richtet sich die Naturschutz-Offensive 2020 und wer soll sie umsetzen?

Die Naturschutz-Offensive 2020 richtet sich an staatliche Akteure von Bund, Ländern und Kommunen ebenso wie an nicht-staatliche gesellschaftliche Akteure wie Natur- und Umweltschutzverbände, Naturnutzungsverbände, Wirtschafts- und Unternehmensverbände, Religionsgemeinschaften und Kirchen, Akteure aus Wissenschaft, Forschung, Bildung sowie Träger nicht-schulischer Bildung, u. a. m.

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Naturschutz-Offensive

Welche Rolle hat das Bundesumweltministerium bei der Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020?

Das Bundesumweltministerium wird bei eigener Zuständigkeit für Maßnahmen die notwendigen Schritte zur Realisierung umgehend einleiten.

Bei Zuständigkeit anderer Ministerien in der Bundesregierung wird das Bundesumweltministerium diesen Ressorts Vorschläge für konkrete Maßnahmen vorlegen und sich für entsprechende Entscheidungen einsetzen.

Bei Zuständigkeit anderer staatlichen Ebenen wie Länder und Kommunen wird das Bundesumweltministerium neue Initiativen in Gremien wie die Umwelt- oder Kultusministerkonferenz einbringen oder seine Förderprogramme für Modellprojekte nutzen.

Das Bundesumweltministerium wird alle Möglichkeiten nutzen, um die verantwortlichen Akteure und Entscheidungsträger zu einer Änderung ihrer Politiken zu drängen und zu bewegen, wenn deren Politiken die biologische Vielfalt beeinträchtigen. Dies schließt auch neue rechtliche Regelungen ein.

Das Bundesumweltministerium wird zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung stellen.

Das Bundesumweltministerium wird einen Follow up-Prozess zur Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 starten und in den Umsetzungs- und Dialog-Prozess der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt integrieren.

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Naturschutz-Offensive

Wie kann die Öffentlichkeit etwas über die Umsetzung der Naturschutz-Offensive erfahren?

Die Internetplattform www.biologischevielfalt.de ist die zentrale Informationsdrehscheibe zum Umsetzungs- und Dialog-Prozess der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Dort werden auch die Informationen über Aktivitäten zur Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 nachzulesen sein.

Im nächsten Rechenschaftsbericht zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, der in der 18. Legislaturperiode zum zweiten Mal vorgelegt und voraussichtlich Anfang 2017 veröffentlicht wird, wird auch auf die Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 eingegangen werden. Dies gilt auch für den dritten NBS-Rechenschaftsbericht, der in der 19. Legislaturperiode und voraussichtlich 2020 vorgelegt wird. 

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Naturschutz-Offensive

Biologische Vielfalt

Was bedeutet biologische Vielfalt?

Die biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche: die Vielfalt der Arten und Lebensräume sowie die genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Pflanzen- und Tierarten. Diese drei Aspekte hängen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.

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Biologische Vielfalt

Wie viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gibt es? Sind alle schon erforscht und bekannt?

Nach derzeitiger Schätzung könnte es zwischen 10 und 100 Millionen Arten auf der Erde geben, Experten gehen von circa 15 Millionen Arten aus, von denen aber bislang nur etwa 1,8 Millionen bekannt und wissenschaftlich beschrieben sind. Mehr als die Hälfte davon sind Insekten, die wiederum fast dreimal so viele Arten umfassen wie die Pflanzen.

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Biologische Vielfalt

In welchen Ländern ist die Artenvielfalt am höchsten?

Die größte Artendichte findet sich in so genannten "Hot Spots". Diese 25 artenreichsten Gebiete der Erde - meist in den Tropen oder Subtropen gelegen - machen gerade einmal 1,4 Prozent der Erdoberfläche aus. Aber in ihnen existieren 44 Prozent aller Pflanzen und ein Drittel aller Wirbeltierarten. Im Vergleich dazu ist Deutschland ein relativ artenarmes Land: So gibt es hier zum Beispiel lediglich 3.062 Gefäßpflanzenarten. Das pflanzenreichste, aber gegenüber Deutschland auch sehr viel größere Land ist Brasilien mit 56.000 Arten, gefolgt von Kolumbien mit 51.000 und China mit 32.000 Arten.

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Biologische Vielfalt

Wodurch ist die biologische Vielfalt gefährdet?

Für den Rückgang der Artenvielfalt ist vor allem der Mensch verantwortlich. Gründe gibt es viele: Der Raubbau an der Natur lässt aus Wäldern Agrarsteppen entstehen, und Flussauen machen für Siedlungen Platz. Vom Menschen eingeschleppte Arten verdrängen die einheimische Flora und Fauna. Und auch der Klimawandel beeinträchtigt Lebensgemeinschaften, etwa weil weniger Niederschläge fallen.

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Biologische Vielfalt

Hat der Klimawandel etwas mit dem Thema Biodiversität zu tun?

Ja, klimatische Veränderungen wirken sich auf Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume aus. So kann durch die dünnere Ozonschicht mehr ultraviolette Strahlung auf die Erde gelangen. Und das kann Organismen schädigen. Auch ein Temperaturanstieg schon um wenige Grad könnte für zahlreiche Pflanzen und Tiere den Tod bedeuten. Sollte die Erderwärmung auf über zwei Grad Celsius ansteigen, könnten beispielsweise 99 Prozent aller Korallenriffe absterben (IPBES 2019). Und wenn beispielsweise einzelne Arten aus einem Lebensraum verschwinden, gerät dieser möglicherweise aus dem Gleichgewicht - und noch mehr Arten wären gefährdet. Umgekehrt speichern marine und terrestrische Ökosysteme 5,6 Gigatonnen Kohlenstoff pro Jahr und sind damit eine wichtige Senke für anthropogene CO2-Emissionen (IPBES 2019).

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Biologische Vielfalt

Woran zeigt sich, dass biologische Vielfalt verlorengeht?

75 Prozent der Landoberfläche und 66 Prozent der Meeresfläche sind stark verändert, über 85 Prozent der Feuchtgebiete sind verloren gegangen. Seit dem Jahr 1500 sind 680 Wirbeltierarten ausgestorben (IPBES 2019). Die Rote Liste der IUCN gibt an, dass derzeit über 35.500 Arten vom Aussterben bedroht sind. Tiere wie der chinesische Flussdelfin, der Pyrenäen-Steinbock oder der Java-Tiger sind für immer verschwunden. 33 Prozent aller Meeresfischbestände gelten überfischt (IPBES 2019). Durch die Überfischung der Weltmeere könnte schon ab 2050 keine kommerzielle Fischerei mehr möglich sein. Die Hälfte alle lebenden Korallen ist seit 1870 verschwunden (IPBES 2019). Aber auch an Land sind die Verluste deutlich: Nach dem FAO-Waldbericht 2020 gingen seit 2015 jährlich zehn Millionen Hektar Wald verloren. Satellitendaten geben aber Grund zur Befürchtung, dass der tatsächliche globale Waldverlust deutlich über den von der FAO berichteten Zahlen

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Biologische Vielfalt

Geht das Artensterben immer so weiter?

Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) warnt davor, dass weltweit eine Million Arten vom Aussterben bedroht sind, viele davon bereits in den nächsten Jahrzehnten. Das Artensterben ist mindestens Dutzende bis Hunderte Mal größer als im Durchschnitt der letzten zehn Millionen Jahre. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat eine Rote Liste der bedrohten Arten erstellt. Demnach sind über 35.500 Arten weltweit vom Aussterben bedroht. Darunter 26 Prozent aller Säugetiere, 14 Prozent der Vögel und 40 Prozent der Amphibien.

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Biologische Vielfalt

Warum muss biologische Vielfalt erhalten bleiben? Reicht es nicht aus, wenn die Stärksten überleben?

Vielfalt ist das wichtigste Überlebensprinzip in der Natur. Nur bei einer großen genetischen Bandbreite innerhalb einer Art besteht die Chance, dass Organismen vorhanden sind, die sich an neue Bedingungen anpassen können. Andernfalls ist das Risiko hoch, dass sie ausstirbt.

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Biologische Vielfalt

Wie wirkt sich der Verlust von Arten auf unser Leben aus?

Der Verlust biologischer Vielfalt kann unser Leben gefährden. Denn die Vielfalt der Natur ist die Grundlage unser aller Leben und der globalen wirtschaftlichen Entwicklung. So können Pflanzen, die wie Reis ein Grundnahrungsmittel sind, durch Ungeziefer oder eine Krankheit bedroht sein. Dafür gibt es zahlreiche historische Beispiele, etwa die Kartoffelfäule in Irland im 19. Jahrhundert. Mehr als 75 Prozent der weltweit angebauten Nutzpflanzen für die Nahrungsmittelerzeugung sind auf die Bestäubung durch Bienen und andere Tiere angewiesen. Zwischen 235 und 588 Milliarden US Dollar der jährlichen Nutzpflanzen-Erzeugung sind bedroht durch den Verlust an Bestäubern (IPBES 2019). Wie groß die Bedrohung ist, erfahren derzeit die USA. Dort sterben nach und nach die Bienenvölker. Bienen bestäuben mehr als 90 Obst- und Gemüsesorten. Sollten sie aussterben oder ihr Bestand sich extrem verringern, wäre die Lebensmittelversorgung der Menschen in Gefahr.

Die Vielfalt der Natur ist aber auch Vorbild für technische Innovationen und trägt zum Klimaschutz bei. 40 Prozent des weltweiten Handelsvolumens bauen darauf auf, die natürlichen Lebensgrundlagen zu nutzen, 10.000 bis 20.000 Pflanzenarten werden weltweit für Arzneien verwendet. Und Leistungen der Wälder wie sauberes Wasser und der Schutz des Klimas sichern den Lebensunterhalt von etwa 600 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern.

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Biologische Vielfalt

Insektenschutz

Warum sind Insekten besonders wichtig?

Insekten sind wichtige Bausteine der Nahrungskette, da sie Nahrungsgrundlage für eine ganze Reihe von Arten sind. Dazu zählen viele Vögel, Amphibien, Reptilien und Säugetiere (zum Beispiel Fledermäuse, Spitzmäuse, Igel, Dachs), aber auch andere Insekten. Räuberische Insekten ernähren sich von anderen Insekten, die zum Teil als landwirtschaftliche Schädlinge gelten, sie sind daher für den Menschen auch wirtschaftlich interessant.

Ein weiteres Beispiel, warum Insekten für den Menschen besonders wichtig ist, ist die Bestäubung. Neben Wildbienen bestäuben auch viele Schwebfliegen, Schmetterlingsarten, Fliegen, Käfer und Wespen Pflanzen. Unter den Zweiflüglern gibt es über 70 Familien mit Bestäubern. Die Insekten-Bestäubung der Pflanzen ist essentiell für den Erhalt der Wildpflanzen und damit auch eine Grundlage für die biologische Vielfalt insgesamt. Aber auch für die Ernte von Nutzpflanzen ist die Bestäubung essentiell. In Deutschland wären beim Ausfall der Bestäubungsleistungen insbesondere der Obst- und Gemüseanbau, aber auch großflächig angebaute Ackerkulturpflanzen, wie Raps, Sonnenblumen oder Ackerbohnen, betroffen.

Bodeninsekten spielen außerdem beim Abbau der organischen Substanz sowie als Gestalter des Bodens eine wichtige Rolle. Ohne die von Insekten bestimmten Zersetzungsprozesse wird Pflanzenmaterial wesentlich langsamer abgebaut und Nährstoffe werden langsamer wieder verfügbar gemacht.

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Insektenschutz

Was sind Insekten?

Insekten sind die artenreichste Gruppe aller Lebewesen. Sie haben (anders als Spinnen) sechs Beine und einen eingekerbten Körper. Zu den Insekten zählen unter anderem Bienen, Käfer, Schmetterlinge, Libellen, Heuschrecken, Ameisen, Zikaden und Fliegen. In Deutschland sind etwa 48.000 Tierarten nachgewiesen, davon über 33.000 Insektenarten. Insekten machen demnach circa 70 Prozent aller Tierarten in Deutschland aus. Unter der Gruppe der Insekten sind zahlreiche Arten und Artengruppen zu finden, die in unseren Ökosystemen eine wichtige Rolle spielen. Insekten sind als Nahrungsgrundlage für andere Insekten und weitere Tiergruppen wie Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien oder Fische ein elementarer Teil des Nahrungsnetzes. Der Verlust an Insekten, sowohl was die Arten selbst als auch die Populationsgrößen innerhalb der Arten anbelangt, hat aber auch weitere unmittelbare Auswirkungen auf die menschliche Umwelt (auf die Bestäubung von Pflanzen, die Erhaltung der biologischen Vielfalt, für den Abbau organischer Masse, die biologische Kontrolle von Schadorganismen, die Gewässerreinigung oder die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit) und damit auch auf die Menschen.

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Insektenschutz

Wirtschaftliche Konsequenzen des Insektensterbens

Der Rückgang der Gesamtmenge der Insekten und der Artenvielfalt bei den Insekten hat auch wirtschaftliche Konsequenzen. Die Wissenschaftler des Nationalen Institutes für Agrarforschung (INRA) und des Zentrums für Wissenschaftliche Forschung (CNRS) aus Frankreich sowie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) veröffentlichten im Jahr 2008 eine Schätzung zu Schäden, die durch das Fehlen von bestäubenden Insekten entstehen würden, auf 190 bis 310 Milliarden Euro pro Jahr. Die Forscher berichteten über die ökonomische Verwundbarkeit der Weltagrarproduktion durch den Rückgang von Bestäubern in einer Ausgabe der Fachzeitschrift "Ecological Economics". Andere Zahlen sprechen von 153 Milliarden Euro (Gallai et al, 2008) – das entspricht 9,5 Prozent des ökonomischen Werts der gesamten Landwirtschaft weltweit. Allein in Deutschland wird der volkswirtschaftliche Nutzen durch Bestäubungsdienstleistungen auf 1,13 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt (Leonhardt et al. 2013).

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Insektenschutz

Was sind die Ursachen des Insektenrückgangs?

Die Ursachen des Insektenrückgangs sind vielfältig und insgesamt komplex. Nach aktuellem Forschungsstand liegen die zentralen Ursachen im Verlust und der qualitativen Verschlechterung von Insektenlebensräumen, dem Verlust der Strukturvielfalt mit einer Vielzahl an Wildpflanzen, einem Management von Naturschutzgebieten, das zum Teil die Bedürfnisse von Insekten unzureichend berücksichtigt, der Anwendung von Pestiziden, dem Eintrag von Nähr- und Schadstoffen in Böden und Gewässer sowie der Lichtverschmutzung. Viele weitere Einflussfaktoren tragen darüber hinaus zum Verlust oder der Qualitätsverschlechterung von Insektenlebensräumen bei. Deshalb ist die Erhaltung beziehungsweise Förderung der Wiederherstellung dieser Lebensräume in Qualität und Quantität sowie ihre Vernetzung wichtig.

Die vorliegenden wissenschaftlichen Ergebnisse belegen, dass der mengen- und flächenmäßig sehr hohe Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – zum Beispiel Glyphosat – in der Agrarlandschaft mit zu einem deutlichen Rückgang der Artenvielfalt geführt hat. Pflanzenschutzmittel wirken auf Insekten entweder direkt schädlich oder auch indirekt, indem sie die Nahrungsnetze stören und sich auf Lebensräume auswirken. Es ist geltendes EU-Recht, dass nur solche Pflanzenschutzmittel zugelassen werden dürfen, die nachweislich keine unannehmbaren Auswirkungen auf den Naturhaushalt haben.

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Insektenschutz

Was ist der Zusammenhang zwischen Glyphosat und Insektensterben?

Effektiver Insektenschutz erfordert einen grundsätzlich restriktiveren Umgang mit Pestiziden, nicht nur mit Glyphosat. Denn die umfangreiche Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und anderen Pestiziden ist eine nicht zu unterschätzende Ursache für das Insektensterben. Dabei tötet der Einsatz von Breitbandherbiziden wie Glyphosat Insekten nicht direkt. Die negativen Auswirkungen solcher Pflanzen abtötender Mittel auf die biologische Vielfalt beruhen insbesondere auf sogenannten indirekten Effekten, also der Beeinträchtigung von Nahrungsnetzen: Dort, wo auf Äckern, aber auch im Obst- und Weinbau alle Wild- und Beikräuter durch Glyphosat oder vergleichbare Mittel abgetötet werden, fallen wichtige Nahrungsgrundlagen und Lebensräume für Insekten weg. Mit deren Verschwinden fehlt wiederum die Nahrungsgrundlage für weiter oben in der Nahrungskette angesiedelte Tiere, insbesondere die Vögel und die Kleinsäuger der Agrarlandschaft.

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Insektenschutz

Was steht in der "Krefelder Studie"?

Eine im Oktober 2017 in der Online-Zeitschrift "PlosOne" veröffentlichte Studie von C. Hallmann, Universität Nijmwegen, et al. hat die Ergebnisse der von ehrenamtlichen Insektenkundlern des Entomologenvereins Krefeld (Entomologen = Insektenkundler) von 1989 bis 2016 mit Standard-Flugfallen durchgeführten Erhebungen zur Entwicklung der Insektenbestände ausgewertet.

Das Ergebnis: Drastische Bestandseinbrüche lassen sich klar nachweisen. Bei den Erhebungen in 63 deutschen Schutzgebieten zwischen 1989 und 2016 ist ein Rückgang von 76 Prozent (im Hochsommer bis zu 82 Prozent) der Fluginsekten-Biomasse festgestellt worden.

Es gibt aber nicht nur diese sogenannte "Krefelder Studie". Viele weitere wissenschaftliche Untersuchungen in Deutschland an verschiedenen Artengemeinschaften und in verschiedenen Lebensräumen haben einen allgemeinen Rückgang der Anzahl der Insektenarten für alle betrachteten Gruppen und Lebensräume beobachtet (zum Beispiel Haslberger & Segerer 2016, Habel et al. 2016, Seibold et al. 2019). Den Rückgang der Insektenvielfalt belegen nicht zuletzt auch die Roten Listen der gefährdeten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten Deutschlands. Bereits seit den 1970er Jahren wird dort die Gefährdung von Insekten anhand bestimmter Insektenordnungen untersucht und bewertet. Insgesamt stehen von den bisher bewerteten Insektenarten 42 Prozent als bestandsgefährdet, extrem selten oder bereits ausgestorben oder verschollen auf der Roten Liste. Auch europäisch und weltweit ausgerichtete Studien, zum Teil mit Langzeitdaten weit in die Vergangenheit, belegen einen Rückgang bei den Insekten.

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Insektenschutz

Was ist unter dem "Aktionsprogramm Insektenschutz" zu verstehen?

Mit dem "Aktionsprogramm Insektenschutz" sollen die Lebensbedingungen für Insekten in Deutschland insgesamt verbessert werden. Am 4. September 2019 hat das Bundeskabinett das "Aktionsprogramm Insektenschutz", kurz API, beschlossen und damit festgelegt, welche Maßnahmen der Bund ergreifen wird, um den Insektenrückgang zu stoppen und die Lebensbedingungen für Insekten in Deutschland zu verbessern. Das Aktionsprogramm ist ein umfassendes und wirksames Maßnahmenpaket zum Schutz der Insekten, das sich in insgesamt neun zentrale Handlungsbereiche untergliedert. Neben einer Förderung von Insektenlebensräumen in der Agrarlandschaft werden unter anderem auch Lebensräume für Insekten in anderen Landschaftsbereichen – beispielsweise in Siedlungen – wiederhergestellt und vernetzt. Die Umsetzung vieler Maßnahmen ist bereits gestartet, weit fortgeschritten oder abgeschlossen.

Zur Historie:

Eckpunkte für das "Aktionsprogramm Insektenschutz" waren bereits am 20. Juni 2018 vom Kabinett beschlossen worden. Das Eckpunkte-Papier beinhaltet neben wesentlichen Informationen zum Insektenrückgang insbesondere die neun Handlungsbereiche, in denen konkrete Maßnahmen umgesetzt werden sollen.

Das Bundesumweltministerium hat auf der Basis dieser Eckpunkte im Herbst 2018 Vorschläge für konkrete Maßnahmen für das Aktionsprogramm Insektenschutz vorgelegt, die im Rahmen einer öffentlichen Diskussionsphase mit allen relevanten Akteuren diskutiert worden sind. Auch ein Online-Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern war ein wichtiger Teil davon. Die Ergebnisse der öffentlichen Diskussionsphase wurden ausgewertet und sind in die Erarbeitung eines Gesamtentwurfs für das Aktionsprogramm Insektenschutz eingeflossen. Das Gesamtprogramm wurde am 4. September 2019 vom Bundeskabinett beschlossen.

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Insektenschutz

Novelle von 2017 des Bundesnaturschutzgesetzes

Warum ist der Schutz von Hecken wichtig und wie unterstützt die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes ihren Schutz?

Hecken und andere Gehölze sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere, beispielsweise für Vögel. Deswegen ist es schon bisher verboten, sie zwischen dem 1. März und dem 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes stellt klar, dass zu den verbotenen Handlungen auch das Ausreißen oder komplette Entfernen der Hecke fällt.

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Novelle von 2017 des Bundesnaturschutzgesetzes

Wie verbessert die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes den Schutz von Höhlen und Stollen?

Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes erklärt Höhlen und Stollen zu sogenannten "geschützten Biotopen". Das bedeutet, dass es von nun an grundsätzlich verboten ist, sie zu zerstören oder erheblich zu beeinträchtigen. Auf diese Weise wird die Lebensgrundlage der Tierarten geschützt, die für ihren Fortbestand auf Höhlen und Stollen als Lebensraum angewiesen sind.

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Novelle von 2017 des Bundesnaturschutzgesetzes

Warum ist der Schutz von Höhlen und Stollen wichtig?

Höhlen und stillgelegte Stollen sind ein wichtiger und einzigartiger Lebensraum für eine ganze Reihe von Tieren. Zum Beispiel haben sich viele Fledermäuse, Schmetterlinge, Spinnen und Insekten an die speziellen Lebensbedingungen in Höhlen angepasst. Einige von ihnen kommen nur dort vor, andere nutzen Höhlen, weil sie dort optimale Lebensbedingungen zu bestimmten Jahres- oder Tageszeiten finden.

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Novelle von 2017 des Bundesnaturschutzgesetzes

Was ändert sich beim Meeresschutz?

Die bisherigen Regelungen im Meeresnaturschutz, beispielsweise die Anwendung der FFH-Richtlinie oder der Eingriffsregelung, bleiben erhalten. Neu ist die Möglichkeit, weitere gefährdete Arten unter Schutz zu stellen.

Die europäische Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-RL) stellt eine begrenzte Anzahl der in Nord- und Ostsee lebenden marinen Arten unter Schutz, darunter zum Beispiel den Schweinswal, die Kegelrobbe und die Finte. § 57 des Bundesnaturschutzgesetzes in seiner neuen Fassung dient dazu, einen ausreichenden Schutz auch für weitere marine Arten der Nord- und Ostsee zu ermöglichen und somit einen Beitrag zu dem laut europäischer Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) vorgesehenen guten Umweltzustand der Meere zu leisten. Dies folgt aus den zwischen Bund und Ländern abgestimmten Maßnahmen im Zuge der MSRL, die eine solche Unterschutzstellung durch Rechtsverordnungen nach eingehender Prüfung vorsehen.

Außerdem besteht nun durch den neuen Paragraf 56a BNatSchG die Möglichkeit, Kompensationsmaßnahmen zu bevorraten. Ein Vorhabenträger muss bereits jetzt nach geltendem Recht Maßnahmen, die zu erheblichen Beeinträchtigungen der Natur und Landschaft führen, ausgleichen beziehungsweise kompensieren. Dies kann beispielsweise beim Verlegen von Seekabeln relevant sein.

Durch den neuen Paragraf 56a wird es nun möglich, eine zeitliche und personelle Entkoppelung von Eingriff und Kompensation zu schaffen. Die dadurch entstehende Bevorratung führt zu einer Flexibilisierung der Eingriffsregelung. So ermöglicht die Bevorratung die Möglichkeit zur freiwilligen Bevorratung bzw. zum An- und Verkauf von Kompensationsmaßnahmen. Über die Handelbarkeit von Maßnahmen und die Übertragbarkeit der Verantwortung erhalten die Unternehmen eine wirtschaftlich effiziente Möglichkeit der Auslagerung (Outsourcing) an eine vom Bundesamt für Naturschutz anerkannte juristische Person, die berechtigt ist, die Kompensationspflichten zu übernehmen.

Bei Maßnahmen an Land besteht diese Möglichkeit einer Bevorratung bereits jetzt. Um diese Lücke in Anlehnung an bewährtes Landesrecht zu schließen und einen hinreichend konkreten gesetzlichen Rahmen für vorgezogene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auch in der AWZ zu schaffen wurde der neue Paragraf 56a geschaffen. Dieser ersetzt also keine für Handlungen in der AWZ allgemein erforderlichen Zulassungen und schafft auch kein neues Zulassungserfordernis.

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Novelle von 2017 des Bundesnaturschutzgesetzes

Wird mit dem Gesetzentwurf die Windkraft zulasten des Artenschutzes privilegiert?

Nein, die Windkraft wird nicht privilegiert. Die Novelle sieht keinerlei Sonderregelung für die Windkraft vor. Die Gesetzesbegründung stellt lediglich klar, dass die artenschutzrechtliche Ausnahmeregelung auch für Vorhaben privater Träger in Betracht kommt, wenn und soweit die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Die Nennung des Ausbaus der "Erneuerbaren Energien" ist dabei rein exemplarischer Natur. Sie begründet keinen neuen Ausnahmegrund und führt auch nicht zu einer Privilegierung der Windkraft. Für diese gelten die gleichen gesetzlichen Voraussetzungen wie für alle anderen Vorhaben. Eine Energiewende zulasten des Artenschutzes findet daher nicht statt.

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Novelle von 2017 des Bundesnaturschutzgesetzes

Warum wird der Paragraf zum Artenschutzrecht neu formuliert?

Wir haben die etablierte und allgemein anerkannte Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in das Gesetz aufgenommen. Das bedeutet: Mit dem Gesetzentwurf ändert sich an der Rechtslage nichts. Dabei wird insbesondere die langjährige und eingeführte sogenannte Signifikanzrechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aufgegriffen. Danach liegt ein Verstoß gegen das Tötungs- und Verletzungsverbot nur vor, wenn die Durchführung eines Vorhabens zu einer signifikanten Erhöhung des allgemeinen Lebensrisikos für Exemplare der betroffenen Art führt.

Es kann nie verhindert werden, dass ein einzelner Vogel in ein Windrad, gegen eine Fensterscheibe, in eine Stromleitung oder ein Fahrzeug fliegt. Das Gericht sagt daher nicht: Der einzelne Käfer steht über dem Projekt. Sondern es darf kein deutlich steigendes Risiko geben, dass Tiere zu Schaden kommen. Diese Einschränkung des Tötungs- und Verletzungsverbotes dient nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Sie soll sicherstellen, dass ein unvermeidbarer Verlust einzelner Tiere durch ein Vorhaben nicht automatisch und immer zu einem Verstoß gegen das artenschutzrechtliche Verbot führt.

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Novelle von 2017 des Bundesnaturschutzgesetzes

Nationales Naturerbe

Wie werden die Flächen vor Ort betreut?

Die Betreuung der Flächen des Nationalen Naturerbes ist unterschiedlich organisiert. Auf den meisten ehemaligen Militärflächen und auf den Flächen an der früheren innerdeutschen Grenze ist weiterhin der Bundesforst tätig – im Auftrag der (neuen) Flächeneigentümer des Nationalen Naturerbes. Die Bundesförster sind in der Regel die örtlichen Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger. In Einzelfällen ist auch der Flächeneigentümer selbst der direkte Ansprechpartner. Dies gilt vor allem für Flächen, die an die Länder-Naturschutzstiftungen und an Naturschutzorganisationen übertragen wurden. Für ausgewählte Flächen des Nationalen Naturerbes haben örtliche Naturschutzgruppen auch Patenschaften übernommen – und setzten sich gemeinsam mit dem Flächeneigentümer für die Pflege der Fläche ein beziehungsweise bieten entsprechende Wanderungen und Exkursionen an.

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Nationales Naturerbe

Ist das Nationale Naturerbe für die Öffentlichkeit zugänglich?

Alle Flächeneigentümer im Nationalen Naturerbe bemühen sich, die Flächen für Interessierte zu öffnen und zugleich sensible Bereiche vor Störungen zu bewahren. Hierzu werden Rundwege und Aussichtsplattformen auf vielen Naturerbe-Flächen errichtet. Größere Besucher-Einrichtungen sind derzeit auf den von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt betreuten Naturerbe-Flächen in Prora/Rügen (Besucherinformationszentrum mit Baumwipfelpfad) und in der Wahner Heide bei Köln (vier Besucher-Informationsstellen) zu finden.

Auf vielen Flächen des Nationalen Naturerbes bieten die Flächeneigentümer auch geführte Wanderungen und Exkursionen an. Andererseits dürfen viele Teilbereiche des Nationalen Naturerbes aufgrund der Gefahren aus der militärischen oder bergbaulichen Vornutzung aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Auch zum Schutz seltener Arten kann es notwendig sein, ausgewählte Flächen für Besucher zu sperren – beispielsweise die Sandstrände der Naturerbe-Flächen an der Ostsee. Entsprechende Sperrschilder sind deshalb unbedingt zu beachten.

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Nationales Naturerbe

Was unterscheidet das Nationale Naturerbe von anderen Schutzgebieten?

Das Nationale Naturerbe ist kein neuer Typ eines Naturschutzgebietes. Es ist vielmehr die Bezeichnung für eine Initiative des Bundes, auf die Privatisierung von für den Naturschutz bedeutsamen Flächen im Bundeseigentum zu verzichten und diese Gebiete in die Hände des Naturschutzes zu geben.

Viele der im Nationalen Naturerbe gesicherten Gebiete liegen allerdings zu großen Teilen in Schutzgebieten – beispielsweise in Nationalparken, Biosphärenreservaten, Natura-2000-Gebieten (europäisches Schutzgebiet) oder in Naturschutzgebieten. Flächen des Nationalen Naturerbes haben also in der Regel einen sehr hohen Naturschutzwert und sind unbedingt schützenswert. Dort, wo die Flächen des Nationalen Naturerbes bisher noch keinen Schutzstatus haben, soll dies nachgeholt werden. Ziel ist es, dass mittelfristig alle größeren Naturerbe-Flächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden.

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Nationales Naturerbe

Wie werden die Flächen des Nationalen Naturerbes für den Naturschutz gesichert?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes sind in großen Teilen bereits als Schutzgebiet ausgewiesen – als Nationalpark, Biosphärenreservat oder als Naturschutzgebiet. Darüber hinaus haben sich die Flächeneigentümer des Nationalen Naturerbes gegenüber dem Bund vertraglich zur Einhaltung strenger Naturschutzvorgaben verpflichtet. Bestandteil der Übertragungsvereinbarungen zu den Flächen des Nationalen Naturerbes ist ein umfassender Katalog von Auflagen und Vorgaben zur zukünftigen Betreuung der Flächen. Pachtverträge müssen so umgestaltet werden, dass zukünftig allein der Naturschutz im Vordergrund steht.

Die Bundesregierung hat – vertreten durch das Bundesamt für Naturschutz – jederzeit die Möglichkeit, die Einhaltung der Auflagen zu überprüfen. Viele Entscheidungen zur zukünftigen Entwicklung der jeweiligen Fläche müssen von den Flächeneigentümern auch mit dem Bundesumweltministerium beziehungweise dem Bundesamt für Naturschutz einvernehmlich abgestimmt werden. Naturschutzorganisationen sichern die Ziele für ihre Naturerbe-Flächen zudem über einen Grundbucheintrag ab.

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Nationales Naturerbe

Wird auf den Flächen des Nationalen Naturerbes noch gejagt?

Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes kann auch weiterhin gejagt werden. In vielen Fällen ist dies erforderlich, um (Wild-)Schäden von den benachbarten Flächen abzuwenden oder das Aufkommen der für das Gebiet typischen Baumarten zu ermöglichen. Allerdings muss sich die Jagd den Naturschutzzielen klar unterordnen. Für jede größere Fläche des Nationalen Naturerbes wird vom Flächeneigentümer auch ein Konzept zum Wildtiermanagement entwickelt. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes wird ausschließlich mit bleifreier Munition gejagt.

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Nationales Naturerbe

Wer bezahlt die Naturschutzmaßnahmen auf den Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Empfänger der Flächen des Nationalen Naturerbes haben sich gegenüber dem Bund vertraglich verpflichtet, alle Folgekosten für Betreuung und Naturschutz selbst zu zahlen. Die Kosten für die Betreuung der Flächen und die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen liegen in der Regel deutlich über den eventuellen Einnahmen aus dem Verkauf von Holz aus dem Waldumbau beziehungsweise den Pachterträgen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellt für die Betreuung ihrer Naturerbe-Flächen jährlich fünf Millionen Euro in den Haushalt ein. Für die vom Bundesumweltministerium betreuten Flächen des Nationalen Naturerbes sind im Bundeshaushalt pro Jahr vier Millionen Euro eingeplant.

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Nationales Naturerbe

Welche Kosten fallen für die Pflege und Betreuung der Flächen des Nationalen Naturerbes an?

Die Betreuung und Entwicklung der Flächen des Nationalen Naturerbes ist mit zum Teil hohen Kosten verbunden. Selbst die nicht mehr genutzten Wälder des Nationalen Naturerbes erfordern finanzielle Aufwendungen – beispielsweise für die Verkehrssicherung und die Besucherlenkung. Auch Steuern und Abgaben müssen bezahlt werden. Besonders hohe Kosten fallen für die Erhaltung der wertvollen Wiesen, Magerrasen und Heiden an. Die für die Erhaltung dieser Offenlandschaften erforderlichen extensiven Nutzungen (Mahd, Beweidung) müssen in der Regel bezuschusst werden.

Hinzu kommen Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit und die Flächenverwaltung. Bei den im Nationalen Naturerbe übertragenen Militärflächen und den Gebieten an der ehemaligen innerdeutschen Grenze muss der Flächenempfänger außerdem noch das auf der Fläche zum Zeitpunkt der Flächenübertragung arbeitende Personal des Bundesforstes bis zum Renteneintritt finanzieren. Hierfür wird jeweils zwischen Flächenempfänger und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ein Dienstleistungsvertrag abgeschlossen. Auf ehemaligen Militärflächen sind häufig Kampfmittelreste und Altlasten zu finden. Die Flächenempfänger tragen hierfür einen großen Teil der Risiken und müssen gegebenenfalls Aufwendungen zur Beseitigung solcher Reste einrechnen.

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Nationales Naturerbe

Warum wird auf den Flächen des Nationalen Naturerbes noch Forstwirtschaft und Landwirtschaft betrieben?

In den Offenlandbereichen - also den nicht bewaldeten Flächen - des Nationalen Naturerbes ist eine naturnahe landwirtschaftliche Nutzung oft die Voraussetzung dafür, den Lebensraum überhaupt zu erhalten. Die meisten Offenlandflächen im Nationalen Naturerbe wie zum Beispiel Wiesen, Magerrasen und Heiden sollen langfristig erhalten bleiben. Sie müssen gemäht oder beweidet werden, sonst wachsen sie mit Gebüschen zu und entwickeln sich langsam zu Wald. Landwirtschaft auf den Naturerbeflächen unterscheidet sich jedoch deutlich von der üblichen landwirtschaftlichen Nutzung. Das vorrangige Ziel ist es, für möglichst vielfältige, artenreiche Lebensräume auf den Flächen zu sorgen. Darauf zielen alle Bewirtschaftungsmaßnahmen ab. Viele Naturerbe-Flächen werden auch extensiv beweidet, zum Beispiel mit Wasserbüffeln, Wildpferden, robusten Rinderrassen, Schafen und Ziegen.

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Nationales Naturerbe

Wird auf den Flächen noch Forstwirtschaft und Landwirtschaft betrieben?

In den Wäldern des Nationalen Naturerbes findet keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt. In heute bereits naturnahen Naturerbe-Wäldern wird schon jetzt kein Baum mehr gefällt. In naturfernen Wäldern ist eine übergangsweise Holznutzung erlaubt – allerdings nur im Rahmen eines schrittweisen Waldumbaus, um die Wälder naturnäher zu gestalten. Dabei können beispielsweise für das Gebiet untypische Baumarten entfernt werden, um so dort natürlicherweise vorkommenden Bäumen mehr Raum zum Wachsen zu schaffen. Ist der Waldumbau abgeschlossen, wird auch in diesen Wäldern dauerhaft die Säge ruhen und die Natur sich selbst überlassen bleiben. Wenn also in den Wäldern des Nationalen Naturerbes noch Holz eingeschlagen wird, dient dies nicht der Erwirtschaftung eines Gewinns, sondern vor allem der Erhöhung der Naturnähe der Wälder.

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Nationales Naturerbe

Wie trägt das Nationale Naturerbe zur biologischen Vielfalt bei?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes weisen eine außergewöhnlich hohe Arten- und Lebensraumvielfalt auf. Aufgrund der früheren besonderen Nutzung als militärisches Übungsgebiet oder der Lage in Naturschutzgebieten sind viele Naturerbe-Flächen wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Mit ihrer teilweise enormen Ausdehnung sowie dem Fehlen von Siedlungen und Verkehrswegen bieten die Gebiete die Chance, Natur- und Artenschutz großräumig und ohne Konflikte mit konkurrierenden (wirtschaftlichen) Nutzungen umzusetzen. Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind einzig der Natur gewidmet.

Alle Wälder im Nationalen Naturerbe sollen sich zukünftig so wenig vom Menschen beeinflusst wie möglich entwickeln. Wenn Bäume alt werden dürfen und nicht eingeschlagen werden, sind sie reichhaltiger Lebensraum für speziell angepasste Käfer, Flechten und Pilze. Die Bundesregierung strebt an, bis zum Jahr 2020 insgesamt 5 Prozent der deutschen Waldfläche beziehungsweise 10 Prozent des Waldes im Eigentum der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Kommunen) dauerhaft aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Die Wälder des Nationalen Naturerbes sind hierfür ein wesentlicher Baustein. Große Naturschutzflächen bieten außerdem Lebensraum für Wildkatze, Luchs und Wolf. Mit der Sicherung eines beträchtlichen Teils bundeseigener (Wald-)Flächen für das Nationale Naturerbe hat der Bund dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Viele Magerrasen und Heideflächen weisen eine besonders hohe Artenvielfalt an Vögeln, Schmetterlingen und Insekten auf. Diese früher häufigen Lebensräume sind durch die Intensivierung der Landwirtschaft deutschlandweit stark gefährdet. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes sind sie dagegen noch oft zu finden. Da hier die Ziele des Naturschutzes Vorrang haben, können diese artenreichen Lebensräume durch eine naturnahe Nutzung langfristig erhalten werden.

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Nationales Naturerbe

Was sind die Naturschutzziele für die Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sollen für nachfolgende Generationen als Orte der biologischen Vielfalt erhalten werden. Hierzu müssen auf den Flächen strenge Naturschutzstandards eingehalten und umgesetzt werden. So ist festgeschrieben, dass in allen Wäldern des Nationalen Naturerbes keine forstliche Nutzung mehr stattfindet. Dort, wo die Wälder bereits naturnah sind, ruht sofort die Säge. In naturfernen Wäldern können in einem befristeten Übergangszeitraum noch naturschonende waldbauliche Maßnahmen zur Erhöhung der Naturnähe umgesetzt werden. Heidelandschaften, Magerrasen und andere Offenland-Ökosysteme sind langfristig durch eine gezielte Pflege zu erhalten. Moore, Gewässer und Auen werden sich selbst überlassen oder naturnäher gestaltet. Mittelfristig sollen alle größeren Flächen des Nationalen Naturerbes als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden – sofern sie nicht schon jetzt unter Schutz stehen.

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Nationales Naturerbe

Wer bestimmt, was auf den Flächen passiert?

Ein Großteil der Naturerbe-Flächen wurde und wird an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Länder oder von diesen benannte Naturschutzorganisationen übertragen. Als neue Flächeneigentümer bestimmen sie die zukünftige Entwicklung der Flächen. Sie müssen dabei allerdings strenge Vorgaben des Bundes einhalten. Denn der Bund hat die (unentgeltliche) Übertragung der Flächen an konkrete Bedingungen geknüpft. So sollen beispielsweise nahezu alle Wälder des Nationalen Naturerbes nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Bestehende Pachtverträge dürfen nicht mehr verlängert werden oder sind unter den Maßgaben des Naturschutzes neu abzuschließen. Auch die Jagd muss sich an strengen Naturschutzstandards orientieren. Für jede Fläche muss der neue Eigentümer seine Naturschutzziele in Form eines Leitbildes mit dem Bundesamt für Naturschutz einvernehmlich abstimmen. Die geplanten Aktivitäten auf der Fläche müssen in einem Pflege- und Entwicklungsplan aufgelistet werden. So wird sichergestellt, dass die Flächen tatsächlich langfristig dem Naturschutz dienen.

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Nationales Naturerbe

Wer ist Eigentümer der Flächen des Nationalen Naturerbes?

Für die Flächen des Nationalen Naturerbes (rund 156.000 Hektar) verzichtet der Bund als bisheriger Eigentümer auf eine Privatisierung. Die Flächen werden stattdessen unentgeltlich, aber unter strengen Naturschutzauflagen an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (circa 70.000 Hektar), die Länder (circa 30.000 Hektar) oder von diesen benannte Naturschutzorganisationen (circa 26.000 Hektar) übertragen.

Etliche Naturerbe-Flächen verbleiben aber auch dauerhaft im Bundeseigentum (circa 30.000 Hektar) und werden von den Bundesforsten im Auftrag des Bundesumweltministeriums betreut. Die neuen Eigentümer der Flächen des Nationalen Naturerbes müssen – vertraglich verpflichtet – für alle Folgekosten aufkommen und zugleich den naturschutzfachlichen Wert der Flächen langfristig erhalten.

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Nationales Naturerbe

Wie wurden die Flächen ausgewählt?

Dem Bund gehören weit mehr Flächen als die insgesamt 156.000 Hektar, die inzwischen als Nationales Naturerbe dem Naturschutz gewidmet sind. Daher war es wichtig, eine sinnvolle Auswahl zu treffen, um die aus Naturschutzsicht wertvollsten Bundesflächen langfristig zu schützen. Zu diesem Zweck hat das Bundesamt für Naturschutz gemeinsam mit den Ländern und den Naturschutzorganisationen einen Kriterienkatalog entwickelt. Es wurden Bundesflächen ausgewählt

  • im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze (Grünes Band),
  • in Nationalparken,
  • in Kerngebieten der Naturschutzgroßprojekte des Bundes,
  • in Kernzonen beziehungsweise Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten von Biosphärenreservaten,
  • ehemalige militärische Flächen mit einer Größe von mehr als 1.000 Hektar Größe beziehungsweise kleineren Militärflächen mit mehr als 20 Prozent ausgewiesener Schutzgebiete (Naturschutzgebiete, Natura 2000-Gebiete),
  • in Bergbaufolgelandschaften mit einer Größe von mehr als 100 Hektar,
  • in Naturschutzgebieten größer 50 Hektar,
  • in Natura-2000-Gebieten (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete, Europäische Vogelschutzgebiete),
  • in Gebieten, die bedeutsam für den bundes- und landesweiten Biotopverbund und/oder bedeutsam für den Artenschutz sind.

Bei der endgültigen Auswahl der Flächen wurden neben den Flächengebern – die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Treuhand-Nachfolgegesellschaft BVVG und die Bergbausanierungsgesellschaft LMBV – auch die Länder und die Naturschutzorganisationen mit einbezogen. Die ausgewählten Flächen im Gesamtumfang von rund 156.000 Hektar wurden und werden in drei Tranchen (erste Tranche: 100.000 Hektar, zweite Tranche: 25.000 Hektar, dritte Tranche: 31.000 Hektar) an die neuen Flächeneigentümer übertragen. Die entsprechenden Beschlüsse zur endgültigen Auswahl der Flächen fällte jeweils der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages.

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Nationales Naturerbe

Wie ist die Initiative des Nationalen Naturerbes entstanden?

Viele wertvolle Naturschutzflächen in Deutschland befanden und befinden sich im Bundeseigentum. Dies ist unter anderem eine Folge der deutschen Wiedervereinigung. Der Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin der DDR fiel gleichsam über Nacht ein umfangreiches Flächeneigentum zu – nicht mehr genutzte Militärliegenschaften, Flächen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und aus dem DDR-Volksvermögen sowie ehemalige Braunkohletagbaue. Aber auch im Westteil Deutschlands wurden viele Manövergelände des Militärs nicht mehr benötigt.

Die Bundesregierung hat aufgrund gesetzlicher Vorschriften alle Flächen zu privatisieren, die nicht mehr für Bundesaufgaben benötigt werden. Infolgedessen wurden in den 1990er Jahren viele wertvolle Naturschutzflächen verkauft. Naturschutzorganisationen wandten sich gegen die Privatisierung und belegten mit wissenschaftlichen Studien den Wert der Flächen. 2005 wurde die Sicherung naturschutzfachlich wertvoller Bundesflächen unter dem Begriff "Nationales Naturerbe" erstmals in die Koalitionsvereinbarung der regierenden Parteien aufgenommen und in den nachfolgenden zwei Legislaturperioden fortgesetzt. Mit dem Nationalen Naturerbe bekennt sich der Bund zu seiner Mitverantwortung und Vorbildfunktion in Fragen des Naturschutzes.

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Nationales Naturerbe

Was ist das Besondere an den Naturerbe-Flächen?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes wurden bis zur Wiedervereinigung – in Teilen sogar noch bis vor einigen Jahren – unterschiedlich genutzt. Als Manövergelände des Militärs, zur Gewinnung von Braunkohle oder als Wald, Acker und Grünlandflächen. Trotz der in Teilen sehr intensiven Nutzung entstanden hier wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Denn dort, wo das Militär übte, wurde beispielsweise weder gedüngt, noch wurden Pestizide verwendet. Ähnlich wie die ehemaligen Braunkohletagebaue haben viele Militärflächen enorme Ausdehnungen, es gibt hier weder Siedlungen noch werden die Gebiete von Straßen durchschnitten.

Damit bieten die Flächen des Nationalen Naturerbes optimale Bedingungen, dass sich die Natur auf großen Flächen ohne das Zutun des Menschen nach eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln kann. Vor allem auf ehemaligen Militärflächen haben sich außerdem "historische" Offenlandschaften erhalten – wie beispielsweise artenreiche Sandmagerrasen und Heiden. Wie ein Zeitfenster erlauben sie einen Blick in die Landschaft vergangener Jahrhunderte. Diese gilt es, als Orte hoher Arten- und Lebensraumvielfalt, aber auch besonderer landschaftlicher Schönheit und Eigenart zu erhalten.

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Nationales Naturerbe

Wo liegen die Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind im gesamten Bundesgebiet verteilt. Sie reichen von der wilden Küstenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und der Dünenlandschaft der Insel Sylt über ausgedehnte Wälder und Moore, weite Heidelandschaften und vielgestaltige Auenwälder bis hin zu strukturreichen Kulturlandschaften aus Streuobstwiesen und Magerrasen in den deutschen Mittelgebirgen. Besonders viele Flächen des Nationalen Naturerbes liegen in den neuen Ländern. Aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft von Großstädten wie Berlin, Köln, Hamburg, Nürnberg und München gibt es Flächen des Nationalen Naturerbes.

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Nationales Naturerbe

Artenschutz

Was wird gegen den Fang von Singvögeln im Mittelmeerraum getan?

Das Problem des illegalen Vogelfangs betrifft verschiedene Mittelmeer-Anrainer-Staaten. Deutschland ist Vertragspartei des Übereinkommens zum Schutz wandernder, wildlebender Tierarten (CMS), das insbesondere zur Zusammenarbeit verpflichtet. Damit soll der Schutz und die Erhaltung von Zugvögeln gestärkt und Hindernisse für die Tierwanderungen entfernt werden. Die Bundesregierung ist seit Bekanntwerden des massenhaften illegalen Vogelfangs mit dem CMS-Sekretariat sowie den betreffenden Staaten im intensiven Austausch, um den Vogelfang in den betreffenden Ländern zu beenden.

Welche Tiere und Pflanzen darf ich nach Deutschland einführen?

Der weltweite Handel mit Tieren, Pflanzen und daraus hergestellten Produkten birgt nicht nur die Gefahr der Ausbreitung und Einschleppung von Tier- und Pflanzenseuchen, sondern bedroht auch den Erhalt der Artenvielfalt. Durch die Beschränkung des Handels soll weltweit ein Aussterben von seltenen Tieren und Pflanzen verhindert werden. Grundsätzlich sollten Sie davon absehen, Pflanzen und Tiere aus anderen Staaten nach Deutschland mitzubringen. Konkrete Informationen darüber, welche Tiere und Pflanzen Sie nach Deutschland einführen dürfen, finden Sie auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

Wie stärkt das Bundesumweltministerium den Artenschutz?

In der Natur lebende Tiere und Pflanzen werden durch das gesamte Naturschutzrecht und auch wesentliche umweltrechtliche Vorschriften geschützt. Der Artenschutz hat den besonderen Auftrag, die Arten als solche (beziehungsweise deren Populationen) zu erhalten. Gefährdungen sollen abgewehrt, möglichst eine gute Erhaltungssituation hergestellt und bewahrt werden, zumindest aber das Artensterben verhindert oder verlangsamt werden.

Proaktive Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für Arten und deren Biotope werden von den Bundesländern auf Basis der Paragrafen 37 f. BNatSchG entwickelt und durchgeführt. Das BNatSchG ergänzt diese Maßnahmen im Allgemeinen und besonderen Artenschutz durch Beschränkungen der Entnahme (Fangen, Pflücken), der Beeinträchtigung der Exemplare (Stören, Verletzen, Töten) sowie deren Fortpflanzungs- oder Ruhestätten, durch Besitz- und Vermarktungsverbote. Für Arten, die der EG-Verordnung Nummer 338/97 zur Umsetzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens unterliegen, gelten vorrangige Einfuhr- und Vermarktungsbeschränkungen in der gesamten Union. Der Vollzug der Einfuhr-, Handels- und Besitzbeschränkungen wird durch weitere Instrumente erleichtert. Das Artenschutzrecht enthält ferner Regelungen zum Umgang mit invasiven und gebietsfremden Arten und Regelungen zur Genehmigung von Zoos und Tiergehegen.

Kampagne "Wir schützen Insekten"

Was ist der aktuelle Anlass für das BMU für eine Kampagne zum Thema Insektenschutz?

Anlass für die Kampagne "Wir schützen Insekten" ist das Gesetz zum Schutz von Insekten, das die Bundesregierung auf Vorschlag des Bundesumweltministeriums im Februar 2021 auf den Weg gebracht hat. Das Gesetz ist ein wichtiger Baustein zur Umsetzung des 2019 von der Bundesregierung verabschiedeten Aktionsprogramms Insektenschutz mit umfassenden Maßnahmen gegen das Insektensterben. Zudem wurde im Aktionsprogramm Insektenschutz die Umsetzung einer bundesweiten Kampagne zu dem Thema "Insektenfreundliche Privatgärten" festgehalten. Ebenfalls dort festgeschrieben wurde der Aufbau einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit und der Ausbau von Informationsangeboten zum Thema Insektenschutz auch im Alltag. Mit der Kampagne "Wir schützen Insekten" wird dies nun unter anderem umgesetzt. Auch im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt werden breitenwirksame Informationsprojekte wie etwa "ProInsekt" (Wanderausstellung) oder "Vielfaltergarten" gefördert. Weitere Maßnahmen sind in Planung. Das gemeinsame Ziel der politischen Maßnahmen (und Projekte): den Trend umkehren und die Lebensbedingungen für Insekten insgesamt deutlich verbessern. Der Schutz von Insekten ist eine der wichtigsten und drängendsten Aufgaben des Bundesumweltministeriums. Denn der Zustand der Insekten wird unser künftiges Leben bestimmen: Eine Welt ohne Insekten hätte drastische ökologische und ökonomische Folgen.

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Kampagne "Wir schützen Insekten"

In welchem Zeitraum und auf welchen Kanälen wird die BMU-Kampagne "Wir schützen Insekten" zu sehen sein?

Vom 26. März bis zum 9. April 2021 werden die bewegten Motive der Kampagne über Online-Werbeanzeigen zu sehen sein. Ergänzt wird die Kampagne mit weiteren Angeboten wie eine Broschüre mit Tipps zum insektenfreundlichen Gärtnern, Artikel für ein junges Publikum auf der BMU-Jugendseite und Unterrichtmaterialien für Lehrkräfte. Das BMU informiert zudem umfassend über die Social-Media-Kanäle des Ministeriums sowie über die Website und stellt Tipps für das insektenfreundliche Gärtnern im Garten und auf dem Balkon bereit.

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Kampagne "Wir schützen Insekten"

Welche Motive zeigt die BMU-Kampagne "Wir schützen Insekten"?

Das BMU zeigt im Rahmen der Kampagne positive und ansprechende Motive von illustrierten Insekten auf animierten Online-Bannern. Die Slogans der Banner greifen die Alltäglichkeit von Insekten in unserem Sprachgebrauch auf. Sie machen deutlich, dass Insekten unseren Schutz benötigen und sich das Bundesumweltministerium für ihren Schutz einsetzt. Es handelt sich bei den Motiven um drei exemplarische Insekten (Hummel, Schmetterling, Maikäfer), die in unserem Alltag nicht nur als lebendes Insekt und in unserer Sprache, sondern beispielsweise auch in Form von Schokolade vorkommen.

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Kampagne "Wir schützen Insekten"

Wolf

Was mache ich, wenn ich einem Wolf begegne?

Wenn Sie im Wolfsgebiet zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, ist eine Begegnung mit Wölfen zwar selten, aber nicht auszuschließen. Begegnungen auf unter 100 Meter finden in der Regel dann statt, wenn die Wölfe den Menschen zum Beispiel wegen entsprechender Windverhältnisse noch nicht bemerkt haben. Wenn sie den Menschen wahrnehmen, fliehen die Wölfe meist nicht panisch, sondern orientieren sich zunächst einen Augenblick lang und ziehen sich dann zurück. Unter allen dokumentierten Wolfsichtungen in der Lausitz waren nur einige wenige, in denen sich Wölfe Menschen genähert haben, obwohl sie ihre Anwesenheit schon bemerkt hatten. Meistens handelte es sich in diesen Fällen um unerfahrene, neugierige Jungwölfe oder es überwog vor dem Fluchtimpuls vor dem Menschen das Interesse der Wölfe für Hunde oder Schafe in der Nähe der jeweiligen Person.

Grundsätzlich gilt, dass man sich bei einer Begegnung ruhig verhalten und Abstand halten sollte. Wenn der Wolf sich nicht zurückzieht und Ihnen die Situation nicht geheuer ist, sprechen Sie laut oder klatschen Sie in die Hände, um sich bemerkbar zu machen. Rennen Sie nicht davon, dies könnte ein Verfolgungsverhalten des Tieres auslösen. Sollte der Wolf sich Ihnen wider Erwarten nähern, bleiben Sie stehen und machen Sie sich groß, versuchen Sie ihn einzuschüchtern. In einem solchen Fall sollten Sie eher einen Schritt auf das Tier zugehen, als zurückweichen.

Wölfe sind, wie auch Wildschweine, große wehrhafte Wildtiere. Begegnen Sie Ihnen mit Respekt. Versuchen Sie nicht, sich einem Wolf anzunähern und schon gar nicht, ihn anzulocken. Lassen Sie ihm Raum für den Rückzug. Füttern Sie Wölfe unter keinen Umständen und lassen Sie keine Essensreste liegen. Die instinktive Vorsicht, die Wölfe Menschen gegenüber zeigen, kann verloren gehen, wenn die Tiere positive Reize vom Menschen erfahren. Daraus kann ein problematisches oder sogar aggressives Verhalten des Wolfes entstehen.

Aus diesem Grund ist es wichtig, Begegnungen mit Wölfen dem Wolfsmanagement des jeweiligen Bundeslandes zu melden. Auffälliges Verhalten kann so frühzeitig erkannt und wenn notwendig, entsprechend gegengesteuert werden.

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Wolf

Was macht ein Wolf, wenn ich ihm begegne?

Dokumentierte Angriffe durch gesunde Wölfe auf Menschen sind weltweit sehr selten. In Deutschland ist seit der Rückkehr des Wolfs kein Angriff eines Wolfs auf einen Menschen dokumentiert. Allerdings haben die Menschen in Deutschland das Zusammenleben mit diesen Tieren weitgehend verlernt und fühlen sich durch deren Nähe teilweise verunsichert oder bedroht.

Wölfe, die in Kulturlandschaften aufwachsen, meiden zwar den Menschen, aber nicht menschliche Strukturen. So zeigen sie auch Autos und Maschinen gegenüber kaum Furcht. Derselbe Wolf, der beim Anblick eines Menschen zu Fuß auf 100 Meter flüchtet, kann ein vorbeifahrendes Auto auf 30 Meter tolerieren. Auch auf Menschen auf Hochsitzen reagieren Wölfe oft deutlich weniger scheu als auf Fußgänger. Aus der Lausitz wurden über 2000 Sichtungen protokolliert (2001 bis 2015). In den Fällen, in denen Beobachter angaben, einem Wolf auf eine Distanz von 100 Meter oder weniger begegnet zu sein, zog sich dieser in der Regel zurück, wenn er den Menschen bemerkte. Dabei traten Wölfe häufig einen ruhigen "geordneten Rückzug" an und flüchteten nicht panisch. In einzelnen Fällen reagierten Wölfe auch bei Nahbegegnungen sehr entspannt. Bei Anwesenheit eines Hundes können Wölfe, statt sich zurück zu ziehen, stehen bleiben und beobachten beziehungsweise sich dem Menschen sogar nähern.

Auch das Zusammentreffen zwischen Mensch und Wolf an einem frisch gerissenen Tier stellt keine Gefahrensituation dar. In der Regel verteidigen Wölfe ihren Riss nicht (McNay 2002). In der Lausitz wurden mehrfach Wölfe durch Händeklatschen oder schreiend Hinterherlaufen von einem getöteten Schaf vertrieben. In einem anderen Fall flüchteten Wölfe von einer frisch getöteten Hirschkuh am Straßenrand vor der Postbotin, die sich auf dem Fahrrad näherte. Es kann jedoch vorkommen, dass ein Wolf, nachdem er dem Menschen erst einmal ausgewichen ist, anschließend versucht, sich dem Riss erneut zu nähern und weiter zu fressen.

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Wolf

Wer ist überhaupt zuständig für den Wolf?

Obwohl der Schutz des Wolfs durch europäische und bundesweite rechtliche Regelungen garantiert wird, sind die Bundesländer und ihre unteren Naturschutzbehörden zuständig für das Management des Wolfs (wie auch sonst für den Vollzug des Naturschutzrechts). Der Bund, unter Federführung des Bundesumweltministeriums, unterstützt die Länder bei der rechtssicheren Ausgestaltung der Managementpläne mit wissenschaftlicher Expertise und der "Dokumentations- und Beratungsstelle zum Thema Wolf" (DBBW).

Die Koalitionspartner der Bundesregierung haben zum Wolf folgendes in den Koalitionsvertrag geschrieben: "Im Umgang mit dem Wolf hat die Sicherheit der Menschen oberste Priorität. Wir werden die EU-Kommission auffordern, den Schutzstatus des Wolfs abhängig von seinem Erhaltungszustand zu überprüfen, um die notwendige Bestandsreduktion herbeiführen zu können. Unabhängig davon wird der Bund mit den Ländern einen geeigneten Kriterien- und Maßnahmenkatalog zur Entnahme von Wölfen entwickeln. Dazu erarbeiten wir mit der Wissenschaft geeignete Kriterien für die letale Entnahme. Wir wollen, dass Wölfe, die Weidezäune überwunden haben oder für den Menschen gefährlich werden, entnommen werden."

Dem trägt die Gesetzesänderung vom 13. März 2020 Rechnung.

Insbesondere die Weidetierhaltung ist ein wertvoller Beitrag zur Landschaftspflege und zum Naturschutz. Das BMU will helfen, diese auch dort in Zukunft sicherzustellen, wo der Wolf auftritt. Es ist eine zu lösende Kernfrage, wie Wolfschutz und Herdenschutz miteinander vertretbar gestaltet werden können. Der Schutz der Nutztiere muss dafür weiter verbessert werden, Kosten für Schutzmaßnahmen sowie Schäden müssen dafür aus Sicht des BMU schnell und zu 100 Prozent ausgeglichen werden.

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Wolf

Dürfen Wolf-Hund-Mischlinge einfach getötet werden?

In Deutschland wird seit einiger Zeit ein intensives, auch genetisches Monitoring der Wolfspopulation durchgeführt. Seit einem Hybridisierungsfall im Jahr 2003 – die Tiere sind seinerzeit allesamt der Natur entnommen worden – konnte in dem umfangreichen genetischen Probenmaterial, das von den Ländern erhoben wird, bis 2017 kein weiterer Nachweis für einen Wolfshybriden geführt werden. In Thüringen wurden 2018 drei Wolfshybride getötet. Das Thema Hybridisierung besitzt in Deutschland dennoch bisher nur eine kleine Relevanz.

Weil Wolf-Hund-Hybriden (kurz Hybriden) weniger gut an ein Leben in freier Natur angepasst sind als Wölfe und auch die wolfstypische Vorsicht bei ihnen unter Umständen geringer ausgeprägt sein kann, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie häufiger in Konflikt mit dem Menschen geraten, höher als bei Wölfen. So ist es denkbar, dass Hybriden vermehrt Übergriffe auf Nutztiere verüben oder, dass sie häufiger in Siedlungsnähe gesehen werden als Wölfe. Dies muss nicht so sein, ist aber möglich und ruft bei vielen Menschen Ängste hervor. Hinweise darauf, dass wildlebende Hybriden für den Menschen gefährlicher sind als Wölfe, gibt es jedoch nicht (L. Boitani, pers. Mittl.).

Hybriden in den ersten vier Generationen unterliegen dem gleichen Schutzstatus wie Wölfe. Dies ergibt sich aus Verordnung (EG) Nummer 1497/2003 zur Änderung der Verordnung (EG) Nummer 338/97 der Kommission des Rates über den Schutz von Exemplaren wild lebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels. Der Wolf ist im Anhang A der oben genannten Verordnung aufgeführt und damit gemäß Paragraph 10 Absatz 2 Nummer 11 a) Bundesnaturschutzgesetz eine streng geschützte Art. Daraus ergibt sich, dass auch Hybriden dem Artenschutz unterliegen. Hybriden dürfen demnach im Rahmen der Jagdausübung nicht wie Hunde geschossen werden. Für ihr Entfernen aus der Natur bedarf es immer einer naturschutzrechtlichen Ausnahmegenehmigung nach Paragraph 45 Absatz 7 Nummer 2 Bundesnaturschutzgesetz. Dies ist aus Artenschutzsicht ausdrücklich zu begrüßen, da ansonsten die Gefahr bestünde, dass Wölfe als vermeintliche Hybriden geschossen werden.

Auch aus Sicht des internationalen Artenschutzes sind Hybridisierungen zwischen Wildtierarten und ihren domestizierten Formen, in diesem Fall Wölfen und Haushunden, eindeutig unerwünscht und sollen unter allen Umständen vermieden werden. Wenn es bereits zu Hybridisierungen gekommen ist, gilt es daher, alle nötigen Maßnahmen zu ergreifen, um eine weitere Ausbreitung von Haushundgenen in der Wolfspopulation zu verhindern. Vorhandene Hybriden sollten so schnell wie möglich aus der Natur entnommen werden. Zur eindeutigen Regelung der Hybridproblematik ist in der Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes eine entsprechende Regelung vorgesehen, die die Entnahme der Hybridexemplare vorschreibt.

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Wolf

Verliert der Wolf seine Scheu, wenn er nicht gejagt wird?

Für die immer wieder zu lesende und zu hörende Behauptung, dass Wölfe in Deutschland ihre Scheu verlieren und immer näher an den Menschen herankommen würden, gibt es in der wissenschaftlichen Literatur keinen Beleg. Dreiste Individuen können in jeder Population auftreten (Fritts et al. 2003, McNay 2002). Die wenigen aus Europa bekannten Fälle nach 1950, in denen nicht tollwütige wilde Wölfe Menschen getötet haben, geschahen übrigens ausschließlich in bejagten Populationen.

Für Wölfe in vergleichsweise dicht besiedelten Kulturlandschaften wie in Deutschland ist ein Mindestmaß an Habituierung darüber hinaus für die Tiere überlebenswichtig. Eine gewisse Gewöhnung beziehungsweise Anpassung an den Menschen führt jedoch nicht per se zu problematischem Verhalten. Wölfe, die ein stark habituiertes Verhalten zeigen, das heißt sich Menschen wiederholt ohne Anzeichen von Scheu nähern, sollten möglichst frühzeitig besendert und vergrämt werden. Um eine Gewöhnung von Wölfen an Menschen zu verhindern, sieht die Änderung des BNatSchG ein striktes Fütterungsverbot vor.

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Wolf

Woran sterben Wölfe?

Seit dem Jahr 1990 wurden in Deutschland insgesamt 497 Wölfe tot aufgefunden. Häufig handelte es sich dabei um Welpen oder Jährlinge. 373 Wölfe starben durch Verkehrseinwirkung, 53 wurden illegal getötet, 4 legal im Rahmen des Managements, 39 Wölfe starben eines natürlichen Todes und bei 28 Totfunden war die Ursache unklar. (Quelle: Abfrage der DBBW-Datenbank am 24.09.2019 um 15:05 Uhr).

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Wolf

Wann darf ein Wolf erschossen werden, wer entscheidet das und gibt es Alternativen?

In Deutschland sind die Bundesländer für das Wolfsmanagement verantwortlich. Daher obliegt es den einzelnen Bundesländern bzw. den in den Bundesländern für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörden, letale Entnahmen vorzunehmen. Ob diese dann auf lokaler Ebene mit der Jägerschaft oder geschulten Experten zusammenarbeiten, liegt im Ermessensspielraum der Behörden.

Nach derzeitigem Rechtsstand können Wölfe, die sich Menschen auffällig gegenüber verhalten, letal entnommen werden. Dies gilt auch für Wölfe, die wiederholt empfohlene Herdenschutzmaßnahmen überwunden haben und die Gefahr besteht, dass sie hohe wirtschaftliche Schäden anrichten (siehe unter anderem Managementplan Wolf Sachsen). Eine Regulierung der Wolfsbestände ist vor dem Hintergrund des Schutzstatus des Wolfes und des Gefährdungsstatus der deutschen Population nicht möglich. Eine Regulierung ist auch nicht erforderlich. Die Entnahme einzelner Wölfe, die zum Beispiel fortwährend hinreichend geschützte Nutztiere erbeuten, oder die sich dem Menschen gegenüber auffällig verhalten, ist auch in dem jetzigen Status des Wolfs nach geltender Rechtslage möglich. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Wolfsrisse an geschützten und ungeschützten Nutztieren ist zur Erhöhung der Rechtssicherheit für eine Entnahme von übergriffigen Wölfen und der Begrenzung von ernsten landwirtschaftlichen und sonstiger ernster wirtschaftlicher Schäden ein Gesetz zur Änderung des BNatSchG am 13. März 2020 in Kraft getreten.

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Wolf

Kann der Schutzstatus des Wolfs nicht einfach gesenkt werden?

EU-Kommissar Karmenu Vella hat am 21. Dezember 2017 gegenüber dem Bundeslandwirtschaftsministerium geschrieben, dass der Wolf sich in Deutschland weiter in einer ungünstigen Erhaltungssituation befinde und ein Vergleich mit Nachbarländern sich verbiete. Praxisbezogene Lösungen zur Bewältigung der Konflikte im geltenden Schutzregime seien vorhanden; es sei möglich, Naturschutz und wirtschaftliche Aktivitäten zu fördern. Durch Dialog, Information und Unterstützung könne Vertrauen der Nutztierhalter zurückgewonnen werden.

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Wolf

Warum ist der Wolf so streng geschützt und darf nicht gejagt werden?

Vorab: Die Jagd auf Wölfe vermeidet keine Schäden bei Nutztieren!

Der Wolf ist streng geschützt, da es sich um eine natürlich in Deutschland vorkommende Art handelt, die in der Vergangenheit durch den Menschen ausgerottet wurde. Er spielt eine wichtige Rolle im ökologischen Gleichgewicht.

Daher wurde der Wolf in internationales und europäisches Naturschutzrecht als streng zu schützende Tierart aufgenommen. Für diese bestehen Verpflichtungen, Tötungen der Tiere zu verbieten; bestimmte Ausnahmen sind jedoch auch heute bereits möglich. Sie dürfen keinem Jagdregime mit Jagdzeiten unterworfen werden. Die internationalen und europäischen Verpflichtungen sind durch Schutzregelungen im Artenschutzrecht (5. Kapitel des Bundesnaturschutzgesetzes) festgeschrieben. In Sachsen ist der Wolf dem Jagdrecht unterstellt worden. Um nicht mit höherrangigem Recht zu verstoßen, wurde aber keine Jagdzeit in Sachsen eingerichtet – er darf also auch dort nicht gejagt werden.

Eine Regulierung durch Jagd oder Abschuss der Wolfsbestände ist vor dem Hintergrund des strengen Schutzstatus des Wolfes und des Gefährdungsstatus der deutschen Population nicht möglich.

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Wolf

Wer unterstützt die Nutztierhalter beim Schutz vor Wölfen?

Die Bundesländer mit Wolfsvorkommen haben Managementpläne erlassen, die eine Kompensation von durch Wölfe gerissenen Nutztieren ganz überwiegend auf freiwilliger Basis vorsieht. Aufgrund des nationalen sowie internationalen Austauschs bezüglich der Neu- und Weiterentwicklung von Herdenschutzmaßnahmen fließen neue Erkenntnisse, sofern diese auf Deutschland übertragbar sind, in die Empfehlungen mit ein. Die DBBW hat aktualisierte Standards für empfohlene Schutzmaßnahmen vor Wolfsübergriffen bei Schafen, Ziegen, Rindern oder Pferden ausgearbeitet. Die Länder haben Schadensansprüche an vorher erfolgte Präventionsmaßnahmen gekoppelt, um so eine Konditionierung von Wölfen auf das Reißen von ungeschützten Nutztieren zu verhindern.

In Deutschland lagen die Ausgaben für Herdenschutzmaßnahmen im Jahr 2019 mit 8.038.110 Euro fast 20 Mal so hoch wie die Ausgaben für Schadensausgleichszahlungen (418.246 Euro). Die Investitionen in den Herdenschutz sind wichtig, da andernfalls weitaus mehr Wolfsübergriffe auf Nutztiere zu besorgen wären, wie sie teilweise in anderen Staaten zu verzeichnen sind.

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Wolf

Wie können Landwirtinnen und Landwirte ihre Nutztiere gegen Wolfsrisse schützen?

Auch Nutztierhalter sind in der Regel jeweils nur von einem Wolfsrudel betroffen. Bei konsequenter Anwendung der empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen durch die Nutztierhalter lassen sich die Schäden stark reduzieren oder meistens sogar völlig ausschließen.

So gibt es eine Vielzahl an Rudeln, die in den vergangenen Jahren keine Nutztierübergriffe verursacht hatten. Für Schafe und Ziegen werden beispielsweise elektrische Zäune (höher als 120 cm, elektrische Spannung größer als 4000 Volt) mit fünf Litzen/Drähten, die unterste Litze bei 20 cm empfohlen, wenn möglich in Kombination mit Herdenschutzhunden empfohlen. Hierzu hat das Bundesamt für Naturschutz eine Zusammenfassung der empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen für Schafe und Ziegen erstellt. Herdenschutzhunde (HSH) können vor allem bei Schafen und Ziegen eingesetzt werden.

Rinder reagieren auf hundeartige Tiere generell eher aggressiv. Deswegen können Herdenschutzhunde nicht zum Schutz von Rindern eingesetzt werden. Die jeweiligen Landesschafzuchtverbände geben Informationen zu Herdenschutzhunde. Die Hunde stammen in der Regel aus Zucht- und Arbeitslinien aus der Schweiz, Frankreich und mittlerweile auch aus Deutschland . Es handelt sich vornehmlich um Pyrenäenberghunde oder italienische Maremmanos, die bereits ausgebildet sind. Herdenschutzhunde sind an die von ihnen zu bewachenden Schafherden gewöhnt und leben mit ihnen in der Herde, sozusagen als Schafe.

Es wird empfohlen, mindestens zwei Hunde pro Herde zu halten. Je nach Größe der Herde sowie Weidefläche sind zusätzliche Hunde notwendig. Wie viele Hunde finanziert werden, hängt von den jeweiligen Richtlinien der Länder ab.

Die Beihilfegrenzen für investive Kosten (zum Beispiel Herdenschutzhunde) und indirekte Schadenskosten können zukünftig auf 100 Prozent angehoben werden. Mit den Ländern wird derzeit beraten, wie Fördermöglichkeiten für einmalige und laufende Kosten finanziert werden können. Den Schafhaltern wird empfohlen, bei den Länderbehörden nachzufragen, ob und unter welchen Voraussetzungen die Kosten übernommen werden.

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Wolf

Kann man Wölfe nicht aus landwirtschaftlich geprägten Regionen vertreiben?

Da der Wolf im Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt wird und gemäß Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt ist, darf er in Deutschland nicht getötet oder verfolgt werden. Wenn einzelne Wölfe nachweislich für Menschen gefährlich werden, können Ausnahmen von diesem strengen Schutz gewährt werden. Auch bei unzumutbar hohen finanziellen Schäden durch bestimmte Tiere dürfen unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmen gewährt werden, wenn vorher alle zumutbaren Alternativen ausgeschöpft sind, um diese Schäden zu vermeiden. Die Ausnahmeregelungen sind in der FFH-Richtlinie und im Bundesnaturschutzgesetz festgeschrieben.

Eine Bestandsreduktion durch Quotenfreigabe und/oder die Schaffung so genannter "wolfsfreier" Zonen ist nach geltendem Recht nicht möglich und würden den Vorgaben der FFH-Richtlinie widersprechen. Eine Bejagung ist grundsätzlich keine Lösung für den Herdenschutz, weil die verbleibenden Wölfe weiterhin ungeschützte Nutztiere angreifen werden. Außerdem würden bestehende Rudelstrukturen zerstört und es bestünde die Gefahr, dass zuwandernde Wölfe und elternlose Jungtiere noch eher auf schlecht geschützte Nutztiere zurückgreifen als auf Rehe oder Wildschweine.

Wolfsfreie Zonen könnten zudem nur durch permanenten Abschuss von allen neu ankommenden Wölfen realisiert werden. Diese Zonen würden damit als sogenannte "Senke" wirken und nachteilige Auswirkungen auf den Erhaltungszustand der gesamten Population Deutschlands haben. Hinzu kommt, dass mit dem Töten eines Rudels das Revier frei würde. Es ist davon auszugehen, dass sich sofort wieder andere Wölfen ansiedeln. Ein Rückgang von Übergriffen auf Nutztiere ist damit nicht zu erwarten, diese lassen sich nur durch die konsequente Anwendung der empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen verhindern.

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Wolf

Ab wann spricht man von einem auffälligen Verhalten beim Wolf?

Die "Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf" (DBBW) hat Kriterien für die Beurteilung von kritischem Wolfsverhalten gegenüber Menschen aufgearbeitet und mit Bund und Ländern abgestimmt. Hierin werden Einschätzungen zum Wolfsverhalten im Hinblick auf die Sicherheit des Menschen gegeben. Die Handreichung enthält auch Empfehlungen für den Umgang mit solchen Wölfen, die ein auffälliges Verhalten zeigen. Unter auffälligem Verhalten wird in diesem Konzept die ganze Bandbreite von ungewöhnlichem, unerwünschtem bis zu problematischem Verhalten von Wölfen in Bezug auf Menschen verstanden.

Nicht zu den "auffälligen Wölfen" gehören Tiere, die Nutztiere reißen. Wölfe sind Fleischfresser und das Töten von Wild- und Nutztieren ist keine Form der Aggression, sondern Nahrungserwerb. Mit der Zunahme der Wölfe gibt es natürlich hier eine deutliche Zunahme der Probleme. Die Übergriffe finden jedoch vor allem dort statt, wo kein oder ungenügender Herdenschutz installiert wurde.

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Wolf

Fressen Wölfe nur Schafe, Ziegen und Kühe?

Wölfe sind Fleischfresser und das Töten von Wild- und Nutztieren ist keine Form der Aggression, sondern Nahrungserwerb. Trotzdem sind Wölfe Prädatoren.

Der Wolf ernährt sich zu über 90 Prozent von Reh-, Rot- und Schwarzwild, deren ohnehin sehr hohen Bestände zum Teil in Deutschland weiter zunehmen. Andere Wildtierarten zählen nur in Ausnahmefällen zum Beutespektrum des Wolfes und sind daher nicht gefährdet.

Wölfe unterscheiden auf der Suche nach Nahrung nicht zwischen wilden "erlaubten" Beutetieren und "nicht erlaubten" Nutztieren. Sie töten Tiere, die sie leicht überwältigen können. Bei den von Wölfen im Jahr 2019 getöteten oder verletzten Nutztieren in Deutschland handelte es sich daher zu 88 Prozent um Schafe oder Ziegen, 7 Prozent um Gatterwild und in 4 Prozent um Rinder (meist Kälber). Kleine Nutztiere wie Schafe und Ziegen sind – verglichen mit wilden Huftieren - eine sehr einfache Beute, sofern sie nicht durch Zäune/Herdenschutzhunde geschützt sind. Bei vielen Nutztierrassen ist das Fluchtverhalten darüber hinaus durch die Domestikation abgemildert. Deshalb kommt es bei Übergriffen auf Schaf- und Ziegenherden häufig zu Mehrfachtötungen. Wenn Wölfe große Nutztiere töten, handelt es sich meist um Jungtiere oder um einzeln gehaltene Rinder oder Pferde.

Das Ausmaß der Schäden an Nutztieren ist dabei weder von der Größe des Wolfsbestandes noch von der Anzahl der Nutztiere in einem Gebiet abhängig. Entscheidend ist, wie gut oder schlecht vor allem kleine Nutztiere geschützt sind. Auch eine Zunahme der Schäden pro Wolfsrudel kann nicht festgestellt werden. Die Schäden treten vor allem dort vermehrt auf, wo sich ein Wolfsrudel neu niederlässt und die Nutztierhalter sich noch nicht auf die Anwesenheit von Wölfen eingestellt haben. In Gebieten mit längerer Wolfsanwesenheit gehen die Schäden häufig zurück.

Im Jahr 2019 gab es bundesweit nach den Erhebungen der Länder gemäß der Zusammenstellung der DBBW insgesamt 887 gemeldete Wolfsübergriffe auf Nutztiere (Schafe, Ziegen, Rinder, Gehegewild und andere Tierarten) mit insgesamt 2894 getöteten oder verletzten/vermissten Tieren.

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Wolf

Können Jagdhunde überhaupt in Wolfsgebieten eingesetzt werden?

In der Jagdpresse wird immer wieder auf die Gefahr für jagdlich geführte Hunde im Wolfsgebiet hingewiesen. Begründet wird dies mit Beispielen aus Schweden, wo jährlich zwischen 20 und 40 Jagdhunde bei der Jagdausübung durch Wölfe getötet werden. Einen vergleichbaren Fall in Deutschland hat es in den letzten 15 Jahren nicht gegeben.

Der Einsatz von Jagdhunden im schwedischen Wolfsgebiet ist mit der Jagdausübung, wie sie in Deutschland stattfindet, nicht vergleichbar. Dort jagen Hasenbracken und Elchhunde weiträumig und oft weit entfernt vom Jäger. In Deutschland werden Stöberhunde vor allem bei Ansitzdrückjagden eingesetzt. Dabei sollen sie innerhalb eines begrenzten Gebietes den Jägern das Wild zutreiben.

In der Lausitz wird seit 15 Jahren mit Hunden im Wolfsgebiet gejagt. Die Erfahrungen zeigen, dass die Gefährdung für Jagdhunde hier nicht höher ist als anderswo. Das Risiko bei der Jagdausübung verletzt zu werden, ist für Jagdhunde nicht gering. Jährlich kommen Hunde dabei durch Wildschweine zu Tode, werden aus Versehen erschossen oder im Straßenverkehr überfahren. In Bezug auf den Wolf werden in der Lausitz bei Drückjagden im Wolfsgebiet von Seiten des Bundesforstbetriebes Lausitz seit Jahren bestimmte Vorsichtsmaßnahmen ergriffen:

  • Hundeführer werden im Vorhinein über die Anwesenheit von Wölfen informiert.
  • Es wird darum gebeten, dass Hunde, die im Ausland bereits auf Großraubwild (Jagd auf große Beutegreifer) eingesetzt wurden, im Wolfsgebiet nicht verwendet werden.
  • Die Hunde werden erst circa 20 Minuten nach Beginn des Treibens geschnallt (von der Leine gelassen). Dadurch sollen die Wölfe die Möglichkeit bekommen, sich auf das Geschehen einzustellen und überraschende Zusammentreffen von Wolf und Hund vermieden werden.
  • Bei der Nachsuche auf verletztes Wild wird der Schweißhund erst dann geschnallt, wenn der Hundeführer das verletzte Tier kurz vor sich hat und ausschließen kann, dass es bereits von Wölfen in Besitz genommen worden ist.

Darüber hinaus ist es empfehlenswert, den Hunden Glocken oder Schellen umzuhängen, um sie für Wölfe schon von weitem hörbar zu machen.

Eine Vorsichtsmaßnahme sollte bereits bei der Ausbildung von Jagdhunden berücksichtigt werden. Bei der Abrichtung und beim Führen eines Jagdhundes sollte der Hund nicht für das Anzeigen von Wolfszeichen belohnt werden. Die Gefahr besteht, dass ein jagdlich geführter Hund dies fehlinterpretiert und bei anderer Gelegenheit eine Wolfsfährte verfolgt, wie er das mit einer Hirsch- oder Wildschweinfährte auch tun würde. Ein Hund, der einen Wolf verfolgt und stellt, riskiert jedoch tatsächlich, von diesem angegriffen zu werden.

Ein solcher Vorfall ereignete sich bereits 2005 in der Lausitz, als eine Jagdterrierhündin sich außerhalb des Jagdeinsatzes unbemerkt von ihrem Besitzer entfernte, die Fährte einer Wölfin aufnahm, diese verfolgte und stellte. Die Hündin wurde von der Wölfin mehrfach gebissen. Sie kam noch zum Besitzer zurück, starb jedoch wenig später bei der tierärztlichen Behandlung an ihren Verletzungen. Es gibt durchaus Hundeführer, die ihren Hund im Wolfsgebiet nicht mehr einsetzen. Tatsächlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch in Deutschland zukünftig Hunde beim Jagdeinsatz von Wölfen angegriffen werden. Die größere Gefahr für Jagdhunde geht jedoch auch im Wolfsgebiet vom Straßenverkehr und von Wildschweinen aus.

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Wolf

Wie vertragen sich Wölfe und Hunde?

Wölfe sind die Vorfahren unserer Hunde und können noch immer mit ihnen kommunizieren. Gerade die Tatsache, dass Wölfe Hunde unter Umständen als Artgenossen ansehen, kann jedoch problematisch sein. Hunde verhalten sich in der Regel nicht wie Wölfe, was zu "Missverständnissen" führen kann. Generell sollten Hunde im Wolfsgebiet angeleint beziehungsweise nahe bei ihrem Besitzer geführt werden. Es kann durchaus vorkommen, dass Wölfe sich für diese Artgenossen interessieren, die aus Wolfssicht "dreist" in ihrem Territorium markieren. Die Nähe seines Besitzers ist der beste Schutz für den Hund. Eine Gefahr für den Hundeführer besteht selbst in diesen Situationen nicht. Die Wölfe interessieren sich für ihre domestizierten Verwandten, nicht für die Menschen. Kommt es zu einem Zusammentreffen von Wolf und Hund, sollte man seinen Hund zu sich rufen, anleinen und sich ruhig zurückziehen. Falls der Wolf weiter Interesse an dem Hund zeigt, sollte man sich durch Rufen deutlich bemerkbar machen und den Wolf gegebenenfalls durch das Werfen von Gegenständen vertreiben.

Zur möglichen Paarung von Wölfen und Hunden finden Sie weiter unten einen eigenen Eintrag.

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Wolf

Überträgt der Wolf die Schweinepest oder andere Krankheiten?

Teilweise wurde in letzter Zeit vor dem Hintergrund der Afrikanischen Schweinepest (ASP) die Vermutung gestreut, der Wolf könne die ASP einschleppen. Dies ist laut dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit (Friedrich-Löffler-Institut) jedoch nicht der Fall. Der Wolf überträgt die ASP nicht und kann sie auch selbst nicht bekommen.

Übertragbare Krankheiten durch den Wolf sind Tollwut (gilt seit 2008 in Deutschland als ausgerottet), Fuchsbandwurm, Räude, Staupe, Parvovirose und die Aujeszkysche Krankheit (Pseudowut).

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Wolf

Ist der Wolf gefährlich für den Menschen?

Das Bild vom Wolf, der unberührte Wildnis und weiträumige menschenleere Gebiete braucht, entspricht nicht der Realität in Deutschland. Wölfe in der Kulturlandschaft sind nicht gefährlicher als ihre Artgenossen, die in menschenleeren Gebieten leben oder die bejagt werden. Wolfsgebiete, die ähnlich dicht mit Menschen besiedelt sind, wie die Wolfsgebiete in Deutschland, und in denen ebenfalls keine (legale) Jagd auf Wölfe stattfindet, gibt es zum Beispiel in Italien und Polen. Auch in diesen Gebieten gibt es keine Hinweise darauf, dass Wölfe ihre Vorsicht dem Menschen gegenüber verlieren. Gleiches gilt für Wölfe, die in Nationalparks mit hohem Besucheraufkommen aufwachsen und die keine negative Erfahrung mit Menschen gemacht haben.

Es gehört daher zum normalen Verhalten der Wölfe, dass sie gelegentlich auch tagsüber in Sichtweite von bewohnten Gebäuden entlanglaufen, nachts dann und wann Dörfer durchqueren oder am Dorfrand nach Nahrung suchen. Die Erfahrung zeigt, dass ein solches Verhalten in der Regel keine Gefährdung des Menschen darstellt. Schäden können mittels Vorsorgemaßnahmen erfolgreich begrenzt werden. Dennoch gilt: Sicherheit zuerst! Zur Bewertung des Annährungsverhaltens von Wölfen an Menschen und den sich aus diesem Verhalten möglicherweise ergebenden Gefahren hat die DBBW Bewertungskriterien erarbeitet.

Umfassende Informationen zum Gefahrenpotenzial von Wölfen liefert die 2002 vom Norwegischen Institut für Naturforschung (NINA) veröffentlichte Studie "The fear of wolves: A review of wolf attacks on humans". Darin wurden Berichte über Wolfsangriffe auf Menschen und ihre Ursachen in Skandinavien, Mitteleuropa, Asien und Nordamerika zusammengetragen und ausgewertet. Demnach sind Übergriffe von Wölfen auf Menschen sehr selten. In der Vergangenheit gab es nur wenige Fälle, in denen gesunde Wölfe einen Menschen angegriffen oder gar getötet haben. Wolfsangriffe auf Menschen lassen sich vor allem auf drei Ursachen zurückführen: Tollwut, Provokation und Futterkonditionierung.

Tollwut, eine tödlich verlaufende Viruserkrankung, die in früheren Zeiten als Hauptursache für Wolfsangriffe galt, ist in Deutschland seit 2008 ausgerottet und gilt auch in den angrenzenden Ländern durch die Immunisierung des Fuchses als weitestgehend bekämpft. Auch die Provokation eines Wolfes ist unter den heutigen Gegebenheiten eine eher unwahrscheinliche Gefahrenursache, da sie laut der Studie vor allem Tierhalter betraf, die – beim Versuch ihre Nutztiere vor einem Angriff zu schützen – Wölfe mit Knüppeln oder Heugabeln in die Enge trieben beziehungsweise Jäger, die Welpen aus dem Bau holten.

Die in unserer gegenwärtigen Kulturlandschaft am ehesten mögliche Ursache für gefährliches Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen ist eine starke Gewöhnung an die Nähe von Menschen (Habituation) verbunden mit positiven Reizen wie zum Beispiel Füttern (Futterkonditionierung). Futterkonditionierte Wölfe unterscheiden sich dahingehend von anderen Wölfen, dass sie sich aufgrund von positiven Reizen für Menschen interessieren und aktiv deren Nähe suchen. Bleiben die erwarteten positiven Reize (zum Beispiel Futter) aus, kann das dazu führen, dass die betroffenen Wölfe aufdringliches, dreistes und schlimmstenfalls aggressives Verhalten entwickeln.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Alle Wildtiere, also auch Wölfe, die in Kulturlandschaften leben, müssen sich zu einem gewissen Maße an die menschliche Anwesenheit gewöhnen (Habituation). Sie lernen Menschen und menschliche Aktivitäten in gewissem Umfang zu tolerieren. Eine solche Gewöhnung führt nicht per se zu problematischem Verhalten. Wenn Wölfe die Erfahrung gemacht haben, dass die Wahrnehmung menschlicher Präsenz ohne negative Konsequenzen verläuft, reagieren sie bei Begegnungen mit Menschen und Fahrzeugen in der Regel zwar vorsichtig, aber nicht extrem scheu und traben meist ohne übermäßige Hast davon. Wölfe, die weder positive noch negative Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, bleiben diesen gegenüber argwöhnisch und nähern sich nicht aktiv an. Jungwölfe können durch ihre Neugierde und Naivität bisweilen eine geringere Fluchtdistanz zu Menschen aufweisen, als erwachsene Wölfe.

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Wolf

Ab wann ist ein Bestand ungefährdet und der günstige Erhaltungszustand erreicht?

Vor 25 Jahren, im Jahr 1992, haben sich die damaligen Mitgliedstaaten der Europäischen Union darauf verständigt, die Natur mit ihrer Vielzahl an Tier- und Pflanzenarten zu schützen. Hierfür unterzeichneten die Politiker ein Regelwerk, in dem aufgelistet ist, welche Tiere, Pflanzen und Lebensräume in besonderem Maße geschützt werden sollen, die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG), kurz FFH-Richtlinie genannt. In dieser Richtlinie werden in den verschiedenen Anhängen diejenigen Tiere, Pflanzen und Lebensräume aufgeführt, die aus Sicht der EU von gemeinschaftlichem Interesse sind und daher von allen Mitgliedstaaten besonders gut geschützt werden sollen. Ziel der Richtlinie ist die Erhaltung oder Wiederherstellung des "günstigen Erhaltungszustandes" der in den Anhängen gelisteten Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Der Wolf gehört zu den in den Anhängen verzeichneten streng zu schützenden Tierarten.

Die räumliche Bezugsgröße für die Feststellung der Erhaltungssituation folgt den politisch-geographischen Mustern (Landesgrenzen) und zusätzlich den einzelnen biogeographischen Regionen in Deutschland. Dies sind die atlantische, die kontinentale und die alpine Region.

Auf den Wolf übertragen, lässt sich der günstige Erhaltungszustand wie folgt formulieren: Wölfe leben jetzt und auch in Zukunft überall dort, wo sie von Natur aus leben können; der Lebensraum und das Nahrungsangebot jetzt und auch zukünftig wird ausreichen, um das Überleben der Wölfe langfristig zu sichern. Die Anzahl der Wölfe ist außerdem ausreichend groß, dass die Wölfe auch in Zukunft nicht wieder aussterben können, zum Beispiel durch Krankheiten, Verkehrsunfälle oder Wilderei. Für die Bewertung und Einstufung des Erhaltungszustandes sind demnach mehrere Merkmale von Bedeutung: das natürliche Verbreitungsgebiet, der Bestand ("Population"), der Lebensraum und die Zukunftsaussichten. Bei der Ermittlung des Gesamturteils ist wesentlich, welches dieser vier Einzelmerkmale am schlechtesten ausgeprägt ist.

Trotz der Vermehrung der Wölfe in Deutschland wurde bislang aufgrund der noch zu geringen Anzahl und Verbreitung der Wölfe deren Erhaltungszustand mit "ungünstig-schlecht" bewertet. Erst wenn es Wölfe auch in bisher nicht vom Wolf besiedelten aber besiedelungsfähigen Gebieten gibt und die Anzahl so groß ist, dass der Wolf auch langfristig in Deutschland ohne Inzuchterscheinungen überleben kann, kann sein Erhaltungszustand mit "günstig" bewertet werden. Die Bewertung des günstigen Erhaltungszustandes nach den Vorgaben der FFH-Richtlinie erfolgt in einem Turnus von sechs Jahren. Der Bericht Deutschlands für den Zeitraum 2013 – 2018 findet sich auf den Seiten des Bundesamts für Naturschutz

Wenn eine Wolfspopulation den günstigen Erhaltungszustand erreicht hat, muss dieser Erhaltungszustand beibehalten werden. Diese eindeutige Verpflichtung folgt aus der FFH-Richtlinie und gilt für alle zu schützenden Arten, unabhängig davon, ob sie in Anhang IV oder auch in Anhang V aufgeführt sind.

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Wolf

Wurden die Wölfe in Deutschland absichtlich hier angesiedelt?

Der Wolf ist eigenständig nach Deutschland zurückgekehrt. Es gibt keinerlei glaubhafte Hinweise dafür, dass Wölfe nach Deutschland verbracht oder innerhalb Deutschlands umgesiedelt oder ausgewildert worden sind. Im Rahmen der genetischen Untersuchungen des Senckenberg Institutes für Wildtiergenetik Gelnhausen wurden bisher ebenfalls keine diesbezüglichen Hinweise gefunden.

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Wolf

Wo gibt es überall Wölfe in Deutschland und wie breiten sie sich aus?

Das Wolfsvorkommen konzentriert sich auf ein Gebiet von Sachsen in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Aber auch außerhalb dieser Vorkommen konnten in anderen Bundesländern einzelne Wolfsterritorien nachgewiesen werden. Zusätzlich konnte erstmals seit zehn Jahren wieder ein sesshafter Wolf in den bayerischen Alpen bestätigt werden.

Die Wölfe in Deutschland gehören zur mitteleuropäischen Flachlandpopulation, die sich auch über die Mittelgebirge erstreckt.

Die Ausdehnung des Verbreitungsgebiets führt nicht zu höheren Wolfsdichten. Wo ein Rudel sesshaft ist, kommt kein zweites oder weiteres hinzu. Wolfsrudel besetzen Territorien, die sie gegen fremde Rudel verteidigen. Wölfe verbreiten sich dann durch Wanderung, wenn ein Rudel zu groß wird bzw. zu viele erwachsene Tiere im Rudel sind. Insofern hat es die Bevölkerung in einem bestimmten Wolfsverbreitungsgebiet (Territorium) maximal mit einem Wolfsrudel zu tun.

Auch die Größe der jeweiligen Rudelterritorien hängt vor allem von der verfügbaren Nahrung ab und kann einer BfN-Pilotstudie zur Abwanderung und Ausbreitung von Wölfen in Deutschland zufolge zwischen 103 und 375 Quadratkilometern liegen. Je weniger Beutetiere auf einer Fläche leben, desto größer sind die Wolfsterritorien. Weil die Jungwölfe in der Regel mit Erreichen der Geschlechtsreife aus dem elterlichen Territorium abwandern, bleibt die Anzahl der Wölfe, die sich innerhalb eines bestimmten Gebietes etabliert haben, in der Folge dann meist relativ konstant.

Mit durch- oder zuwandernden Wölfen muss inzwischen überall in Deutschland gerechnet werden. Entsprechend haben bereits vierzehn Länder eigene Managementpläne, Leitlinien oder Handlungsleitfäden erstellt.

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Wolf

Wer führt die genetischen Untersuchungen bei Wölfen durch?

In Bezug auf die Wolfsgenetik untersucht das Senckenberg-Institut in seiner Außenstelle Gelnhausen als zentrales Labor und "Nationales Referenzzentrum für genetische Untersuchungen bei Luchs und Wolf" die bundesweit erhobenen Wolfsproben. Darauf haben sich der Bund und die Länder verständigt. Das Institut ist zugleich Partnerorganisation der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW). Die Basis für das bundesweite genetische Wolfsmonitoring des Senckenberg-Instituts bilden Untersuchungen auf Basis der Kern-DNA, die einen individuellen genetischen Fingerabdruck ergeben und Rückschlüsse auf Individuenzahlen, Verwandtschaften und das Vorkommen von Hybriden der ersten Hybridgeneration (F1) erlauben. Ferner wird bei allen eingeschickten Proben zusätzlich auch Mitochondrien-DNA untersucht, was auch bei Proben mit sehr geringem DNA-Gehalt eine Bestimmung der Art ermöglicht und Hinweise auf die Populationszuordnung, nicht jedoch auf den Hybridisierungsgrad gibt. Mit einer weiteren Methode, basierend auf Punktmutationen im Genom, lassen sich Hybride mindestens bis in die dritte Hybridgeneration sicher nachweisen. In Deutschland sind in den vergangenen 20 Jahren lediglich zwei Wolf-Hund-Hybridisierungsereignisse nachgewiesen worden, einmal im Jahr 2003 und einmal im Jahr 2017. Die von einzelner Seite verbreitete Darstellung, das Senckenberg-Institut arbeite bei der Feststellung der Hybridisierung allein mit der Analysemethode der Mitochondrien-DNA, ist unzutreffend.

Das Senckenberg-Institut in Gelnhausen ist Teil der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung (SGN), einer der wichtigsten Forschungseinrichtungen Deutschlands rund um die biologische Vielfalt. Die SGN ist ihrerseits Teil der Leibniz-Gemeinschaft, die 93 selbstständige Forschungseinrichtungen verbindet. Senckenberg kooperiert im Bereich der Wolfsgenetik mit zahlreichen wissenschaftlichen Institutionen aus unterschiedlichen Ländern.

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Wolf

Kann man nicht einfach alle Wölfe fangen und besendern?

Um Bewegungsräume und Verhalten verfolgen zu können, kann es sinnvoll sein, einzelnen Wölfen einen Sender anzulegen. Dazu müssen die Tiere gefangen werden. Das ist sehr arbeitsintensiv und mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden.

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Wolf

Wie werden Wölfe gezählt?

Das Zählen wild lebender Tiere ist generell sehr aufwändig. Das Wolfsmonitoring wird auf Länderebene nach zwischen Bund und Ländern abgestimmten Vorgaben von den Ländern durchgeführt. Wölfe werden dabei nicht als Einzeltiere gezählt, sondern es wird die Zahl an Rudeln bestimmt. In einem Rudel leben die Elterntiere, die Jungen des Vorjahres sowie die Welpen des aktuellen Jahres. Das Wolfsmonitoring ist nicht auf die Erfassung von Welpen ausgerichtet. Die Sterblichkeit unter den Jungtieren ist jedoch relativ hoch, deswegen kann man sicher nur die Zahl erwachsener Tiere nachweisen. Das Zählen ist dabei für die Wolfsexperten der Länder sehr aufwändig. Die Erhebungen beziehen sich jeweils auf das sogenannte "Wolfsjahr", das den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres abdeckt. Die Daten aus den Ländern werden von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf (DBBW) zusammengeführt und mit den Experten der Länder gemeinsam bewertet.

Die Methoden des Wolfsmonitorings sind vor allem Fotofallen, Telemetrie, genetische Analysen sowie Heulanimation (kann Chorheulen auslösen). Nach den hierbei verwendeten "SCALP"-Kriterien ist ein eindeutiger Nachweis (C1) für die Feststellung eines Wolfsvorkommens nötig. Dazu gehören Lebendfang, Totfund, genetischer Nachweis (auch aus Kotproben), Foto, Telemetrieortung. Für die Erhebung der Rudelzahlen werden auch C2-Nachweise (eine erfahrene Person dokumentiert Spur, Losung oder Riss) als Nachweis gezählt, wenn sie drei Mal für eine Rasterzelle (10 x 10 Kilometer) erbracht wurden.

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Wolf

Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?

In ganz Deutschland lebten nach den aktuellen Angaben der DBBW (Stand 2. November 2020) im Monitoringjahr 2019/2020 insgesamt 128 bestätigte Rudel, 35 Paare, 10 territoriale Einzeltiere. Der positive Trend der Populationsentwicklung hält demnach weiter an.

Die Sterblichkeit junger Wölfe ist hoch, vor allem in den ersten zwei Lebensjahren. Dies ist ein Grund, warum Hochrechnungen zum Gesamtbestand mit Unsicherheiten behaftet sind und wissenschaftlichen Ansprüchen nicht gerecht werden. Wurfgröße und Überlebensrate der Welpen sind stark abhängig vom Nahrungsangebot im Wolfsrevier. Aber auch in beutereichen Revieren muss mit einer hohen Mortalität (das heißt etwa bis Jahresende des Geburtsjahres) von 20 bis 30 Prozent gerechnet werden. Durch Verkehrsunfälle, (illegale) Abschüsse, Vergiftung oder andere menschliche Einflüsse kann die Zuwachsrate in Wolfspopulationen sich ebenfalls reduzieren. Verkehrsunfälle sind die häufigste unnatürliche Todesursache. Aber auch Krankheiten wie die Räude machen Jungtieren zu schaffen.

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Wolf

Natur · Biologische Vielfalt · Arten

Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Wie kann ich einen Antrag beim neuen Förderschwerpunkt Stadtnatur stellen?

Für den Masterplan Stadtnatur wird es im Bundesprogramm Biologische Vielfalt einen neuen Förderschwerpunkt Stadtnatur geben. Hierzu wird die Förderrichtlinie angepasst und die konkreten Rahmenbedingungen werden voraussichtlich Ende 2019 feststehen. Im Bundesprogramm Biologische Vielfalt können Projekte zum Thema Stadtnatur bereits ab sofort eingereicht werden. Im Bundesprogramm ist ein zweistufiges Verfahren vorgesehen. Zuerst wird eine aussagekräftige Projektskizze eingereicht, die im Programmbüro des Bundesamtes für Naturschutz begutachtet wird. Falls die Projektskizze grundsätzlich positiv bewertet worden ist, wird zur Antragsstellung aufgefordert.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Was sind Naturerfahrungsräume?

Städtische Naturerfahrungsräume sind großflächige, naturbelassene Freiräume ohne vor-gegebene Spielelemente für Kinder und Jugendliche. Sie geben ihnen die Möglichkeit, in ihrem direkten Umfeld Natur vorzufinden, um eigenständig Erfahrungen mit Pflanzen und Tieren sammeln zu können. Langjährige Untersuchungen zeigen, dass das freie Spielen in der Natur wichtig ist, um Körperbeherrschung, Kreativität, natürliche Risiko- und Sozialkompetenz zu erlernen.

Vor allem in den Großstädten gibt es nur noch wenige Orte, in denen Kinder frei, ohne Verbote, Richtlinien und ständige Beobachtung die Natur spielerisch entdecken können. Um diesem Missstand zu begegnen, wurde in den 1990er Jahren das Konzept der "Naturerfahrungsräume" entwickelt. Die Idee der Naturerfahrungsräume bietet eine große Chance, ein Mehr an Lebensqualität von Kindern und Stadtnaturschutz zu verbinden.

Mit einem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben "Naturerfahrungsräume in Großstädten am Beispiel Berlin" des BfN wurde die systematische Einrichtung, Beobachtung und Auswertung von Naturerfahrungsräumen im großstädtischen Kontext in Angriff genommen.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Wieso sind Gebäude für den Naturschutz so wichtig?

Gebäude stellen auch Lebens- und Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen dar. Vor allem einzelne Vogel- und Fledermausarten sind in besonderer Weise vom Lebensraum Gebäude abhängig. So bevorzugen Mauersegler zum Beispiel Nisthöhen ab sechs Meter und freien Anflug. Die Nester bauen Mauersegler während der Sommermonate unter Dachvorsprüngen, Steinen oder Mauerlücken. Fledermäuse, wie etwa die Breitflügelfledermaus, benötigen eben-falls Spaltenräume, etwa in Dachböden, hinter Regenrinnen oder unter Attiken. Auch Insekten finden in den bebauten Strukturen unserer Städte wichtige Lebensräume.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Wie können Bürgerinnen und Bürger Stadtnatur schützen und entwickeln?

Auch Bürgerinnen und Bürger können zu einer naturorientierten Stadt beitragen, indem sie private Höfe so wenig wie möglich versiegeln, Grünflächen und Grünelemente anlegen, Fassaden und Dächer begrünen. Auch die naturnahe Gestaltung des eigenen Gartens hilft der Stadtnatur. An Gebäuden oder im eigenen Garten können Nisthilfen und Quartiere für Vögel, Fledermäuse und Insekten angebracht werden. Auch das Engagement in Vereinen, die sich für den Naturschutz in der Stadt einsetzen, hilft, unsere Städte lebenswerter zu machen und die Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu erhalten. Darüber hinaus gibt es in den meisten Städten Bürgergärten, in denen man viel über Stadtnatur lernen und sich darüber hinaus auch selbst betätigen kann.

Im Rahmen des Umsetzungsprozesses des Masterplans Stadtnatur wird das Bundesumweltministerium auch für Bürgerinnen und Bürger Handreichungen mit konkreten Tipps für mehr Natur in ihrem direkten Umfeld entwickeln.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Was ist "doppelte Innenentwicklung"?

Der Masterplan Stadtnatur unterstützt die Weiterentwicklung des Leitbilds der doppelten Innenentwicklung, etwa im Rahmen der Initiierung einer bundeseinheitlichen Konvention zu Grünraumversorgung und Erholungsvorsorge.

Das Leitbild der doppelten Innenentwicklung verfolgt das Ziel, Flächenreserven im Bestand baulich sinnvoll zu nutzen, gleichzeitig aber auch urbanes Grün zu entwickeln, zu vernetzen und qualitativ aufzuwerten. Zielkonflikte zwischen baulicher und freiraumbezogener Entwicklung sind dabei nicht immer vermeidbar, nicht selten gehen aber diese Konflikte zu Lasten städtischer Frei- und Grünräume. Das Bundesamt für Naturschutz hat dazu Handlungsempfehlungen für die Entwicklung innerstädtischer Flächenreserven erarbeitet, die den Städten und Gemeinden den verantwortungsvollen Umgang mit urbanem Grün bei der städtebaulichen Innenentwicklung erleichtern und eine qualifizierte doppelte Innenentwicklung befördern.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Was ist Stadtnatur im Sinne des Masterplans?

In diesem Masterplan wird der Begriff Stadtnatur als Gesamtheit aller Lebensräume innerhalb einer Stadt verstanden, die für die Artenvielfalt von Bedeutung sind. In diesem Sinne können unterschiedliche Freiflächen und bauliche Elemente in der Stadt Bestandteil von Stadtnatur sein: vielfältig und naturnah gestaltete Bereiche in privaten Gärten, öffentlichen Grünanlagen, Klein- und Gemeinschaftsgärten, auf Friedhöfen, an Straßen und Wegen sowie Sport- und Spielplätzen, aber auch Nistplätze und Quartiere für Vögel und Fledermäuse an Gebäuden.

Alle diese Bestandteile bilden gemeinsam mit Stadtwäldern, Brachen mit Spontanvegetation, Strukturelementen wie Hecken und Säume an Agrarflächen sowie Gewässern mit deren Auen ein Gerüst für die Vernetzung in der Stadt sowie mit der umgebenden Landschaft. Damit reicht Stadtnatur vom Einzelbaum, über den insektenfreundlichen Garten bis hin zum renaturierten Bachlauf und naturnahen Stadtwald.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

In welchem Zustand ist die Stadtnatur in deutschen Städten und Gemeinden?

Der Indikator für die Artenvielfalt im Siedlungsbereich zeigt, dass die Bestandssituation für die Indikatorarten (Vögel) trotz eines positiven Entwicklungstrends noch weit vom Zielwert der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt entfernt ist. Gründe hierfür liegen in erster Linie in der zunehmenden Versiegelung von Flächen, der Gebäudesanierung sowie dem Verlust naturnaher Lebensräume.

Urbane Räume werden für "typische" Siedlungsarten als Lebensraum immer unattraktiver. Beeinträchtigt sind insbesondere gebäudegebundene Vogel- und Fledermausarten, wie etwa Mauersegler und Hausrotschwanz oder Graues Langohr und Breitflügelfledermaus. Positiv entwickeln sich bisher die Bestände vieler ehemaliger Waldarten, wie Schleiereule und Wanderfalke, die das wachsende und alternde Grünvolumen in den Städten zunehmend als Lebensraum erschließen.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Welche Leistungen erbringt Stadtnatur für die Stadtgesellschaft?

Der Bericht "Naturkapital Deutschland – TEEB DE: Ökosystemleistungen in der Stadt" legt dar, dass Stadtnatur zahlreiche Ökosystemleistungen erbringt und damit maßgeblich dazu beiträgt, die Gesundheit der Stadtbevölkerung zu schützen und deren Lebensqualität zu erhöhen. Dies erfolgt vor allem durch regulierende (zum Beispiel Temperaturregulation), kulturelle (zum Beispiel Erholung) und versorgende Leistungen (zum Beispiel Nahrungsmittel).

Der Bericht "Ökosystemleistungen in der Stadt" hat die Erkenntnisse unterschiedlicher Studien zu den Leistungen von Stadtnatur zusammengeführt. Hier einige Beispiele:

  • Freiflächen im Wohn- oder Arbeitsumfeld aufzusuchen, fördert allgemein die Gesundheit und auch sozialer Beziehungen und kann Ungleichheiten bei der Gesundheit unterschiedlicher sozialer Gruppen vermindern.
  • Sommerliche Höchsttemperaturen werden durch städtische Vegetation deutlich gesenkt. Auf 50 bis 100 Meter breiten Grünflächen wurde an heißen und windstillen Tagen eine Abkühlung von 3 bis 4 Grad Celsius gegenüber der angrenzenden Bebauung festgestellt.
  • Stadtgrün leistet einen großen Beitrag zur Luftreinhaltung. Bäume filtern Staub und können die Feinstaubbelastung um 5 bis 10 Prozent reduzieren. Bei mehreren dichten, hintereinanderliegenden Vegetationsstrukturen sogar um bis zu 15 Prozent.
  • Kinder mit ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störungen) können sich nach einem 20-minütigen Spaziergang im Park deutlich besser konzentrieren als nach einem ebenso langen Spaziergang in einem Wohngebiet oder in der Innenstadt.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Welche Rolle spielt Stadtnatur für eine integrierte Stadtentwicklung?

Stadtnatur bietet multifunktionale Lösungen über den reinen Naturschutz hinaus. Sie er-bringt als urbane grüne Infrastruktur zahlreiche ökologische, aber auch soziale und ökonomische Leistungen, die es gilt, strategisch zu erschließen. Insofern schafft Stadtnatur nicht nur Raum für Artenvielfalt, sondern bietet multifunktionale Lösungen für unsere Städte, wie zum Beispiel grüne Erholungsräume oder grüne Bewegungsachsen durch die Stadt. Die Grün- und Freiraumentwicklung sollte deshalb noch stärker als bisher zu einem integralen Bestandteil der Stadtentwicklung werden.

Eine Herausforderung besteht darin, den Zielkonflikt zwischen "Nachverdichtung" und "Freiraumentwicklung" zu moderieren. Hierbei sind integrierte Sicht- und Handlungsweisen der beteiligten Akteurinnen und Akteure erforderlich, um die Erhaltung und Erlebbarkeit der biologischen Vielfalt in Städten und Kommunen zu verbessern.

Die Etablierung einer integrierten Stadtentwicklung ist Ziel der Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Kommunen zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik. Die Initiative setzt die Inhalte der LEIPZIG CHARTA zur nachhaltigen europäischen Stadt seit 2007 in Deutschland um. Aufgabe einer integrierten Stadtentwicklung ist es in diesem Sinne, den aktuellen, zumeist komplexen und miteinander zusammenhängenden ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen in den Städten und Gemeinden fachübergreifend zu begegnen.

Integrierte Stadtentwicklungspolitik ist ein Prozess. In diesem Prozess findet die Koordinierung städtischer Aufgaben- und Politikfelder in räumlicher, sachlicher und zeitlicher Hinsicht statt. Stadtnatur stellt hierbei einen eigenen zu berücksichtigenden Belang dar. Beispiels-weise ist seit 2015 die Bedeutung städtischer Grün- und Freiräume für die Erhaltung der biologischen Vielfalt explizit in der Präambel der Verwaltungsvereinbarung zur Städtebauförderung, einem zentralen Instrument der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, enthalten.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Welche Maßnahmen sind im Masterplan enthalten?

Der Masterplan umfasst rahmengebende rechtliche Anpassungen, die Verbesserung der Förderung im Hinblick auf die Erhaltung und Entwicklung von Stadtnatur, innovative Formate der Öffentlichkeitsarbeit sowie die Erprobung neuer Ansätze und die Entwicklung von Arbeitshilfen für lokale Akteure.

Unter anderem wird ein neuer Förderschwerpunkt Stadtnatur beim Bundesprogramm Biologische Vielfalt des BMU geschaffen. Das Bundesnaturschutzgesetz soll geändert werden, um die kommunale Landschaftsplanung zu stärken. Technische Regeln für das städtische Gewässer- und Niederschlagsmanagement sollen überprüft werden, um die Anpassung an den Klima-wandel mit der Schaffung von vielfältigen Lebensräumen zu verbinden.

Die Maßnahmen werden überwiegend noch in dieser Legislaturperiode umgesetzt oder in Angriff genommen.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Weshalb der Masterplan Stadtnatur?

Für die Menschen ist es wichtig, in ihrem direkten Wohnumfeld Natur erleben zu können. Auch für die Erhaltung der biologischen Vielfalt haben städtische Lebensräume wesentliche Bedeutung. Zum Beispiel sind für ursprünglich in Höhlen brütende Arten "Ersatzlebensräume" in Nischen und Spalten an Gebäuden überlebenswichtig.

Öffentliche Grünflächen liegen in der Regel in der Verantwortung der Kommunen. Der Bund wirkt für diese kommunalen Aufgaben rahmengebend und fördernd sowie bei der Entwicklung übergreifender Instrumente mit. Im Masterplan Stadtnatur sind in der Zuständigkeit des Bundes liegenden Maßnahmen aufgenommen. Insgesamt wird die Bundesregierung mit dem Masterplan in 14 Schwerpunktbereichen 26 Maßnahmen für mehr Arten- und Biotopvielfalt in unseren Städten in Angriff nehmen.

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Hintergrundpapier zum Masterplan Stadtnatur

Meeresumweltschutz

Meereschutzgebiete

Was bedeuten die Verordnungen für die Natur der Nord- und Ostsee?

Der Erlass der Schutzgebietsverordnungen ist ein wichtiger Meilenstein für einen umfassenden Meeresnaturschutz. Auf dieser Grundlage werden wichtige Arten wie Schweinswal, Seehund und Kegelrobbe endlich wirksam geschützt. Auch wertvolle Lebensraumtypen wie Sandbänke oder Riffe werden vor Zerstörungen oder Beeinträchtigungen bewahrt. 

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Meereschutzgebiete

Was wird durch die Verordnungen geregelt?

Bestimmte Vorhaben werden generell untersagt, etwa die Errichtung von Anlagen und Bauwerken, die Einrichtung von Aquakulturen und die Einbringung von Baggergut. Im Einzelfall werden FFH-Verträglichkeitsprüfungen (Abkürzung für "Fauna, Flora, Habitat") vorgeschrieben, unter anderem für die Erzeugung von Energie aus Wasser, Strömung und Wind, die Gewinnung von Bodenschätzen und die Verlegung von unterseeischen Kabeln. Im Vergleich zu den bisherigen Vogelschutzgebietsverordnungen "Östliche Deutsche Bucht" und "Pommersche Bucht" ist zudem die Regulierung der wissenschaftlichen Meeresforschung beim Einsatz von Luftpulsern (sogenannten Airguns) hervorzuheben. Die Wahl der strengsten Schutzgebietskategorie (Naturschutzgebiet) macht die Bedeutung der sechs neuen Meeresschutzgebiete deutlich.

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Meereschutzgebiete

Warum werden die neuen Verordnungen überhaupt erlassen?

Mit dem Erlass der sechs Schutzgebietsverordnungen für die sogenannte "Ausschließliche Wirtschaftszone der Nord- und Ostsee" (AWZ) kommt Deutschland seiner Verpflichtung nach, europäisches Naturschutzrecht auf nationaler Ebene umzusetzen. Die AWZ ist der Meeresbereich außerhalb des 12 Seemeilen breiten Küstenstreifens. Hier ist der Bund für den Naturschutz zuständig. Die FFH-Richtlinie (Abkürzung für "Fauna, Flora, Habitat") sieht vor, dass bereits nach europäischem Recht geschützte Meeresgebiete auch durch nationale Regelungen zu schützen sind. Die Frist hierfür ist bereits Ende 2013 abgelaufen. Die beiden seit 2005 bestehenden Vogelschutzgebiete werden in die neuen Verordnungen integriert.

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Meereschutzgebiete

Welche Folgen hätte der dauerhafte Verstoß gegen EU-Recht für Deutschland?

Die EU-Kommission hat die fehlende nationale Unterschutzstellung der fraglichen FFH-Gebiete in der Verantwortung des Bundes zunächst gerügt. Bereits Anfang 2015 hat die Kommission wegen mangelhafter rechtlicher Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Würde Deutschland sich weiterhin weigern, die FFH-Richtlinie (Abkürzung für "Fauna, Flora, Habitat") zu befolgen, müssten wir mit einer Klage der EU-Kommission vor dem Europäischen Gerichtshof und am Ende mit hohen Strafzahlungen rechnen. Im Hinblick auf die rechtliche Sicherung der Meeresschutzgebiete dürfte das Verfahren nun gegenstandslos sein. Allerdings müssen auch die Bundesländer noch Natura-2000-Gebiete an Land rechtlich sichern.

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Meereschutzgebiete

Welche Folgen haben die Verordnungen für die Freizeitfischerei?

Freizeitfischerei bleibt weiterhin in weiten Teilen von Nord- und Ostsee möglich, auch in wichtigen Teilen der Schutzgebiete. Angestoßen durch die Länder- und Verbändeanhörungen im Februar 2016 sowie aufgrund von Stellungnahmen der Fischerei- und Tourismusverbände wurde ein Schutzkonzept entwickelt, das sowohl dem Schutz des marinen Naturerbes als auch den Belangen der Freizeitfischerei Rechnung trägt. Danach wird die Freizeitfischerei nicht pauschal in allen sechs Schutzgebieten, sondern räumlich und zeitlich abgestuft in fünf Schutzgebieten reguliert. Einschränkungen gelten demnach in folgenden Gebieten:

  • Fehmarnbelt: circa 23 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig geschützt
  • Kadetrinne: circa 43 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig und circa 28 Prozent des Schutzgebietes temporär vom 01.02. bis 31.05. geschützt
  • Pommersche Bucht – Rönnebank: circa 67 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig geschützt
  • Doggerbank: 0 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig geschützt
  • Borkum Riffgrund: circa 59 Prozent des Schutzgebietes ganzjährig geschützt
  • Sylter Außenriff/Östliche Deutsche Bucht: circa 86 Prozent ganzjährige Schließung des Schutzgebiets; circa fünf Prozent temporäre Schließung vom 01.10. bis zum 15.05.

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Meereschutzgebiete

Warum sind diese Regulierungen notwendig?

Diese Beschränkungen der Freizeitfischerei dienen der Erreichung des von der FFH-Richtlinie geforderten "günstigen Erhaltungszustands" des Lebensraumtyps "Riff" und seiner charakteristischen Arten, wie zum Beispiel des Dorschs. Riffe stellen für den Dorsch bedeutende Nahrungsgründe und Rückzugsgebiete dar. Diese werden von der Freizeitfischerei beeinträchtigt, die sich auf die Riffvorkommen und den dort vorkommenden Dorsch konzentriert.

In anderen Bereichen, die auch Vogelschutzgebiete sind, dient der Schutz vorwiegend den rastenden Seevögeln. Hier ist der mit der Freizeitfischerei verbundene Bootsverkehr eine Störquelle durch den Aufenthalt abseits der Hauptschifffahrtsrouten direkt über den Nahrungsgründen der Seevögel, den geschützten Sandbänken und Riffen. Für die hier rastenden, überwinternden beziehungsweise im Sommer mausernden und dann teilweise flugunfähigen Seevögel ist diese Störung erheblich.

Vor diesem Hintergrund sind die Beschränkungen der Freizeitfischerei naturschutzfachlich unverzichtbar, zumal in der ausschließlichen Wirtschaftszone von Nord- und Ostsee weiterhin auf 80 Prozent der Fläche geangelt werden kann und nur auf 20 Prozent naturschutzrechtliche Einschränkungen gelten.

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Meereschutzgebiete

Werden auch Berufsfischer eingeschränkt?

Alle Regelungen der Berufsfischerei erfolgen grundsätzlich auf europäischer Ebene.

  • Für Beschränkungen der Berufsfischerei in Schutzgebieten muss die Bundesregierung Vorschläge machen. Alle davon betroffenen Mitgliedstaaten müssen den Vorschlägen zustimmen, bevor diese in Kraft treten. Die Vorschläge für die Nordsee werden zurzeit verhandelt. Für die Ostsee werden die Vorschläge noch entwickelt.
  • Die Fangquoten der berufsmäßigen Fischerei werden jährlich neu durch den EU-Ministerrat festgelegt. Der Dorsch in der Ostsee stellt hierbei einen Sonderfall dar: Aufgrund des schlechten Zustands der Dorschbestände wurde auch erstmals die Freizeitfischerei auf europäischer Ebene beschränkt. Hierdurch soll die auf circa 2400 Tonnen geschätzte Fangmenge der deutschen Freizeitfischerei auf 1500 Tonnen reduziert werden. Der Berufsfischerei konnten nur noch 1200 Tonnen zugeteilt werden.

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Meereschutzgebiete

Wer ist für den Erlass der Verordnungen zuständig?

Zuständig für den Erlass der Schutzgebietsverordnungen ist nach Paragraf 57 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) das Bundesumweltministerium, wobei die fachlich betroffenen Bundesministerien zu beteiligen sind. Ein Einvernehmen anderer Ressorts für den Erlass der Schutzgebietsverordnungen ist nach dem BNatSchG nicht vorgesehen. Die Beteiligung der anderen Ressorts hat stattgefunden. Entwürfe der Verordnungen waren während der letzten zweieinhalb Jahre Gegenstand intensiver Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung und wurden infolgedessen weiterentwickelt. Darüber hinaus haben auch mehrere Gespräche mit betroffenen Verbänden und Vertretern der Länder stattgefunden. Auf dieser Grundlage wurde ein Schutzkonzept erarbeitet, das sowohl die Anliegen der Nutzerseite als auch die Erfordernisse des Naturschutzes berücksichtigt.

Enthalten in Fragen und Antworten zu

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