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11.12.2018

Rede von Svenja Schulze zur Preisverleihung des Bundeswettbewerbs "Nachhaltige Urbane Logistik"

unterseite icon 05.12.2018 | Verkehr

Bundeswettbewerb für nachhaltige Logistikkonzepte

Bundeswettbewerb für nachhaltige Logistikkonzepte
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Preisverleihung "Nachhaltige Urbane Logistik"

Preisverleihung "Nachhaltige Urbane Logistik"
Zur Preisverleihung hielt Svenja Schulze die Eröffnungsrede. Bei der anschließenden Preisübergabe wurden Projekte ausgezeichnet, die in besonderer Weise zu einem zukunftsfähigen innerstädtischen Lieferverkehr beitragen.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

heute reden wir einmal nicht über Verkehr im Zusammenhang mit Kohlendioxidausstoß, oder dass in Sachen Dieselabgase viel Vertrauen verspielt wurde. Wir reden nicht über Staus oder Fahrverbote. Heute reden wir über kluge Ideen und Lösungen, wie städtische Logistik umwelt- und klimafreundlicher gemacht werden kann.

Das verdanken wir Ihnen, die Sie mit Ihren Projekten an unserem Wettbewerb "Nachhaltige Urbane Logistik" teilgenommen haben. Jedes einzelne Ihrer Projekte beweist, dass eine klimaschonende Logistik schon heute möglich ist. Viele der eingereichten Projekte zeigen, dass im Verkehrssektor schon heute die Technologien zur Verfügung stehen, mit denen wir unsere Klimaziele erreichen können. Ich halte das für eine ganz wichtige Botschaft.

Auf der Klimakonferenz, die gerade in Katowice stattfindet, geht es unter anderem darum, mit welchen Technologien das 2-Grad-Ziel erreicht werden kann. Und hier bei diesem Wettbewerb sehen wir, wie aus einem Teil des Problems ein Teil der Lösung werden kann.

Ihre Projekte zeigen aber noch mehr, nämlich, dass Güterverkehr und Logistik den Schutz von Mensch und Umwelt ernst nehmen. Bei vielen Projekten geht es darum, Lärm und andere schädliche Emissionen zu reduzieren. Das ist ein sehr konkreter Beitrag für mehr Lebensqualität. Ich finde, das ist bereits eine ganze Menge für einen Wettbewerb!

Die Idee zu diesem Wettbewerb ist im Zusammenhang mit dem Klimaaktionsprogramm 2020 entstanden. Als sich in den Prognosen abzeichnete, dass Deutschland sein selbstgestecktes Klimaschutzziel für 2020 verfehlen könnte, hat die Bundesregierung ein ganzes Maßnahmenbündel beschlossen, um diese Lücke zu schließen. Eine Maßnahme war dieser schöne Wettbewerb. Wir müssen heute davon ausgehen, dass alle Anstrengungen immer noch nicht ausreichen, um das 2020-Ziel zu schaffen. Das spricht aber nicht gegen die einzelnen Maßnahmen, sondern eher dafür, dass wir uns noch mehr anstrengen müssen. Denn beim Klimaschutz geht es letztlich um die Frage, wie wir uns als Industrieland erfolgreich in Richtung Zukunft entwickeln wollen. Und eines ist wohl klar: Auf Transport und Logistik sind wir als Industrieland zwingend angewiesen und werden es immer sein. Aber unser Planet stößt an die Grenzen seiner Belastbarkeit. An manchen Stellen werden diese Grenzen bereits deutlich überschritten. Beim Klima, beim Artensterben und letztlich auch beim Ressourcenverbrauch.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie sich in den beteiligten Unternehmen die Frage ganz ähnlich gestellt haben: Wie können wir Geschäftsmodelle entwickeln, die auch unter dekarbonisierten Rahmenbedingungen und Nachhaltigkeitskriterien noch funktionieren und erfolgreich sind? Genau solche Überlegungen wollten wir fördern und hatten die Hoffnung, auf diesem Wege neuen Ideen den nötigen Raum zu verschaffen.

Ihre Projekte zeigen, was schon heute möglich ist. Was noch hinzukommen muss, ist ein nachhaltiger Konsum und nachhaltige Lösungen in der Produktion, im Handel und beim Versand. Denken Sie zum Beispiel an den Online-Handel. Wir sind ja alle ein Teil dieses Trends. Die Zahl der Zustellungen steigt fast explosionsartig an. Täglich gibt es rund 10 Millionen Zustellungen von Kurier-, Express- und Paktsendungen. Vor Weihnachten sind es sogar 20 Millionen. Das jährliche Volumen hat sich seit dem Jahr 2000 praktisch verdoppelt. Gerade vor dem Hintergrund einer solchen Entwicklung sind wir auf nachhaltige Lösungen dringend angewiesen.

Die Auswirkungen des Verkehrs sind mittlerweile ein handfester Standortfaktor. Je geringer die Umweltbelastungen, desto höher ist in der Regel die Lebensqualität. Damit erhöht sich auch die Attraktivität für Unternehmen, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gute Arbeits- und Lebensbedingungen bieten wollen. Das ist ein Punkt, den man in Zeiten von weltweitem Fachkräftemangel nicht unterschätzen sollte. Städte wie Kopenhagen, Malmö und Amsterdam haben das verstanden. Da wurde nachhaltigere Mobilität sehr gezielt gefördert mit dem Ergebnis, dass es den Leuten in vielerlei Hinsicht viel bessergeht. Das sollte uns ein Ansporn sein. Und genau deshalb finde ich diesem Wettbewerb so wichtig.

Ich nehme diese Ideen mit nach Katowice. Dort berät die Weltgemeinschaft, wie das Ziel, das wir uns auf der Klimakonferenz in Paris gegeben haben, weltweit umgesetzt werden kann. Das Kleingedruckte sozusagen – wobei jeder, der sich auskennt, weiß, dass das Kleingedruckte sehr entscheidend sein kann.

Wenn wir wollen, dass es vorangeht, dann brauchen wir faire Bedingungen. Wir müssen uns aufeinander verlassen können, dass alle sich nach ihren jeweiligen Möglichkeiten beteiligen. Und genau um diese fairen Regeln geht es jetzt auf der Weltklimakonferenz. Für mich heißt das: Wir brauchen mehr Verbindlichkeit, mehr Mut und mehr Solidarität.

  1. Mehr Verbindlichkeit: Jeder Staat braucht die Gewissheit, dass nicht nur er selbst, sondern auch seine Wettbewerber ambitionierten Klimaschutz betreiben. Das erleichtert es allen. Und nur wenn alle nach den gleichen Regeln spielen, können wir sehen, wie wir als Staatengemeinschaft insgesamt vorankommen.
    Auf nationaler Ebene brauchen wir ebenfalls mehr Verbindlichkeit als bisher. Darum werde ich im nächsten Jahr das erste Klimaschutzgesetz auf Bundesebene vorlegen. Ich will in diesem Gesetz einen Mechanismus einbauen, der insbesondere die Verkehrs-, Bau- und Wirtschafts- und Landwirtschaftsministerien darauf verpflichtet, ihre jeweiligen Klimaziele zu erreichen.
  2. Mehr Mut: Wir brauchen den Mut, über unsere bisherigen Anstrengungen hinaus zu gehen. In Deutschland plane ich für das nächste Jahr ein Maßnahmenprogramm, mit dem wir unser Ziel für 2030 erreichen wollen. Einen wichtigen Beitrag wird sicher der Bericht der Strukturwandel-Kommission leisten.
  3. Mehr Solidarität: Wir müssen in der Umweltpolitik immer die soziale Frage im Blick behalten. Wenn wir das vergessen, verlieren wir den Rückhalt der Bevölkerung schneller, als wir das Wort Klimaschutz buchstabieren können.

Wir brauchen mehr Solidarität innerhalb unserer Gesellschaft, aber auch zwischen den Staaten. Die Entwicklungsländer haben versprochen, dass auch sie das Klima schützen wollen – und wir reichen Länder haben versprochen, sie dabei zu unterstützen. Deutschland wird seinen Beitrag zum Grünen Klimafonds verdoppeln und insgesamt 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Wir setzen damit ein deutliches Zeichen der Solidarität und Verlässlichkeit für die Verhandlungen.

So wichtig die Entscheidungen auf nationaler und internationaler Ebene auch sein mögen: Ohne das Engagement vor Ort, in den Unternehmen und in den Kommunen, sind ambitionierte Klimaschutzziele nicht zu erreichen.

Auch wenn es eine Binsenweisheit ist, so will ich es doch an einer Stelle sagen: Hinter allen Wettbewerbsbeiträgen stehen engagierte Menschen. Menschen wie Sie, die im Unternehmen ihre Verantwortung wahrnehmen.

Die große Resonanz auf unseren Aufruf war wirklich überraschend. Wir haben Einsendungen von kleinen Initiativen bis hin zu Projekten mit Beteiligung großer Konzerne bekommen. Das alles sind Belege dafür, dass wir über ganz viel Knowhow in Deutschland verfügen. Das wollen wir ausbauen und nutzen!

Ich möchte mich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ganz herzlich bedanken. Dafür, dass sie sich engagieren und mit ihrem Projekt einen Beitrag zu einer besseren Mobilität und damit zu mehr Lebensqualität leisten. Danke auch an das Wettbewerbsbüro für die professionelle Begleitung des gesamten Verfahrens und den Kolleginnen und Kollegen des Umweltbundesamtes, ohne die wir diesen Wettbewerb nicht hätten durchführen können.

11.12.2018 | Rede Nachhaltige Entwicklung | Berlin