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19.11.2019

Rede von Svenja Schulze zur "Power-to-X Konferenz" des BMU

Svenja Schulze hält eine Rede auf der "Power-to-X Konferenz"
unterseite icon 19.11.2019 | Energieeffizienz

PtX als wichtige Technologie für Klimaschutz

Bundesumweltministerin Schulze startet Dialogprozess zum Thema PtX und kündigt weitere Aktivitäten an.

PtX als wichtige Technologie für Klimaschutz
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Konferenz "Power to X: Aufbruch in eine nachhaltige PtX-Wirtschaft"

Konferenz "Power to X: Aufbruch in eine nachhaltige PtX-Wirtschaft"
Bundesumweltministerin Svenja Schulze hielt eine Rede auf der Power-to-X Konferenz. Das Aktionsprogramm Power-to-X ist ein zentraler Baustein für Klimaschutz und Nachhaltigkeit und auch im Klimaschutzpaket verankert.

– Es gilt das gesprochene Wort. –

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich freue mich sehr, heute mit Ihnen über Power-to-X (PtX) sprechen zu können. Denn für uns ist Power-to-X sowohl national wie auch weltweit ein zentraler Baustein für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Deshalb gehört das Thema auch hier an diesen Ort, ins Bundesministerum für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU).

Ich möchte mich ausdrücklich bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Panels bedanken. Wir wollen vorankommen. Daher hören wir genau zu, welche Vorschläge Sie hierzu formulieren. 

Für uns als BMU sind bei diesem Thema zwei Dinge klar:

Erstens, dass Power-to-X ganz sicher ein Baustein eines ganzen Maßnahmenbündels zur Erreichung der Klimaschutzziele sein wird. Wir werden auch Anreize und Regularien brauchen, um diese Technologie voranzubringen. Das gilt für den Luft- und Seeverkehr gleichermaßen wie für die Industrie.

Zweitens, Power-to-X kann seine Potentiale nur erfüllen, wenn wir es jetzt im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz auf die richtige Schiene setzen.

Für mich steht PtX für Transformation hin zu einer nachhaltigen, klimaverträglicheren Volkswirtschaft. Erneuerbare Energien und PtX-Technologien bieten Chancen für neue Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle. Mit dem Klimaschutzplan haben wir diese Entwicklung eingeleitet, denn Deutschland soll in 30 Jahren CO2 neutral sein.

PtX bedeutet aber auch Aufbruch: warten und zuschauen würden unserem Anspruch technologische Vorreiter zu sein nicht gerecht. Deutschland hat die Voraussetzungen, diese Entwicklung zu einem echten Aufbruch im 21. Jahrhundert zu gestalten. Die Botschaft lautet: Dekarbonisierung ist technisch möglich – wir müssen jetzt handeln.

Ziel muss sein, Technologien für die Dekarbonisierung zu industrialisieren um damit dann auch Wertschöpfung zu generieren. Das sollten wir nicht anderen überlassen. Ich freue mich, dass die Bundesländer hier sehr aktiv sind.

Ich habe im Sommer das Aktionsprogramm Power-to-X dem BMU vorgestellt. Warum machen wir das als Umweltministerium?

Mir geht es darum die Chancen für die deutsche Wirtschaft bei Power-to-X zu realisieren. Ich will Power-to-X in ausgewählten Anwendungsfeldern möglichst bald ermöglichen. Es geht um einen ökonomisch und ökologisch sinnvollen Markthochlauf.

Für eine zukünftige Produktion von PtX in größerem Maßstab ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien das A und O. Denn wenn die Wasserstoffproduktion Lücken bei der Versorgung mit erneuerbarem Strom reißen würde, wäre für den Klimaschutz nicht viel gewonnen. Das gilt weltweit. Erneuerbare Energien sind ein knappes Gut. Sie sollten daher möglichst effizient eingesetzt werden. Das heißt konkret: vorzugsweise in den Anwendungsbereichen, in denen eine direkte Stromnutzung auf absehbare Zeit nicht möglich ist.

Das sind vor allem die Industrie mit prozessbedingten Emissionen, also zum Beispiel Stahl oder die Chemieindustrie, die einen nicht-fossilen Grundstoff benötigt und der Luft- und Seeverkehr. Alles wachsende Sektoren.

Im PtX-Aktionsprogramm haben wir festgelegt, was wir konkret umsetzen werden. Wir starten einen Stakeholder-Dialog zu Power-to-X, der die unterschiedlichen Themenfelder intensiver beleuchtet. Die Konferenz heute ist der Startpunkt.

Weiter geht es mit einem PtX-Kompetenzzentrum und einem internationalen Sekretariat zum Thema PtX, das wir jetzt schnell voranbringen werden. Wir wollen neben dem Kompetenzzentrum PtX auch eine Demonstrationsanlage vor Ort bauen. Wir lösen damit auch ein Versprechen aus dem Strukturstärkungsgesetz ein.

Beim PtX-Kompetezzentrum soll Know-How gebündelt und für Politik und Praxis aufbereitet werden. Wir freuen uns sehr, dass uns namhafte Unternehmen (BASF, Rolls-Royce, Lufthansa, sunfire) und Forschungseinrichtungen (DLR, BTU Cottbus) und das Land Brandenburg in einem Letter-of-Intent Unterstützung zugesagt haben.

Ich war vor zwei Wochen in Cottbus bei der Eröffnung des Kompetenzzentrums Klimaschutz in energieintensiven Industrien – kurz KEI. Dort habe ich noch mal mit Vertretern der Industrie das Thema Wasserstoff diskutieren können und da merkt man, wie sehr das unter den Nägeln brennt. Also in "a nutshell": wir reden nicht nur, wir handeln.

Uns ist als BMU wohl bewusst, dass Power-to-X eine große Chance für die industrielle Wertschöpfung bietet. Die heutige Fachtagung ist dabei der Beginn den Know-How-Transfer weiter voran zu bringen. Zwischen Forschung, Wirtschaft, Arbeitnehmervertretungen, Umweltverbänden, Zivilgesellschaft und der Politik.

Wichtig ist auch die internationale Kooperation. Denn es ist absehbar, dass ein erheblicher Teil von PtX-Produkten in solchen Regionen der Welt produziert werden, die besondere günstige Preise für Erneuerbare Energien aufweisen.

Bereits seit einigen Jahren fördert das BMU deswegen Modell- und Pilotvorhaben über die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI), beispielsweise in Brasilien und ein in Vorbereitung befindliches Projekt in Marokko, Gespräche laufen auch in Argentinien und Chile. Damit sind wir Vorreiter bei innovativen Pfaden im internationalen Klimaschutz.

Um die weltweite Vernetzung zu stärken, die Klimaschutzpotentiale von Power-to-X darzustellen und international eine Diskussion über Nachhaltigkeitsstandards zu führen, haben wir die  Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) beauftragt ein PtX-Sekretariat zu gründen.

Im Klimaschutzprogramm 2030 wurde auch ein Prüfauftrag für eine Beimischungsquote für Power-to-Liquid (PtL)-Treibstoffe für den Luftverkehr vereinbart, die die Nachfrage nach PtL-Kerosin absichern soll. Diesen Prüfauftrag setzen wir gerade um. Für mich ist klar: Es ist notwendig, einen Markthochlauf im Luftverkehr mit konkreten Instrumenten zu forcieren.

Aktuell gibt es erste kleinere Pilotanlagen zur Produktion solcher Kraftstoffe, die Kosten sind hoch, so dass zum Beispiel Fluggesellschaften sie ohne weitere Anreize nicht in größeren Mengen einsetzen werden. Das Angebot ist noch nicht ausreichend – nicht zuletzt, weil die Nachfrage fehlt. Dieses gegenseitige Abwarten müssen wir durchbrechen. Eine kombinierte Förderung der Produktion von PtL für den Luftverkehr bei gleichzeitiger Abnahmegarantie durch eine realistische und machbare und rechtlich gut abgesicherte Beimischungsquote für den Luftverkehr könnte ein möglicher Weg sein, um einen wichtigen Schritt in Richtung industrieller Produktion zu gehen. Ich freue mich, dass es Dank des Bundestages hierzu nun einen Titel im Bundeshaushalt gibt. Wir werden uns schnellstmöglich mit dem Verkehrsministerin austauschen, um hier schnell voranzukommen. Und natürlich setzt sich mein Haus auch innerhalb der ICAO dafür ein, dass der Anreiz für den Einsatz von nachhaltig erzeugtem PtL-Kerosin gestärkt wird.

Wie Sie sehen, das BMU ist beim Thema PtX als Player auf dem Feld. Wir haben bereits einiges angestoßen, wollen das noch deutlich intensivieren und wollen den Weg gemeinsam mit Ihnen weitergehen.

Deswegen freue ich mich auf die heutige Diskussion und den kommenden Austausch in unserem Stakeholder-Dialog.

19.11.2019 | Rede Energieeffizienz | Berlin