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14.05.2018

Rede von Svenja Schulze zur Eröffnung der IFAT 2018 in München

Rede von Svenja Schulze zur Eröffnung der IFAT 2018 in München

– Es gilt das gesprochene Wort –

Herr Dittrich (Messe München),
Herr Rummel (Messe München),
Herr Minister Prof. Ardakanian (Energie- und Wasserminister Iran),
Herr Minister Bredell (Western Cape, Südafrika),
Herr Staatsminister Dr. Huber Herr Dr. Kirchhoff (Vorsitzender IFAT-Beirat),
Damen und Herren,

ich freue mich, heute die weltgrößte Fachmesse für Umwelttechnologien in den Bereichen Wasser, Abwasser und Kreislaufwirtschaft eröffnen zu dürfen.

Der anhaltende Erfolg der IFAT liegt ganz sicher daran, dass der Bedarf an intelligenten und innovativen Technologien weltweit immer weiter zunimmt. Die IFAT in München bietet insbesondere den deutschen Anbietern ein ganz wichtiges Schaufenster, um ihre große Kompetenz präsentieren zu können. Für mich als Umweltministerin sind das gleich zwei Gründe zur Zufriedenheit: Die weltweit steigende Nachfrage nach Umwelttechnologien. Und dass so viele Produkte und Innovationen aus Deutschland kommen.

Beides zählt für mich zu den Zielen deutscher Umweltpolitik! Und bei all dem geht es um nichts weniger als um Deutschlands Zukunftschancen.

Wir sind auf Innovationen angewiesen, bei den Umwelttechnologien genauso wie in anderen Bereichen. Mit diesen Innovationen sichern wir unsere Wachstums- und Exportchancen. Deshalb wünsche ich Ihnen und der IFAT weiterhin diesen großen Zuspruch und Erfolg!

Ich finde auch sehr gut, dass Sie die IFAT in den Kontext der globalen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 stellen. Die Agenda 2030 muss unsere Richtschnur sein. Die Bundesregierung und insbesondere mein Haus haben sich viel vorgenommen, um diese Ziele umzusetzen.

Dazu gehört auch, dass wir die Umweltfragen immer in den Zusammenhang mit ökonomischen und sozialen Fragen stellen werden.

Umwelttechnologien sind dafür ein Paradebeispiel. Sie geben eine hervorragende Antwort auf die große globale Frage, die lautet: Wie können die Grundbedürfnisse einer wachsenden Zahl von Menschen erfüllt werden, ohne die planetaren Grenzen zu überschreiten und ohne Lebensräume weiter zu zerstören? Dazu zählt auch ein intaktes Klima. Und auch im Klimaschutz brauchen wir mehr Tempo und wir brauchen mehr Investitionen.

Wir müssen schon heute unseren Blick auf das Ziel für 2030 richten. Das heißt: 55 Prozent weniger Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990. Bis dahin brauchen wir eine langfristig orientierte Klimaschutzpolitik.

Der Klimaschutzplan gibt dafür die Marschroute vor. Er nimmt mit den Sektorzielen alle in die Pflicht. Ich bin mir aber manchmal nicht ganz sicher, ob das in allen Sektoren schon ausreichend verstanden worden ist! Die Abfallwirtschaft hat hier große Potenziale. Und sie hat auch bereits erhebliche Beiträge geleistet. Auch Energieeffizienz und Emissionsreduktion sind in der Wasserwirtschaft wichtige Themen. Insgesamt kann der Klimaschutz ein Modernisierungsprogramm für das ganze Land werden, auch darüber kann man sich hier auf der IFAT einen guten Eindruck verschaffen.

Im aktuellen GreenTech-Atlas wird ein dynamisches Wachstum von jährlich knapp sieben Prozent für den weltweiten GreenTech-Markt prognostiziert. Das gibt es in fast keiner anderen Branche.

Ein Großteil dieses Wachstums wird übrigens von unserem hochinnovativen Mittelstand getragen. Etwa 90 Prozent der Akteure in der GreenTech-Branche in Deutschland sind kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Eineinhalb Millionen Menschen sind heute in diesem Bereich beschäftigt – in der Mehrzahl alles sehr qualifizierte Jobs. Und die deutschen Unternehmen haben einen weltweiten Anteil von 14 Prozent auf diesen Märkten.

Diese Zahlen, die Roland Berger ermittelt hat, sind ein großer Ansporn, diesen Weg konsequent weiter zu gehen.

Wir müssen aber noch stärker dafür sorgen, dass die Vorteile der Modernisierung bei allen Menschen ankommen. Klimaschutz darf kein Elitenprojekt sein, und daher gehören Ihre Produkte in die breite Masse. Nicht zuletzt auch deswegen, weil es hier neben aller Marktlogik, um Dinge geht, die das Leben besser und lebenswerter machen.

Niemand will Müll oder Mikroplastik im Meer, niemand will überflüssigen Abfall. Und es findet wohl auch jede und jeder gut, wenn Abfälle gut wiederverwertet werden.

In Deutschland beobachten wir aufgrund der Gewerbeabfallverordnung und des Verpackungsgesetzes einen Investitionsschub - vor allem bei der Sortierung. Auf der europäischen Ebene erwarten wir zusätzliche Impulse, zum Beispiel für eine recyclinggerechte Produktgestaltung.

Recycling ist gut, aber noch besser ist es, wenn Abfälle von vornherein vermieden werden können. Erste Ergebnisse der Auswertung des Abfallvermeidungsprogramms des Bundes werden hier auf der IFAT im Rahmen eines Fachworkshops vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen für ganz alltägliche Dinge, wie Coffee-to-go Becher, Einweggeschirr, Plastiktüten und Lebensmittel. Für alle diese Stoffströme werden Überlegungen angestellt, wie sie wiederverwertet werden können.

Die Kreislaufwirtschaft hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftssektor mit einem Umsatz von nahezu 70 Milliarden Euro entwickelt. Mit 270.000 Beschäftigten und 15.500 Anlagen ist die Entsorgungswirtschaft eine bedeutende Branche geworden.

In diesem Bereich werden wirtschaftliche Interessen sehr gut mit dem Umweltschutz verbunden. Deshalb können wir von einem gelungenen Beispiel für eine Green Economy sprechen. Aber natürlich gibt es auch hier noch Möglichkeiten, das System weiter zu optimieren.

Eine Kreislaufwirtschaft ist das eine, die grundsätzliche Begrenzung des Ressourcen- und Rohstoffverbrauchs das andere. Als Bundesregierung streben wir an, Wirtschaftswachstum vom Ressourceneinsatz weiter zu entkoppeln. Dabei müssen wir mit unseren europäischen Partnern an einem Strang ziehen.

Ich freue mich daher – sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Huber –, dass Bayern am Mittwoch die IFAT mit der 2. Europäischen Ressourcenkonferenz verbindet.

Eine unserer wichtigsten Ressourcen ist das Wasser. In Deutschland sind wir dabei noch in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Aber ohne die technische Weiterentwicklung, wie wir sie auf der IFAT wieder eindrucksvoll sehen können, sind Fortschritte in der Wasserwirtschaft kaum zu erreichen. Das Schlagwort heißt: "Wasserwirtschaft 4.0".

Die Digitalisierung bietet auch hier große Chancen. Und sie kann eine Brücke zu anderen Sektoren, wie beispielsweise der Landwirtschaft schlagen.

Ab Oktober 2018 wollen wir uns in einem "Nationalen Wasserdialog 2030" mit den Herausforderungen für die Wasserwirtschaft in der nächsten Dekade insgesamt befassen.

Allen Klimaskeptikern zum Trotz, der Klimawandel ist auch in Deutschland angekommen. Darauf müssen wir uns einstellen und Klimaanpassung betreiben. Im Juli wird die Bunderegierung das Klimavorsorgeportal starten.

Das ist eine Informationsplattform, auf der - für jedermann einsehbar - Planungswerkzeuge rund um das Thema Klimaanpassung aufgezeigt werden.

Als abschließendes Beispiel will ich die Spurenstoffe nennen. Ihre Auswirkungen auf die Gewässerökologie und auf die menschliche Gesundheit können wir heute noch nicht umfänglich abschätzen. Aus diesem Grund erarbeiten wir zurzeit eine Spurenstoffstrategie.

Um dieses spezielle Thema wird es heute Nachmittag im Rahmen des fachlichen Rahmenprogramms gehen. Da werden wir uns erneut treffen, sehr geehrter Herr Staatsminister Dr. Huber.

In der Umweltpolitik geht es um Deutschlands Zukunftschancen. Ihre Produkte und Dienstleistungen, die Sie hier auf der IFAT präsentieren, tragen dazu bei, dass wir die großen und zum Teil globalen Herausforderungen besser meistern können.

Ich wünsche Ihnen anregende und interessante Tage auf der IFAT 2018 und den Ausstellern viel Erfolg!  

14.05.2018 | Rede Ressourceneffizienz | München