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29.05.2020

Rede von Svenja Schulze zum Thema Wasserstoff – Schlüssel zur Klimaneutralität?

In ihrer Rede sprach Svenja Schulze über die wichtige Rolle von grünem Wasserstoff – also aus erneuerbaren Energien hergestellter Wasserstoff – für die Klima- und Wirtschaftspolitik in Deutschland.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Frau Professorin Zenke,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
sehr geehrte Damen und Herren,

das Wirtschaftsforum der SPD zeigt heute wieder einmal ein Gespür für wichtige Zukunftsthemen. Der Einsatz von Wasserstoff gehört definitiv dazu.

Gerade in der jetzigen Zeit. Denn grüner Wasserstoff – also aus erneuerbaren Energien hergestellter Wasserstoff – ist nicht nur für den Klimaschutz ein großer Gewinn. Er eröffnet auch eine starke industriepolitische Perspektive. Und er kann eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, unsere Wirtschaft durch staatliche Anreize und Hilfen aus dem Corona-Tief herauszuholen.

Deshalb setze ich mich dafür ein, dass die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung in Kürze im Kabinett verabschiedet und dann auch zügig umgesetzt wird. Denn sie kann unsere Konjunktur stärken und das Klima schützen.

Ich möchte dies an drei Punkten skizzieren: 

  • Erstens: Strombasierte Brenn-, Kraft- und Grundstoffe, zusammengenommen mit Power-to-X (PtX abgekürzt) , sind essentiell, wenn wir Mitte des Jahrhunderts klimaneutral wirtschaften wollen. Die Wasserstoffstrategie initiiert den Markthochlauf von grünem Wasserstoff.
  • Zweitens: Dieser Markthochlauf muss schnell geschehen und im In- und Ausland vorangetrieben werden. Dafür setzt sich das Umweltministerium seit Jahren ein, treibt national wie international Forschung und Entwicklung voran. Die Wasserstoffstrategie setzt auf nationale und internationale Zusammenarbeit.
  • Und drittens: Die Wasserstoffstrategie unterstützt nicht nur die Herstellung, sondern auch die Anwendung klimaneutraler Energieträger. Sie schafft einen Markt für Wasserstoff und seine Folgeprodukte. Das ist gleichzeitig gute Klima- und gute Industriepolitik.

Mit dem PtX-Aktionsprogramm, das ich letzten Sommer vorgelegt habe, hat das Umweltministerium dafür wichtige Vorarbeit geleistet.

  • In der Energieregion Lausitz ist ein PtX-Kompetenzzentrum in der Planung. Dort wird die Diskussion um Nachhaltigkeitsanforderungen bei Produktion und Einsatz von PtX vorangetrieben. Auch eine Demonstrationsanlage soll künftig dazu gehören.
  • Im Dezember hat das BMU den "International PtX Hub Berlin" gegründet. Hier soll im Dialog mit Partnerländern und -organisationen der Produktion von grünem Wasserstoff zum Durchbruch verholfen werden.

In diese Richtung zielt auch die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung. Sie enthält ein Aktionsprogramm mit verschiedenen Maßnahmen für eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft.

Wichtige Impulse des Umweltministeriums finden sich in der Strategie wieder:

  • Am wichtigsten: Gut fürs Klima ist nur Wasserstoff aus 100 Prozent erneuerbaren Energien. Auf die Förderung dieses "grünen Wasserstoffes" ist die Strategie ausgerichtet.
  • Für grünen Wasserstoff brauchen wir zusätzlichen grünen Strom. Deswegen müssen wir die erneuerbaren Energien konsequent ausbauen und für mehr Effizienz sorgen.
  • Diese Bundesregierung geht jedoch gleichzeitig davon aus, dass sich in den nächsten zehn Jahren ein globaler und europäischer Wasserstoffmarkt herausbilden wird. Auf diesem Markt wird auch CO2-neutraler zum Beispiel "blauer" oder „türkiser" Wasserstoff gehandelt werden.

Aufgrund der engen Einbindung von Deutschland in die europäische Energieversorgungsinfrastruktur wird daher auch in Deutschland CO2-neutraler Wasserstoff eingesetzt werden. Ich werde nicht antreten, den Import von solchem Wasserstoff zu verbieten. Aber ich sage auch klar: Ein wirklich zukunftsfähiger Weg wird mit andersfarbigem Wasserstoff nicht begangen. Deshalb ist das auch nicht mein Weg.

  • Mir ist die internationale Kooperation dabei wichtig. Gemeinsam mit unseren europäischen Nachbarn und Energiepartnern werden wir einen globalen Markt für grünen Wasserstoff aufbauen. Für viele Länder tun sich hier neue Entwicklungspotenziale auf. Die Importe dürfen dabei nicht zu Lasten der Produktionsländer und deren Energieversorgung gehen.
  • Und zuletzt: Grüner Wasserstoff wird auch in Zukunft ein kostbares Gut sein. Daher sollten wir seinen Einsatz vor allem dort fördern, wo wir keine absehbaren Alternativen haben. Das gilt zum Beispiel für die Stahlproduktion, in der Chemie oder bei Kerosin.
    Deshalb sind das die Bereiche, die wir maßgeblich in die Wasserstoffstrategie eingebracht haben:
    • eine Beimischungsquote bei Flugtreibstoffen, die bis 2030 auf zwei Prozent ansteigt, sowie einer Förderung von strombasiertem Kerosin,
    • die Anrechnung von grünem Wasserstoff auf die Treibhausgas-Quote in Raffinerien,
    • die Förderung von grünem Wasserstoff für die Stahl- und Chemieindustrie.

Ich bin zuversichtlich, dass die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung ein entscheidender Meilenstein wird auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Dass sie dazu beiträgt, dass wir gut aus der aktuellen Krise kommen.

Umwelt- und Klimaschutz macht unsere Wirtschaft krisenfester. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage im Auftrag des BMU: Die 2.000 befragten Unternehmen aus der Umwelttechnik-Branche blicken deutlich weniger besorgt auf die Folgen der Corona-Krise als andere Wirtschaftszweige.

Die Wirtschaft ist bereit, den für den Klimaschutz notwendigen wirtschaftlichen Umbau voranzutreiben. Das zeigt auch die rege Teilnahme an diesem Forum.

Ich freue mich auf die Diskussion mit Ihnen.

29.05.2020 | Rede Klimaschutz