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18.06.2020

Rede von Svenja Schulze zum Thema "Schutz der Artenvielfalt = Schutz vor Pandemien"

Porträtfoto von Bundesumweltministerin Svenja Schulze
Svenja Schulze hat bei der Veranstaltung #wwfThink eine Rede zum Thema "Schutz der Artenvielfalt = Schutz vor Pandemien" gehalten. Dabei betont sie den Zusammenhang von Arten- und Naturschutz mit dem Schutz der Gesundheit.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Damen und Herren,

in den letzten Wochen und Monaten stand richtigerweise im Vordergrund, Gesundheit und Leben zu schützen. Inzwischen kümmern sich die Regierungen verstärkt auch darum, Wirtschaft und Konjunktur wiederzubeleben, mit Wumms, aber auch nachhaltig.

Daneben rückt nun die Frage in den Fokus, wie es zu der aktuellen Pandemie kommen konnte. Was wir daraus lernen können für die Prävention von und für den Umgang mit künftigen Pandemien. Und deshalb ist die heutige Diskussion so wichtig – die Diskussion über den Zusammenhang von Arten- und Naturschutz mit dem Schutz der Gesundheit.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Studien wie von Frau Junglen kann man knapp vielleicht so zusammenfassen: Je mehr der Mensch die Natur zerstört, desto größer ist das Risiko von Zoonosen, also von Infektionskrankheiten, die vom Tier zum Mensch und umgekehrt übertragen werden. Diese wiederum können zum Auslöser globaler Pandemien werden.

Auch der Bericht des Weltbiodiversitätsrates zum Zustand von Natur und Ökosystemleistungen warnt uns, dass auftretende Infektionskrankheiten durch menschliche Aktivitäten wie Rodungen oder Fragmentierung von Habitaten verstärkt werden können.

Leider müssen wir feststellen, dass jeden Tag intakte Ökosysteme zerstört werden. Tier- und Pflanzenarten sterben unwiederbringlich aus. Dem Weltbiodiversitätsrat zufolge könnten in den nächsten Jahrzehnten eine Million Arten aussterben – wenn wir unser Handeln nicht ändern. Für mich ist daher klar: Um das Risiko zukünftiger Pandemien zu verringern, brauchen wir international besseren Arten- und Naturschutz. Dafür setze ich mich ein. Und bin froh, den WWF und viele andere Umweltverbände dabei an meiner Seite zu wissen.

Zwei Lehren aus der aktuellen Pandemie will ich hervorheben.

  • Erstens: Wildtiere zu fangen, sie unter hygienisch unhaltbaren Bedingungen zu verwahren und zu schlachten, sie auf Wildtiermärkten zu verkaufen – all das macht es Krankheitserregern leicht, auf Menschen überzuspringen. Gemeinsam müssen wir daher gegen den illegalen Artenhandel vorgehen. Ich finde: mit allen verfügbaren, auch polizeilichen Mitteln.
  • Zweitens: zentral wichtig ist ein neuer tragfähiger internationaler Rahmen für den Naturschutz. Die Weltgemeinschaft hat verabredet, sich bei der nächsten UN-Konferenz zum Schutz der Biologischen Vielfalt eine neue globale Biodiversitätsstrategie zu geben. Das wird die Chance, zu zeigen, dass die Weltgemeinschaft aus der Coronakrise lernt und die notwendigen Maßnahmen zum globalen Schutz der biologischen Vielfalt beschließt – auch um das Risiko künftiger Pandemien zu verringern.

Der "One-Health"-Ansatz macht deutlich: Wir Menschen können nur gesund sein, wenn Tiere und Umwelt gesund sind. Weil wir mit unserer Umwelt auf so vielfältige Weise verbunden sind, ist Naturschutz immer auch präventive Gesundheitspolitik.

Bereits Anfang April konnte ich diese Themen zusammen mit Frau Dr. Junglen und Prof. Settele in einer Pressekonferenz ansprechen. Und ich freue mich, dass wir damit eine nationale und internationale Debatte angestoßen haben. Ich bin zuversichtlich, dass wir damit neuen Schwung erzeugen – für den Schutz der Lebensräume, gegen illegalen Wildtierhandel und Wildtiermärkte.

Mit Hilfe der Wissenschaft hat Deutschland damit in schwierigen Zeiten den Blick auf die Krise hinter der Krise gelenkt. Und ich freue mich sehr, das Thema gleich mit Ihnen vertiefen zu können. Vielen Dank.

18.06.2020 | Rede Artenschutz