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12.11.2019

Rede von Svenja Schulze zum Abschluss des NKI-Projekts "Klimaprofi für den Mittelstand"

Svenja Schulze hält eine Rede bei der Veranstaltung Klimaprofi für den Mittelstand
Die Bundesumweltministerin hielt auf der Abschlussveranstaltung des Projekts eine Rede. Das Projekt "Klimaprofi für den Mittelstand" hilft kleinen und mittelständischen Unternehmen bei der Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Ich begrüße Sie alle sehr herzlich auf der Abschlussveranstaltung der "Klimaprofis für den Mittelstand".

In einer wettbewerbsorientierten Wirtschaft ist es immer besonders wichtig, den anderen einen Schritt voraus zu sein. Dieses Projekt passt perfekt dazu. Es hat in fünf Pilotbranchen gezeigt, was wir gesamtgesellschaftlich erst noch erreichen müssen: Deutschland wird dann treibhausgasneutral, wenn die Transformation auch im alltäglichen Kleinen stattfindet.

Es ist toll, dass Sie alle heute hier sind. Auch die mediale Aufmerksamkeit für den Klimaschutz ist gut. Wir müssen aber noch stärker und noch konkreter vom Reden ins Handeln kommen.

Dass die Bundesregierung handelt, hat sie am 9. Oktober mit dem bisher umfassendsten Klimaschutzpaket in Deutschland bewiesen.

Klimaschutz wird endlich Gesetz in Deutschland.

Das Klimaschutzprogramm 2030 ist ein enormes Investitions-, Innovations- und Modernisierungsprogramm für unsere Wirtschaft und unsere Infrastruktur. Die Bundesregierung nimmt dafür viel Geld in die Hand:

54 Milliarden Euro in den nächsten vier Jahren. Klimaschutz wird damit zum Konjunkturmotor. Lassen Sie mich einige Beispiele nennen:

  • Wir investieren zusätzliche Milliarden in die Attraktivität der Bahn und des Öffentlichen Nahverkehrs. Fliegen wird hingegen teurer.
  • Modernes Heizen und die energetische Sanierung von Gebäuden wird künftig massiv gefördert. Eine Ölheizung neu einzubauen, wird hingegen nicht mehr lange möglich sein – ich würde das übrigens schon heute nicht mehr empfehlen!
  • Strom wird umweltfreundlicher: Braun- und Steinkohlekraftwerke werden nach einem klaren Fahrplan abgeschaltet. Die Handbremse, die den Ausbau der erneuerbaren Energien hemmt, wird gelöst. Der Solardeckel kommt weg und die Rahmenbedingungen für den Ausbau der Windkraft werden endlich geklärt.

Wir setzen damit einen zuverlässigen Rahmen für die Wirtschaft und schaffen die Voraussetzung für die Planbarkeit langfristiger Investitionen.

Was mir besonders wichtig ist: Wir fördern und fordern, aber wir überfordern nicht. Dort, wo Bürgerinnen und Bürger zusätzlich belastet werden, wird dies abgefedert: zum Beispiel durch niedrigere Strompreise und mehr Wohngeld. Dieser Ausgleich sichert den gesellschaftlichen Zusammenhalt, ohne den es keinen erfolgreichen Klimaschutz geben wird.

Die Klimapolitik fängt aber nicht erst mit dem Klimaschutzprogramm 2030 an. Seit inzwischen elf Jahren initiiert und fördert das Umweltministerium mit der Nationalen Klimaschutzinitiative viele Projekte, mit denen Treibhausgasemissionen gesenkt werden.

Die aktuelle Evaluierung zeigt beeindruckende Zahlen: Seit 2008 wurden mehr als 28.750 Projekte mit einem Fördervolumen von rund 905 Millionen Euro durchgeführt.

Diese Projekte haben Gesamtinvestitionen von über 2,9 Milliarden Euro ausgelöst.

Durch die NKI wurde eine Einsparung von bislang 19,5 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten angestoßen.

Alle diese Zahlen belegen den Erfolg der Nationalen Klimaschutzinitiative.

Wir können und wollen uns aber nicht darauf ausruhen und entwickeln die Förderangebote kontinuierlich weiter.

Noch in diesem Jahr wollen wir mit einem novellierten Förderaufruf für innovative Klimaschutzprojekte an die Öffentlichkeit gehen. Neben dem bekannten Element des Ideenwettbewerbs für innovative Ansätze wird es erstmals die Möglichkeit geben, neu entwickelte und bereits pilothaft erprobte Ideen in eine bundesweite Verbreitung zu führen.

Vor vier Jahren hatte sich der Mittelstandsverbund auf diesen Förderaufruf beworben und sich mit der Idee "Klimaprofi für den Mittelstand" durchgesetzt. Mein Ministerium hat das Projekt mit zwei Millionen Euro aus der NKI gefördert.

Man kann es gar nicht oft genug sagen: Kleine und mittlere Unternehmen sind nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und wichtige Innovationstreiber. Sie sind auch unverzichtbare Partner im Klimaschutz.

Der Mittelstandsverbund vertritt die Interessen dieser Unternehmen. Und er ist eine wichtige Unterstützung, um Klimaschutz in den Alltag von Unternehmen zu bringen, deren zeitliche und personelle Ressourcen ja oft knapp bemessen sind. Seit dem Projektstart im Februar 2016 wurde ein Informations- und Beratungskonzept für Kleinst- und im Mittelstandsverbund organisierte Unternehmen aufgebaut.

Fünf Pilotbranchen standen im Fokus: Apotheken, Bäcker, Fleischer, Friseure und Kfz-Werkstätten. Ziel des Projektes war die Klimaschutzberatung von 50 Unternehmen pro Branche, also insgesamt 250 Unternehmen, durch sogenannte Klimaprofis. Durch Klimaschutzmaßnahmen sollten 8.200 Tonnen CO2 eingespart werden. Beide Ziele wurden nicht nur erreicht, sondern sogar übertroffen.

Mit Beratung, Kommunikation, Best-Practice-Filmen und zum Beispiel den Testwochen zum Ausprobieren von Elektrofahrzeugen hat das Projekt weite Teile des Mittelstandes erreicht. Das ist vorbildlich und reicht weit über das eingesparte CO2 hinaus.

Viele von Ihnen sind bereits im Klimaschutz aktiv. Ich möchte, dass wir in Deutschland Klimaschutz und Wirtschaftskraft noch stärker miteinander verbinden. Dazu brauchen wir Sie, die Unternehmerinnen und Unternehmer als Verbündete der Politik. Lassen Sie uns gemeinsam den Aufbruch in eine moderne, klimafreundliche Zukunft gestalten.

Vielen Dank.

12.11.2019 | Rede Klimaschutz | Berlin