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23.06.2021

Rede von Svenja Schulze zum 30-jährigen Jubiläum des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie

Bundesumweltministerin Svenja Schulze skizzierte in ihrer Rede zur Konferenz "30 Jahre Wuppertal Institut: Zukunftswissen - innovativ, transformativ und krisensicher die Zukunft gestalten" die Perspektive der Bundesebene.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Prof. Fischedick,
sehr geehrter Herr Dedek,
sehr geehrte Mitarbeitende des Wuppertal-Instituts,
sehr geehrte Damen und Herren,

es ist beinahe egal, mit wem man über das Wuppertal Institut spricht oder was man über Ihre Arbeit liest, man wird ganz sicher auf ein Wort stoßen: zukunftsfähig.

Seit 30 Jahren mischen Sie, liebe Mitarbeitende des Instituts, an den großen Debatten über Zukunftsthemen mit. Ich denke da etwa an die Anfänge der Diskussion über die Nachhaltigkeit. Hier haben sie die bis heute vielfach zitierte Studie vorgelegt mit dem bezeichnenden Titel "Zukunftsfähiges Deutschland".

Ich denke aber auch an Themen aus Ihrer heutigen Arbeit: die Digitalisierung, den Wandel der Mobilität, den Umbau der Städte oder die Entwicklungen in der Kreislaufwirtschaft. All das sind Bereiche, in denen die Gesellschaft vor riesigen Veränderungen steht. Bereiche, zu denen Sie forschen und die Diskussion mitbestimmen.

Zukunftsfähig ist auch die Art Ihrer Arbeit selbst:

  • Sie forschen seit Ihrer Gründung über die Grenzen einzelner Disziplinen hinweg und entwickeln innovative Lösungen aus verschiedenen Perspektiven heraus.
  • Die Ergebnisse Ihrer Forschung sind konkret und praxistauglich. Zum Beispiel Ihre Leitbilder, wie Konsum und Produktion, wie Verkehr und Energie und wie verschiedene Lebensstile sich entwickeln könnten.
  • Und Sie zeigen Wege auf, wie die große Transformation der Gesellschaft sozial gerecht gelingen kann und setzen dabei auf Mut und neue Ideen.

Seit der Gründung des Wuppertal Instituts ist der Klima- und Umweltschutz einen großen Schritt vorangekommen. Wuppertal ist Teil des bergischen Städtedreiecks - eine Region die Erfahrungen mit Strukturwandel hat. Ihr Institut liegt aber auch unweit des Ruhrgebiets, einer der größten Transformationsregionen Europas. Sie sind sozusagen direkte Zeugen von Umbauprozessen ihn ihrer Umgebung, die in eine klimaverträglichere Lebensweise führen werden. Ich nenne hier nur ein paar Stichworte: Ausstieg aus der Kohle, Ausbau der Erneuerbaren Energien, neues verschärftes Klimaschutzgesetz und Klimaneutralität bis 2045.

Es gibt einen breiten gesellschaftlichen Konsens für diesen Weg in die Klimaneutralität. Die Wissenschaft hat dazu einen entscheidenden Beitrag geleistet. Denn sie hat über Jahre hinweg belegt, welche Auswirkungen der Klimawandel weltweit hat, wenn es nicht gelingt, ihn rechtzeitig einzudämmen. Und Sie haben die Lösungen beschrieben, die dafür zur Verfügung stehen. Sie haben damit die Basis gelegt, dass solche Transformationsprozesse gelingen, weil Menschen sie besser verstehen und auch selber eingebunden werden. Wir konnten gerade erst vor kurzem noch die Erfolge von Innovation City Bottrop feiern, die Sie ja mit ihrer Begleitforschung für alle transparent und nachvollziehbar gemacht haben. Auch auf Ihrer wissenschaftlichen Grundlage konnte ich in dieser Legislaturperiode als Umweltministerin Mehrheiten gewinnen für viele wegweisende Entscheidungen. So etwa für das neue Klimaschutzgesetz.

Mich verbindet mit dem Wuppertal Institut eine lange und auch sehr persönliche Beziehung. Schon als Wissenschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen habe ich von Ihrer Arbeit profitiert. Und vor nicht langer Zeit habe ich gemeinsam mit Ihnen, Herr Fischedick, die Umweltpolitische Digitalagenda des Umweltministeriums in Berlin vorgestellt.

Ich habe im vergangenen Jahr im Umweltministerium einen Dialog darüber initiiert, wie die Zukunft in einem klimaneutralen Deutschland aussehen könnte: die Mobilität, das Wohnen, die Industrie, die Energie oder die Landwirtschaft der Zukunft. Entstanden sind Zukunftsbilder, die Mut machen. Denn sie zeigen, dass am Ende eines Veränderungsprozesses konkrete Verbesserungen stehen können: saubere Luft zum Beispiel, regenerative Energie oder eine naturverträgliche Landwirtschaft.

Ich weiß, dass auch Sie mit Ihren konkreten, wissenschaftlich fundierten Vorschlägen Mut für Veränderung schaffen. Und genau das brauchen wir. Das verbindet unsere Arbeit.

Vor zehn Jahren habe ich Ihnen als Forschungsministerin von NRW zu Ihrem 20-jährigen Jubiläum gratuliert. Ich habe es damals so formuliert: "Sie haben einen Forschungsansatz, der in die Gesellschaft wirkt." Das gilt noch heute. Das macht Ihre Arbeit wertvoll.

Mein Wunsch für die nächsten 30 Jahre: Bleiben Sie zukunftsfähig! Bleiben Sie mutig und machen Sie weiter Mut für Veränderungen.

Vielen Dank.

23.06.2021