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21.04.2021

Rede von Svenja Schulze bei der Vorstellung des Green Tech Atlas 2021

Porträtfoto von Bundesumweltministerin Svenja Schulze
publikationen icon 21.04.2021 | Digitalisierung

GreenTech-Atlas 2021

GreenTech-Atlas 2021
Bundesumweltministerin Svenja Schulze hält eine Rede bei der Vorstellung des Green Tech Atlas 2021. Deutschland muss seine Spezialisierung bei Umweltinnovationen und Dienstleistungen weiter ausbauen

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Frau Geisel,
sehr geehrter Herr Dr. Hüwels,
sehr geehrter Herr Büchele,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

wahrscheinlich geht es Ihnen wie mir und wie den meisten Menschen im Land. Die andauernde Pandemie drückt aufs Gemüt. Von uns allen wird sicher noch viel Geduld abverlangt, bis das Virus besiegt ist. Deshalb bin ich froh, dass ich Ihnen heute gute Nachrichten präsentieren kann, gute Perspektiven für unsere Wirtschaft und für die Beschäftigung in Deutschland.

Sie wissen, dass es der Klimawandel notwendig macht, unsere Wirtschaft und unsere Lebensweise umzustellen. Spätestens im Jahr 2050 müssen Deutschland und Europa klimaneutral sein. Dazu haben wir uns im Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet.

Die wichtigste gute Nachricht heute ist, dass Deutschland diesen Umstieg mit Erfolg meistern kann. Hier werden die dafür notwendigen Technologien erforscht, entwickelt und produziert. Und natürlich auch exportiert. Der neue GreenTech Atlas enthält dazu die wichtigsten Fakten.

Die nächste gute Nachricht ist, dass die Pandemie den Klimaschutz nicht verdrängt oder gar zum Erliegen gebracht hat. Ganz im Gegenteil! Das große Konjunkturprogramm der Bundesregierung zur Überwindung der Krise ist – wie viele Konjunkturprogramme weltweit –stark auf Klimaschutz ausgerichtet. Das heißt, wir wollen nicht nur gut durch die Krise kommen, sondern vor allem die nächste Krise – die Folgen des Klimawandels – mit den richtigen Investitionen und Weichenstellungen möglichst vermeiden.

Eine dritte gute Nachricht ist, dass ich Ihnen jetzt sehr kompakt meine Einschätzung zu den Ergebnissen des GreenTech Atlas geben werde, damit gleich noch viel Zeit zur Diskussion und zum Austausch bleibt.

Die Beauftragung des GreenTech Atlas war darauf gerichtet:

  • wie die Arbeitsplätze und der Industriestandort Deutschland künftig gesichert werden können,
  • wie die Wettbewerbsfähigkeit trotz Globalisierung, Digitalisierung und Klimawandelfolgen gestärkt werden kann,
  • und wie Wirtschaft und Gesellschaft widerstandsfähiger gegen künftige Krisen organisiert werden kann.

Der GreenTech Atlas 2021 gibt eindeutige Antworten:

  • Erstens: Umwelttechnologien sind Teil der Lösung im Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimawandel
  • Zweitens: Sie sichern die internationale Wettbewerbsfähigkeit, die hochwertigen Arbeitsplätze und damit die Zukunft des Standortes Deutschland. Dabei können wir uns wieder einmal auf einen besonders starken Mittelstand verlassen.

Die neuen Zahlen, die Roland Berger für den GreenTech Atlas ermittelt hat, bestätigen den bekannten Trend: Die deutsche GreenTech Branche stabilisiert in Krisenzeiten die wirtschaftliche Entwicklung durch robuste und nachhaltige Geschäftsmodelle. Die Corona-Pandemie hat diese Branche weit weniger getroffen als die Gesamtwirtschaft. Das ist ein Riesenerfolg der Branche und stärkt alle Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit.

Dazu einige Beispiele und Zahlen:

  • Das weltweite GreenTech Marktvolumen wächst weiter kräftig mit jährlich 7,3 Prozent. Es wird sich in diesem Jahrzehnt voraussichtlich verdoppeln. Damit erreicht der GreenTech Markt einen Anteil von mehr als 5 Prozent am Welt-Bruttoinlandsprodukt.
  • Die deutsche Wachstumsdynamik liegt sogar noch über der des internationalen GreenTech Marktes. Der Anteil der GreenTech-Branche am deutschen Bruttoinlandsprodukt betrug im Jahr 2020 nahezu 15 Prozent. Dazu haben auch politische Initiativen wie die Energie- und Verkehrswende und die Nationale Wasserstoffstrategie beigetragen.
  • Außerdem ist der deutsche Anteil am Weltmarkt im Vergleich zu 2017 nochmal gestiegen und liegt jetzt bei 14 Prozent. Er lag jedoch auch schon mal höher: 2007 bei fast 17 Prozent. Die Konkurrenz aus China und den USA ist in der Zwischenzeit deutlich gewachsen.

Ausruhen darf darum keine Option sein. Der globale Wettbewerb in der GreenTech-Branche wird weiter zunehmen. Auch andere haben die Chancen dieses Marktes erkannt, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Deutschland muss sich dem Wettbewerb stellen und seine Spezialisierung bei Umweltinnovationen und Dienstleistungen weiter ausbauen. Das heißt, noch innovativer zu werden und den Innovationen zum Marktdurchbruch zu verhelfen.

  • Eine Konsequenz für die Industriepolitik muss deshalb lauten, nachhaltiges Wirtschaften zu stärken, damit Produkte und Dienstleistungen auf dem deutschen Markt entwickelt und erprobt werden. Dazu brauchen wir verbindliche Umweltstandards, die Förderung des nachhaltigen Konsums und mehr Transparenz und Verantwortung bei Unternehmen - Stichwort nachhaltige Lieferketten.
  • Besonders wichtig ist es, Investitionen in nachhaltige Technologien, Produkte und Dienstleistungen lenken. In der Finanzwirtschaft findet inzwischen ein deutliches Umdenken statt und die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten wächst. Verstärkt wird dieser Trend sicherlich durch die geplante Klassifizierung von Investitionen, die derzeit auf EU-Ebene vorgenommen wird, die sogenannte Taxonomie. Sie soll Klarheit darüber schaffen, welche wirtschaftlichen Aktivitäten nachhaltig sind – und welche nicht. Für die Glaubwürdigkeit dieses Instruments ist es wichtig, dass offensichtlich nicht nachhaltige Projekte wie Atomkraftwerke ausgeschlossen werden.
  • Zudem müssen Umweltinnovationen bei der Markteinführung stärker unterstützt werden. Für innovative Lösungen stellt der Sprung in den Markt oft die eigentliche Hürde dar. Hier wird mehr Unterstützung der öffentlichen Hand gebraucht, zum Beispiel

o Starthilfen für umweltorientierte Neugründungen,

o besser ausgestattete und an Grundsätzen der Nachhaltigkeit orientierte Innovations-Fonds

o und die Förderung von Innovationsclustern.

  • Die Erschließung von Auslandsmärkten sollte strategischer und besser koordiniert erfolgen. Mit der Exportförderung von Umwelttechnologien als einem Schwerpunktthema. Das lohnt sich, wie die Zusammenarbeit des Bundesumweltministeriums mit der DIHK und den Außenhandelskammern zeigt. Diese soll im Rahmen der Exportinitiative Umwelttechnologien zu "Chambers for Green Tech" weiter ausgebaut werden.

Es sind hervorragende Entwicklungen und Perspektiven, die der neue GreenTech Atlas aufzeigt. Gute Nachrichten, die wir alle in diesen Tagen besonders gut gebrauchen können.

Ich danke den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Roland Berger, die den GreenTech Atlas für uns erstellt haben. Herr Büchele wird Ihnen jetzt noch mehr Ergebnisse im Detail vorstellen.

Vielen Dank.

21.04.2021 | Rede Digitalisierung