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25.11.2019

Rede von Svenja Schulze bei der Verleihung des Bundespreises Ecodesign 2019

Porträtfoto von Bundesumweltministerin Svenja Schulze
unterseite icon 25.11.2019 | Produkte und Konsum

Vergabe des Bundespreises Ecodesign 2019

Vergabe des Bundespreises Ecodesign 2019
Bundesumweltministerin Svenja Schulze hielt eine Rede bei der Verleihung vom Bundespreis Ecopreis 2019. Es ist die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Frau Maria Krautzberger,
sehr geehrte Frau Professor Berkenbusch,
sehr geehrte Mitglieder der Jury und des Beirates,
sehr geehrte Damen und Herren,

bei Design denken die meisten Menschen vermutlich an Form und Aussehen, an guten und schlechten Geschmack, an Inneneinrichtung und die neueste Mode. An den Umweltschutz denken wahrscheinlich die wenigsten.

Anders als Sie, meine Damen und Herren. Sie wissen, dass bis zu 80 Prozent der Umweltauswirkungen eines Produkts von dessen Gestaltung, also vom Design abhängt. Dass Ecodesign viel mehr ist als ein "nice-to-have".

Ich freue mich sehr, heute die Ecodesign-Preise 2019 verleihen zu dürfen, die höchste staatliche Auszeichnung für ökologisches Design.

Zu Beginn eine kleine Erfolgsgeschichte, die zeigt, was dieser Preis bewirken kann:

Letztes Jahr wurde in der Kategorie "Produkt" das "1 für 4"-Papier COMPOSTELLA ausgezeichnet. Ein aus FSC-zertifiziertem Holz hergestelltes Papier, das gleich mehrere Produkte ersetzt, die in den meisten Haushalten und Küchen verwendet werden: Alufolie, Frischhaltefolie und Backpapier. Mittlerweile wird das Produkt unter neuem Namen als Allround-Papier von einer namhaften großen Drogerie-Kette verkauft. Das erste Produkt, das mit dem Logo des Bundespreises Ecodesign wirbt.

Auch wir im Bundesumweltministerium setzen auf Produkte mit Ecodesign-Auszeichnung: Wenn Sie nachher zum Buffet im Nordhof gehen, kommen Sie an einem "REFILL"-Wasserspender vorbei. Der versorgt hier die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sowie externe Gäste mit gekühltem Leitungswasser. Auch REFILL gehörte im vergangenen Jahr zu den Gewinnern, und zwar in der Kategorie "Service".

Der Bundespreis Ecodesign setzt auf eine ganzheitliche Strategie, bei der Designerinnen und Designer von Anfang an in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Möglichst frühzeitig werden hier ökologische Aspekte und Ressourcenschutz in den Prozess von Entwicklung, Gestaltung und Produktion eingebunden. Nicht erst, wenn die wichtigsten Weichen für ein Produkt bereits gestellt sind. Ecodesign wird so zum Qualitätsmerkmal.

Das sind durchaus hohe Anforderungen. Umso mehr freue ich mich, dass es auch in diesem Jahr wieder mehrere hundert Einreichungen gab.

An dieser Stelle mein herzlicher Dank an die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Umweltbundesamt, die alle Beiträge ökologisch vorbewertet haben. Diese aufwendige Arbeit gewährt den hohen Qualitätsanspruch dieses Preises.

Die Qualität und die Glaubwürdigkeit des Bundespreises Ecodesign gehen außerdem Hand in Hand mit der hohen fachlichen Expertise der Jury und des Beirates. Ein herzlicher Dank allen Mitgliedern.

Zu Beginn des Jahres habe ich immer wieder gesagt, dass 2019 das Jahr des Handelns im Klimaschutzes werden muss. Um jede Tonne CO2 haben ich und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Laufe des Jahres gekämpft. Heute kann ich sagen, dass wir in der Bundesregierung mit dem Klimapaket, mit Kohleausstieg und Klimaschutzgesetz, diesem Anspruch gerecht geworden sind.

Das Klimaschutzgesetz als Herzstück der Beschlüsse weist den Fahrplan in Richtung Treibhausgasneutralität. Alle Sektoren müssen dazu ihren Beitrag leisten – auch der private Konsum. Denn die Politik setzt die Rahmenbedingungen für Mammutprojekte wie Kohleausstieg, Verkehrswende und Gebäudesanierung.

Gleichzeitig ist jeder und jede einzelne verantwortlich für den persönlichen CO2-Fußabdruck: Was wir kaufen und konsumieren, wie wir reisen, wie wir uns ernähren und kleiden. Daher zielt die Klimapolitik der Bundesregierung immer auch auf den persönlichen Konsum. Da ist in letzter Zeit sehr viel in Bewegung geraten, nicht zuletzt dank der Jugendlichen, die jeden Freitag für den Klimaschutz auf die Straße gehen. Hier im Ministerium landen immer mehr Fragen zu Konsumthemen: Welche Kleidung setzt Mikroplastik frei? Sind neue Produkte wie Bambuszahnbürsten und Graspapier wirklich ökologisch vorteilhafter? Kann das Produkt am Ende tatsächlich recycelt werden?

Klar ist, der Schlüssel zu nachhaltigem Konsum sind die Produkte selbst. Das gilt auch für unsere Kleidung. Ich freue mich, dass es unter den eingereichten Beiträgen immer wieder eine beachtliche Anzahl von eingereichten Textilien sowie innovativen Fasern und Materialien gibt. Denn mein Ministerium betrachtet den globalen Textilmarkt mit größter Sorge. Wir sehen deutliche Anzeichen einer exzessiven, nicht nachhaltigen Entwicklung. Daher habe ich entschieden, zum Auftakt der Berlin Fashion Week Mitte Januar die Branche hierher, ins Bundesumweltministerium einzuladen. Ich will über die "Mode der Zukunft" diskutieren, und darüber, wie sie nachhaltiger gestaltet werden kann.

Ecodesign konsequent gedacht – von der Herstellung über die Nutzung bis zum Recycling – ermöglicht es, Konsum vom Ressourcen- und Energieverbrauch zu entkoppeln. Ästhetik, Ökologie und Nutzwert optimal zu verbinden.

Solche Produkte brauchen wird. Deshalb danke ich allen Bewerberinnen und Bewerbern. Ihr Ideenreichtum, Ihre Phantasie und Ihr unternehmerischer Mut bringen genau die Produkte und Dienstleistungen hervor, die nachhaltigen Konsum erst ermöglichen.

Ich wünsche Ihnen allen eine spannende Preisverleihung und einen schönen Abend.

Vielen Dank.

25.11.2019 | Rede Nachhaltige Entwicklung | Berlin