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30.06.2019

Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter zur Feier des 10-jährigen Jubiläums Weltnaturerbe Wattenmeer

Porträt der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter
unterseite icon 30.06.2019 | Naturschutz/Biologische Vielfalt

10 Jahre Weltnaturerbe Wattenmeer

Wattenmeer-Anrainer unterzeichnen Absichtserklärung für engere Zusammenarbeit und Gründung eines Partner-Netzwerkes

10 Jahre Weltnaturerbe Wattenmeer
bildergalerie icon 30.06.2019 | Naturschutz/Biologische Vielfalt

10 Jahre Weltnaturerbe Wattenmeer

10 Jahre Weltnaturerbe Wattenmeer
Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter nimmt an der Festveranstaltung in Wilhelmshaven teil und richtet unter anderem ein Grußwort an die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der trilateralen Fahrradstaffel.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freundinnen und Freunde des Wattenmeeres,

ich freue mich außerordentlich, dass wir hier und heute gemeinsam die Anerkennung des Wattenmeeres als UNESCO-Weltnaturerbe feiern können. Das war fast auf den Tag genau vor 10 Jahren. Diese Würdigung als UN-Weltnaturerbestätte war einer der größten Erfolge in der Wattenmeerzusammenarbeit. Er stellt unser Wattenmeer auf eine Stufe mit anderen einzigartigen Naturlandschaften wie zum Beispiel dem Grand Canyon in den USA.

Und dies feiern wir gemeinsam in Wilhelmshaven, dem Sitz des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats. Diese Stadt hat sich in den letzten Jahrzehnten als weit über die Grenzen ausstrahlendes Symbol für die grenzüberschreitende Wattenmeerzusammenarbeit von Deutschland, Dänemark und den Niederlanden entwickelt.

Einen besonderen Glückwunsch soll ich von Bundesumweltministerin Svenja Schulze überbringen. Sie konnte heute leider nicht nach Wilhelmshaven kommen. Im vergangenen Jahr hat sie von ihrer niederländischen Kollegin Carola Schouten, die Präsidentschaft der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit für die nächsten 4 Jahre übernommen. Wir freuen uns auf deutscher Seite über diese Verantwortung und besondere Rolle. Wir gestalten sie gemeinsam mit Dänemark und den Niederlanden sowie den weiteren Akteuren in der Wattenmeerzusammenarbeit in engem Kontakt.

Wir haben uns als Präsidentschaft das Ziel gesetzt, die internationale Zusammenarbeit zum Schutz und Erhalt des Wattenmeers weiter zu stärken. Dazu wollen wir unter anderem ein Partnernetzwerk entwickeln und ein Partnerschaftszentrum hier in Wilhelmshaven einrichten. Außerdem wollen wir das notwendige grenzübergreifende Management und Monitoring durch einen übergreifenden integrierten Managementplan weiterentwickeln, so, wie es die UNESCO fordert. Auch das Monitoring, das für das Einschätzen des Zustandes des Wattenmeers so zentral ist, ist uns wichtig. Wir wollen es für die Zukunft absichern.

Sie sehen: wir haben uns Einiges vorgenommen! Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese Ziele erreichen werden. Denn vom Beginn der Wattenmeerzusammenarbeit vor über 40 Jahre bis heute gab es zwischen den drei Nachbarstaaten und allen Akteuren ein hochengagiertes Miteinander.

Dieser grenzüberschreitende Charakter ist einer der Aspekte, die das Wattenmeer zu einem besonderen Ort machen – sogar unter Welterbestätten weltweit. Und er macht unsere trilaterale Kooperation besonders in Zeiten, in denen wir mit Skepsis gegenüber der internationalen Zusammenarbeit zu kämpfen haben. Denn obwohl die Natur keine politischen Grenzen kennt, wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu ihrem Schutz gerade im Moment vielfach angezweifelt. Sie ist noch lange keine Selbstverständlichkeit und daher findet unsere trilaterale Kooperation hier mitten in Europa auch weltweit Beachtung.

Umweltminister Lies ist ja schon auf einige Herausforderungen eingegangen, denen das Wattenmeer ausgesetzt ist. Ich möchte dies an einem Beispiel verdeutlichen. Was wir alle abstrakt wissen, nämlich, dass alle Lebewesen und Lebensräume in der Natur eng verwoben sind, das wird am Beispiel Wattenmeer konkret: Da ist zum einen die Bedeutung des Wattenmeeres als Drehscheibe für den Ostatlantischen Zugweg, den Millionen von Zugvögeln jedes Jahr als Brut- oder Raststätte auf ihren Wegen zwischen der Arktis und dem südlichen Afrika nutzen. Unsere internationale Zusammenarbeit mit Staaten aus westafrikanischen Ländern, wie Mauretanien und Guinea-Bissau oder mit dem Arktischen Rat ist dabei ein wichtiger Baustein zum Schutz unserer Zugvögel.

Wir haben aber auch eine besondere Verantwortung. Der erst im Mai veröffentlichte Statusbericht zum Zustand der Zugvogelpopulationen entlang des ostatlantischen Zugweges zeigt, dass auch hier im Wattenmeer dringender Handlungsbedarf bestehen. So sind zum Beispiel die hier brütenden Vögel durch Jäger wie Marder, Fuchs und Ratten bedroht. Ihre Bestände gehen im Vergleich zu durchziehenden oder überwinternden Populationen überdurchschnittlich stark zurück.

Ich habe viel über Zusammenarbeit gesprochen. Daher freue ich mich besonders über die Anwesenheit der Vertreter aus Süd-Korea, mit denen wir bereits seit über 10 Jahren zusammenarbeiten. Sie werden sich fragen, wo hier die Gemeinsamkeit besteht. Dort gibt es ebenfalls ein Wattenmeergebiet. Auch mit Unterstützung von Experten aus der Trilateralen Wattenmeerzusammenarbeit konnte Anfang des Jahres ein vollständiger Antrag zur Anerkennung als Welterbestätte bei der UNESCO eingereicht werden. Die Entscheidung der UNESCO wird im nächsten Jahr fallen. Ich drücke Ihnen fest die Daumen, dass der Antrag von Erfolg gekrönt sein wird.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir noch viel voneinander lernen können und dass die vertrauensvolle grenzüberschreitende Zusammenarbeit eine Notwendigkeit für langfristigen Erfolg ist. Dies gilt aber auch für die Zusammenarbeit mit den Menschen und Akteuren vor Ort und in der Region. Letztlich geht es um das Teilen von Wissen und Erfahrung, um gegenseitigen Respekt und Vertrauen und darum, die Dinge im Zusammenhang zu betrachten und voranzubringen. Es geht darum, die natürlichen Begrenzungen und Grenzen unserer Natur zu respektieren und zu zeigen: eine Vereinbarkeit zwischen Schutz und nachhaltiger Nutzung ist möglich.

‚Partnerschaft‘ ist dabei ein wichtiges Stichwort. Um gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen in der gesamten Weltnaturerbestätte und ihrer umgebenden Region zu bewältigen, hat die Trilaterale Wattenmeerzusammenarbeit beschlossen, ein-Partnerschafts-Netz, den so genannten Hub sowie ein Patnerschaftszentrum einzurichten. Damit werden die bestehenden Strukturen weiterentwickelt. Sie sollen uns fit machen für unsere Arbeit zu Nachhaltigkeit, regionaler Entwicklung und Naturschutz im Wattenmeer.

Der neue Partnerschafts-Hub wird die Kompetenzen der verschiedenen Wattenmeer-Regionen und Netzwerke aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden und Kommunen zusammenbringen. Er wird dazu beitragen, dass wir alle vom Weltnaturerbe profitieren können. Darüber hinaus unterstützt es die Trilaterale Zusammenarbeit und stärkt damit die staatliche Verantwortung für den Schutz und die Erhaltung des Wattenmeeres.

Unsere Arbeit zum Schutz dieses einzigartigen Lebensraums sollten und müssen wir alle erfolgreich und ambitioniert fortführen. So werden wir den Partnerschafts-Hub gemeinsam mit Leben füllen. Die Einverständniserklärung, die heute unterzeichnet wird, ist ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

Hierfür wünsche ich uns allen weiterhin eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Ich jedenfalls bin zuversichtlich und freue mich darauf.

Vielen Dank und uns allen ein fröhliches und partnerschaftliches Welterbe-Fest!

30.06.2019 | Rede Naturschutz/Biologische Vielfalt