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25.11.2019

Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter beim Landesinnungsverbandstag der Schornsteinfeger

-	Frau Parlamentarische Staatssekretärin bei der Schornsteinfegerinnung/Berlin
Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter betont die Rolle der Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger beim Klimaschutz in ihrer Rede beim Landesinnungsverbandstag.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Norbert Skrobek,
sehr geehrte Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger,
sehr verehrte Damen und Herren,

Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger spielen ja schon seit Jahrhunderten eine wichtige gesellschaftliche Rolle – besonders beim Brand- und Gesundheitsschutz. Nicht umsonst freuen wir uns bis heute über den Schornsteinfeger als Glückssymbol.

Dabei ist ihr Handwerk stetig mit der Zeit gegangen. Von der klassischen Feuerstelle über Kohle-, Öl- und Gasöfen bis hin zum modernen Kamin oder der Pelletheizung – immer wurden Schornsteinfeger gebraucht.

Mit der althergebrachten Vorstellung vom Mann mit dem Besen und dem rußgeschwärzten Gesicht hat ihr Berufsbild heute allerdings nicht mehr viel zu tun. Es ist breiter und vielfältiger geworden. Sie sind Experten für Heiz- und Lüftungstechnik, sie kümmern sich um Sicherheit, Umweltschutz und Energieeinsparung.

Ich freue mich besonders, dass Sie diese Veranstaltung unter den Titel "Klimaneutrales Schornsteinfegerhandwerk" gestellt haben. Genau solche Initiativen brauchen wir, denn unser Ziel lautet: Treibhausgasneutrales Deutschland 2050. Schon der Titel zeigt: Sie als Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger sind auch beim Klimaschutz bereit, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Viele von Ihnen sind bereits als Energieberater tätig. Und in der Tat kommt Ihnen beim Klimaschutz in Gebäuden eine Schlüsselrolle zu – wer sonst kommt jährlich in fast jedes Haus?

Die wichtige Rolle der Schornsteinfeger für den Umweltschutz zeigt sich schon lange beim Immissionsschutz. Dass sich die Überwachung der Öl- und Gasfeuerungen doppelt auszahlt, beweist die Statistik: so ist die Zahl der zu beanstandenden Öl- und Gasfeuerungen im Laufe der Zeit stetig zurückgegangen. Und die wiederkehrenden Überprüfungen sind ein Anreiz für Anlagenbauer, ihre Geräte emissionsarm und nutzerfreundlich weiterzuentwickeln.

Ich hoffe, dieser Effekt wird dank der Überprüfung auch bei den Holzfeuerungsanlagen eintreten – und die Gefahren durch Feinstaub und andere Schadstoffe für die Nutzer deutlich reduzieren.

Das Bundesumweltministerium, das Umweltbundesamt und natürlich die Landesbehörden bemühen sich um Aufklärung der Öffentlichkeit, damit Holzöfen verantwortungsbewusst betrieben werden. Dies unterstützen Sie, liebe Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger, mit Ihrer Beratung in direktem Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern maßgeblich. Ich möchte Sie ermutigen, weiterhin vor Ort engagiert und konsequent für den Schutz von Umwelt und Gesundheit einzutreten.

Die Bundesregierung hat mit dem im Oktober beschlossenen Klimaschutzprogramm 2030 und dem Klimaschutzgesetz das bislang umfassendste Klimaschutzpaket auf den Weg gebracht, das es in Deutschland je gab:

Das Klimaschutzprogramm 2030 ist der erste Schritt zur Umsetzung des Klimaschutzplans 2050. Wir haben wichtige Grundlagen geschaffen um unser Klimaschutzziel 2030 zu erreichen und bis 2050 treibhausgasneutral zu werden.

  • CO2-Emissionen bekommen ein Preisschild – und zwar auch in den Bereichen Wärme und Verkehr, die bislang nicht Teil des europäischen Emissionshandelssystems waren. Dafür soll ab 2021 ein nationales Emissionshandelssystem eingeführt werden. Es stellt klar, dass die zusätzlichen Einnahmen aus der CO2-Bepreisung für Entlastungen der Bürgerinnen und Bürgern sowie der Wirtschaft und für die Klimaschutzförderung aufgewendet werden.
  • Das Klimaschutzgesetz sieht erstmals verbindliche Klimaziele für jedes Jahr und jeden einzelnen klimarelevanten Sektor vor – also für die Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft und Abfallwirtschaft. Sollte ein Sektor vom Kurs abkommen, greift ein verbindlicher Nachsteuerungsmechanismus als Sicherheitsnetz. Darüber hinaus schreibt das Gesetz erstmals das Ziel der Treibhausgasneutralität bis 2050 für Deutschland gesetzlich fest.
  • Klar ist bei alledem: Der Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die wir nur gemeinsam bewältigen können – aber sozial ausgestalten müssen.

Wie Sie alle wissen, spielt der Gebäudebereich zum Erreichen der Klimaschutzziele in Deutschland eine zentrale Rolle. Der Klimaschutzplan 2050 und der Entwurf des Klimaschutzgesetzes sehen vor, dass die Treibhausgasemissionen der Gebäude bis 2030 um 67 Prozent gegenüber 1990 sinken sollen. Mehr als die Hälfte dieses Wegs haben wir schon geschafft. Das ist eine respektable Leistung. Dennoch: Wenn wir lediglich weitermachen wie bisher – mit der gleichen Geschwindigkeit – werden wir unsere Ziele für 2030 klar verfehlen. Und nach 2030 muss es ja weitergehen – denn unser Ziel im Jahr 2050 ist ein nahezu klimaneutraler Gebäudebestand.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir vor allem die Effizienzpotenziale im Bestand heben, sprich, die energetische Sanierung vorantreiben und mehrheitlich noch deutlich energieeffizientere Neubauten schaffen. Gebäude in Deutschland können hundert Jahre und älter werden, daher müssen wir schon heute das treibhausgasneutrale Haus 2050 mitdenken. Andernfalls produzieren wir die Sanierungsfälle von morgen.

Denn "Efficiency first" ist auch im Gebäudesektor zentral! Ein geringer Energieverbrauch ist der beste Schutz vor steigenden Energiekosten und ein Beitrag zur Energiewende als Ganzes. Denn erneuerbare Energien werden im Rahmen der Transformation aller Sektoren ein knappes Gut bleiben. Auch ist die Einbindung erneuerbarer Energien in effizienten Neubauten und gut sanierten Altbauten deutlich einfacher und flexibler möglich als in Gebäuden mit hohem Energieverbrauch. Hier sehe ich ein zentrales Aufgabenfeld für die Schornsteinfeger mit langfristiger Perspektive.

Allerdings stehen den Erfordernissen einige strukturelle Hemmnisse gegenüber:

Die fossilen Energiekosten, die sich einsparen lassen, sind begrenzt, solange Öl und Gas relativ günstig sind. Die Baukosten steigen, auch weil die Kapazitäten des Baugewerbes und Handwerks bereits weitgehend ausgeschöpft sind, obwohl bei Weitem nicht genug energetisch saniert wird.

  • Die in Folge des Wohnraummangels in Ballungsräumen steigenden Mieten lassen Vermietern kaum mehr Spielraum für eine sozialverträgliche Umlage energetischer Sanierungskosten.
  • Hinzu kommt die lange Lebensdauer der meisten Investitionen und damit die Gefahr, in Technologien zu investieren, die uns langfristig nicht weiterbringen (lock-ins). Auch moderne Ölheizungen liefern keinen ausreichenden Beitrag zum Klimaschutz, legen uns aber für Jahre auf ein erhöhtes CO2-Emissionsniveau fest.
  • Schließlich erschwert auch die heterogene Eigentümer-Struktur im Gebäudebestand Entscheidungen für Klimaschutzinvestitionen.

Das vereinbarte Klimaschutzpaket der Bundesregierung setzt an vielen der genannten Hemmnisse an und bietet Unterstützung:

Die energieeinsparrechtlichen Anforderungen sollen unter Beachtung der Bezahlbarkeit des Bauens und Wohnens und im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsgebots in 2023 überprüft und dann umgehend weiterentwickelt werden.

Die Vorbildfunktion des Bundes wird in Bezug auf seine Neu- und Bestandsbauten inhaltlich ausgefüllt und auf eine frühzeitige Klimaneutralität ausgerichtet.

Eine steuerliche Förderung für die Sanierung selbstgenutzten Eigentums wird eingeführt. Darüber hinaus werden die bestehenden Förderprogramme zugänglicher und die Fördersätze erhöht:

  • Der Ausbau erneuerbarer Energien und Abwärmenutzung wird nun auch für bestehende Wärmenetze gefördert und durch den beschlossenen Kohleausstieg unumgänglich. Das schafft neue Möglichkeiten auf der Quartiersebene. Voraussetzung ist, dass die Gebäude ihre Effizienzpotenziale heben.
  • Auch Modelle der seriellen, kosteneffizienten Sanierung sollen gefördert werden – also gewissermaßen die standardisierte "Sanierung von der Stange". Gerade in homogenen Wohnsiedlungen lassen sich so Geschwindigkeit und Qualität von Sanierungen erhöhen.
  • Die Schnittstellen zur Energieberatung sollen im Rahmen der Förderung verbessert werden.
  • Und: Der Austausch von Ölheizungen wird besonders gefördert und der Einbau neuer Ölheizungen ab 2026 verboten.

Ölheizungsverbot – was heißt das konkret?

Mit der Kombination aus Austauschprämie und Verbot neuer Ölheizungen ab 2026 schaffen wir vor allem Klarheit über den Kurs und damit auch für die zukunftssicheren Investitionen.

Ölheizungen werden in einem klimaneutralen Gebäudebestand keine Rolle spielen können. Zudem werden synthetische Brennstoffe zum Heizen voraussichtlich viel zu teuer sein.

Öl- und Gasheizungen verursachen hohe spezifische Treibhausgas-Emissionen (Öl 318 in Gramm pro Kilowattstunde (g/kWh) beziehungsweise Erdgas 247 g/kWh). Im Gebäudebestand mit mehr als 20 Millionen Wärmeerzeugern im Jahr 2018 waren zudem etwa ein Viertel der Ölkessel und ein Drittel der Gaskessel veraltet.

Das Klimaschutzprogramm sieht eine verstärkte Austauschför-derung mit einem Fördersatz von bis zu 40 Prozent vor, um diese Kessel durch klimafreundlichere Alternativen zu ersetzen. Es lohnt sich damit, in den kommenden Jahren von Öl- und Gasheizungen auf klimafreundlichere Alternativen umzusteigen.

Dazu zählen dann also Hybridsysteme, die anteilig erneuerbare Energien einbinden, oder der direkte Umstieg auf erneuerbare Wärme.

Zudem hat die Bundesregierung eine gesetzliche Regelung vorgelegt, wonach in Gebäuden, in denen eine klimafreundlichere Wärmeerzeugung möglich ist, der Einbau von Ölheizungen ab 2026 nicht mehr gestattet ist. Hybridlösungen sind auch künftig möglich.

Das Klimaschutzprogramm 2030 sieht auch vor, die Gebäudeenergieberatung zu verbessern – um Investitionen anzustoßen, die Qualität zu sichern und zugleich Fehlinvestitionen zu vermeiden. Zentrales Element ist hier der individuelle Sanierungsfahrplan. Dabei geht es darum, Sanierungen langfristig zu planen und damit Effizienzpotenziale zum individuell günstigsten Zeitpunkt auszuschöpfen.

Denn Investitionen sind dann am sinnvollsten, wenn sie mit anstehenden Instandhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen gekoppelt werden. Zu bestimmten Anlässen, wie zum Beispiel beim Eigentümerwechsel, werden Beratungen obligatorisch. Im Einzelnen soll unter anderem:

  • Die Förderung der Energieberatung für Wohngebäude auf bis zu 80 Prozenz erhöht werden
  • Die Energieberatung anknüpfend an Immissionsmessungen durch qualifizierte Schornsteinfeger adressiert werden. Sie sind damit übrigens eine von wenigen Berufsgruppen, die im Klimaschutzprogramm explizit benannt ist.

"Der Schornsteinfeger als Erfolgsgarant für den Klimaschutz – Was bedeutet all dies für die Zukunft Ihres Handwerks?"

Schon jetzt sind Sie aktiv für den Klimaschutz tätig: durch die Kontrolle und das Energie-Labelling von Heizgeräten, aber auch durch die Energieberatung. Denn Sie kennen die Gebäude, die Heizungsanlagen und nicht zuletzt die Gebäudeeigentümer.

Es ist sehr erfreulich, dass sich sehr viele von Ihnen zu Gebäudeenergieberatern weitergebildet haben und viele darüber hinaus vertiefte Kompetenzen besitzen.

Hier sehe ich große Chancen für die Schornsteinfeger im freien Wettbewerb mit Ingenieuren, bestellten Sachverständigen, Architekten oder anderen Handwerksmeistern des Baugewerbes, den ersten Schritt in Richtung Sanierung gemeinsam mit den Hauseigentümern zu gehen.

Entscheidend ist eine qualitativ hochwertige Beratung, die zu sinnvoll aufeinander aufbauenden Sanierungsschritten führt.

Die Anforderungen an Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger werden also weiterwachsen. Und ich hoffe – auch im Sinne des Klimaschutzes – dass es ihnen gelingt, immer wieder junge Leute für diesen vielfältigen Beruf zu motivieren.

Zugleich bringen Sie vielfältige Erfahrungen mit, wie Klimaschutz in der Praxis funktioniert – und auch, wo es Probleme gibt. Deshalb: Teilen Sie uns in der Politik mit, wo es hakt – damit wir gemeinsam herausfinden können, was wir besser machen müssen.

Ich brauche Ihnen nichts vormachen, Sie wissen es: Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe neigt sich dem Ende entgegen. Schon jetzt gibt es in manchen Neubausiedlungen kein einziges Dach mit Schornstein. Aber die Geschichte zeigt, wie flexibel das Schornsteinfegerhandwerk sich an neue technologische Herausforderungen und Aufgaben angepasst hat. Und ich kann Sie nur ermutigen, in diese Richtung weiter zu gehen – und den Weg in die treibhausgasneutrale Gesellschaft mit zu gestalten.

Vielen Dank!

25.11.2019 | Rede Luftreinhaltung | Berlin