https://www.bmu.de/RE8756
16.10.2019

Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter beim Kongress "Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa - Stadt.Plant.Grün"

Porträt der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter
Die Parlamentarische Staatssekretärin beim BMU Rita Schwarzelühr-Sutter hielt die Rede beim Kongress "Grüne Städte für ein nachhaltiges Europa" vom Bund deutscher Baumschulen (BdB).

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Selders,
sehr geehrte Bürgermeisterinnen und Bürgermeister,
sehr geehrte Abgeordnete,
sehr geehrte Herren Professoren Balder und Beßler,
sehr geehrter Herr von Ehren,
sehr geehrter Herr Sattler,
sehr geehrter Herr Dr. Stock,
sehr geehrte Damen und Herren,

vielen Dank an den Bund deutscher Baumschulen für die freundliche Einladung. Dieser Kongress ist eine sehr gute Gelegenheit für mich, mit Ihnen über die Klima- und Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung zu sprechen und wie wir sie zusammen umsetzen können – und welche Rolle dabei der Erhalt und die Schaffung von mehr Stadtgrün spielen!

Der Veranstaltungsort ist sehr passend gewählt: Im 19. Jahrhundert gab es hier zwischen Ostbahnhof, Ostkreuz und der Grenze zu Kreuzberg viele Gärtnereien und Baumschulen. Ihre Blumenformationen waren eine Attraktion.

Auch wenn die Felder an diesem Ort längst verschwunden sind, ist Berlin heute immer noch eine Stadt mit sehr viel Stadtgrün. Und mit Blick auf den Mauerfall vor 30 Jahren sind einige herausragende, neue Stadtgrün-Flächen in unserer Hauptstadt entstanden.

Ich habe im Kongress-Programm gesehen, dass Sie morgen den Gleisdreieck-Park besuchen werden. Diese Parklandschaft, die als Ausgleichsmaßnahme für die Bebauung am Potsdamer Platz entstanden ist, ist in meinen Augen sehr gut gelungen und wird von den Bürgerinnen und Bürgern sehr gut genutzt und akzeptiert. Deshalb wünsche ich Ihnen für die Exkursion morgen schon einmal viele fruchtbare Eindrücke und gutes Wetter.

Akzeptanz und Verständnis sind zwei Grundvoraussetzungen für gute Politik. Die Unterstützung, Aktivierung und Einbeziehung von allen gesellschaftlichen Akteuren beim Klimaschutz ist ein Kernanliegen des Bundesumweltministeriums. Mit Blick auf das Stadtgrün sind Sie daher wichtige Partner für uns.

Denn um die Klima- und Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung zu erreichen, müssen wir gemeinsam über den Tellerrand schauen:

So soll Stadtgrün ja möglichst schön und vielfältig aussehen, gleichzeitig soll es aber pflegeleicht sein und auch widerstandsfähig gegen vielerlei Einflüsse sein sowie dem Erhalt der Biodiversität dienen. Wir verfolgen deshalb einen integrativen Ansatz, der mehrere Handlungsfelder berücksichtigt. Dies verlangt auch eine noch engere Zusammenarbeit der verschiedenen Stellen und Akteure.

Die Herausforderung der Politik besteht insgesamt darin, Städte und Gemeinden integriert und nachhaltig zu entwickeln, dabei insbesondere weniger Flächen und Ressourcen zu verbrauchen und die biologische Vielfalt zu erhalten. Zentrales Leitbild dafür muss die Idee der "doppelten Innenentwicklung" sein.

Wir wollen, dass die bauliche Verdichtung mit einer gezielten Aufwertung der vorhandenen innerstädtischen Grünräume einhergeht. Denn hohe Wohn- und Lebensqualität für die Menschen hängt auch von attraktiven und funktionalen Grün- und Freiräumen in ihrer unmittelbaren Nähe ab. Stadtbewohnerinnen und -bewohner wünschen sich quer durch alle sozialen Schichten nutzbare Grün- und Freiflächen in ihrem Wohn- und Arbeitsumfeld.

Entscheidend ist auch, dass Stadtgrün und Stadtblau zu den Umweltschutzzielen von Städten und Kommunen beitragen. Die beiden Begriffe beziehen sich auf die verschiedenen Formen urbanen Grüns sowie der Wasserflächen. Beide beeinflussen in der Stadt wesentlich die Umwelt- und Lebensqualität, die Anpassung an den Klimawandel, den Flächenverbrauch, die Förderung der Gesundheit und den Erhalt der Biodiversität.

Genau um diese Potenziale zu heben, hat das Bundeskabinett im Juni 2019 den "Masterplan Stadtnatur" beschlossen, den das Bundesumweltministerium erarbeitet hat. Im Zentrum steht die Schaffung von natürlichen Lebensräumen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt und für das Naturerleben der Menschen, der Jüngeren und der Älteren, im direkten Wohnumfeld. Die 26 Maßnahmen des Masterplans, den viele von Ihnen sicher kennen, liegen ausschließlich in der Zuständigkeit des Bundes und werden die Aktivitäten der Städte und der gesamten Stadtgesellschaft für mehr Stadtnatur unterstützen. Wir wollen beispielsweise über einen neuen Förderschwerpunkt Stadtnatur beim Bundesprogramm Biologische Vielfalt gezielt Vereine und Verbände unterstützen, die sich für mehr Natur in der Stadt stark machen.

Ein weiteres Beispiel ist die Hervorhebung von Stadtnatur in der fachlichen Aus- und Weiterbildung. Dies soll in einem Dialog mit Berufsverbänden, Kammern und Hochschulen erreicht werden. Weitere Maßnahmen betreffen etwa das städtische Gewässer- und Niederschlagsmanagement, die Vorbildfunktion des Bundes sowie die Öffentlichkeitsarbeit.

In den vergangenen zwei Jahren sahen sich viele Kommunen mit einer sehr langen Trockenperiode konfrontiert, nachdem sie noch 2017 mit zahlreichen Starkregenereignissen umgehen mussten. Deshalb ist für viele Städte und Gemeinden das Thema Klimaanpassung ganz konkret geworden. Und sie müssen sich diesen Herausforderungen in den kommenden Jahren bei der Planung vor Ort stellen, gerade auch im Bezug zum Stadtgrün.

Der Bund hat für die Anpassung an den Klimawandel mit der Deutschen Anpassungsstrategie (DAS) einen Orientierungsrahmen geschaffen. Sie wurde 2008 von der Bundesregierung vorgelegt und seitdem weiterentwickelt.

Im Rahmen der DAS fördert das Bundesumweltministerium mit auch regionale und lokale Akteure in drei Förderschwerpunkten bei der Klimaanpassung.

In der Vergangenheit haben wir beispielsweise Vorhaben zu den Themen klimaangepasstes Wassermanagement in trockenen Regionen, Vermeidung von hitzebedingten Gesundheitsproblemen in der stationären Pflege oder auch Bildungsmodule unter anderem zum klimarobusten Bauen und zur klimaangepassten Landwirtschaft unterstützt. Ebenso wurden in den Bereichen Starkregenmanagement und kommunale Überflutungsvorsorge neue Ansätze unterstützt. Die Klimaanpassung in der Stadt ist ebenfalls ein gutes Beispiel dafür, wie eine intelligente und vorausschauende Planung funktionieren kann, die mehrere Bereiche - wie beispielsweise die Grünentwicklung und das Niederschlagsmanagement - miteinander verbindet und darüber hinaus eine bessere Lebensqualität generiert.

Für ein klimaangepasstes Stadtgrün müssen auch geeignete Bäume gepflanzt werden. So ein Stadtbaum bietet Schatten, absorbiert Schadstoffe, bietet Nistplätze für Vögel und Insekten – und schafft Ruhe fürs Auge.

Hier sind Sie als Baumschulen ja die Expertinnen und Experten. Sie wissen, dass veränderte Standortbedingungen nicht dazu führen müssen, dass dort kein Baum mehr wächst und vor allem gedeiht. Sie kennen viele stabile Arten von Stadtbäumen und können die Kommunen mit Ihrer Expertise beraten, welche Bäume mit dem Klimawandel und den heutigen Stressfaktoren einer Stadt besser zurechtkommen. Denn insgesamt brauchen wir in den Städten und Gemeinden mehr und nicht weniger Stadtbäume!

Ich habe extra nochmal für Berlin nachgeschaut: obwohl Berlin immer noch eine der grünsten Metropolen in Europa ist, könnte die Lage besser sein: in Folge der extremen Wetterereignisse im Herbst 2017 (Sturm) und im Sommer 2018 (Trockenheit) gab es im Vergleich zu den Bestandszahlen 2016 am 31.12.2018 knapp 7.000 Straßenbäume weniger! Das zeigt eindeutig, welche Arbeit noch vor uns – und Ihnen – liegt.

Die durch den Klimawandel nötigen Anpassungen in unseren Städten und Gemeinden müssen Stadtplanerinnen und -planer, Wasserwirtschaft, Grünflächenämter, Architekten und Straßenbauer künftig noch intensiver – und von Anfang an – gemeinsam berücksichtigen.

Das Bundesumweltministerium wird die DAS in Zukunft weiterentwickeln und auch eigene Forschungsvorhaben im nächsten Jahr auf den Weg bringen. Denn wir wollen sinnvolle Maßnahmen für Extremereignisse erkennen und dafür Handlungsempfehlungen formulieren.

Die Baumschulen sind wichtige Akteure bei der Umsetzung der unserer Klimaschutzziele und der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen – denn Sie haben das Stadtgrün ja gewissermaßen in der Hand: einerseits bilden Sie eine neue Generation von Beschäftigten aus, die den Klimaschutz und den Erhalt der biologischen Vielfalt als selbstverständlich ansehen. Somit werden Sie wichtige Multiplikatoren für mehr Grün und Klimaschutz in Städten und Kommunen. Andererseits sind Sie in ständigem Kontakt mit den Stadtverwaltungen und Ämtern. Sie können beraten, welche Bepflanzung wo am besten eingesetzt ist.

Vielen Dank an dieser Stelle für ihr bisheriges Engagement! Toll, dass Sie zur Würdigung dieses Engagements den Nachhaltigkeitspreis der deutschen Baumschulwirtschaft ausgelobt haben. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle auch von mir an Hinrichs Baumschulen in Edewecht, an die Baumschule Lorberg in Ketzin sowie an die Baumschule Wilhelm Kruse in Melle für die Nominierungen. Am Schluss meiner Rede möchte ich auch allen anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer an dem Wettbewerb für Ihr Engagement für mehr nachhaltiges Grün in unseren Städten und Gemeinden herzlich danken!

Lassen Sie uns gemeinsam am Stadtgrün der Zukunft arbeiten!

16.10.2019 | Rede Naturschutz/Biologische Vielfalt | Berlin