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30.01.2019

Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter bei der N3XTCODER Session "Into New Worlds"

Rita Schwarzelühr-Sutter am Rednerpult
In ihrer Rede spricht die Parlamenatische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter über die Potentiale der Digitalisierung beim Umwelt-, Natur- und Klimaschutz. Das BMU will hierfür den politischen Rahmen setzen.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Damen und Herren,

"Into New Worlds"... Das ist wirklich ein inspirierender und spannender Titel für eine Veranstaltung.

Er ist nach vorne gewandt und spornt an, die Zukunft zu gestalten. Das tut gut in einer Zeit, in der sich viele abschotten und vermeintlich einfache Lösungen präsentieren.

"Into New Worlds" hätte auch die Überschrift der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen lauten können.

Die 2030 Agenda ist mit "Transforming our world" überschrieben und steht für den Weg in eine Welt frei von Armut, in Frieden und mit einer intakten Umwelt. Dafür braucht es in der Tat einen Aufbruch "Into New Worlds".

Niemand kann sich diesen Aufbruch ohne die Digitalisierung vorstellen. Noch nie war eine technologische Entwicklung so schnell und tiefgreifend. Das Smartphone wurde innerhalb von zehn Jahren zum Lebensmittelpunkt einer Generation.

Die Digitalisierung wird unsere Art des Lebens und Wirtschaftens in Zukunft aber noch viel stärker verändern.

Das Bundesumweltministerium versteht sich als Zukunftsministerium, das Antworten auf alle gesellschaftlichen Megatrends formulieren muss. Bei Klimawandel und Globalisierung sind wir schon sehr weit. Die Digitalisierung gehen wir jetzt offensiv an.

Wir widmen uns intensiv der Frage: Wie können wir neben den wirtschaftlichen Chancen der Digitalisierung auch die großen Potenziale für Umwelt, Natur und Klima in den Fokus rücken.

Schauen wir auf die Landwirtschaft. Die primär ökonomischen Anreize zur Digitalisierung der Landwirtschaft nutzen tendenziell auch Umwelt und Natur. Nämlich dann, wenn Daten, Roboter und Drohnen dabei helfen, Dünger und Pflanzenschutzmittel präziser, effizienter und am tatsächlichen Bedarf orientiert auszubringen. Das ist besser als mit der Gießkanne.

Oder nehmen wir Mobilität: Elektroautos sind wichtig, um den Verbrennungsmotor abzulösen. Die eigentliche Revolution steckt aber im vernetzten und autonomen Fahren. Erst wenn Fahrrad, ÖPNV und Auto unabhängig von Ort und Zeit und am individuellen Bedarf aufeinander abgestimmt sind, wird sich unsere Mobilität nachhaltig verändern.

Damit die Schlüsseltechnologien der Digitalisierung ihre Potentiale für die Umwelt voll entfalten können, setzen wir im Bundesumweltministerium einen neuen politischen Rahmen.

Im Dezember hat die Bundesregierung ihre Strategie zur Künstlichen Intelligenz beschlossen. Für das Umweltministerium war klar: Wir müssen KI auch für einen ökologischen Wandel nutzen. Deshalb werden wir 50 Leuchtturmprojekte für Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz fördern. Auch zusammen mit unseren europäischen Partnern.

Der Startschuss erfolgt noch in diesem Jahr und mir ist sehr daran gelegen, dass Sie als Vertreter des sozialen Unternehmertums Projekte mit sozial-ökologischem Impact einbringen.

Im Sommer werden wir zudem eine Blockchain-Strategie verabschieden. Auch sie muss sich daran messen lassen, ob sie zur Lösung der großen Herausforderungen der Menschheit beitragen kann.

Weil das aber nicht reicht, arbeiten wir an einer eigenen umweltpolitischen Digitalstrategie, die Digitalisierung und Nachhaltigkeit bestmöglich verzahnt. So etwas kann und soll nicht allein am Schreibtisch im BMU entstehen. Wir werden unsere Vorschläge gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden sowie der Zivilgesellschaft entwickeln. Ich lade Sie herzlich dazu ein, daran mitzuwirken. Wir brauchen ihre Expertise, um unsere politische Agenda nah an der Praxis und an realen Problemen auszurichten.

Ich versichere Ihnen, dass Sie über das Netzwerk von Nextcoder auf dem Laufenden bleiben.

Nicht nur die Politik ist gefragt. Auch Unternehmen tragen Verantwortung, die Digitalisierung stärker als bisher zum Wohle unseres Planeten einzusetzen. Denn sozial und ökologisch verantwortungsvolles Handeln wird für Kunden wie Geschäftspartner immer wichtiger. Die Transparenz von Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodellen ist ein Gebot der Stunde und die Digitalisierung führt auch hier zu weitreichenden Veränderungen.

Mein Appell an Sie als Unternehmer: Jede Digitalisierungsstrategie muss auch ihren Beitrag zum Umwelt-, Ressourcen- und Klimaschutz darlegen.

Das ist auch im Interesse der Wirtschaft. Viele Geschäftsmodelle stehen durch Klimawandel und Globalisierung unter Druck. Gerade auch die Industrie als Basis unseres Wohlstandes und vieler guter Arbeitsplätze. Wir müssen deshalb einen Strukturwandel gestalten, der uns für die Märkte der Zukunft wettbewerbsfähig macht.

Als sozialdemokratische Staatssekretärin will ich erfolgreiche Strukturen stärken. Eine nachhaltige Wirtschaft schließt Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Industrie nicht aus. Im Gegenteil: Wir brauchen eine innovative und moderne Industrie, um die wirtschaftlichen Chancen von Umwelt- und Klimaschutz zu heben. Die Digitalisierung bietet dabei die große Chance, Widersprüche zwischen Wachstum, Nachhaltigkeit und sozialer Gerechtigkeit aufzulösen.

Digitale Innovationen eröffnen vor allem der Greentech-Branche neue Möglichkeiten, ihre Position im Wettbewerb zu verbessern.

Ihr weltweites Marktvolumen wird sich bis 2025 von gut 3 Billionen Euro auf ungefähr 6 Billionen Euro erhöhen. 1,5 Millionen Menschen sind bereits heute in diesem Bereich in Deutschland beschäftigt – in der Mehrzahl sehr qualifizierte Jobs.

Auch für Entrepreneure und Startups entstehen smarte Geschäftsmodelle, für die es gute und offene Daten braucht.

Im Umweltministerium arbeiten wir deshalb intensiv daran, unsere eigenen Datenschätze noch besser zugänglich und nutzbar zu machen.

Genau das wollten wir bei unserem Hackathon im letzten Jahr zeigen, den wir mit großartiger Unterstützung durch Nextcoder durchgeführt haben. Dafür noch einmal herzlichen Dank!

Bei dem Hackathon haben 65 junge Menschen 24 Stunden lang an digitalen Lösungen für saubere Luft und eine bessere Kreislaufwirtschaft gearbeitet.

Es war beeindruckend zu sehen, wie die Teams in so kurzer Zeit innovative Anwendungen entwickelt haben.

Mit unseren offenen Daten zur Luftqualität wurde eine App entwickelt, die intelligente Routen entlang weniger belasteter Straßen ermittelt.

Außerdem wurde ein digitaler Einkaufszettel entwickelt, der eine Verpackungsbilanz auf dem Smartphone ausweist, um Plastikmüll zu vermeiden.

Die Teams werden nun professionell gecoacht, um ihre Ideen auf den Markt zu bringen. Datengetriebene Anwendungen haben das Potential, effizienter mit Ressourcen umzugehen. Mit der Zunahme digitaler Produkte steigt aber auch der Energiebedarf. Der Stromhunger unserer Apps und Rechenzentren beläuft sich bereits heute auf etwa 10 Prozent der weltweiten Stromnachfrage und könnte bis 2030 auf 30 bis 50 Prozent steigen.

Gesetzliche Anforderungen an die Energieeffizienz gelten bislang nur für Hardware, wie Computer oder Tablets. Aber auch Software hat großen Einfluss auf die Effizienz und Lebenszeit von Geräten. Programme mit identischer Funktion haben deutlich unterschiedliche Stromverbräuche, je nachdem, wie sie programmiert sind.

Deshalb haben wir Tools veröffentlicht, die die Entwicklung ressourceneffizienter Software unterstützen sollen. Vielleicht ist das auch für Sie interessant und ich möchte Sie dazu ermuntern, einen Blick darauf zu werfen.

Weil Daten in einer digitalisierten Welt der neue Rohstoff sind, stellen sich neue Fragen. Zum Beispiel zu Eigentum und Transparenz.

Wie aktuell diese Fragen sind, zeigt ein weltweiter Wettbewerb der Systeme im digitalen Kapitalismus: In Europa stehen wir vor der Herausforderung, einen Gegenentwurf zu den monopolistischen und autoritären Modellen aus den USA und China zu entwerfen. Ich meine, dass unsere liberalen Demokratien den Weg einer nachhaltigen Digitalisierung einschlagen sollten. Eine Digitalisierung, die unsere gesellschaftlichen Werte und die Interessen von Mensch und Umwelt in den Mittelpunkt stellt. Gleichberechtigt, sozial und partizipativ.

Um hier voranzukommen, wird mein Ministerium Digitalisierung und Nachhaltigkeit zu einem Schwerpunkt der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im Jahr 2020 machen. Lassen Sie mich über Deutschland und Europa hinausblicken, und noch einmal auf die 2030 Agenda zurückkommen, die ich eingangs erwähnte.

In den Industriestaaten können wir durch intelligente Wassernetze Angebot und Nachfrage optimal aufeinander abstimmen und die kommunale Infrastruktur noch effizienter machen.

In Ländern, in denen Wasser wirklich knapp ist, kann die Digitalisierung dazu genutzt werden, die schieren Lebensgrundlagen zu schützen.

Viele Entwicklungs- und Schwellenländer profitieren bislang aber kaum von der Digitalisierung, obwohl sie neue wirtschaftliche Perspektiven und Anpassungsmöglichkeiten an den Klimawandel eröffnet.

Deshalb: Lassen Sie uns im Sinne einer nachhaltigen Digitalisierung nicht vergessen, den digitalen Fortschritt auch weltweit für die Bewältigung ökonomischer, ökologischer und sozialer Herausforderungen einzusetzen.

Partnerschaftlich, für eine lebenswerte Zukunft vor Ort.

Ich bin sicher, Sie dabei als Partnerinnen und Partner an meiner Seite zu haben.

Herzlichen Dank!

30.01.2019 | Rede Wirtschaft und Umwelt