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22.10.2019

Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter bei der Fachtagung "Rotmilan - Land zum Leben"

Porträt der Parlamentarischen Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter
Bei der Tagung "Rotmilan - Land zum Leben" sprach die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter über den gefährdeten Rotmilan und die Verantwortung Deutschlands für seinen Schutz.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Rotmilan ist eine Art, die unser besonderes Interesse und Aufmerksamkeit verdient.

Sein Verbreitungsgebiet beschränkt sich fast ausschließlich auf den europäischen Kontinent, er ist somit ein "echter Europäer". Und noch wichtiger: er ist eine "Verantwortungsart" für Deutschland. Bei uns brüten über 50 Prozent der globalen Gesamtpopulation.

Rotmilane sind leider aber auch besonders sowohl durch die Intensivierung der Landwirtschaft als auch den fortschreitenden Ausbau der Windenergie gefährdet.

Hinzu kommt, dass Deutschland vor über zehn Jahren unter der Bonner Konvention (CMS) dem "Memorandum of Understanding" zum Schutz wandernder Greifvögel und Eulen in Eurasien und Afrika beigetreten ist, dessen Schutzverpflichtungen auch den Schutz der Milane umfasst.

Deutschland hat beim Rotmilan somit in mehrfacher Hinsicht eine herausragende nationale und internationale Verantwortung für den Schutz gerade dieser Art.

Entsprechend ist der Rotmilan die einzige Greifvogelart innerhalb des "Förderschwerpunktes Verantwortungsarten" im Bundesprogramm Biologische Vielfalt, kurz und liebevoll "BuBi" genannt.

Das BuBi-Projekt "Rotmilan – Land zum Leben" trägt in besonderer Weise zur Umsetzung unserer Schutzverpflichtungen bei.

Mit einem vorgesehenen Gesamtmitteleinsatz – also inklusive Verbändeanteil – von nunmehr fast 6,2 Millionen Euro ist es zugleich eines der größten BuBi-Projekte, wobei über 5,57 Mio auf die Bundesförderung entfallen, und mit einer Kooperation von 12 Projektträgern in acht Bundesländern.

Unter Ihnen als Projektträgern sind bedeutende Organisationen, von denen ich als Beispiele den Deutschen Verband für Landschaftspflege; den Dachverband Deutscher Avifaunisten und die deutsche Wildtierstiftung nennen möchte – aber mir ist selbstverständlich auch die Bedeutung der anderen Träger-Verbände bewusst. Ihnen allen gilt daher mein Dank! Und in diesen einbeziehen möchte ich auch das Team des Bundesamt für Naturschutz (BfN), das sich engagiert um das BuBi-Rotmilan-Projekt kümmert.

Der Auszeichnung Ihres Projektes als UN-Dekade-Projekt am 18. September 2017 konnten Sie bereits die hohe Wertschätzung meines Ministeriums für Ihre Leistungen entnehmen.

Mir ist es aber auch persönlich eine Freude, hier dabei sein zu dürfen. Denn vielleicht erinnern Sie sich noch, dass ich bereits bei der Auftaktveranstaltung am 12. Mai 2014 in Magdeburg ein Grußwort gehalten habe und somit nun den Bogen von der Auftakt- bis zur Abschluss-Veranstaltung auch persönlich spannen darf. Ich freue mich daher besonders, miterleben zu dürfen, dass sich das Projekt nunmehr einem erfolgreichen Ende neigt.

Zur Auftaktveranstaltung 2014 war das Projekt "Rotmilan – Land zum Leben" gerade gestartet und das Bundesprogramm Biologische Vielfalt, mit dem wir seit Anfang 2011 die Umsetzung der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt mit konkreten Projekten fördern, noch jung.

Anfangs lag das Fördervolumen des Bundesprogramms noch bei 15 Millionen Euro jährlich und konnte mittlerweile mehr als verdoppelt werden. Insgesamt wurden und werden 83 Projekte mit insgesamt 215 Teilprojekten gefördert – und zwar in den vier Förderschwerpunkten:

  • "Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands"
  • "Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland"
  • "Sichern von Ökosystemdienstleistungen" und
  • "Weitere Maßnahmen von besonderer repräsentativer Bedeutung"

Auch inhaltlich wird das BuBi-Programm weiterentwickelt: Als Flankierung des "Aktionsprogramm Insektenschutz" haben wir bereits im letzten Jahr einen speziellen Insektenaufruf gestartet und knapp 100 Projektskizzen erhalten. Zudem ist die Etablierung eines neuen Förderschwerpunktes "Stadtnatur" geplant.

Durch das BuBi-Rotmilanprojekt haben wir gemeinsam dazu beigetragen, einem Sinkflug des Rotmilan-Bestandes in Deutschland entgegenzuwirken.

Es konnte gezeigt werden, dass eine für den Rotmilan förderliche landwirtschaftliche Flächenbewirtschaftung machbar ist. Denn es gibt nun auf den Projektflächen mehr als doppelt so viele Vögel, die zum großen Teil ins Beute-Spektrum des Rotmilans gehören, als auf normal bewirtschafteten Flächen.

Und mehr noch: die Rotmilane nutzen die Projektflächen fast doppelt so lange zur Nahrungssuche wie entsprechende Kontrollflächen. Dies ist ein besonderer Erfolg. Zudem führte die Beratung von Vertretern aus der Waldwirtschaft dazu, dass Störungen der Brutplätze immer seltener registriert wurden.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir in den Bemühungen um diese Verantwortungsart nachlassen dürfen. Gerade Fragen der Greifvogelwilderei – mehr noch bei Habicht und Bussard als beim Rotmilan – werden wir noch engagierter angehen müssen: Hierzu haben wir bereits dem Komitee gegen den Vogelmord durch finanzielle Hilfe im Rahmen der Verbändeförderung ermöglicht, eine bundesweite Studie zu Problemlage und Lösungsmöglichkeiten zu erstellen. Die Länder wurden zuletzt im September 2019 innerhalb der Länderarbeitsgemeinschaft Naturschutz informiert und zum weiteren Vorgehen konsultiert.

Eine enge und gute Zusammenarbeit mit den Ländern ist auch notwendig, um für den Rotmilan förderliche Maßnahmen zu verstetigen, wie etwa die Berücksichtigung in den Agrarumweltprogrammen der Länder. Ich freue mich deshalb, dass hierzu für heute Nachmittag noch ein Beitrag von Herrn Lerch zu "Empfehlungen Agrarumweltmaßnahmen 2021" auf der Agenda steht.

Dies ist umso wichtiger, als landwirtschaftlich genutzte Lebensräume laut den Ergebnissen des kürzlich an die EU-Kommission übermittelten FFH-Berichtes überwiegend in einem schlechten Zustand sind. Die Landwirtschaft nutzt 54 Prozent der Landfläche Deutschlands. Sie hat damit eine besondere Verantwortung für die biologische Vielfalt.

Ambitioniertes Handeln, etwa über den Ausbau zielgerichteter Maßnahmen des Vertragsnaturschutzes, die Verminderung des Pestizid- und Düngereinsatzes und die Einhaltung der Bestimmungen der EU-Naturschutzrichtlinien sind für den Zustand der Artenvielfalt unerlässlich.

Abschließend möchte ich nochmals allen Beteiligten danken für die engagierte Arbeit, die gute Kooperation der Projektpartner und den persönlichen Einsatz für den Rotmilan. Ich hoffe, dass Sie sich weiter für den Schutz dieser in unserer besonderen Verantwortung liegenden Greifvogelart engagieren und uns so ihre Erhaltung gelingt.

Vielen Dank.

22.10.2019 | Rede Artenschutz