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18.05.2019

Rede von Jochen Flasbarth anlässlich der Ausweisung des Grünen Bandes Thüringen als Nationales Naturmonument

unterseite icon 18.05.2019 | Naturschutz/Biologische Vielfalt

Das gesamte Grüne Band sollte Naturmonument werden

Das gesamte Grüne Band sollte Naturmonument werden
Thüringen hat als erstes Bundesland seinen Abschnitt des Grünen Bandes zum Nationalen Naturmonument erklärt. Jochen Flasbarth lobte in einer Festrede das Engagement Thüringens und sprach sich für eine bundesweite Erweiterung aus.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Frau Ministerin Siegismund,
sehr geehrte Frau Abgeordnete Winter,
sehr geehrte Frau Abgeordnete Göhring-Eckardt,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Harzer,
sehr geehrter Herr Prof. Dr. Weiger,
sehr geehrte Damen und Herren,

heute bin ich aus Bonn hier angereist und habe das Grüne Band gerade gequert: Glücklicherweise habe ich davon kaum etwas bemerkt.

Kein Schlagbaum, keine Passkontrolle, kein Schussfeld hinter der streng bewachten Grenze. Diese Barrieren sind Geschichte!

Seit 30 Jahren verbindet das Grüne Band Menschen, die von einer gemeinsamen Idee getragen werden: Das einst trennende Band als Ort der Erinnerung und des Gedenkens zu erhalten und es zu einem Landschaftsband zu machen, dass der Natur, der Schönheit und der Zukunft gewidmet ist.

Diese Idee ist Wirklichkeit geworden: Die Ausweisung des Grünen Bandes Thüringen als Nationales Naturmonument ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Erhaltung des Grünen Bandes!

Darüber freue ich mich außerordentlich und beglückwünsche alle Beteiligten zu diesem gelungenen Projekt! Dieses Projekt ist Teil eines gemeinsamen bundesweiten und sogar eines europäischen Naturschutzprojektes, bei dem Deutschland eine besondere Verantwortung zukommt.

Das Grüne Band trennte in Deutschland die beiden deutschen Staaten.

Die Grenze war in tragischer Weise für viele menschliche Schicksale verantwortlich.

Damit steht das Grüne Band auch für das Verstörende und ist ein Mahnmal dafür, wie wenig selbstverständlich einerseits und wie kostbar andererseits ein friedliches Miteinander in Deutschland und in Europa ist.

Heute ist das Grüne Band ein herausragendes europäisches Naturschutzprojekt. Es ist eine paneuropäische Biotopverbundachse, deren Wert für den Naturschutz nicht hoch genug geschätzt werden.

Allein in Deutschland bietet das Grüne Band auf rund 1.400 Kilometern Länge einen Rückzugsraum für mehr als 1.200 bedrohte Tier- und Pflanzenarten.

Der Bund unterstützt die neun beteiligten Bundesländer sehr gerne bei diesem Erfolgsprojekt für den Naturschutz. Die Bundesregierung hat die Bundesflächen im Grünen Band von der Privatisierung ausgenommen und den Bundesländern beziehungsweise Naturschutzstiftungen als "Nationales Naturerbe" übertragen.

In der Vergangenheit waren dies insgesamt rund 6.800 Hektar. In dieser Legislaturperiode sollen im Rahmen der vierte Tranche des Nationalen Naturerbes weitere Flächen hinzukommen.

An den Stellen und Bereichen, in denen das Grüne Band beeinträchtigt und lückenhaft ist, setzt das Bundesumweltministerium sich mit der Förderung von Projekten dafür ein, diese Lücken zu schließen und den Biotopverbund zu vervollständigen.

Das Bundesumweltministerium unterstützt auch in Thüringen Projekte entlang des Grünen Bandes.

Beispielhaft möchte ich die Naturschutzgroßprojekte im Rodachtal und im Eichsfeld nennen, die wir aufgrund ihrer gesamtstaatlichen repräsentativen Bedeutung fördern.

Zur Entwicklung und zum Schutz des Grünen Bandes wird in Deutschland auf allen staatlichen Ebenen und besonders bei den Verbänden sehr viel getan.

Dem BUND als Initiator der Entwicklung des Grünen Bandes ist hier besonders zu danken.

Liebe Frau Ministerin Siegesmund,
liebe Beteiligte in Thüringen,

Sie haben nun den größten Teil dieses länderübergreifenden Bandes als Nationales Naturmonument für die Zukunft gesichert.

Und nicht nur das: Sie haben auch das erste großflächige Nationale Naturmonument Deutschlands ausgewiesen.

Ein 763 Kilometer langer durchgängiger Schutz von Natur und Landschaft ist bislang einmalig in Deutschland! Sie haben mit der Ausweisung die Grundlage dafür geschaffen, dieses schmale und lange Großschutzgebiet nach einem einheitlichen Konzept zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Die Schutzgebietskategorie passt gut, denn auch sie hat etwas Verbindendes: Das Nationale Naturmonument ermöglicht es, den Naturschutz mit der Erhaltung von Spuren der Geschichte zu verbinden.

Auch das Landschaftserleben ist eine Zielsetzung des neuen Schutzgebietes. Dieser Schutz wird somit den unterschiedlichen Bedeutungsebenen des Grünen Bandes gerecht

Die Auszeichnung als Nationales Naturmonument stellt auch die bundesweite Bedeutung dieser Landschaften deutlich heraus.

Mein Haus hat den Ausweisungsprozess zum Nationalen Naturmonument seit 2015 begleitet und gerne unterstützt. Dabei haben wir die spannenden und konstruktiven, und auch die teilweise kontroversen Debatten mitverfolgt und waren teilweise auch eingebunden.

Es ging unter anderem darum, die richtige Balance zwischen Schutz und Nutzung zu finden.

Es ging auch darum die verschiedenen Bedeutungsebenen des Grünen Bandes – Erinnerung, Naturschutz und Landschaftserleben – angemessen zu würdigen.

Das war ein langer Weg, der sich gelohnt hat.

Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie diese Diskussionen geführt und wichtige Positionen aufgegriffen haben. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie um sinnvolle Kompromisse gerungen und gute Lösungen gefunden haben. Wir alle profitieren und lernen davon.

Schließlich haben Sie eine mutige Entscheidung getroffen.

Sie haben eine Vorreiterrolle in Deutschland übernommen.

Die Ausweisung als Nationales Naturmonument ist Würdigung und Ansporn zugleich für die vielen Engagierten am Grünen Band in Thüringen, in Deutschland und in Europa.

Herzlichen Dank für dieses großartige Gemeinschaftswerk!

Ich wünsche Ihnen und uns allen ein gutes Gelingen bei der weiteren Umsetzung.

Vielen Dank!

18.05.2019 | Rede Naturschutz/Biologische Vielfalt