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02.05.2018

Grußwort von Svenja Schulze anlässlich der Übernahme einer Wildbienen-Patenschaft

Grußwort von Svenja Schulze anlässlich der Übernahme einer Wildbienen-Patenschaft

– Es gilt das gesprochene Wort –

Damen und Herren,

ich freue mich wirklich sehr, heute hier zu sein, denn ich werde Wildbienen-Patin aus voller Überzeugung: Der Schutz der Insekten ist mir persönlich wirklich ein sehr wichtiges Anliegen.

Sie haben sicher alle davon gehört: Sowohl die Gesamtzahl der Insekten als auch die Vielfalt bei den Insektenarten haben in Deutschland in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen. Einen "stummen Frühling" ohne Summen, Brummen, Vogelgezwitscher und ohne den Anblick eines schönen Schmetterlings – das möchte nun wirklich niemand. Aber es geht um noch viel mehr als das: Zum einen sind Insekten Nahrungsgrundlage für andere Tiere, zum Beispiel für Vögel, kleine Säugetiere, Reptilien, Amphibien und Fische. Das Insektensterben ist also nur die Spitze des Eisbergs.

Das Insektensterben wirkt sich aber nicht nur auf die Nahrungsketten aus. Unser aller Lebensgrundlage heute und in Zukunft hängt ganz wesentlich von den Insekten ab. Denn mit den Insekten verlieren wir auch all die wertvollen Leistungen, die sie für uns Menschen erbringen: Sie bestäuben unsere Pflanzen, sorgen für fruchtbare Böden oder tragen zur Reinigung unserer Gewässer bei.

Als Blütenbestäuber nehmen die über 560 Wildbienenarten, die wir in Deutschland haben, eine absolute Schlüsselfunktion in unseren Ökosystemen ein. Sie erhalten nicht nur die biologische Vielfalt, sondern sichern wesentliche Anteile der Welternährung. Ich bin Ihrer Initiative sehr dankbar, dass Sie wichtige Aufklärungsarbeit leisten, indem Sie den Menschen die Wildbienen und ihre Bedeutung näherbringen. Denn beim Insektensterben geht es eben nicht um die Honigbienen, die das Privileg genießen, durch Imkerei gehegt und gepflegt zu werden.

Auch die Wildbienen sind leider von einem dramatischen Rückgang betroffen. 53 Prozent der Wildbienenarten sind bedroht – das zeigen uns die Roten Listen. Sie sind zum Teil stark spezialisiert und leiden besonders stark unter dem Verlust und der Verschlechterung ihrer Lebensräume und Nahrungsgrundlagen.

Im Koalitionsvertrag zur 19. Legislaturperiode verpflichtet sich die Bundesregierung, "das Insektensterben umfassend zu bekämpfen". Gleich nach Amtsantritt habe ich mein Ministerium gebeten, noch in den ersten 100 Tagen Eckpunkte für ein Aktionsprogramm zum Insektenschutz zu erarbeiten.

Zwar sind die Ursachen für das Insektensterben vielfältig und komplex, wir können aber schon heute sagen, in welchen Bereichen wir dringend Veränderung brauchen. Dazu gehören zum Beispiel die übermäßige Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und anderen Pestiziden, der Verlust der Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft und die Eutrophierung von Böden und Gewässern durch Nährstoffeinträge. Aber nicht nur die zunehmend intensive Landwirtschaft macht den Insekten das Überleben schwer. Es gibt auch weitere Ursachen für das Insektensterben, die wir angehen müssen. Ein Beispiel ist die Lichtverschmutzung in und um unsere Städte und Siedlungen und die Stärkung unserer Naturschutzgebiete.

Wenn wir das Sterben der Wildbienen und anderen Insekten wirklich stoppen wollen, müssen wir in all diesen Bereichen dringend handeln. Daher soll das "Aktionsprogramm Insektenschutz" auf die zügige Umsetzung konkreter Maßnahmen zielen.

Dabei ist ganz klar, dass der Naturschutz alleine die Insekten nicht retten kann. Alle betroffenen Ressorts und viele andere Akteure, nicht nur die Landnutzer, müssen mitziehen.

Ich bin daher froh und dankbar über Ihre Initiative. Sie macht den Menschen bewusst, dass sie selbst ganz konkret etwas dazu beitragen können, das Sterben der Wildbienen und anderer Insekten zu stoppen. Und Wildbienenschutz bedeutet immer auch Naturschutz: Durch Ihre Arbeit schärfen Sie das Bewusstsein der Menschen für die enorme Bedeutung einer intakten und vielfältigen Natur und vermitteln Ihnen wie wichtig es ist, die biologische Vielfalt zu erhalten, auch durch eigenes Zutun.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihre Initiative noch viele Menschen für den Schutz von Wildbienen und der biologischen Vielfalt begeistern kann. Sie sorgen mit Ihrer Arbeit auch dafür, dass richtige und wichtige Impulse an Entscheidungsträger in Städten und Kommunen sowie in die Politik im Allgemeinen gelangen. Das wirkt!

Machen Sie bitte so weiter!

Vielen Dank!

02.05.2018 | Rede Naturschutz/Biologische Vielfalt | Berlin