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28.11.2018

Grußwort von Rita Schwarzelühr-Sutter zum Nationalen Forum für Fernerkundung und Copernicus 2018

28.11.2018 | Europa und Umwelt

4. Nationales Forum für Fernerkundung und Copernicus

Potential für Umweltmonitoring durch unkonventionelle Datenquellen groß

In ihrer Rede hebt Rita Schwarzelühr-Sutter die Bedeutung der Fernerkundung für die Umweltverwaltungen hervor. Der Ausbau der erforderlichen Infrastruktur sollte voran gebracht werden.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch im Namen des Bundesumweltministeriums heiße ich Sie zum "Nationalen Forum für Fernerkundung und Copernicus 2018" herzlich willkommen.

Es ist viel passiert seit dem letzten Forum. Der "Wächtersatellit" Sentinel 2 A, vorrangig für die Beobachtung der Landoberfläche zuständig, hat mit Sentinel 2 B ein "aufmerksames Geschwisterchen" bekommen. Gleiches gilt für Sentinel 3 A, der sich auf die Weltmeere konzentriert. In der Sentinel 5-Familie gab es ersten Nachwuchs mit dem Atmosphärensensor 5 P. Hier wie auch in der Sentinel 4- und 6-Familie arbeitet man an weiterem Nachwuchs ab 2020. Der Schwerpunkt wird auf der Beobachtung der Atmosphäre und der Ozeane liegen. Für die Umweltverwaltungen des Bundes der Länder und Kommunen erschließen sich damit ganz neue Möglichkeiten.

Wie gehen wir damit um? Als gute Eltern – Deutschland ist nur eines von vielen Elternteilen - haben wir natürlich Vorkehrungen für den Umgang mit dem "Nachwuchs" getroffen.

Die Copernicus-Strategie der Bundesregierung definiert einen Handlungsrahmen, innerhalb dessen Copernicus in die Fläche getragen werden soll. Ein Arbeitsprogramm hat die Beiträge der Ressorts hierzu gebündelt. Das Bundesumweltministerium war darin mit 14 Beiträgen deutlich vertreten. Und auch das Umweltbundesamt ist weiterhin ein wichtiger Akteur in unserem Geschäftsbereich.

Wir sehen auch eine Verknüpfung zur Digitalisierungsdebatte: In ihrer "Strategie künstliche Intelligenz" bekennt die Bundesregierung sich dazu, "die Zugänglichkeit von Erdbeobachtungsdaten mit leistungsfähigen Infrastrukturen konsequent voranzutreiben, um sie umfassend mit Verfahren der künstlichen Intelligenz analysieren und auswerten zu können."

Und auch auf europäischer und internationaler Ebene gibt es Bewegung: Die Europäische Kommission hat die Nutzung weltraumgestützter Aufklärungsdaten sowie die bessere Verwertung von Copernicus-Daten in ihre Programme zum Umweltdatenmeldewesen und zur besseren Umsetzung des europäischen Umweltrechts aufgenommen.

Auch auf internationaler Ebene nimmt das Thema an Fahrt auf: Anlässlich ihres Treffens im September in Halifax, Kanada, haben die Umweltminister der G7-Staaten auch darüber diskutiert, wie Küsten und ihre Bevölkerung flexibler und schneller auf Umweltveränderungen, Extremwetterereignisse und den Klimawandel reagieren können. Ergebnis war die Erklärung der Umweltminister "zur Zusammenarbeit bei der Fernerkundung und Nutzbarmachung der Daten für die Küstengebiete". Und noch ein wichtiges Zeichen: Bei der 4. UN-Umweltversammlung Anfang 2019 wollen die UN Mitgliedsstaaten die Etablierung von Umweltbeobachtungssystemen unter Einsatz der Satellitenfernerkundung als eine zukünftige Priorität beschließen.

Heute Abend treffen sich am Rande dieses Forums die Präsidenten und Präsidentinnen der Landesumweltämter, um die Chancen der Fernerkundung zu diskutieren. Das Bundesumweltministerium und sein Geschäftsbereich, vertreten durch das Umweltbundesamt, sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt unterstützen dieses Gespräch.

Warum sage ich das? Das Thema Fernerkundung und ihr Potenzial ist in den für Umweltbelange maßgeblichen Köpfen der Politik und Verwaltung angekommen – regional, national und international. Die seitdem geführten Diskussionen zeigen aber auch, dass die Operationalisierung von Methoden der Fernerkundung und die Nutzung ihrer Ergebnisse, das heißt ihre Überführung in den Dauereinsatz - zumindest in den Umweltverwaltungen - noch in ihren Kinderschuhen stecken. Vielfach fehlen eben die angesprochenen leistungsfähigen Infrastrukturen. Und hier meine ich Infrastruktur in einem sehr weitreichenden Sinne. Bestehend aus Organisationsstrukturen, fachlicher Expertise, finanziellen Mitteln, Hard- und Software, ebenso wie leistungsfähigen Datenübertragungsnetzen für Terabytes an Daten, wie sie von Erdbeobachtungssatelliten geliefert werden.

Je tiefer die Auseinandersetzung mit der Erdbeobachtung in die Verwaltungsebenen vordringt, desto weniger sind die Umweltbehörden für sich allein fähig, deren Potenziale zu nutzen. Ich bitte das nicht als Kritik zu verstehen, sondern als Motivation, nach gemeinsamen Wegen zu suchen, wie Copernicus dazu beitragen kann, unser Tagesgeschäft zu bereichern. Es muss darum gehen, Geschäftsprozesse zu beschleunigen und - wenn ich aus der Sicht der Umweltverwaltung spreche - die Qualität der Beobachtungsdaten mit Blick auf ihre Aktualität und Zuverlässigkeit zu verbessern. Lassen Sie mich an dieser Stelle einen Dank an das BMVI aussprechen, dass durch seine Förderprogramme Behörden die Möglichkeit eröffnet, sich den Zugang zur Erdbeobachtung zu erschließen. Das sind natürlich nur temporäre Anschubfinanzierungen.

Wo wir in der Umweltverwaltung bereits jetzt Anwendungsfälle sehen, darf ich Ihnen an zwei Beispielen aufzeigen:

Zum einen ist das die Überprüfung, ggf. auch Bedienung, von umweltbezogenen Indikatoren. Das ist zum Beispiel für die Umsetzung unserer Ziele in der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie von Relevanz – denken wir nur an das 30-Hektar-Ziel zum Flächenverbrauch. Daher untersucht zurzeit ein Projekt im Umweltbundesamt die Eignung der Satellitenfernerkundung für die Abbildung und Verifikation von Nachhaltigkeitsindikatoren, um so Daten- und Indikatorlücken zu schließen. Im Weiteren sollen Möglichkeiten der Übertragung der Ergebnisse für andere Zwecke wie zum Beispiel für das Monitoring des Klimaschutzplans 2050 geprüft werden.

Zum anderen ist das Thema Luftqualität in aller Munde. Mit dem Satelliten Sentinel 5 P stehen uns seit Oktober 2017 erstmals und räumlich hochaufgelöste Luftqualitätsdaten zur Verfügung –mit einer weltweiten Abdeckung. Vor allem über die Quellen von Luftschadstoffen lassen sich oftmals nur begrenzte Aussagen treffen. Wir untersuchen daher, ob die Daten von Sentinel 5-P zusammen mit anderen Datensätzen, wie solchen der Meteorologie oder Landnutzung, die Identifikation relevanter Schadstoffquellen deutlich besser als bisher ermöglichen.

In diesem Kontext setzen wir große Hoffnungen in die kommenden 4er und 5er Sentinel-Missionen, was Daten zum Beispiel zu Stickstoff- und Schwefeldioxid, Kohlenstoffmonoxid, Methan und Formaldehyd betrifft. Das wird unsere Luftmessstellen auf der Erde nicht überflüssig machen, aber die globale Perspektive der Satelliten wird die datenbasierte Faktenlage auch für politische Entscheidungsprozesse erweitern. Wir haben uns deshalb auch anlässlich des eingangs angesprochenen Umweltministergipfels der G7-Staaten deutlich für eine gegenseitige Nutzbarmachung von Fernerkundungsdaten ausgesprochen – hoffentlich sind die Küstenregionen hier ein erster Schritt.

Für die Eiskartierung und die ozeanographische Beobachtung nutzen wir übrigens bereits jetzt die Radardaten von Sentinel 1. Ab 2020 hoffen wir mit Sentinel 6 und den Möglichkeiten der kontinuierlichen, weltweiten Meereshöhenbestimmung den Küstenregionen ein weiteres zuverlässiges Prognoseinstrument verfügbar zu machen. Nicht zuletzt, um frühzeitig geeignete Maßnahmen entwickeln und in die Wege leiten zu können.

Sie sehen daran, wie wertvoll der Familienzuwachs in all seiner Vielfalt für uns ist und welche Perspektiven er eröffnet. Für die kommenden zwei Tage darf ich Ihnen wünschen, eine Vielzahl an Anregungen mit nach Hause zu nehmen, um diese Potenziale für ihre tägliche Arbeit zu nutzen und Kontakte für gemeinsame Lösungen zu knüpfen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

28.11.2018 | Rede Europa und Umwelt