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24.10.2018

Grußwort von Rita Schwarzelühr-Sutter zu 40 Jahre Blauer Engel

bildergalerie icon 24.10.2018 | Produkte und Konsum

40 Jahre Blauer Engel

40 Jahre Blauer Engel
Der Blaue Engel feiert im Oktober 2018 sein 40-jähriges Jubiläum. Am 24. Oktober fand eine Festveranstaltung in Berlin statt. Die Parlamentarische Staatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter eröffnete das Ereignis mit einem Grußwort

– Es gilt das gesprochene Wort –

Liebe Frau Rechenberg,
sehr geehrte Frau Prof. Müller,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus UBA und BMU,

im Namen des Bundesumweltministeriums begrüße ich Sie ganz herzlich in der bayerischen Landesvertretung. Bundesumweltministerin Svenja Schulze freut sich auch darauf, Sie alle morgen früh zur Eröffnung der "Global Ecolabelling Network Konferenz" begrüßen zu dürfen – übertreiben Sie es also nicht mit dem guten bayerischen Bier...

Wir haben heute Abend etwas zu feiern: Der Blaue Engel, das staatliche deutsche Typ 1 Umweltzeichen, wird 40 Jahre alt.

Deutschland war vor 40 Jahren noch ein geteiltes Land, Berlin war eine geteilte Stadt, dieses schöne Gebäude stand in Ost-Berlin.

In Westdeutschland war es die Zeit der Umweltbewegung, der großen gesellschaftspolitischen Umbrüche und Debatten: 1972 der "Club of Rome"-Bericht über die Grenzen des Wachstums, die aufkommende Anti-AKW-Bewegung. Der Umweltschutz war in der Bundesregierung damals noch in einer Abteilung im Bundesinnenministerium angesiedelt, denn mein Ministerium wurde erst 1986 – als Reaktion auf den Reaktorunfall von Tschernobyl – gegründet.

Wir haben im Vorfeld des 40jährigen Jubiläums Bilanz gezogen: Was hat der Blaue Engel bewirkt? Wo sind unsere Stärken – dabei immer mitbedenkend, dass wir ein freiwilliges Angebot machen an Unternehmen und die Konsumentinnen und Konsumenten.

Unser wertvollstes Gut sind die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Marke Blauer Engel. Heute Abend stehen die Menschen hinter dem Blauen Engel im Mittelpunkt: Durch jahrzehntelange wissenschaftliche Arbeit auf hohem Niveau durch das Umweltbundesamt ist die Glaubwürdigkeit des weltweiten ersten staatlichen Umweltzeichens hart erarbeitet worden. Dafür, liebe Frau Rechenberg, im Namen des Bundesumweltministeriums mein ganz herzlicher Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Umweltbundesamtes, von denen einige heute Abend auch hier sind.

Eine weitere Stärke des Blauen Engel ist seine Vorreiterrolle als freiwilliges Label, bevor eine gesetzliche Regelung beschlossen wird. Das ist kein Selbstläufer – kann aber immer dann gelingen, wenn für umweltrelevante Probleme möglichst zeitnah Vergabekriterien mit dem Blauen Engel entwickelt werden.

Wenn es dann Unternehmen gibt, die ihre Vorreiterrolle mit dem Blauen Engel am Markt kommunizieren, sind wir ein relevantes Zeichen, das die Kraft hat, eine signifikante Wirkung zu erzielen. Im heutigen Dschungel der Label, Siegel und Zeichen ist das schwieriger denn je. Vielfach wird viel versprochen, aber nichts gehalten! Der Blaue Engel ist anspruchsvoll und wir machen es unseren Zeichennehmern nicht immer leicht.

Deshalb gelten mein Dank und die Anerkennung des Bundeumweltministeriums heute Abend auch den anwesenden Vertreterinnen und Vertretern zahlreicher Unternehmen, die Blauer Engel Produkte in ihrem Portfolio haben.

Das ist keine Selbstverständlichkeit – auch der Blaue Engel hat Vergabekriterien für Produktgruppen, für die es keine Produkte am Markt gibt.

Das sehen wir aktuell bei Pedelecs / E-Bikes: Der Absatz wächst rasant, aber noch scheint die Problematik von minderwertigen oder nicht austauschbaren Akkus am Massenmarkt nicht kaufentscheidend zu sein. Die Vergabekriterien des Blauen Engel für Pedelecs hätten die passenden Antworten, aber kein Hersteller geht bisher mit.

Um das Ziel eines nachhaltigen Konsums und einer nachhaltigen Produktion zu erreichen, verfolgen wir in Deutschland und der Europäischen Union einen mehrgleisigen Weg: Für einige Produktgruppen legen wir gesetzliche Mindestanforderungen an die Gestaltung von Produkten fest. Bestes Beispiel ist die EU ÖKODESIGN-RICHTLINIE. Werden ihre Mindestanforderungen von Produkten nicht erfüllt, dürfen sie im europäischen Binnenmarkt nicht vermarktet werden. Ein ganz scharfes Schwert und zudem überaus erfolgreich!

Wenn es nach dem Umweltministerium ginge, wären noch einige weitergehende Anforderungen an Produkte im Rahmen der EU ÖKODESIGN-RICHTLINIE verbindlich geregelt.

Wann immer dafür das Bewusstsein und die Mehrheiten fehlen, brauchen wir freiwillige Umweltzeichen, die es fortschrittlichen Unternehmen ermöglichen, voran zu gehen.

Gleiches gilt für Verbraucherinnen und Verbraucher: Nachhaltiger Konsum wird erst durch eine glaubhafte Produktinformation am Point of Sale möglich. Das ist keine Frage der Bevormundung, sondern der Befähigung und der Teilhabe. Auf der morgigen Konferenz werden Sie unter anderem diskutieren, wie freiwillige Umweltzeichen am digitalen Point of Sale sichtbar bleiben können – und wie wir den Konsum 4.0 nachhaltig gestalten. Wie und wo wir unsere Themen einspeisen, wenn sich das Informations- und Kommunikationsverhalten der unter 30jährigen radikal ändert.

Lassen Sie mich abschließend sagen: Wir haben das erklärte Ziel, den Blauen Engel in seinem 5. Jahrzehnt stark an die nächste Generation weiterzugeben. Dafür wird hinter den Kulissen viel gearbeitet, viel geforscht und es ist auch viel Leidenschaft für die Sache im Spiel.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen und geselligen Abend und für die morgige Konferenz alles Gute!

Vielen Dank

24.10.2018 | Rede Produkte und Konsum | Berlin