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31.05.2021

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: "Wir brauchen ein Gesamt-Stickstoffziel für 2030"

Bei der digitalen, internationalen Stickstoffachkonferenz INI2021 hielt Bundesumweltministerin Svenja Schulze eine Rede. Deutschland unterstützt ehrgeizige Stickstoffminderungsziele auf globaler Ebene.

Stickstoffachkonferenz INI2021

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Raghuram und Herr Kanter,
sehr geehrte Frau Msuya, Frau Semedo, Frau Engleryd und Frau Makasa,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich, dass diese wichtige Konferenz digital realisiert werden kann. Gemeinsam mit vielen hochqualifizierten Expertinnen und Experten können Sie Lösungen für eines der großen globalen Umweltprobleme finden – die Stickstoffemissionen.

Wie beim Klimawandel und beim Verlust der biologischen Vielfalt überschreiten auch die Stickstoffemissionen die planetaren Grenzen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Fachkonferenz wissen das. Aber im öffentlichen Bewusstsein ist der Ernst der Lage nur unzureichend bekannt. Das muss sich schnell ändern, damit die Stickstoffeinträge signifikant gesenkt werden.

Die Botschaft, die von unserer Konferenz ausgeht, lautet: Stickstoff ist lebenswichtig für Pflanzen, Tiere und Menschen – aber zu viel reaktiver Stickstoff hat gravierende negative Folgen:

  • Artenschwund in Gebieten mit zu viel Nährstoffanreicherung,
  • sogenannte Todeszonen in überdüngten Meeren,
  • einen zusätzlichen Klimaeffekt durch Lachgasemissionen
  • aber auch steigende Trinkwasserpreise, weil die Entfernung des Nitrats kostenintensiv ist.

Zu viel Stickstoff führt zu ökologischen, ökonomischen und sozialen Verwerfungen. Diese will ich gemeinsam mit Ihnen verhindern.

Mehrere Bereiche tragen zum Stickstoffüberschuss bei: Landwirtschaft, Verkehr, Konsum und Industrie. Überall dort gilt es zu handeln, denn es geht um die Absenkung der Gesamtbelastung mit Stickstoff.

Genauso wie die Treibhausgasemissionen macht auch Stickstoff nicht an nationalen Grenzen halt. Es ist ein globales Problem, das gemeinsam gelöst werden muss:

  • weltweit,
  • auf EU-Ebene
  • und im nationalen Rahmen.

Deutschland ist sich der Herausforderung bewusst und unterstützt ehrgeizige Stickstoffminderungsziele auf internationaler Ebene, zum Beispiel:

  • den CBD Post-2020 Prozess,
  • die Umsetzung der EU-Farm-to-Fork-Strategie,
  • die Umsetzung des Zero Pollution Action Plans
  • und die Novellierung der EU-Luftqualitäts-Richtlinie.

In Deutschland haben wir schon viel erreicht und unsere jährlichen Gesamtemissionen deutlich gesenkt: Von 1995 bis 2010 um rund 40 Prozent. Also von 2,8 auf 1,6 Millionen Tonnen reaktiven Stickstoffs pro Jahr.

Für weitere deutliche Emissionsminderungen sorgen:

  • die novellierte Düngeverordnung,
  • das Klimaschutzgesetz
  • und das nationale Luftreinhalteprogramm.

Das wird weitgehende Folgen haben: Die Emissionen bis 2030 werden voraussichtlich um ein weiteres Drittel sinken.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Die dann noch verbleibenden eine Million Tonnen Stickstoff pro Jahr sind immer noch deutlich zu viel!

Das deutsche Bundesverfassungsgericht hat gerade in Bezug auf den Klimawandel angemahnt, planetare Grenzen ernst zu nehmen und die Verantwortung für globale Umweltprobleme nicht der nächsten Generation aufzubürden. Für die Belastung mit Stickstoff gilt das gleiche.

Für Deutschland heißt das: Wir brauchen ein Gesamt-Stickstoffziel für 2030.

Das Werkzeug dafür steht bereit:

  • Wir sind in der Lage die Stickstoffströme zu analysieren und
  • wir können den Effekt von Minderungsmaßnahmen umfassend bewerten.

Ich würde mich sehr freuen, wenn die Konferenz:

  1. zu mehr öffentlicher Aufmerksamkeit für die Stickstoffproblematik beiträgt,
  2. Wenn sie den Zusammenhang mit dem Klimaschutz deutlich macht
  3. und national und weltweit Akteure anspricht, damit die planetare Stickstoffgrenze wieder respektiert wird.

Ich bedanke mich und wünsche Ihnen eine erfolgreiche Tagung.

31.05.2021 | Rede Klimaschutz