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20.11.2019

Rede von Rita Schwarzelühr-Sutter beim StartGreen Award 2019

Preisträgerin und Preisträger mit Rita Schwarzelühr-Sutter
unterseite icon 21.11.2019 | Wirtschaft und Umwelt

StartGreen Award 2019 verliehen

StartGreen Award 2019 verliehen
Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesumweltministerium, hielt bei der Preisverleihung des Start Green Awards 2019 eine Rede. Der StartGreen Award ist der Preis für die grüne Gründerszene.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Fichter,
liebe Preisträgerinnen und Preisträger,
liebe Schülerinnen und Schüler,
liebe Jury-Mitglieder,
sehr verehrte Damen und Herren,

ich darf Sie heute herzlich zur Preisverleihung des StartGreen Awards 2019 im Bundesumweltministerium begrüßen. Der Award wird heute bereits zum fünften Mal in diesem Rahmen verliehen. Eine Tradition, die wir gern fortsetzen möchten.

Das Borderstep Institut gehört zu den weltweit ersten Forschungseinrichtungen, die sich systematisch mit der Gründung und Förderung von Startups im Bereich der Green Economy beschäftigt und ist ein wichtiger "Anwalt" für die bisher noch kleine, aber agile "GreenTech Szene". Die Schirmherrschaft für den Preis haben wir daher wieder gern übernommen. Mit dem heutigen Event möchten wir grüne Gründungsideen honorieren, die "grüne" Gründerszene stärken und vernetzen. Mit dem Preis zeichnen wir Pioniere aus, die für die anstehende Transformation unserer Wirtschaft eine Schlüsselrolle spielen.

Wir erleben gerade eine Zeit des Umbruchs: Nach dem international verbindlichen Pariser Abkommen haben wir nun mit dem deutschen Klimaschutzgesetz auch national einen verbindlichen Rahmen gesetzt: In drei Jahrzehnten soll unsere Volkswirtschaft ohne CO2 auskommen – ein Ziel, das diesen Umbruch konkret manifestiert.

Zeiten des Umbruchs sind aber auch immer positive Zeiten für Neues: Neue Geschäftsmodelle, neue Impulse, Ideen und Anregungen ersetzen alten Strukturen. Neue Formen der Wertschöpfung verändern unsere Gesellschaft nachhaltig und bieten Chancen – nicht nur für ökonomischen, sondern auch für ökologischen und sozialen Fortschritt. Mit ihren Konzepten und Ideen bringen junge und dynamische Unternehmen notwendige Innovationen entscheidend voran.

Eins ist sicher: Die Nachfrage nach Umwelttechnologien werden die Märkte der Zukunft bestimmen. Schon jetzt wächst der weltweite GreenTech-Markt rasant. Im zuletzt erscheinenden GreenTech Atlas des Bundesumweltministeriums prognostiziert Roland Berger, dass sich das weltweite Marktvolumen der Umwelttechnik und Ressourceneffizienz von mehr als 3.200 Milliarden Euro im Jahr 2016 bis 2025 voraussichtlich auf über 5.900 Milliarden Euro erhöhen wird.

Wer auf diesen Märkten mithalten will, muss viele Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsnetzwerke neu durchdenken; mit punktuellen Optimierungen erreichen wir die Lösungen der Zukunft nicht mehr. Hier brauchen wir nachhaltige Unternehmen, auch Startups: Rund zwei Drittel aller "grünen" Grundlageninnovationen gehen auf Gründerunternehmen zurück. Um Ihnen ein Beispiel zu nennen: Ohne die einschlägigen grünen Gründungen wäre der Sektor der regenerativen Energien bei der Stromerzeugung so nicht entstanden! Aber auch die Bereiche Kreislaufwirtschaft oder nachhaltige Landwirtschaft werden von Startups neu gedacht. Eine Vielzahl der diesjährigen Bewerbungen für diesen Award stammt aus diesen Branchen.

Aber nicht nur die GreenTech-Branche stützt ihr Geschäftsmodell auf den Aspekt der Nachhaltigkeit. Das zeigen die jüngsten Ergebnisse des vor zwei Wochen erschienenen Deutschen Startups Monitors, an dem über 1.900 Startups aus allen Branchen mitgewirkt haben.

  • Digitale Geschäftsmodelle sind nach wie vor das wichtigste Gründungsumfeld der deutschen Startups und werden immer stärker von innovativen Schlüsseltechnologien, wie zum Beispiel Künstlicher Intelligenz beeinflusst.
  • Aber auch das Thema Nachhaltigkeit gewinnt weiter an Bedeutung: Bereits über 36 Prozent der Startups ordnen sich der Green Economy und/oder dem Bereich Social Entrepreneurship zu – und damit nochmal deutlich mehr als im Vorjahr.
  • Zu den Top drei Erwartungen an die Politik kommt neben dem Bürokratieabbau und einer besseren Unterstützung bei der Kapitalbeschaffung der Einsatz für Umweltschutz und gesellschaftliche Nachhaltigkeit hinzu. Innovative Unternehmen sind also ein wichtiger Träger im Transformationsprozess hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft.

Passende Rahmenbedingungen, die Kapitalbeschaffung in Verbindung mit der entscheidenden Unterstützung beim Thema Nachhaltigkeit – bei diesen Herausforderungen möchten wir die deutsche Startup-Branche unterstützen:

Zusammen mit der KfW und der Europäischen Investmentbank haben wir als Bundesregierung bereits eine breite Förderlandschaft für Startups ins Leben gerufen. Um das Gründungsfördersystem weiter an den prioritären Zukunftsaufgaben zu orientieren, arbeitet unser Haus zusammen mit dem Borderstep Institut, dem Bundesverband Deutsche Startups und der Uni Oldenburg zurzeit am Forschungsvorhaben "Nachhaltig gründen: Sustainability als Erfolgsfaktor für alle Startups". Ziel ist es, Starthilfen explizit für grüne Gründungen bereitzustellen, um somit frühzeitig die Integration von Nachhaltigkeit in Geschäftsmodellen voranzutreiben.

Doch auch von der Privatwirtschaft muss hier Unterstützung kommen: So sollen Finanzmarktakteure bei ihren Entscheidungen vermehrt Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen, so dass mehr Investitionen in nachhaltige Technologien, Produkte und Dienstleistungen angekurbelt werden. Dies ist nicht nur Thema innerhalb der Bundesregierung, sondern auch auf EU-Ebene, das zurzeit intensiv diskutiert wird.

Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang noch kurz auf einen wichtigen Aspekt eingehen. Die "junge" Startup-Szene profitiert in hohem Maße von einer starken Europäischen Union. Mit nachhaltigen, grundlegend neuen Lösungen haben Deutschland und Europa großes Potenzial entstehende Märkte für sich zu erschließen. Hier stimmt mich besonders optimistisch, dass sich grüne Startups in besonderem Maße für die Internationalisierung interessieren, so zeigen es die Ergebnisse des letzte Green Startup Monitors.

Auch in diesem Jahr haben uns wieder eine Vielzahl an Bewerbungen erreicht und der Jury ist die Auswahl bestimmt nicht leichtgefallen.

Die heutigen Preisträgerinnen und Presiträger leisten einen wesentlichen Beitrag zum Fortschritt in unserem Land. Sie beweisen, dass es möglich ist, Verantwortung für die ökologischen Wirkungen des eigenen Handelns zu übernehmen und das gesellschaftliche Bewusstsein dafür zu sensibilisieren.

Wir hatten gerade den dreißigsten Jahrestag des Mauerfalls und noch vor wenigen Wochen haben wir hier vor dem Haus mit den Friday's for Future Schülern diskutiert. Euch, den Schülerinnen und Schülern rufe ich deshalb zu: Protest verändert die Welt – nachhaltige Geschäftsmodelle und Ideen aber auch. Ich freue mich deshalb sehr, wenn wir auch engagierte junge Leute auszeichnen können, die nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern die Welt verändern wollen. Toll, dass Ihr da seid!

Und nun freue ich mich auf die Preisverleihung.

Vielen Dank.

20.11.2019 | Rede Wirtschaft und Umwelt | Berlin